Armstrong: Die scheiternde europäische Einheitswährung und der Goldpreis

Die Geburt des Euros hatte auf alles Einfluss, auch auf den Goldpreis

Martin Armstrong, Armstrongeconomics.com, 10.11.2012

Als ich von der chinesischen Zentralbank nach der Asienkrise 1997 nach Peking eingeladen wurde, wurde ich gebeten zu erklären, was sich in der Weltwirtschaft eigentlich abspielt, weil ich der einzige unabhängige Analyst war, der auf weltweite Erfahrung verweisen konnte.

Ja sicher, man hätte auch die „echten“ Trader an den Handelstischen dieser Welt fragen können – sie hätten über den Euro genau dasselbe gesagt wie ich. Aber sie können ihre Meinung nicht kundtun, denn wenn sie es täten, würden diese Kommentare umgehend den Banken zugeschrieben, für die sie arbeiten.

Weiter unten in diesem Artikel finden Sie eine E-Mail von Juli 1999, als Gold gerade sein Tief ausbildete. Ein ums andere Mal versuchen Viele, sich auf Verschwörungstheorien zurückzuziehen, um aktuelle Ereignisse zu erklären – wodurch Andere Fehlinformationen erhalten und nichts über die wirklichen Entwicklungen und die wahren Risiken erfahren, mit denen die Weltwirtschaft konfrontiert ist.

Am 1. und 2. Dezember wird unsere World Economic Conference (WEC) in Berlin stattfinden, und es zeichnet sich bereits ab, dass es eine politische Veranstaltung werden wird, da ich es war, der die Kommission frühzeitig davor warnte, dass der Euro scheitern würde.

[Armstrong schrieb im Juli 1996 in einem Bericht mit dem Titel „Europäische Währungsunion: Grundlage für die nächste große europäische Wirtschaftskatastrophe“:

„Die Theorie, dass durch die Schaffung einer europäischen Einheitswährung alle Probleme gelöst werden, ist keinesfalls eine Antwort. Sie wird die riesigen Ungleichheiten zwischen den europäischen Wirtschaften nicht beheben, sondern vielmehr ein Mittel sein, um die deflationäre Politik, die in Deutschland am Werk ist, in andere Länder wie Großbritannien und Griechenland zu exportieren.

Der Europäische Währungsraum muss mehr sein als eine Einheitswährung. Obwohl eine Einheitswährung einige Währungsrisiken der Unternehmen abmildern wird, besteht die erhebliche Gefahr, dass unter den Mitgliedsstaaten Feindseligkeiten aufkommen, wenn die deutsche Wirtschaftspolitik in den Rest Europas exportiert wird. Das ist dasselbe Problem wie mit dem US-Dollar als Reservewährung, was zur Folge hat, dass die Vereinigten Staaten ihre von der fehlenden finanzpolitischen Disziplin herrührende inflationäre Politik in den Rest der Welt exportieren.“]

Und da meine Warnungen aktenkundig sind, zeichnet sich im Hinblick auf die WEC-Konferenz ein großes Medieninteresse ab. So haben wir bereits erste Anfragen für Fernseh- und Zeitungsinterviews.

Es war die Schaffung des Euros, die dafür sorgte, dass das Kapital aus Asien abgezogen wurde und für die Geburtsstunde des Euros 1998 in Richtung Europa strömte. Und das war auch der Grund für das Goldpreistief 1999, da die Länder ihr Gold auf den Markt warfen, um ihre Bilanzen für den Eintritt in die Eurozone aufzubessern.

Das unten stehende Schreiben aus jener Zeit verdeutlicht die Atmosphäre und zeigt, dass Viele überhaupt keine Ahnung davon haben, dass die Geldflüsse das Entscheidende sind, wenn es um globale Prognosen geht.

Es gibt keine gigantische Langzeit-Verschwörung. Ja es gibt Marktmanipulationen und Verschwörungen, um Ziele zu erreichen. Aber das sind kurzfristige Ereignisse, die darauf abzielen, unmittelbare Gewinne zu generieren. Da steht kein großer Plan dahinter, um die Weltwirtschaft zu manipulieren. Es sind immer isolierte Manipulationen gewesen, um sicherzustellen, dass es sich um garantierte Gewinne handelt, nicht um Markttrends über Jahrzehnte hinweg zu steuern. Das schafft ja auch keine umgehenden Gewinne.

