QE3: Geld- und Wirtschaftsvernichtung geht in neue Runde

Peter Schiff, Europac.net, 14.09.2012

Mit der Entscheidung der US-Notenbank Federal Reserve und der Pressekonferenz am 13.09.2012 hat der Fed-Vorsitzende Ben Bernanke seine Karten endgültig und entschieden auf den Tisch gelegt. Und er hat damit bestätigt, was ich über all die Jahre hinweg gesagt habe: Alles, was Beranke für uns bereithält, sind noch mehr derselben alten wirkungslosen Heilmittel und noch mehr Geschwurbel.

Am Donnerstag ging er jedoch noch weiter als jemals zuvor und machte deutlich, dass die US-Notenbank die amerikanische Wirtschaft jetzt permanent an eine Verliererstrategie binden wird. Im Ergebnis könnte der 13.09.2012 vielleicht sogar als der Tag in die Geschichtsbücher eingehen, an dem Amerika wirtschaftlich das Handtuch geworfen hat.

Was die Fed plant: Den Aufkauf von Eigenheimhypotheken im Wert von hunderten Milliarden US-Dollars, um die Hypothekenzinsen zu drücken und die Eigenheimpreise steigen zu lassen. Dies soll die Menschen dazu ermutigen, Eigenheime zu bauen und zu kaufen und das durch die steigenden Immobilienpreise neu hinzugewonnene Kapital abzuziehen, um es für Konsumgüter auszugeben. Ferner hofft die US-Notenbank darauf, dass das ultrabillige Geld zu einem Anstieg der Aktienpreise führt, damit sich Wall Street und die Aktieninvestoren vermögender fühlen und wieder damit beginnen, mehr Geld auszugeben.

Bernanke wird dies natürlich nicht offen eingestehen, aber anstatt die Wirtschaft mithilfe erhöhter Produktivität und Kapitalakkumulation aufzubauen, versucht er es lieber mit vertrauensbildenden Maßnahmen, einer erhöhten Verschuldung und steigenden Vermögenspreisen. Mit anderen Worten: Die US-Notenbank zieht die Illusion von Wirtschaftswachstum der für echtes Wachstum notwendigen Wirtschaftsrestrukturierung vor.

Das Problem, das weder von den auf der Pressekonferenz anwesenden Reportern noch in den im Nachgang verfassten Artikeln aufgegriffen wurde, ist, dass wir diese Strategie ja bereits probiert haben und sie in einer Katastrophe endete.

Die lockere Geldpolitik hat die Eigenheimblase und die Aktienmarktblase des letzten Jahrzehnts – deren Platzen beinahe zur Vernichtung der Wirtschaft geführt hätte – ja erst ins Leben gerufen. Offensichtlich scheint „beinahe“ für Bernanke und Konsorten aber nicht gut genug zu sein. Sie versuchen abermals, den Job zu erledigen, doch dieses Mal holen sie dafür die richtig großen Kanonen raus. Nicht nur, dass sie die Hypothekenzinsen auf historische Tiefststände drücken – nein, sie kaufen die Kredite auch noch allesamt auf!

In 2011 leitete die US-Notenbank die sogenannte „Operation Twist“ ein, die darauf abzielte, die Zinssätze für langlaufende US-Staatsanleihen zu senken und die Renditekurve abzuflachen. Und während diese Maßnahme der Wirtschaft keinerlei reale Vorteile verschafft , wurden die US-Steuerzahler und die Halter von in Dollar denominierten Vermögenswerten den Gefahren der Laufzeitverkürzung von USD 16 Billion an ausstehenden Staatsschulden ausgesetzt.

Eine derartige Neupositionierung sorgt dafür, dass das US-Finanzministerium im Falle von Zinsanstiegen bedeutend schneller und schmerzlicher getroffen werden wird. Die am Donnerstag bekanntgegebenen Maßnahmen werden aber wesentlich mehr Schaden anrichten als „Operation Twist“ und sollten daher eigentlich „Operation Abgezockt“ genannt werden.

Sie sollten sich hier besser nichts vormachen: Jeder, der US-Dollars oder US-Staatsanleihen hält oder auf festverzinsliche Anlagen angewiesen ist, wird dank dieser Maßnahmen um seine Kaufkraft gebracht werden.

Die früheren Injektionen quantitativer Lockerung waren im Grunde wirkungslos. Sie haben weder die US-Wirtschaft wiederbelebt noch die USA auf den Weg in Richtung einer echten Wirtschaftserholung geführt. Die USA sind jetzt noch stärker verschuldet und haben noch mehr Arbeitslose und schwerwiegendere finanzpolitische Probleme, als zu dem Zeitpunkt, wo die Fed diesen Weg noch nicht eingeschlagen hatte.

All die Befürworter dieser geldpolitischen Konjunkturmaßnahmen können jetzt natürlich behaupten, dass die Lage ohne die Interventionen schlimmer gewesen wäre. Und obwohl sich kontrafaktische Argumente in der Tat nur sehr schwer beweisen lassen, bestehen meines Erachtens kaum Zweifel daran, dass die Situation kurzfristig tatsächlich schlimmer geworden wäre, wenn wir es einfach zugelassen hätten, dass sich die Ungleichgewichte der alten Wirtschaft von allein wieder abbauen.

