Finanz-Crash: 18 Hinweise, dass Europa die Weltwirtschaft in den Abgrund reißen wird

Michael Snyder, The Economic Collapse, 03.09.2012

Die Sommerferien sind vorbei und die Lage in Europa scheint jetzt wieder interessanter zu werden. Was die meisten Amerikaner nicht wissen, ist, dass ein Großteil Europas praktisch den gesamten Monat August die Läden dicht macht. Ich wünschte, so etwas gäbe es auch in den Vereinigten Staaten.

Jetzt kehren jedoch Millionen Europäer aus ihren Familienurlauben zurück, was heißt, dass der Spaß nun wieder richtig losgeht. Im August hatte sich die wirtschaftliche Lage in Europa weiter verschlechtert, aber ich konnte mir schon denken, dass die Krise erst im September wieder ins Rampenlicht zurückkehren würde. Und wie ich letzte Woche schrieb, ist es so, dass eine Finanzpanik, sollte es dazu kommen, in der Regel im Herbst ausbricht.

Während der Sommermonate haben die Aktienmärkte eine nette Rally hingelegt und viele Investoren sind jetzt nervös und befürchten, dass es schon bald zu einer bedeutenden „Korrektur“ kommen könnte. In den vergangenen 50 Jahren war der September für die Aktienmärkte der mit Abstand schrecklichste Monat, ja selbst die letzten 100 Jahre war der September der schlimmste Monat, was die Performance an den Aktienmärkten anbelangt.

Das ist nun natürlich keine Garantie dafür, dass dieses Jahr irgendetwas passieren wird. Fakt ist aber, dass sich die Lage in Europa immer weiter zuspitzt. Die Arbeitslosigkeit steigt rapide, die Aktivitäten in der Fertigungsbranche schwächen sich ab, die Immobilienpreise brechen ein und bedeutende Finanzinstitutionen rutschen derweil in die Pleite ab.

Was sich zurzeit in Europa abspielt, scheint sogar eine noch schlimmere Version der Ereignisse zu sein, mit der die USA in 2008 zu kämpfen hatten.

Die meisten Amerikaner scheren sich überhaupt nicht darum, was sich in Europa zurzeit abspielt. Ja die meisten Amerikaner sind sogar der Auffassung, dass ein Finanzzusammenbruch in Europa für die USA überhaupt kein Problem darstellen würde.

Wir sollten uns vielleicht noch einmal kurz an die Ereignisse des Jahres 2008 zurückerinnern. Damals begann das US-Finanzsystem damit auseinanderzubrechen, was zu einer verheerenden weltweiten Rezession führte, die in jedem Winkel des Planeten zu spüren war.

Und sollte das europäische Finanzsystem implodieren, werden die Folgen sogar noch schlimmer ausfallen. Warum? Europa verfügt über eine größere Bevölkerung als die Vereinigten Staaten. Europa hat eine größere Wirtschaft als die Vereinigten Staaten. Und Europa hat ein bedeutend größeres Bankensystem als die Vereinigten Staaten.

Sollte es in Europa zu einem Finanzkollaps kommen, werden die Auswirkungen auf dem gesamten Planeten zu spüren sein. Und hier sollte man auch im Hinterkopf behalten, in welch labilem Zustand die US-Wirtschaft zurzeit bereits ist – da braucht es nicht mehr viel, um sie in den Abgrund zu reißen.

Die Ereignisse, die sich in Europa gegenwärtig abspielen, sind also eine große Sache, der man entsprechend Aufmerksamkeit zollen sollte.

Im Folgenden finden Sie 18 Hinweise, dass sich Europa in ein wirtschaftliches schwarzes Loch verwandelt hat, das der Weltwirtschaft den Garaus machen wird:

1. Die Arbeitslosenrate Frankreichs ist auf 10% gestiegen, und die französischen Medien sind nun in heller Aufregung, weil die Zahl der Arbeitslosen die Marke von 3 Millionen erreicht hat.

2. Die französische Regierung hat vor wenigen Tagen verkündet, dass sie den zweitgrößten Hypothekengeber des Landes verstaatlichen wird. Weitere Rettungspakete sind wahrscheinlich.

3. Der französische Autohersteller PSA Peugeot Citroen gab gekannt, dass er mehr als 10.000 Stellen streichen will. Diese Meldung ist aber eigentlich nichts Besonderes mehr, da in Europa mittlerweile fast jeden Tag massive Stellenstreichungen angekündigt werden.

