Geld – viel zu wichtig, um es den Politikern zu überlassen

Jan Skoyles, The Real Asset Company, 18.11.2012

Als ich bei der Real Asset Company anfing, nahm ich an einer Diskussion über den bevorstehenden Zusammenbruch des Papiergeldsystems teil. Die Diskussion fand in einem kleinen Raum des britischen Parlamentsgebäudes statt, und es war an diesem historischen Ort, wo ein (jetzt) guter Freund von mir etwas sagte, das ich bis heute nicht vergessen habe: „Ich habe keine Ahnung, welches Geld das richtige ist, aber das Geld, für das die Menschen sich entscheiden, muss das richtige sein.“ Dem kann ich nur zustimmen – aber wie wir alle wissen, sehen die Regierungen das anders.

Während das jetzige Geldsystem bis zum bitteren Ende kämpft, arbeiten die Regierungen härter als je zuvor daran, Privatpersonen davon abzuhalten, sich eigenständig zu entscheiden, in welcher Form sie ihr Geld halten wollen.

Während es hier im Westen das Geldmonopol der Regierungen zu sein scheint, mit dem sie uns verschrecken wollen, sieht es bei den Menschen in anderen Regionen der Welt ein wenig anders aus: Dort wird verbissen mit Gold gespart, weil sich die Menschen darüber im Klaren sind, dass sich die Regierungen als schlechte Manager des Geldsystems erwiesen haben. Doch in vielen Fällen, wenn nicht gar in allen, haben die Regierungen diesem Treiben nun den Krieg erklärt.

Und während die Regierungen und die loyalen Anhänger Bernankes versuchen uns weiszumachen, dass „Gold kein Geld ist“, beweisen ihre eigenen Handlungen, dass das genaue Gegenteil der Fall ist.

Gold in der Türkei

Im Frühjahr dieses Jahres hatte ich darüber berichtet, dass die türkische Regierung ein Programm aufgelegt hat, um die Bürger zu ermutigen, das unter ihren Matratzen schlummernde physische Gold – geschätzte 5.512 Tonnen – auszuhändigen.

Das World Gold Council meldete dieses Jahr, dass in der Türkei ein Trend zu erkennen sei, bei dem weniger Goldschmuck dafür aber mehr Goldmünzen und Goldbarren gekauft werden. Das WGC sagt, dass die Nachfrage nach klassischen Goldanlageprodukten um 80% gestiegen ist.

Die Wirtschaftsgeschichte der Türkei ist nicht gerade sonderlich ruhig verlaufen. Zwischen 1965 und 2010 lag die jährliche Inflationsrate im Schnitt bei 39,78%. Es ist daher nur wenig überraschend, dass sich die Art der Goldkäufe ändert, während die politischen Verhältnisse der türkischen Nachbarländer und die türkische Wirtschaft zunehmend instabiler erscheinen.

Das neue Programm mit den Goldkonten ist Teil anhaltender Bemühungen, das Außenhandelsdefizit des Landes zu reduzieren, bei dem es sich (in absoluten Zahlen) um das zweitgrößte Defizit nach den Vereinigten Staaten handelt. Die türkische Regierung hofft darauf, das Defizit substantiell abzusenken, indem die privaten Goldbestände der Türken ins Bankensystem integriert werden.

Offiziell, so heißt es, will man bei den Privathaushalten das Sparen fördern – was jedoch unlogisch ist, denn wenn man nicht innerhalb staatlich sanktionierter Systeme spart, heißt das ja noch lange nicht, dass man nicht spart.

Den Kunden, die bei ihrer Bank ein goldbasiertes Einlagenkonto eröffnen, wird der entsprechende Goldwert in türkischer Lira gutgeschrieben, Geld, das sie dann beispielsweise einfach abheben oder weiterverleihen können. Die Bank ist unterdessen aber in der Lage, das Gold weiterzuverleihen oder gar zu verkaufen. Das sind natürlich tolle Neuigkeiten für die türkischen Banken, deren gesetzlich vorgeschriebene Golddeckung ihrer Reserven um 30% angehoben wurde.

Der Finanzblog Zerohedge kommentierte zum Zeitpunkt der Bekanntgabe der Goldkonten, dass es sich hierbei einfach nur um eine andere Methode handeln würde, eine staatliche Goldkonfiskation zu implementieren. Und es ist ein weiterer Beweis dafür, dass die Regierung die ultimative Form von Geld benötigt, um sich aus dem von ihr selbst geschaffenen Schlamassel wieder zu befreien.

Die türkische Regierung ist sich über die Gefahren von Papiergeld und die Sicherheit von Gold natürlich im Klaren. Anfang letzter Woche erklärte der türkische Premierminister Recep Tayyip Erdogan, dass der Internationale Währungsfonds im Rahmen internationaler Finanzhilfen Gold als Zahlungsmittel nutzen sollte, anstatt US-Dollars. Gold, so der Premierminister, sei „eine internationale Konstante“ und habe seinen „Glanz durch die Geschichte hinweg bewahren“ können. Im Gegensatz dazu kann die Dollar-Versorgung sogar schädlich sein.

Iran verbietet Goldexporte

Die Iraner, die dieses Jahr miterleben mussten, wie der Wert ihrer Währung aufgrund der in- wie auch ausländischen Regierungspolitik praktisch komplett vernichtet wurde, haben sich dazu entschlossen, massiv in physisches Gold zu gehen, um ihre Ersparnisse zu schützen. Es gibt Hinweise, dass die Türkei für iranische Käufer Gold nach Dubai gebracht hat. Dubai fungiert hier sozusagen als Mittler.

