Währungskrieg: Dollar-Index verschleiert weltweite Inflationsgefahr

Es gibt nur noch einen aussagekräftigen Wechselkurs, der über die Teuerung Aufschluss gibt, und das ist der Goldpreis

Jonathan Kosares, USAGold, 17.10.2012

Als der US-Dollar-Index im Januar 2002 mit 120,51 Punkten seinen Höhepunkt erreichte, gingen nur die Wenigsten davon aus, dass er kurz vor einer einseitigen Korrektur steht, bei der ein Drittel seines Werts vernichtet würde. Fakt ist, dass der Dollarindex innerhalb von drei Jahren im Schnitt einen Punkt pro Monat zurückging, bis er dann im Januar 2005 mit 80,77 Punkten sein Tief erreichte.

Dieser drastische Rückgang des Dollar-Indexes ging mit den Anfangsjahren eines mittlerweile bereits seit über zehn Jahren anhaltenden Goldbullenmarkts einher. All jenen, die in diesen ersten Jahren am Goldbullenmarkt partizipierten, wurde sozusagen von „frühster Jugend an“ mitgegeben, dass der Dollar und Gold untrennbar miteinander verbunden sind.

Wer wissen wollte, was mit Gold passiert, brauchte sich also nur den Dollar-Index anschauen. Wenn der Index fällt, würde Gold steigen, und sollte der Index steigen, würde Gold fallen. Ja selbst heute „erklären“ die Finanzmedien die täglichen Goldpreisbewegungen immer noch mit den entsprechenden Aktivitäten des Dollar-Index.

Wenn der Dollar-Index so wichtig ist, um den Wert von Gold zu erklären und zu antizipieren, ja wie kann es dann sein, dass der Index heutzutage – sieben Jahre nachdem er sein Tief von 80,77 Punkten ausgebildet hat – immer noch bei 80 Punkten vor sich hindümpelt, während sich der Goldpreis bereits vervierfacht hat?

Einfach gesagt hat die lange akzeptierte Umkehrbeziehung zwischen dem Dollar-Index und dem Goldmarkt heute keinen Bestand mehr und sollte aufgegeben werden. Sie scheitert nicht nur dabei zu erklären, warum Gold über all die Jahre hinweg drastische Preisanstiege zu verzeichnen hatte, sondern dürfte in Zukunft auch noch bedeutungsloser, ja wohlmöglich sogar irreführend werden.

Warum? Im Allgemeinen gehen die Menschen davon aus, dass der Dollarindex den Wert des Dollars irgendwie widerspiegeln würde. Und da sich die Berichterstattung der Finanzmedien auf den Dollar und die Performance des Dollar-Indexes konzentriert, ist es extrem schwer, nicht in diese Falle zu tappen. Und teilweise stimmt es ja auch.

Der Dollar-Index ist ja eigentlich auch dafür gedacht, ein Indikator für die Stärke des Dollars gegenüber anderen wichtigen Währungen zu sein. Wenn der Index steigt, steigt der Wert des Dollar gegenüber diesen Währungen, und wenn der Wert des Dollars gegenüber diesen Währungen fällt, sinkt der Dollar-Index.

Doch was den Normalbürger interessiert, ist ja nicht, ob der Dollar „stark“ oder „schwach“ ist, denn in Wirklichkeit ist das ja nichts weiter als Rhetorik ohne praktischen Bezug. Was interessiert, ist der Wert des Dollars im Hinblick darauf, wie viel man sich dafür kaufen kann. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass man diesen praktischen Wert des Dollars nicht mit den nebulösen Daten durcheinanderbringt, die durch den Dollarindex verkörpert werden.

Ein Beispiel: Laut der US-Behörde für Arbeitsmarktstatistik (BLS) gibt ein US-Bürger im Schnitt rund 35% seines Einkommens fürs Wohnen aus. Die nächsten zwei großen Kostenpositionen sind Transport (16%) und Nahrungsmittel (14%). Angesichts des Anteils der Energiekosten, die in den Wohn- und Transportausgaben enthalten sind, können die Energiekosten nicht einfach als unbedeutende Kostenpositionen ausgeblendet werden, obwohl sie von der BLS nicht gesondert erfasst werden.

Wenn man sich die Preisentwicklung der verschiedenen Nahrungsmittel und von Energie (Benzin und Strom) seit Januar 2005 anschaut, wird deutlich, dass der US-Dollar gegenüber einem beträchtlichen Teil der alltäglichen Ausgaben bedeutend an Wert verloren hat. Und das ist eine ganz andere Geschichte als die sieben Jahre an gleichbleibendem Wert des US-Dollar-Indexes.

Wer auf sein Bauchgefühl hört und mal kurz darüber nachdenkt, wird sofort zu der Schlussfolgerung gelangen, dass die Preissteigerungen praktisch bei fast allen Waren und Dienstleistungen beobachtet werden können – nicht nur bei den oben aufgeführten Positionen.