4. Die Eigenheimpreise in Frankreich brechen rapide ein, und die diesjährigen Wahlen, die dem Land einen sozialistischen Präsidenten bescherten, haben am französischen Eigenheimmarkt zu einer kleinen Panik geführt. Die britische Zeitung Daily Mail meldete dazu:

„Briten mit Eigenheimen in Frankreich warnten heute davor, dass sich der Immobilienmarkt ´im freien Fall` befände. Eine Kombination aus Faktoren, zu denen auch die Wahl sowie die Steuer- und Ausgabenpolitik der sozialistischen Regierung gehören, sorgt dafür, dass die Preise einbrechen. Das bedeutet ein Ende der Boom-Jahre, wo tausende Briten ihr Geld in französische Mietobjekte oder Ruhestandsimmobilien investierten.“

5. In Spanien findet gerade ein massiver Bank-Run statt. Der Geldbetrag, der gegenwärtig aus dem spanischen Bankensystem abgezogen wird, ist einfach nur beispiellos. Das Folgende stammt aus einem am Sonntag veröffentlichten Artikel des Finanzblogs Zero Hedge:

„Die spanische Zentralbank hat jetzt ihre aktuellen Daten zu den Kapitalabflüssen veröffentlicht – und diese Daten sind katastrophal. Allein im Juni dieses Jahres wurden aus den spanischen Banken USD 70,9 Milliarden abgezogen, und der Juli war mit Kapitalabflüssen in Höhe von USD 92,88 Milliarden, was 4,7% aller spanischen Bankeinlagen entspricht, sogar noch schlimmer.

In den ersten sieben Monaten dieses Jahres sind somit bereits bis zu USD 368,8 Milliarden oder 17,7% aller spanischen Bankeinlagen abgezogen wurden – und der Trend bei den Kapitalabflüssen beschleunigt sich dramatisch. Die Realität ist und bleibt die Realität: Spanien erlebt gerade einen vollumfänglichen Bank-Run, ganz egal, ob Europa dies nun einräumen will oder nicht.“

Sollte das Kapital weiterhin in dieser Geschwindigkeit flüchten, werden bis Ende dieses Jahres über USD 600 Milliarden aus dem spanischen Bankensystem abgeflossen sein. Hier sollte man immer im Hinterkopf behalten, dass das spanische Bruttosozialprodukt in 2011 gerade einmal bei USD 1,49 Billionen lag.

Das heißt, dass bis Ende des Jahres ein Betrag, der über 40% des spanischen BSPs entspricht, aus den spanischen Banken abgezogen und ins Ausland transferiert werden könnte. Und falls Sie sich fragen sollten, was das alles zu bedeuten hat – ja richtig, das ist ein absolutes Albtraum-Szenario!

6. Die spanische Arbeitslosenrate liegt bei über 25%. Die spanische Jugendarbeitslosigkeit liegt bei weit über 50%. Spanien ist ein Pulverfass, das jederzeit hochgehen kann.

7. Die Rendite für 10-jährige spanische Staatsanleihen liegt zurzeit bei 6,85%. Das ist ein völlig unhaltbares Zinsniveau, und sollten die Renditen für spanische Schulden nicht bald wieder fallen, wird Spanien ganz zwangsläufig wie Griechenland enden.

8. Am Montag wurde bekanntgegeben, dass der spanische Bankengigant „Bankia“ eine weitere Not-„Geldspritze“ in Höhe von EUR 4 Milliarden bis EUR 5 Milliarden erhalten wird. „Geldspritze“ hört sich für die Politiker offenkundig besser an als „Rettungspaket“.

9. Der Zusammenbruch des spanischen Immobilienmarkts setzt sich weiter fort und wird zusehends schlimmer. Wie gemeldet wurde, werden einige Eigenheime in Spanien im Vergleich zu den Höchstpreisen des Markts in 2006 bereits mit Abschlägen von 70% verkauft. Zurzeit stehen in Spanien rund 2 Millionen Wohnungen und Eigenheime zum Verkauf.

10. Es gibt anhaltende Gerüchte darüber, dass sich die spanische Regierung schon bald gezwungen sehen wird, bei den anderen europäischen Ländern offiziell um ein Rettungspaket zu bitten. Doch wer soll Spanien retten? Die meisten anderen Regierungen der Eurozone stehen selbst am Rande des Bankrotts.

11. Die Aktivitäten im europäischen Fertigungsbereich haben sich merklich eingetrübt – die Abschwächung hat sich schon bis nach Kerneuropa durchgefressen. Der Markit Einkaufsmangerindex für den Fertigungsbereich lag im August bei 45,1 Punkten und wies somit den 13. Monat in Folge einen Rückgang aus.

12. Die chinesischen Exporte in die Eurozone sind im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 16,2% zurückgegangen. Und die US-Exporte nach Europa gehen ebenfalls kontinuierlich zurück.

13. Slowenien und Zypern sind zwei weitere Euroländer, die dringend auf Rettungsgelder der anderen EU-Länder warten. In Europa kippt ein Dominostein nach dem anderen, aber niemand scheint in der Lage zu sein, mit irgendeinem Plan aufzuwarten, um die Probleme in Europa wieder unter Kontrolle zu bekommen.

