Steigende Inflationserwartungen: US-Notenbank will Realität nicht wahrhaben

Axel Merk, Merk Funds, 26.10.2012

Der Offenmarktausschuss der US-Notenbank (FOMC) hat den Rubikon überschritten: Unsere Analyse legt nahe, dass das FOMC gegenwärtig absichtsvoll Wachstums- wie auch Inflationsdaten ignoriert. Bestenfalls könnte das FOMC damit beabsichtigen, die Märkte zwei Wochen vor den Wahlen nicht unnötig in Unruhe zu versetzen, schlimmstenfalls hat es sich von der Markttransparenz verabschiedet und versucht sich stattdessen an der Kontrolle der Renditekurve (den kurz- und langfristigen Zinssätzen):

Die Grafik zeigt, dass die Inflationserwartungen mittlerweile bereits eine Standardabweichung von +2 überschritten haben und der Durchbruch genau zu jener Zeit stattfand, als QE3 bekanntgeben wurde. Wir gehen davon aus, dass der Markt die Auffassung des FOMC, dass die langfristigen Inflationserwartungen stabil bleiben, nicht teilt.

Bestenfalls ignoriert das FOMC diese Entwicklung einfach, weil es auf andere Indikatoren achtet – hier sollte nicht vergessen werden, dass die quantitativen Lockerungsmaßnahmen genau die Zinssätze manipulieren, die die Fed analysieren will – oder es hat eine andere Auffassung von dem, was langfristig stabile Inflationserwartungen sein sollen. Schlimmstenfalls hat das FOMC jedoch einfach Angst davor, öffentlich einzugestehen, dass der Markt QE3 als inflationär erachtet.

Wir glauben, dass die Inflationserwartungen mittlerweile deutlich gestiegen sind. Die Realität einfach auszublenden, indem man die Wachstums- und Inflationsdaten ignoriert, dürfte für die langfristige Glaubwürdigkeit der Fed nicht sonderlich hilfreich sein. Und die Glaubwürdigkeit der Fed ist wichtig, da die Geldpolitik zunehmend teurer wird, wenn Worte allein nicht mehr ausreichen, um die Märkte zu bewegen.

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