Staatsschuldenblase: Party auf immer und ewig … bis die Banken geschlossen bleiben

Wir werden gerade Zeugen einer gigantischen US-Staatschuldenblase, und wir haben jetzt den Punkt erreicht, wo keiner der Verantwortungsträger glaubt, dass sie jemals enden wird – das ist ein exzellenter Kontraindikator

Peter Schiff, Europacmetals.com, 09.10.2012

Vor einem Monat hatte ich ja erklärt, dass der Vorsitzende der Fed, Ben Bernanke, eine starke Motivation haben würde, vor den US-Präsidentschaftswahlen eine weitere Runde quantitativer Lockerung (QE) aufzulegen. Kurz gesagt würde ihm das seinen Job retten. Ich sagte nun nicht voraus, dass es mit 100%iger Sicherheit so kommen würde – das wussten nur die wenigen Vertreter, die im Offenmarktausschuss der Fed sitzen –, aber es schien zumindest wahrscheinlich.

Kurze Zeit später hatte Bernanke dann nicht nur weitere geldpolitische Lockerungsprogramme bekanntgeben, sondern zusätzlich noch versprochen, selbst dann USD 40 Milliarden pro Monat in Umlauf zu bringen, wenn sich die wirtschaftliche Lage schon wieder gebessert hat. Wie ich damals anmerkte, handelt es sich hierbei im Grunde um nichts weiter als das Wahlkampfprogramm von Obama und Bernanke: Die Party wird auf immer und ewig weitergehen.

Bedauerlicherweise stehen diese beiden Männer – obwohl sie über sehr viel Macht verfügen – nicht über den Gesetzen der Ökonomie. Und obwohl die Kritiker das jüngste Programm der Fed auch „Perma-QE“ oder „Q-Ewigkeit“ nennen, wird es in Wirklichkeit lange vorher vorbei sein.

Wir werden gerade Zeugen einer gigantischen US-Staatsschuldenblase, und wir haben jetzt den Punkt erreicht, wo keiner der Verantwortungsträger glaubt, dass sie jemals enden wird – das ist ein exzellenter Kontraindikator.

Doch anstatt dass QE auf immer und ewig anhalten wird, dient diese dritte Runde quantitativer Lockerungsmaßnahmen lediglich dazu, den Tag hinauszuzögern, an dem es zu einer Vertrauensflucht aus dem Dollar und den US-Staatsanleihen kommen wird. Diese Flucht wird zu einem drastischen Anstieg der Zinssätze und stark steigenden Verbraucherpreisen führen. Und falls Sie glauben, USD 4 pro Gallone [3,8 Liter] Benzin sei teuer, dann warten Sie erst mal ab, bis sich Benzin jede Woche um 25 Cent oder noch stärker verteuert.

Der Fed-Vorsitzende muss sich jetzt entscheiden: Entweder er macht mit seinen Gelddruckmaßnahmen weiter, was den Dollar in eine unkontrollierbare Hyperinflation senden wird, oder er beginnt mit Straffungsmaßnahmen, was die US-Regierung und das Bankensystem in den Ruin triebe.

Ich habe ja bereits hinlänglich über die Gretchenfrage, mit der die Fed konfrontiert ist, geschrieben, aber bisher war das Gelddrucken einfach zu verführerisch. Und da sich die Welt nur sehr langsam vom US-Dollar als Reservewährung verabschiedet und die Eurokrise eine willkommene Ablenkung bietet, konnte die US-Notenbank ihre Geldversorgung mehr als verdoppeln, ohne dass dies bei Konsumgütern zu außer Kontrolle geratenen Preissprüngen geführt hat.

Aber es ist auch nicht so, dass es gar keine Inflation gab – da brauchen wir uns nur den Eigenheimmarkt, die Benzinpreise oder den Aktienmarkt anzuschauen, aber die Teuerung hat noch keine krisenhaften Ausmaße angenommen. Wenn die Preise so schnell steigen, dass auch der Normalbürger mitbekommt, dass er abgezogen wird, wird es auf den Straßen Amerikas zu Aufständen kommen.

Die gute Nachricht für Edelmetallinvestoren ist die, dass für Gold und Silber beide Szenarien außerordentlich positiv sind.