Unterdessen setzt die iranische Regierung alles daran, ihre Goldreserven auszuweiten: In den ersten sechs Monaten dieses Jahre beliefen sich die iranischen Goldimporte aus der Türkei auf über USD 6 Milliarden.

Und wie wir alle wissen, sorgen die Sanktionen gegen die iranische Regierung dafür, dass die Islamische Republik jetzt Gold hortet, um das Metall dann im Tausch gegen essentielle Güter einzusetzen. Überdies fängt der Iran nun damit an, eigene Sanktionen zu erlassen: Im Grunde hat die iranische Regierung ihren Bürgern Goldexporte untersagt, was sie mit „Wechselkursschwankungen in iranischen Märkten“ begründet. Sicher, das mag ein Grund dafür sein, aber diese Maßnahmen sind natürlich auch Teil der Bemühungen, eine Form von echtem Geld in der Wirtschaft zu halten, sollte der iranische Rial am Ende zusammenbrechen.

Asiens Goldaffinität

Auch in Asien – einem Kontinent, wo die Menschen wissen, was Gold ist – gibt es Probleme mit den Regierungen und ihrem Verhältnis zu Gold.

In Vietnam, das genauso wie der Iran mit heftigen Inflationsproblemen zu kämpfen hat, sollen die Menschen davon abgehalten werden, privat Gold zu kaufen. Die Maßnahmen zielen darauf ab, die Wirtschaft „zu stabilisieren“, die mit einer anhaltenden Entwertung des vietnamesischen Dongs zu kämpfen hat, während sich die Menschen immer stärker dem US-Dollar und Gold zuwenden. In Vietnam werden ja sogar Immobilien in Gold ausgepreist.

Anfang dieses Jahres wurde Gold als Tauschmedium verboten und es wurden sieben „Lösungen“ implementiert, um der zunehmenden Bedeutung von Gold in der vietnamesischen Wirtschaft Einhalt zu gebieten. Ab dem 25.11.2012 sind auch den Banken inländische Goldgeschäfte verboten.

All das findet in einem Land statt, wo die Gesamtgoldnachfrage bei 3,1% des Bruttosozialprodukts liegt, während man gleichzeitig mit einer Inflation im zweistelligen Prozentbereich zu kämpfen hat. Das harte Vorgehen des Staats gegen die Nutzung von Gold im Bankensystem und der Privatwirtschaft ist nichts weiter als der Versuch der Regierung zu beweisen, dass es sich bei ihrem Geld um das beste Geld handelt. Und dafür muss sie zunächst einmal die Kontrolle über das Gold erlangen.

Die Einstellung der Inder

Bei Indien – dem Land, dem die Goldmarktbeobachter in dieser Phase des Jahres wohl die stärkste Aufmerksamkeit schenken – reicht, so heißt es, bereits ein Schnupfen aus, um den internationalen Goldmarkt in Mitleidenschaft zu ziehen. Und es scheint, als wolle die indische Regierung in eine ähnliche Richtung voranschreiten wie die türkische Regierung.

Obwohl die Probleme mit dem Außenhandelsdefizit in Indien viel geringer sind als in der Türkei, macht sich das Land zunehmend Sorgen über die Auswirkungen, die die Goldimporte auf die Außenhandelsbilanz haben. Bisher hat die indische Regierung noch keine Maßnahmen eingeleitet, um die Bevölkerung davon zu überzeugen, ihr Gold zum Bankensystem zu bringen – aber sie versucht die Bürger bereits dazu zu ermutigen, in Bargeld anstatt in Gold zu sparen. Darüber hinaus wurden die Einfuhrzölle auf Goldimporte angehoben, was zu massiven Protesten bei den Goldhändlern geführt hat.

Die Schwäche der Rupie, die für eine immer stärkere Unzufriedenheit sorgt, wird den Goldimporten angelastet und nicht etwa wirtschaftlichem Missmanagement. Und wie bei all den anderen oben aufgeführten Beispielen scheint Gold ein leichtes Ziel zu sein. Trifft man dieses Ziel richtig, werden die Menschen abgestraft, während die Banken und Regierungen durch den dem Metall innewohnenden Wert in eine ziemlich gute und stabile Lage geraten.

Trauen Sie keiner Regierung, die auf Gold setzt!

Mittlerweile sollten klar geworden sein, dass wir, sobald eine Regierung damit beginnt, uns für unser Gold irgendetwas anzubieten, das Angebot direkt ausschlagen sollten. Darüber hinaus sollte man sich der Tatsache bewusst sein, dass jedwede Art von Kontrolle, die dem freien Handel von Gold auferlegt wird, ein freudiges Ereignis ist, da es schlicht und einfach bedeutet, dass Gold wieder stärker als Geld wahrgenommen wird.

Wenn es jemals eines Beweises bedurft hätte, das Gold Geld ist, dann ist es dieser: Die Menschen aus vier verschiedenen Ländern –  von denen jedes einzelne mit bedeutenden durch das Fiatgeldsystem verursachten Finanzproblemen zu kämpfen hat – wenden sich Gold zu. Das ist ein Phänomen, das sich durch die gesamte Menschheitsgeschichte zieht, da die Menschen wissen, dass das einzige Geld, dem man trauen sollte, das ist, was man unter seiner eigenen Kontrolle hat.

Es steht außer Frage, dass der Gold-Schwarzmarkt künftig größer werden wird, was ein Beweis dafür ist, dass das Fiatgeld und seine Verwalter – die nur überleben können, wenn die Menschen dem Geldemittenten vertrauen – zurzeit tatsächlich eine Rückzugsschlacht kämpfen.

Weitere Artikel zu diesem Thema