14. Ja selbst die starken Wirtschaften Europas werden mit nach unten gezogen. Beispielsweise ist die Arbeitslosigkeit in Deutschland bereits den fünften Monat in Folge gestiegen.

15. Laut einer jüngst veröffentlichten Umfrage, sind nur 20% der Deutschen der Meinung, dass Griechenland weiter in der Eurozone verbleiben sollte. Die Wahrscheinlichkeit eines Auseinanderbrechens des Euros scheint Tag für Tag weiter zuzunehmen.

16. Laut aktuellen Schätzungen beläuft sich die Zahl der faulen Kredite im griechischen Bankensystem auf rund 20%.

17. Die Selbstmordrate Griechenlands ist gegenüber 2011 um 30% gestiegen. Die Menschen agieren immer hoffnungsloser, und ein Ende der wirtschaftlichen Depression, die die Griechen zurzeit durchmachen, ist nicht abzusehen.

18. Die großen US-amerikanischen Unternehmen bereiten sich zurzeit intensiv darauf vor, dass Griechenland aus dem Euro austritt. Das Folgende stammt aus einem kürzlich veröffentlichten Artikel der New York Times:

„Und obwohl Griechenland verzweifelt versucht, eine Zahlungsunfähigkeit bei seinen Schulden zu vermeiden, bereiten sich amerikanische Firmen gegenwärtig auf das einst Undenkbare vor; das Griechenland schon bald gezwungen sein könnte, den Euroraum zu verlassen.

Bank of America Merill Lynch hat bereits in Erwägung gezogen, Laster mit Bargeld zu beladen und diese über die griechische Grenze zu bringen, damit die Bankkunden ihre Arbeitnehmer und Versorger vor Ort auch dann bezahlen können, wenn kein Geld mehr zur Verfügung steht. Ford hat seine Computersysteme so umgestellt, dass die Firma in der Lage ist, umgehend mit einer neuen griechischen Währung zurechtzukommen.“

Jedes Mal, wenn sich die politischen Führer Europas treffen, verkünden sie, dass sie „einen Plan“ haben, um die Probleme, die Europa zurzeit erlebt, zu lösen – doch wir haben ja bereits gesehen, dass sich die Lage Europas ungeachtet dieser Verlautbarungen immer weiter verschlechtert und bei dieser Entwicklung auch kein Ende in Sicht ist.

Mitte September steht ein wichtiger Termin an. Am 12.09.2012 wird das deutsche Bundesverfassungsgericht über das Schicksal des jüngsten Fiskalpakts und des Europäischen Stabilitätsmechanismus entscheiden.

Laut Erik Nielsen, dem Chef-Volkswirt von UniCredit, hätte es katastrophale Konsequenzen, sollte das Gericht den Fiskalpakt und den ESM für verfassungswidrig erklären: „Sollten sie uns überraschen, indem sie die deutsche Beteiligung vom Tisch wischen, würde ich davon ausgehen, dass es an den Märkten ein entsetzliches Blutbad geben wird.“

Aber das ist ja nicht das Einzige, was zu einer vollumfänglichen Marktpanik führen könnte. Die Wahrheit ist, dass Europa am Rande des Abgrunds steht. Nur ein falscher Schritt und alles wäre wieder genauso wie 1929.

Ich habe immer wieder darauf hingewiesen, dass die nächste Welle des wirtschaftlichen Zusammenbruchs immer schneller auf uns zukommt und das Epizentrum der Krise in Europa sein wird.

Aber das bedeutet noch lange nicht, dass die Situation für die Vereinigten Staaten leichter werden würde als das letzte Mal. Die US-Wirtschaft hat sich ja noch nicht einmal ansatzweise von der letzten Rezession erholen können. Die meisten amerikanischen Familien kommen gerade so über die Runden. Fakt ist, dass 77% aller amerikanischen Familien zumindest zeitweise von Gehaltsscheck zu Gehaltsscheck leben.

In den vergangenen paar Jahren haben bereits Millionen US-Bürger ihre Arbeit und ihre Eigenheime verloren. Diese Menschen haben das Gefühl, dass sie von der Gesellschaft abgeschrieben worden sind. Wenn die nächste Krisenwelle aufschlägt, werden zig Millionen Amerikaner die Folgen der Wirtschaftsdepression zu spüren bekommen. Die letzte Welle des wirtschaftlichen Zusammenbruchs hat uns bereits wehgetan, doch die nächste Welle wird für die USA einfach nur verheerend sein.

Sie sollten die Ereignisse in Europa genau im Auge behalten. Was sich zurzeit in Griechenland, Spanien, Italien und Frankreich abspielt, dürfte früh genug bei uns aufschlagen.

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