Düsterer Ausblick für 2013: Der voranschreitende Niedergang der westlichen Industrieländer

Speziell in der Eurozone dürfte es im kommenden Jahr zu erheblichen Turbulenzen kommen

Julian D. W. Phillips, GoldForecaster.com, 14.11.2012

Während sich das Jahr 2012 allmählich seinem Ende neigt, fangen wir natürlich damit an, auf 2013 und darüber hinaus zu blicken. Hoffnungen und Träume müssen aber mithilfe des grellen Scheinwerferlichts der heutigen Realitäten abgemildert werden. Nichts wird geschehen, was nicht auf den heutigen Strukturen, Geschehnissen und Entscheidungen der politischen und finanziellen Entscheidungsträger beruht.

Der erste wichtige Punkt, den wir verinnerlichen müssen, ist, dass die Strukturen, die wir um uns herum sehen, alles mit allem vernetzen, und alles mit den aktuellen Entscheidungsträgern und ihrem Willen, die Zukunft zu gestalten, zusammenhängt. Diese Aspekte werden die kommenden Jahre prägen.

So sehr wir uns in einer Vielzahl an Bereichen nach Reformen sehnen, müssen wir bei unserem Ausblick pragmatisch bleiben. Die Welt ist nicht perfekt – weit davon entfernt –, weshalb es realistisch ist, sich die Ist-Situation anzuschauen, die die künftigen Entwicklungen bestimmen wird. Ein klareres Bild erhalten wir, wenn wir aus der Perspektive der Entscheidungsträger auf die Zukunft blicken …

Wenn wir auf den Beginn der Kreditkrise in 2007 blicken, dann können wir festhalten, dass seit dem Zeitpunkt, wo die Krise ihren Anfang nahm, schon wieder fünf Jahre vergangenen sind. Seit dieser Zeit sind die Probleme um uns herum explodiert – doch wurden sie auch gelöst?

Hat sich das politische System reformiert? Weisen die Industrieländer eine klare Richtung auf oder handelt es sich vielmehr um eine Melange aus im Widerspruch zueinander stehender Machtzentren, die im Streit liegen?

Ist das Finanzsystem reformiert worden oder ist es auf eine Reihe von Rettungsoperationen angewiesen, bei denen versucht wird, die Strukturen – die bisher dabei versagten, uns bezüglich der Zukunft hoffnungsfroh zu stimmen – weiter zusammenzuhalten? Arbeiten die grundlegenden Staats- und Finanzstrukturen eng miteinander zusammen, um uns Lösungen anbieten zu können, die den Industrieländern eine wachstumsstarke Zukunft bescheren?

Es scheint, als würden uns die politischen Parteien weiterhin eine Lösung für unsere Probleme versprechen – ohne dass sie dabei Details nennen würden – und als würden sie es schaffen, vor uns die Tatsache zu verbergen, dass die Probleme, mit denen wir heute konfrontiert sind, überhaupt erst auf die Aktivitäten genau dieser dominanten Staats- und Finanzstrukturen zurückzuführen sind.

Haben wir ein starkes und funktionsfähiges Geldsystem, das in der Zukunft bestehen kann? Nein, haben wir nicht. Sind die ohnmächtigen Normalbürger heute zuversichtlicher, was ihre Zukunft anbelangt? Nein, sind sie nicht. Was wir gegenwärtig beobachten können, ist eine zunehmende Unzufriedenheit unter der Mehrheit der Bevölkerung, da ihre Zukunft so ungewiss ist. Und mit dieser Unzufriedenheit wird Instabilität und Unsicherheit gezüchtet – also genau das, was sich bereits die letzten sieben Jahre fortwährend weiter verstärkt hat.

Und da es ganz so aussieht, als würden sich die Wirtschaften der Industrieländer künftig weiter abschwächen, droht sich diese immer größer werdende Welle der Unzufriedenheit erheblich zu verschlimmern. Und genau vor diesem Hintergrund sollten wir auf die Zukunft blicken.