Sollte die US-Notenbank ihren Irrsinn bis zur Hyperinflation treiben, werden Edelmetalle schnell als eine Art von Geld erachtet werden, mit dem man sich Woche für Woche, Monat für Monat ein und dieselbe Menge an Waren kaufen kann.

Sollte es zu geldpolitischen Straffungsmaßnahmen kommen, dürften sich die Preise zwar stabilisieren, aber die Bundesregierung und ihr Bankenkartell würden dabei gemeinsam in die Pleite abrutschen. Das würde bedeuten: Keine Rettungsgelder, keine Auszahlung des US-Einlagensicherungsfonds und die Banken würden wohlmöglich aufgrund fehlender Geldreserven ihre Türen schließen.

Das ließ sich in 2008 in Island beobachten, als die Banken Schulden aufgetürmt hatten, die dem Zehnfachen des Bruttosozialprodukts des Landes entsprachen. Für die Regierung gab es überhaupt keine Möglichkeit, wie sie die Banken hätte retten können, weshalb die ganze Veranstaltung krachend zu Boden ging. Und während die 320.000 Bürger Islands die Devisenmärkte nicht beeindrucken konnten, können Sie sich aber sicher sein, dass das bei 320 Millionen US-Bürgern der Fall sein wird.

Wir haben ja an Fällen wie Argentinien in den 90er Jahren und Ungarn in den 40er Jahren gesehen, dass immer dann, wenn das Bankensystem zu Erliegen kommt, harte Vermögenswerten mit enormen Aufschlägen gehandelt werden.

Gold- und Silbermünzen verfügen vielleicht nicht über die Annehmlichkeiten, die man in der Ära des Plastikgelds und von PayPal gewöhnt ist – doch was passiert, wenn diese Gelder nicht mehr länger zur Verfügung stehen? Staatliche Vorschriften und sinkende Gewinnmargen haben die Banken heute bereits dazu gezwungen, für die Kreditkartentransaktionen Gebühren zu erheben, ganz zu schweigen von der Tatsache, dass jede digitale Transaktion von den Steuerbehörden nachvollzogen werden kann.

Wenn jeder damit anfängt, überall Geldscheinbündel mit hinzuschleppen, ist der Weg zur Bezahlung mit Münzen auch kein weiter mehr. Eine Silbermünze in der Größe eines 10-Cent-Stücks ist aktuell USD 3,50 wert. Mit zwei dieser Münzen kann man sich bereits ein Mittagessen kaufen.

Und obwohl ich glaube, dass geldpolitische Straffungsmaßnahmen und eine Staatspleite die USA wieder auf den richtigen Weg in Richtung Wirtschaftserholung bringen würden, wäre die Übergangsphase recht chaotisch. Es wäre wahrscheinlich, dass sich dann vor den Tafeln lange Schlangen bilden, die Zahl der Zwangsvollstreckungen explodiert und es zu einem massiven Anstieg der Kriminalität kommt.

In einer solchen Situation könnten Gold und Silber die einzigen Dinge sein, auf die sich die Menschen dann noch verlassen können. Fakt ist, dass Gold und Silber in einem solchen Szenario ihren Wert wohl nicht nur bewahren könnten, sondern sogar noch dramatisch aufwerten würden, da Millionen von Menschen in die Metalle flüchten würden, während sich die Dollarwirtschaft entschuldet.

Anders gesagt: Vielleicht braucht man dann nur noch eine dieser 10-Cent-Stück großen Silbermünzen, um sich ein Mittagessen zu kaufen, und vielleicht bekommt man dafür dann sogar noch ein Essen für seinen Freund obendrauf.

Bernanke und seine Unterstützer an Wall Street sehen billiges Geld am Horizont – doch dieser Horizont ist in Wirklichkeit eine angemalte Mauer. Wir haben es hier also nicht mit „Q-Ewigkeit“ zu tun, sondern mit quantitativen Lockerungsmaßnahmen, die nur solange anhalten werden, bis die Fed begreift, dass es eine Mauer ist, und auf die Bremsen steigt … oder es lässt und in die Mauer hineinrast.

Egal wie es auch kommen mag, die einzige Möglichkeit, von dieser Lokomotive abzuspringen, besteht darin, in harte Vermögenswerte zu investieren.

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