Im Schnitt sind die Preise für die in der Grafik aufgeführten Dinge seit Januar 2005 um 45% gestiegen, während sich der Benzinpreis sogar verdoppelt hat. Der Dollar hat also innerhalb von sieben Jahren rund die Hälfte seiner Kaufkraft – also seines praktischen Werts – verloren, wenn man ihn in den Gütern auspreist, die von amerikanischen Haushalten am meisten verwendet werden.

Übrigens werden die Nahrungsmittel- und Energiekosten bei der Ermittlung des offiziellen Kern-Verbraucherpreisindexes außen vorgelassen, da gesagt wird, sie seien zu volatil. Das zeigt bereits, dass der Kern-Verbraucherpreisindex als praktischer Gradmesser für die Inflation völlig ungeeignet ist.

Und wenn Sie wissen wollen, wie massiv der US-Dollar während dieser Phase tatsächlich an Boden verloren hat, dann brauchen Sie sich nur den Goldpreis anzuschauen. Der Goldpreis hat sich seit Januar 2005 vervierfacht, was nahelegt, dass die Kaufkraft des Dollars gegenüber Gold – das zufällig einer der wenigen Vermögenswerte ist, der mit der Inflation von Nahrungsmitteln und Energie mithalten und sie sogar überflügeln konnte – seit 2005 um 76% abgestürzt ist.

Der Dollar-Index kann sich – wie Ihnen die Finanzmedien sicherlich erklären werden – nach wie vor halten, was vornehmlich auf das Scheitern und die Verwerfungen in der Eurozone zurückzuführen ist. Dies hat nachteilige Auswirkungen auf den Wert des Euros und sorgt dafür, dass die Gelder in den „sicheren Hafen“ namens US-Staatsanleihen fließen.

Ab und an hört man sogar noch die „starke Dollar“-Rhetorik. Hinter den Kulissen spielt sich jedoch in Wirklichkeit ein vollumfänglicher Währungskrieg ab, da die Länder danach trachten, den Wert ihrer Währungen abzusenken, um so ihre Schuldenlast zu reduzieren und über ihre Exportmärkte das Wirtschaftswachstum zu stützen. Im Grunde scheint es so, als wären die Währungen untereinander tatsächlich relativ stabil, wodurch die weitreichende Kaufkraftvernichtung dieser Währungen verschleiert wird.

Daher kann sich der US-Dollar-Index auch in einer sehr engen Handelsspanne halten, genauso wie dies auch bei all den anderen Währungen der Fall ist, während sie gegenüber realen Waren und Dienstleistungen allesamt abwerten. Und während sich der Währungskrieg weiter verschärft, werden die nominellen Werte, die aus dem Dollar-Index hervorgehen, zunehmend an Bedeutung verlieren und immer irreführender werden.

Fakt ist, dass man angesichts der Werteinbrüche in derart vielen Bereichen sogar davon sprechen kann, dass ein Kollaps des Dollars bereits stattgefunden hat – ein Zusammenbruch, der durch den Dollar-Index lediglich verschleiert wird.

Womit wir auch wieder bei Gold wären. Jeder, der glaubt, dass der nächste Aufwärtsschub von Gold zwingend mit einem Rückgang des Dollar-Indexes einhergehen muss, sollte seine Analyse noch einmal eingehend überdenken. Ob der Dollar-Index nun auf 70 Punkte fällt oder 90 Punkte steigt – für den Goldmarkt dürfte das kaum irgendwelche Konsequenzen haben.

Solange die internationalen Geldentwertungsstrategien aufrecht erhalten werden, wird auch der Goldbullenmarkt weiter anhalten. Der Wert des Dollar-Indexes ist nichts weiter als ein Indikator dafür, wer den Währungskrieg gewinnt – eine Art von Ranking des anhaltenden Wettstreits unter den staatlichen Währungen.

Am Wochenende gab es bezüglich dieses Themas auch noch einige interessante Äußerungen, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte. Zunächst einmal der Fed-Chef Ben Bernanke:

„Seit Mitte 2008, bevor die Intensivierung der Finanzkrise zu wilden Schwankungen des US-Dollars führte, hat sich der multilaterale Wert des Dollars kaum verändert, und er ist gegenüber den Währungen in den Schwellenmärkten nur geringfügig zurückgegangen.“

 Und der brasilianische Finanzminister Guido Mantega:

„Ich habe behauptet, dass die ´Währungskriege` die Probleme der Weltwirtschaft nur noch verschlimmern werden. Zu versuchen, sich mittels künstlicher Maßnahmen einen größeren Anteil an der weltweiten Nachfrage zu sichern, geht mit zahlreichen Nebenwirkungen einher. Es ist eine egozentrische Politik, die die Bemühungen in Richtung konzertierter Maßnahmen schwächt.“

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