Im Gegenzug für diese Schmerzen wären die USA nach meinem Dafürhalten aber auch wieder auf den Weg in Richtung einer realen Wirtschaftserholung gelangt. Stattdessen verfügen die USA heute über ein künstlich aufrechterhaltenes Kreditaufnahme-Ausgaben-Modell, das das Land von einer soliden Basis nur noch weiter entfernt.

Die Abkürzung für quantitative Lockerung – QE – hatte bei vielen für Assoziationen mit den berühmten Queen Elizabeth Kreuzfahrtschiffen gesorgt. Die Maßnahmen der Fed wurden mit gigantischen Schiffen verglichen, die aufgeladen werden und dann in See stechen. Doch legt man die jüngsten Pläne der Fed zugrunde, dann trifft auch diese Analogie nicht mehr länger zu. Da die neuen Aufkäufe zeitlich unbefristet sind, sind sie wohl eher mit einem unaufhörlich laufenden Transportband zu vergleichen, dass in der Wirtschaft billiges Geld ablädt. Die einzige Variable ist, wie schnell sich das Transportband bewegt.

Zum Glück werden den Märkten die Grenzen des einzigen geldpolitischen Werkzeugs, das die Fed besitzt, gegenwärtig aber immer bewusster. Wenn wir bei der Seefahrts-Metapher bleiben wollen, dann ist QE3 bereits untergegangen, noch bevor es den Hafen überhaupt verlassen hat.

Obschon die Maßnahme ausdrücklich darauf abzielt, die langfristigen Zinssätze zu senken, schossen genau diese Zinssätze umgehend nach der Ankündigung bedeutend in die Höhe. Die Trader sind sich natürlich im Klaren darüber, dass die Erklärung, unbefristet Anleihen kaufen zu wollen, eine höhere Inflation bedeutet und die Dollarschwäche aller Vorausschau nach alle nominellen Zugewinne bei den Anleihen selbst zunichte machen wird. Dieser Punkt wird noch dadurch unterstrichen, dass die Erklärung der Fed überdies zu einem drastischen Abverkauf von US-Staatsanleihen und des Dollars führte und bei den Rohstoffen, speziell bei Edelmetallen, für eine starke Rally sorgte.

Angesichts der Tatsache, dass die Renditen für US-Staatsanleihen mit 30-jähriger Laufzeit heute bereits auf Rekordtiefstständen notieren, kann kaum davon ausgegangen werden, dass der neue Plan der US-Notenbank dafür sorgen wird, dass sie noch weiter sinken, speziell wenn man bedenkt, zu welchen Aufwärtsschüben es umgehend nach der Erklärung bereits gekommen ist.

Stattdessen wird Bernanke wahrscheinlich versuchen, bei den Eigenheimbesitzern das Vertrauen zu schaffen, das notwendig ist, damit sie ihre festverzinslichen Hypotheken in variabelverzinsliche und günstigere Kredite eintauschen, wodurch für die Verbraucher mehr Geld frei würde. Er hofft darauf, dass die Eigenheimbesitzer ihre eigene Twist-Operation durchführen. Sollte er damit Erfolg haben, werden künftig noch mehr Eigenheimbesitzer dem Risiko steigender Zinssätze ausgesetzt sein, was die Fähigkeit der Fed, die Zinsen zu erhöhen, um Preissteigerungen zu bekämpfen, nur noch stärker einschränken wird.

Das Ziel dieses Plans ist, die Kaufkraft der Verbraucher zu erhöhen, indem man ihre Eigenheim- und Aktienpreise steigen lässt. Es scheint jedoch niemand die Möglichkeit in Erwägung zu ziehen, dass ein unbefristetes QE aber auch dabei scheitern könnte, die Anleihen-, Aktien- oder Eigenheimpreise steigen zu lassen, und die Gelder stattdessen direkt in Nahrungsmittel, Energie und andere essentielle Konsumgüter gehen. Sollte das passieren, werden die Konsumenten aufgrund von Bernankes Maßnahmen künftig über weniger Kaufkraft verfügen, nicht über mehr.

Die Entscheidung der Fed kommt genau zu dem Zeitpunkt, wo Europa endgültig in den Krisenmodus übergeht. Und obwohl ich nicht der Meinung bin, dass die angekündigten Maßnahmen der Europäischen Zentralbank, noch mehr Staatsanleihen notleidender EU-Mitgliedsländer zu stützen, langfristig sonderlich gut funktionieren werden, werden dieser Geldpolitik von deutscher Seite wenigstens ein paar Beschränkungen auferlegt. Im Ergebnis könnte es daher durch aus sein, dass sich die Währungshändler nun eher auf die armseligen Fundamentaldaten des US-Dollar konzentrieren werden, anstatt auf die Möglichkeit eines Auseinanderbrechens des Euros.

Die Auswirkungen für amerikanische Investoren dürften unterdessen klar sein: Die Fed wird versuchen, mithilfe der Währungsentwertung eine Wirtschaftserholung herbeizuzaubern – und von diesem Kurs wird sie nichts und niemand abringen. Und sollte die US-Wirtschaft auf die Droge nicht reagieren, wird Bernanke die Dosis einfach erhöhen.

In Wirklichkeit ist Beranke sogar so stark davon überzeugt, dass die USA auch in Zukunft auf quantitative Lockerung angewiesen sein werden, dass er ausdrücklich erwähnte, die Geldschleusen selbst dann nicht zu schließen, wenn sich die Lage in nennenswertem Umfang verbessert. Mit anderen Worten: Der Dollar ist erledigt.

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