Die Vereinigten Staaten

In den USA herrscht nach wie vor politischer Stillstand, was zur Folge hat, dass die politischen Führer der USA bereits seit ein paar Jahren nicht mehr in der Lage sind, das Land zu steuern, von Reformbemühungen ganz schweigen. Washington unternimmt keinerlei Anstrengungen, um reales Wirtschafts- und Arbeitsplatzwachstum zu forcieren.

In der Sphäre der Politik und des Finanzwesens ging es vor allem darum, das wankende Banken- und Währungssystem davor zu bewahren, in eine Depression abzutauchen. Gratulation – das ist der Fed gelungen – aber das war’s dann auch schon! In den USA hoffte man darauf, dass zu keinen weiteren Abschwächungen kommen würde und die Beharrlichkeit und die Entschlossenheit der Verbraucher die USA wieder aus ihre Schwächephase herausreißen würden.

Vielleicht ist hier folgende Frage angebracht: „Sind die Politiker überhaupt qualifiziert, um für Wirtschaftswachstum zu sorgen, oder ist es nicht vielmehr so, dass die Produktivität eines Landes immer dann steigt, wenn die durch den Staat verursachten Belastungen nachlassen?“ Die letzten fünf Jahre – gerade wo Wachstum ja so händeringend benötigt wurde – fand genau das aber nicht statt. Was spricht dafür, dass es im nächsten Jahr besser werden wird? Und die Realität verlangt uns ja konkrete Fakten ab, nicht einfach nur irgendwelche vagen und hoffnungsfrohen Verallgemeinerungen.

Durch den Einsatz der quantitativen Lockerung wurde die Geldmenge enorm ausgeweitet, und diese Maßnahmen werden solange anhalten, bis es wieder Wirtschaftswachstum gibt – ein Wachstum, das nicht nur deutlich ausfällt, sondern auch nachhaltig ist. Wenn diese Entwicklung ausbleibt und das Wachstum weiter unter der Inflationsrate und dem Bevölkerungswachstum verharrt, wird das System von der aufgeblähten Geldmenge eingeholt werden. Dann kommt es zur Geldinflation, während die Wirtschaft zurückgeht.

Und wenn wir hier noch das zurückgehende Verbrauchervertrauen mit hinzunehmen – und die launenhaften Auswirkungen, die zum Tragen kommen, wenn diese beiden Faktoren aufeinandertreffen –, könnte es letztlich zu weit Schlimmerem führen als einfach nur einer Rezession. Es könnte zu einem massiven Rückgang der Kaufkraft des US-Dollars kommen. Ja, das Ganze könnte, einfach gesagt, außer Kontrolle geraten. Wenn die Politiker bei der Lösung der Krise der US-Schuldenobergrenze und der Fiskalklippe scheitern, könnte es genau dazu kommen.

Und vor diesem Hintergrund wird das neue Jahr eingeläutet – ein politischer Stillstand, der bis zu den nächsten Kongresswahlen anhalten wird und durch den die Regierung während der aktuellen Krise handlungsunfähig ist. Die Konsequenzen sind düster.

Es ist weithin bekannt, dass führende US-amerikanische Institutionen zurzeit einen möglichen Dollarzusammenbruch durchspielen und sich darauf vorbereiten. Bei diesem Szenario müssten die USA im Ausland stationierte Militärkräfte abziehen, während es nicht genügend Geld geben würde, um für die Regierungsangestellten und ihre Familien aufzukommen. Das sind sehr reale Szenarien, die man angehen muss, bevor sie eintreten.

2013 scheint also mehr von dem bereitzuhalten, was wir in den USA und in der US-Wirtschaft bereits die letzten fünf Jahre gesehen haben, mit dem einzigen Unterschied, dass die Lage heute noch fragiler geworden ist. Die US-Wirtschaft scheint in der Tat über ein kleines Wachstumselement zu verfügen und man könnte sehr optimistisch darauf hoffen, dass sie nicht weiter abschmiert. Das würde aber voraussetzen, dass es die Politiker nicht gleich zu Beginn nächsten Jahres vergeigen …

Die Eurozone

Die strukturellen Fehler der Eurozone sind in den letzten paar Jahren – während sich die Kreditkrise in die europäische Staatsschuldenkrise verwandelte – offenkundig geworden. Die Krise schwelt mittlerweile bereits viel länger, als irgendwer erwartet hatte, und sie hat die Schwächen der einzelnen Euroländer offen zutage treten lassen.

