Goldbullenmarkt: Jetzt ist Geduld gefragt

Richard Russel, King World News, 08.10.2012

Ehrlich gesagt kann ich mich nicht daran erinnern, dass wir jemals mit einer derart schrägen Situation zu tun hatten wie heute. Ja es ist komisch: Wir warten auf neue Hochs bei den Aktienindizes und zur selben Zeit warten wir darauf, dass Gold die Marke von USD 1.800 pro Unze durchbricht.

Seien wir ehrlich: Was würden wir mit unserem Gold machen, wenn der Goldpreis auf USD 1.800 pro Unze und später über die Marke von USD 2.000 pro Unze steigen würde? Ich würde mit meinem physischen Gold überhaupt nichts machen, genausowenig wie ich etwas mit meinem Haus tun würde, nur weil sich der Immobilienmarkt aufheizt und mein Haus plötzlich mehr wert ist.

Ja und wofür würde ich mein Gold dann verkaufen? Für Dollars, Euros oder Renminbis? Oder gegen einen Ferrari eintauschen? Nein danke, wenn man physisches Gold besitzt, sollte man es auf keinen Fall anrühren! Man sollte es halten und es sich für schlechte Zeiten aufsparen. Wenn die Wirtschaft einbricht und der US-Dollar kollabiert, werden Sie froh sein, dass Sie etwas Werthaltiges besitzen. Geduld, Geduld und nochmals Geduld – das ist die richtige Einstellung.

Gold … marschiert weiter seine blaue Trendlinie entlang. Die gleitenden Durchschnitte zeigen ein „goldenes Kreuz“. Sicher, Gold ist zurzeit überkauft, aber wir wollen mal sehen, ob es sich über der aufsteigenden Trendlinie halten kann. Das steigende Handelsvolumen hat sich am Freitag in Richtung neuer Hochs aufgemacht. Ich warte immer noch geduldig auf die Marke von USD 1.800 pro Unze.

Die Fakten: Nehmen wir einmal an, die USA würden sich dazu entschließen, ihre wachsenden Schulden allein über Haushaltseinschnitte zu stabilisieren – dafür müssten 31% aller Staatsausgaben gestrichen werden.

Aber nehmen wir einmal an, die USA würden sich dazu entschließen, die wachsenden Schulden allein über Steuererhöhungen zu stabilisieren – dafür müssten die Steuern um unmögliche 46% erhöht werden.

Beide Lösungen würden die USA zugrunde richten. Deshalb wird keine dieser beiden Lösungen zur Debatte stehen. Vielleicht wird man ja eine Kombination aus beiden versuchen.

Aber halt, nehmen wir mal an, es gibt keine politische oder vernünftige Antwort, wie das Problem der zunehmenden Staatsverschuldung und sich auftürmenden Haushaltsdefizite gelöst werden kann, ja was dann? Halt, da gibt es ja noch eine Antwort, und es ist die Antwort, die die US-Regierung auf alle Fälle versuchen wird. Diese Antwort ist, zu versuchen, sich aus dem Schuldenproblem herauszudrucken. Die US-Regierung wird auf alle Fälle versuchen, sich aus den zunehmenden Problemen herauszudrucken.

Das größte Problem in den USA sind die staatlichen Krankenkassenleistungen. Bis zum Jahr 2050 werden die staatlichen Krankenkassenleistungen rund 14% des gesamten US-Bruttosozialprodukts ausmachen. Diese Leistungen substantiell zurückzufahren ist politisch ein Ding der Unmöglichkeit.

Die Antwort auf all die vorgenannten Probleme ist daher, dass die US-Notenbank sich der Druckerpresse zuwenden und die USA aus all den Problemen herausdrucken wird. Aber wie werden wir wissen, dass es soweit ist? Da die massive Schaffung von Währung (Gelddrucken) inflationär ist, besteht die Antwort darin, den Dollar und die Anleihen (die Inflation überhaupt nicht mögen) zu beobachten.

Und während die Kaufkraft des US-Dollars abnimmt, wird es eine zunehmende Zahl an Dollars brauchen, um eine Unze Gold zu kaufen. Man stabilisiert seine Kaufkraft also, wenn man sich eine Unze Gold kauft. Zur selben Zeit braucht es aber immer mehr Dollars, um sich eine Unze Gold zu kaufen. Und es wird auch eine zunehmende Zahl an Dollars brauchen, um sich irgendetwas anderes zu kaufen.