Hier ist eine E-Mail vom 09.07.1999:

„Sehr geehrter Herr Armstrong,

Sie glauben also, dass es keine Goldpreismanipulation gibt.

Schauen wir uns als Beispiel doch einfach mal die Goldverkäufe der Bank von England (BoE) an:

1. Die BoE gab die Goldverkäufe im Voraus bekannt und machte somit den besseren Preis zunichte, den sie erzielt hätte, wenn sie einfach still gewesen wäre (so wie es die meisten Länder tun). Die Verluste sind weit höher als irgendwelche künftigen Zinsgewinne.

2. Die Käufer, die an der Auktion teilnahmen, waren ausschließlich geladene Käufer (also nur von der Londoner Edelmetallbörse LBMA).

3. Wir wissen immer noch nicht genau, wer die Käufer waren.

4. Die Auktion war um das Fünffache überzeichnet, dennoch ging der Goldpreis nach dem ´Verkauf` um USD 5 zurück.

5. Galyn Davies ist Partner bei Goldman Sachs und er ist auch Tony Blairs Ökonom. Davies ist Ökonom bei Goldman Sachs International und arbeitet von Großbritannien aus. Und Davies ist zufällig auch der Chef-Finanzberater von Gordon Brown, der britischer Finanzminister ist. Das weithin bekannte Gerücht besagt, dass Goldman Sachs 1.000 Tonnen Gold geshortet hat und Davies die treibende Kraft hinter der Entscheidung war, das englische Gold zu verkaufen. Es scheint so, als gäbe es hier gelinde gesagt einen Interessenkonflikt. Oder es ist einfach ein weiterer Zufall …“

Ja das ist in der Tat eine sehr starke Indizienkette. Das Problem ist nur, dass damals jeder an Wall Street wusste, dass Goldman Sachs auf steigende Kurse spekulierte und versuchte die öffentlichen Fonds, die short waren, auszustoppen. Als die BoE ihre Erklärung abgab, warf Goldman Sachs überall Gold auf den Markt. Sie haben jede Menge verloren, und jeder Händler weiß das auch.

Die Zentralbanken manipulieren Gold nicht – sie werfen es einfach auf den Markt. Warum sollten sie daran interessiert sein, den Goldpreis zu drücken, während sie ihr Gold zur selben Zeit liquidieren? Diese Verschwörung macht überhaupt keinen Sinn.

Die europäischen Zentralbanken hatten mit ihren Goldverkäufen begonnen, um ihre Defizite zu reduzieren und so die Kriterien für den Beitritt zur Europäischen Währungsunion zu erfüllen. Als Australien mitbekam, was los war, fing das Land ebenfalls an zu verkaufen. Jeder versucht dem anderen eine Nasenlänge voraus zu sein. Das ist aber keine Verschwörung, denn dafür wäre es nötig, dass die Maßnahmen koordiniert werden und es irgendein Endziel gibt.

Nie im Leben würde die Bank von England einen Finger krumm machen, um eine US-Bank zu retten. Das ist totaler Blödsinn.

All dieser Blödsinn ist nichts weiter als eine Ausrede derjenigen, die im Hinblick auf die Goldpreisentwicklung komplett danebenlagen. Sie legen damit nahe, dass sie Recht gehabt hätten, wenn diese Manipulation nicht stattgefunden hätte. Sie lagen aber falsch, und sie sollten die Wahrheit einfach zugeben … Und der Bärenmarkt lag genau im Zeitplan. Ein 19-jähriger Bärenmarkt ist normal.

Und da es aktuell wieder erhöhte Goldverkäufe von verschiedenen Zentralbanken gegeben hat, ohne dass diese Verkäufe öffentlich bekannt gegeben wurden, konnten bei Gold auch keine neuen Preissteigerungen beobachtet werden. Darüber hinaus ist das ja gerade erst das Vorspiel des letztlichen Scheiterns des Euros, da die Währung einfach durch die Schuldeninstrumente ersetzt wird. Solange ein Trader in der Lage ist, ein Land mit irgendeinem Schuldeninstrument zu isolieren, kann es keine Einheitswährung geben.

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