Das Einzige, was den Goldpreis jetzt noch im Zaum hält

Es gibt nur noch einen Faktor, der den Goldpreis zurzeit im Zaum hält, und selbst dieser dürfte sich in den kommenden Monaten in Luft auflösen

Michael Pento, King World News, 17.11.2012

Fast jeder maßgebliche Faktor, der hinter dem bullischen Goldpreis steht, ist zurzeit intakt – bis auf einen. Und wenn dieses entscheidende Element der Unsicherheit verschwunden ist, dürften alle Risikovermögenswerte starke Preissteigerungen verzeichnen.

Zunächst einmal ist es so, dass sich die Talfahrt der Weltwirtschaft gegenwärtig weiter beschleunigt, was zur Folge hat, dass die Zentralbanken eine in der Geschichte der Fiatwährungen einmalige Lockerungspolitik an den Tag legen.

Beispielsweise forderte der Chef der Liberaldemokratischen Partei Japans, Shinzō Abe, dass die japanische Zentralbank (BoJ) ihr Inflationsziel auf 2% bis 3% anhebt und solange unbegrenzte Gelddruckmaßnahmen durchführt, bis die Deflation ausgemerzt ist.

Shinzō Abe sagte, dass er, würde er gewählt werden, mit der BoJ zusammenarbeiten würde, um der Deflation den Krieg zu erklären und den Yen zu attackieren. Er gibt der starken Währung die Hauptschuld dafür, dass die japanische Wirtschaftserholung ausbleibt. Ferner forderte er, dass die BoJ den Diskontzinssatz unter die Marke von 0% drückt.

Aber es ist ja nicht allein die Tatsache, dass sich Zentralbanken bei der Vernichtung ihrer Währungen gegenseitig übertreffen wollen – auch aufgrund der Spannungen im Nahen Osten müsste der Goldpreis eigentlich steigen. Die Spannungen im Nahen Osten sind zurzeit so explosiv wie seit vielen Jahren nicht mehr. Im Irak sind Autobombenanschläge wieder an der Tagesordnung. Laut dem irakischen Innenminister gab es allein im vergangenen Monat 150 Tote und 300 Verletzte.

Israel hat seine Maßnahmen zur Schwächung der Hamas massiv ausgeweitet, während es sich auf die steigende Wahrscheinlichkeit eines umfassenden Kriegs mit dem Iran im Frühjahr nächsten Jahres vorbereitet. Weltweite Bürgerunruhen sind gewöhnlich schlecht für die Weltwirtschaft und bullisch für Gold und Öl.

Und wenn wir uns der von ihrer Bedeutung her alles überragenden US-Notenbank zuwenden, dann hat der Fed-Vorsitzende Ben Beranke im Grunde bereits klargestellt, dass es ab Januar nächsten Jahres QE4 geben wird, um gegen eine weitere Abschwächung der US-Wirtschaft anzukämpfen. Die Fed hat erklärt, dass sie ab 2013 Aufkäufe im Wert von USD 85 Milliarden pro Monat durchführen wird. Hierbei dürfte es sich aller Vorausschau nach um hypothekarisch besicherte Wertpapiere (MBSs) und US-Staatsanleihen handeln.

Für Bernanke stellt das Werkzeug des unlimitierten Gelddruckens natürlich eine Versuchung dar, da die US-Arbeitslosenneuanmeldungen vergangene Woche um 78.000 auf 439.000 gestiegen sind, während der Fertigungsindex der Fed of Philadelphia für Oktober einen Rückgang von 10,7% ausweist. Im Vormonat war es noch ein Anstieg von 5,7%. Eine einbrechende US-Wirtschaft ist schlecht für den Dollar und müsste bei Gold eigentlich für bedeutende Preissteigerungen sorgen.

Und all diese Gelddruckmaßnahmen haben ja bereits dafür gesorgt, dass die US-Geldmenge M2 eine jährliche Wachstumsrate von 12% aufweist. Ein Geldmengenwachstum dieser Größenordnung ist für die Edelmetallpreise natürlich reiner Raketentreibstoff.

Hier kommt noch hinzu, dass die Börsen in Shanghai und Shenzhen ihren Anlegern ab Dezember dieses Jahres einen börsennotierten Goldfonds anbieten. Dass man den Bürgern Chinas auf diese Art eine leichte und bequeme Möglichkeit einräumt, Gold zu halten, dürfte für das Metall extrem bullisch sein.

Also, wo ist dann eigentlich das Problem? Es gibt nur ein Problem, und das dürfte sich spätestens bis Januar nächsten Jahres erledigt haben. Die USA tun zurzeit wieder einmal so, als würden sie sich um die Staatsschulden und die Haushaltsdefizite Sorgen machen. Fakt ist, dass die Märkte aktuell fürchten, dass die signifikante Gefahr besteht, dass das US-Haushaltsdefizit in 2013 zwischen 70% und 90% zusammengestrichen wird. Sollte so ein unwahrscheinliches Szenario tatsächlich eintreten, würde der überwiegende Teil der Gelddruckmaßnahmen der Fed natürlich vergebens sein.

Das hängt damit zusammen, dass es für eine Ausweitung der weit gefassten Geldmenge notwendig ist, dass sich von den Banken irgendjemand Geld leiht. Und da der Privatsektor bereits seit Jahren Fremdkapitalabbau betreibt, ist die US-Bundesregierung die einzige Organisation, die die letzten paar Jahre bereitwillig Kredite aufgenommen hat. Würde die US-Regierung ihrer Kreditaufnahme ein abruptes Ende bereiten, würde die Wirtschaft gemeinsam mit den meisten Vermögenspreisen vorübergehend in einen steilen Sinkflug übergehen.

Die Republikaner und Demokraten wissen aber, dass sie ihre Ämter in Windeseile verlieren werden, sollte ihnen die Rezession angelastet werden. Daher wird die US-Regierung ernsthaften Maßnahmen zum Ausgleich des Staatshaushalts aller Vorausschau nach abermals aus dem Weg gehen. Wenn das ganze Affentheater in Washington vorbei ist, können wir damit rechnen, dass all die bullischen Faktoren, die hinter den Risikovermögenswerten stehen, gleichzeitig auf die Märkte einschlagen und den Goldpreis in 2013 auf nominelle Allzeithochs treiben werden.

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