Und während die Kaufkraft des Dollars abnimmt, wird der Dollar damit anfangen, seine Rolle als internationale Reservewährung zu verlieren. Die Ausländer werden damit beginnen, den US-Dollar zu meiden – und das wird dann auch der Zeitpunkt sein, wo der Dollar mit einem wachsenden Wettbewerb seitens des chinesischen Yuan konfrontiert werden wird. Was die Sache noch komplizierter macht, ist, dass der Yuan nach meinem Dafürhalten letztlich über eine Golddeckung verfügen wird. Dies wird zu Chinas Plan gehören, die weltweite Führungsrolle zu übernehmen.

In der Geschichte war es immer so, dass das Land mit der Reservewährung auch das Land mit dem mächtigsten Militär war. Das galt für Holland, Spanien und danach auch für Großbritannien. Als Großbritannien während des Zweiten Weltkriegs seine Macht und seine militärische (maritime) Führungsrolle einbüßte, rückten die USA in die erste Reihe vor und der US-Dollar avancierte dank der Bretton Woods Vereinbarung zur Weltreservewährung.

Heute macht sich das Pentagon Sorgen um den Ausbau des chinesischen Militärs, speziell seiner Marine. China weiß natürlich, was es tut. China ist sich im Klaren darüber, dass es die weltweit führende Nation sein wird, wenn es zur führenden Militärmacht aufsteigt und zusätzlich noch die Weltreservewährung stellt.

Weitere Artikel zu diesem Thema


  • Gold strauchelt: Goldbugs werden sich wohl noch ein wenig gedulden müssen
  • Heute müsste Gold auf USD 2.785 pro Unze klettern, um bis auf sein inflationsbereinigtes Preishoch von 1980 zu steigen. Aktuell scheint das ein weit entfernter Traum zu sein. Aber unter den richtigen Bedingungen ist das natürlich durchaus denkbar.
  • Hyperinflationärer Dollar-Crash: Gold & Silber bleiben erste Wahl
  • Der renommierte Ökonom John Williams geht davon aus, dass es in den USA 2014, wenn nicht gar noch früher zu einem massiven systemischen Zusammenbruch und einer Hyperinflation kommen wird. Sparern und Anlegern empfiehlt er physisches Gold und physisches Silber und erklärt, dass sich nach dem bevorstehenden Finanz- und Wirtschafts-Crash aller Vorausschau nach herausragende Investmentmöglichkeiten bieten
  • Der Todeskampf des US-Dollars: Vom Goldstandard zum Bleistandard
  • Das kostspielige Ende des Dollarimperiums: Der Goldpreis und der Ölpreis veranschaulichen die Hintergründe – Die Geschichte des US-Dollars ist eng mit einer ganzen Reihe von Kriegen verknüpft, an denen die Vereinigten Staaten beteiligt gewesen sind. Der Bretton-Woods-Akkord und der Status des US-Dollars als Weltreservewährung waren beides Nebenprodukte des Zweiten Weltkriegs (1939 – 1945).
  • Gold beschert Anlegern reale Kaufkraftzuwächse
  • Gold wird gemeinhin als Inflationsschutz und Vermögensspeicher wahrgenommen. In Wirklichkeit befindet sich das gelbe Metall jedoch in einem ultralangen Aufwärtstrend, bei dem es nicht nur zu nominellen inflationsbedingten Preisanstiegen, sondern zu realen Kaufkraftzuwächsen kommt. Die Kaufkraft von Gold ist seit 1971 bereits um das Achtfache gestiegen
  • Russell: Ansturm auf Gold & Silber ist jetzt nur noch eine Frage der Zeit
  • Im Folgenden sehen Sie den Goldpreischart gemeinsam mit dem On-Balance-Volume (OBV). Das OBV legte bereits vor dem ersten großen Goldpreisanstieg zu, und das sagt mir, dass der riesige Preisanstieg nicht einfach nur eine gewaltsame eintägige Short-Covering-Panik gewesen ist …