Eurokrise: Anleger sollten sich gegen einen Währungscrash wappnen

Kommt der europäische Superstaat oder kommt er nicht? Anleger sollten auf Nummer sicher gehen und sich auf einen Währungscrash vorbereiten

John Browne, Euro Pacific Capital, 19.11.2012

Die Eurokrise kommt einem langsam so vor, wie ein nicht enden wollender Hindernisparcours mit hohen Hecken und Wassergräben, die der Wirtschaftserholung Europas im Weg stehen. Jedes Mal, wenn eine Hürde übersprungen wurde, taucht ein weiteres Problem auf.

Zu den jüngsten Entwicklungen gehören hässliche Anti-Austeritäts-Proteste im Süden der Eurozone und offene Streitereien unter den Geldgebern, hier vor allem zwischen dem Internationalen Währungsfonds und den nördlichen Euroländern.

Trotz all der Schwierigkeiten gehe ich davon aus, dass das Pferd am Ende die Ziellinie erreichen wird; Europa hat zu viele wirtschaftlich starke Regionen, um einfach in der Bedeutungslosigkeit zu versinken. Die große Frage ist daher, ob der geldpolitische Jockey – also der Euro – vorher abgeworfen wird. Anleger sollten sich auf beide Eventualitäten einstellen.

Doch während das Rennen immer noch im Gange ist, sorgt die Unsicherheit bezüglich des Euros dafür, dass Anstrengungen unternommen werden, die Eurozone in eine vollständige politische Union zu verwandeln, und die Schwäche des US-Dollars, der Weltreservewährung, übertüncht wird.

Künftige Historiker der Europäischen Union werden sich wahrscheinlich fragen, wie es sein konnte, dass demokratisch gewählte Regierungen einst stolzer imperialer Nationen ihre Souveränität bereitwillig und ohne vollumfängliche und offene Diskussionen abgetreten haben. Die Antwort sind Gier und Angst.

Bis 1950 wurde Westeuropa durch zwei entsetzliche Kontinentalkriege verheert. Danach wurde Europa im Kalten Krieg über 35 Jahre von den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion wie ein Tennisball hin- und hergeschlagen. Vor diesem Hintergrund war der Impuls in Richtung einer stärkeren europäischen Einheit und Zusammenarbeit nur natürlich.

Die zwei wichtigsten Gründungsväter des vereinten Europas waren Frankreich und Deutschland. Die Franzosen waren auf Sicherheit aus, indem sie sich an Deutschland binden, während die Deutschen eine Möglichkeit darin sahen, die politische Vorherrschaft zu erlangen, die ihnen zwei Kriege nicht liefern konnte. Doch wäre die Idee einer Europäischen Union von Anfang an als Mittel präsentiert worden, um Deutschland mächtiger zu machen, hätten dies nur wenige Europäern akzeptiert, am wenigsten die Engländer.

Jean Monet, einer der frühen Architekten der Europäischen Union, soll diesbezüglich gesagt haben:

„Die europäischen Nationen sollten in Richtung eines Superstaats gelenkt werden, ohne dass ihre Völker dabei begreifen, was vor sich geht. Das kann durch sukzessive Schritte erreicht werden, wobei bei jedem dieser Schritte so getan wird, als hätte er einen wirtschaftlichen Zweck, während es in Wirklichkeit zu einer unvermeidlichen und irreversiblen politischen Union führen wird. “

Monet empfahl, Geduld an den Tag zu legen und auf „Möglichkeiten“ zu warten, um die Idee weiter voranzutreiben. Als Abgeordneter des britischen Parlaments habe ich diese Täuschungsmaßnahmen persönlich miterlebt.

Schrittweise verwandelte sich die harmlos klingende Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) in den Europäischen Binnenmarkt, die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG), die Europäische Gemeinschaft (EG) und die jetzige Europäische Union (EU) – einen aufkeimenden und von Deutschland dominierten Superstaat.

In einem der vielleicht törichsten Schritte der letzten Jahrzehnte wurde 1999 der Euro eingeführt – lange bevor die politische und fiskalische Vereinigung überhaupt richtig Fuß fassen konnte. Im Rückblick scheint die Schaffung einer Währung ohne einen geeinten Staat mit einer koordinierten Finanzpolitik ein zum Scheitern verdammtes Unterfangen zu sein.

Bei jedem sich auftuenden Hindernis wird immer wieder ein und dieselbe Lösung präsentiert: Eine verstärkte politische Integration und Austerität. Am 07.11.2012 flog die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel nach London, um Premierminister Cameron davon zu „überzeugen“ – wenn nicht gar dazu zu verdonnern – seinen Ton bei seinen Vorbehalten gegen eine Ausweitung des EU-Haushalts etwas herunterzuschrauben. Dabei war sie von ihrer Sache so überzeugt, dass sie erstmals die Pläne für einen europäischen Superstaat enthüllte.

Laut der britischen Zeitung Telegraph sagte Merkel:

„Natürlich wird die [nichtgewählte] Europäische Kommission eines Tages eine Regierung sein, der [nichtgewählte] Europäische Rat die zweite Kammer und das Europäische Parlament [das gegenwärtig über keinerlei Macht verfügt] mehr Befugnisse haben.“

Es ist offenkundig, dass ein scheiternder Euro über alle Zutaten verfügt, um die Barrieren auf dem Weg zur politischen Einheit aus dem Weg zu räumen. Wie man anhand der massiven öffentlichen Demonstrationen in Portugal, Italien, Griechenland und Spanien sehen konnte, brauchen die südlichen Euroländer händeringend Rettungsgelder. Um ihre aufgeblähten Renten und Frühpensionierungen zu retten, dürften zahlreiche Bürger einen Verlust der Souveränität liebend gerne in Kauf nehmen.

Das Scheitern des Euros hat es überdies möglich gemacht, die bedeutende Entwertung des US-Dollars zu verschleiern. Vor der Krise hatte sich der Euro zur zweitwichtigsten Reservewährung aufgeschwungen. Die Gefahr eines Auseinanderbrechens des Euros hat dazu geführt, dass eine enorme Kapitalflucht in Richtung US-Dollar einsetzte.

Das Resultat des Ganzen ist, dass die gigantische Währungs- und Schuldenkrise, die den USA und den US-Staatsanleihemärkten droht, zu weiten Teilen im Dunkeln blieb. Und selbst heute scheinen die meisten Anleger bezüglich der Tatsache, dass die Schuldenprobleme der USA weit schlimmer sind als die vieler europäischer Länder, immer noch völlig ahnungslos zu sein.

Sollte es den europäischen Politikern jedoch gelingen, die für die Rettung des Euros notwendige politische Einheit durchzusetzen, wird das Geld aus dem US-Dollar fließen. Oder aber der Euro scheitert – dann würden andere Währungen wie eine neue Deutsche Mark an die Stelle des Euros treten. Wie auch immer das Ganze ausgehen mag, eine Lösung des Euro-Problems wird wahrscheinlich zu einem schwächeren US-Dollar und höheren Zinsen führen.

Anleger, die in US-Staatsanleihen oder Staatsanleihen anderer Schuldenländer überinvestiert sind, könnten bei beiden Szenarien Verluste einfahren. Investoren sollten sich daher entsprechend darauf vorbereiten, indem sie Vermögenswerte kaufen, die unabhängig von diesen Entwicklungen aufgrund der ihnen innewohnenden Vorteile steigen oder fallen. Einfach nur zwischen Pest und Cholera zu wählen, ist jedenfalls keine empfehlenswerte Strategie, um langfristig erfolgreich zu agieren.

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