Schuldenbombe: Warum die Staatsverschuldung die US-Wirtschaft nach unten zieht

Dan Steinhart, Casey Research, 24.10.2012

Die USA haben zu viele Schulden – eine Aussage, die nicht mehr länger umstritten ist. Einige mögen zwar der Meinung sein, dass es andere Probleme gibt, die dringlicher sind, oder sich die USA über Wirtschaftswachstum befreien müssten, anstatt die Ausgaben zusammenzustreichen, aber selbst die enthusiastischsten Vertreter einer verschwenderischen Ausgabenpolitik räumen mittlerweile ein, dass das US-amerikanische Schulden/BSP-Verhältnis sinken muss, wenn die USA wieder auf einen stabilen und wirtschaftlich erfolgreichen Pfad zurückkehren wollen.

Der Privatsektor hat sich der Realität der Überschuldung so angenommen, wie man es eigentlich erwarten würde: Durch Fremdkapitalabbau. Seit 2008 haben die Haushalte und Unternehmen Schulden in Höhe von 67% des BSP abgebaut. Einige haben ihre Schulden absichtsvoll zurückgezahlt, während andere die Zahlungsunfähigkeit erklärten. Für unsere Betrachtung hier ist es jedoch völlig unerheblich, auf welche Art die Schulden verschwanden. Wichtig ist nur, dass sie es taten.

Unterdessen hat die US-Regierung das genaue Gegenteil getan; sie hat die staatliche Kreditaufnahme seit 2008 um 52% des BSP ausgeweitet.

Das Ergebnis dieser beiden sich entgegenstehenden Kräfte ist, dass das Gesamtschulden/BSP-Verhältnis seit 2008 nur geringfügig zurückgegangen ist. Wäre die US-Regierung nicht eingesprungen, befände sich die US-Wirtschaft auf gutem Wege in Richtung einer nachhaltigen Schuldenentwicklung. Stattdessen wurden bisher lediglich mickrige 15% des BSP an Schulden abgebaut. Mit anderen Worten: Die staatliche Kreditaufnahme hat weite Teile des privaten Fremdkapitalabbaus kompensiert.

Gesamtverschuldung der USA als prozentualer Anteil des BSP. Zum Vergrößern anklicken.

Aber warum sollte die Regierung eines Landes, das so händeringend der Entschuldung bedarf, so etwas tun?

Gewöhnlich wird hierauf erwidert, dass ein solch schneller und drastischer Schuldenrückgang die USA in eine Wirtschaftsdepression gestürzt hätte. Das mag durchaus so sein – zumindest kann nicht bestritten werden, dass das Schuldenwachstum und die Entwicklung des BSP eine sehr hohe Korrelation aufweisen.

Aber das ist ja nur die eine Seite der Medaille. Die andere Seite ist jedoch nicht minder wichtig.

Wenn die zurückgehende Kreditaufnahme einfach nur durch „irgendwelche“ neue Kredite kompensiert wird, bringt das gar nichts. Damit die neuen Schulden der Wirtschaft helfen, müssen sie produktiv eingesetzt werden. Die Kreditaufnahme um der Sache willen ist bedeutend schlimmer, als dass sie bloß wirkungslos ist – sie ist destruktiv. Schulden an sich sind weder gut noch schlecht. Es kommt immer darauf an, wie der Kreditnehmer das geliehene Geld nutzt.

Stellen Sie sich einen Unternehmer vor, der sich Geld leiht, um es in ein neues Projekt zu investieren. Sollten seine unternehmerischen Aktivitäten von Erfolg gekrönt sein, wird dadurch genügend Einkommen geschaffen, um die Schulden zu bedienen und Gewinne zu erwirtschaften. Sein Einkommen steigt dann also stärker als seine Schulden. Aus der Makroperspektive steigt das Bruttosozialprodukt in diesem Falle schneller als die Schulden, was bedeutet, dass das Schulden/BSP-Verhältnis absinkt. Paradoxerweise reduziert er in Wirklichkeit also das Schulden/BSP-Verhältnis, indem er Schulden aufnimmt. Das sind gute Schulden.

Und dann gibt es noch die unproduktiven Schulden, die schlecht sind. Und in Zeiten der Überschuldung sind sie richtig schlecht. Denken Sie einfach an Ihren Nachbarn, der sich einen Fernseher auf Kredit kauft. Er hat jetzt noch mehr Schulden, ohne dass sich sein Einkommen dadurch erhöht hätte. Er hat einfach seine Schulden erhöht, nicht aber die Produktivität. Das sind schlechte Schulden.

Die Regierung ist der unangefochtene Meister im Schuldenmachen. Durch die Kreditaufnahme zur Finanzierung von Waffen, Relikten (wie der Post) und Verlieren (wie dem Bankrott gegangenen Solarunternehmen Solyndra) wird kein Vermögen geschaffen. Selbst wenn man behauptet, dass einige dieser Ausgaben notwendig seien, sind sie mit Sicherheit nicht produktiv, da dadurch lediglich das Schuldenniveau erhöht wird, ohne dass die Aussicht darauf besteht, dass diese Kredite Einkommen generieren.

Und das ist auch der entscheidende Fehler, wenn die Regierung einspringt, um die zurückgehende Kreditaufnahme zu kompensieren. Staatsschulden sind Mühlsteine. Sie sind eine Belastung, ohne dass damit irgendwelche Vorteile einhergingen. Noch schlimmer: Durch die staatliche Kreditaufnahme werden private Investments aus dem Markt gedrängt, wodurch das genaue Gegenteil von dem erreicht wird, was angeblich beabsichtigt ist, nämlich das Wirtschaftswachstum anzukurbeln.

Wenn es bei der Kreditaufnahme zu Rückgängen kommt, sollten sie entweder durch produktive Kredite kompensiert werden oder gar nicht. Die Privatunternehmen fangen zurzeit tatsächlich wieder damit an, ihre Kreditaufnahme auszuweiten, obwohl dies nur sehr zögerlich vonstattengeht. Das ist ein gutes Zeichen, speziell für den Aktienmarkt – ein Faktor, der das Gleichgewicht zwischen Aktien und Anleihen zugunsten von Aktien verlagert …

Doch schauen wir uns die Grafik noch ein letztes Mal an: Die Staatsverschuldung ist mittlerweile schon so stark explodiert, dass dadurch ein Drittel aller Schulden in den USA verkonsumiert werden, weshalb der Kreditaufnahme des Privatsektors nur noch wenig Raum zum Wachsen bleibt.

Schulden sind nicht gleich Schulden. Wenn die Schulden kein Wirtschaftswachstum hervorbringen, sind sie bestenfalls Verschwendung und schlimmstenfalls eine Art der Vermögensvernichtung.

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