Die Erfolgsbilanz der Politiker der Eurozone ist atemberaubend schlecht. Nach wie vor stellen sie Partikularinteressen über die Interessen der Europäischen Union, und wir sehen keinen Grund zu der Annahme, warum sich daran künftig etwas ändern sollte. Sollte es jedoch in 2013 oder in späteren Jahren erneut zu einem solchen Scheitern kommen, dürfte die desillusionierte Bevölkerung – die zunehmend zu Bürgerunruhen neigt, während sich ihre finanzielle und wirtschaftliche Lage verschlimmert – zu einem echten Problem werden.

Wir gehen davon aus, dass sich die Rezession, die in der Eurozone zurzeit zu beobachten ist, in 2013 weiter selbst befeuern und verschlimmern wird. Die Lage der Mittelmeerländer scheint sich weiter zu verschlechtern, und im Rahmen dieses Prozesses wird noch mehr Hoffnung zerstört werden:

Wenn das erst einmal geschieht, könnte der Ansteckungseffekt die Lage anderer Euroländer, darunter auch Deutschland, verschlimmern. 40% der deutschen Exporte gehen in die Eurozone.

Wie wird sich der Euro unter solchen Rahmenbedingungen schlagen können? Er wird sich zweifellos sehr schlecht schlagen. Die seit zwölf Jahren existierende Währung sah noch nie so schwach aus wie heute.

Und, sind die politischen Führer der Eurozone der Aufgabe gewachsen, bei den europäischen Wirtschaften eine Trendwende herbeizuführen? Ihre Erfolgsbilanz der letzten paar Jahre spricht jedenfalls dagegen. Rechnen Sie damit, dass die Rezession zuschlagen, der Wert des Euros zurückgehen und die Eurozone genau das erleben wird, was in den USA stattfindet – aber in einem schlimmeren Ausmaß.

Asien, China & der Aufstieg des weltweiten Yuan

Die kontrollierte Natur Chinas und die Liebe des chinesischen Volks zu Reglementierung und Kooperation waren der Hauptgrund für Chinas schnelle Entwicklung. Durch die billigen Arbeitskräfte konnte es bisher nicht nur Exportmärkte aufbauen, sondern Erfahrungen in allen Bereichen des wirtschaftlichen Lebens sammeln. Das Ziel eines zweistelligen Wirtschaftswachstums bleibt nach wie vor plausibel, aber es besteht die Gefahr von Bürgerunruhen, und die sich entwickelnde ungleichmäßige Vermögensverteilung bereitet der Regierung Sorge.

Und das ist ja vor dem Hintergrund zu sehen, dass die finanzielle Ausgangsbasis vor zwei Jahrzehnten relativ gleich war. Die Bevölkerungszahl Chinas – 1,3 Milliarden Menschen – ist für sich genommen schon riesig. Selbst wenn 1 Milliarde Menschen von diesem Wachstum profitieren, bleiben immer noch 300 Millionen Menschen, die darauf warten, der Armut zu entfliehen. 300 Millionen Menschen – so viele Menschen leben in den USA.

Aber selbst China muss darauf achten, dass seine Wirtschaft ein von sich heraus tragfähiges Niveau erreicht, bevor es bezüglich der Zukunft hoffnungsfroh sein kann. Um das zu erreichen, muss sich China künftig stärker von seinen Exportmärkten und Auslandsinvestments abwenden – außer sie sind der Meinung, dass sie diese Strukturen benötigen.

Die Vorstellung, dass China zum Wachstum der Industrieländer beitragen wird, ist ein wenig albern, wenn man sich vergegenwärtigt, dass die chinesischen Produkte billiger sind als die des Westens, aber dennoch über dieselbe Qualität verfügen. Diese Produkte werden, von Rohstoffen mal abgesehen, die Importwaren immer stärker ersetzen Schon bald wird China alles produzieren, und das auch noch billiger, als die Industrieländer dazu in der Lage sind. Das wird den Vermögenstransfer vom Westen in Richtung Osten zu einem langfristigen Aspekt der Weltwirtschaft machen.

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