Selbst wenn Sie Gold hassen, sollten Sie es kaufen!

Vedran Vuk, Casey Research, 23.04.2011

In der Finanzwelt wird seit Jahrzehnten über Gold diskutiert – die Diskussionen über Gold gab es bereits lange bevor an den aktuellen Goldbullenmarkt überhaupt zu denken war. Einige erachten Gold als ein Mittel, um das eigene Vermögen zu diversifizieren und sich damit gegenüber den Gesamtmärkten abzusichern, während andere Gold lediglich für einen Klumpen gelbes Metall halten. Gold erwirtschaftet keine Umsätze, wie kann es da überhaupt irgendetwas wert sein?

Auf gewisse Art und Weise haben die Schwarzmaler natürlich Recht. Ja, Gold erwirtschaftet keine Umsätze, was es in der Tat suspekt macht. Wenn jemand versuchen würde, mir eine Aktie zu verkaufen, die nichts produziert, keine Umsätze erwirtschaftet und keine Dividende abwirft, würde ich das natürlich auch nicht ernst nehmen. Eine solche Aktie käme niemals in mein Aktiendepot.

Aber viele Unternehmen haben bei ihren Produkten mit demselben Problem zu kämpfen. Nehmen wir beispielsweise Apple. Sicher, Apple kann auf Umsätze verweisen und schüttet Dividenden aus, aber zur selben Zeit machen die Apple-Produkte rein gar nichts … Die Produkte von Apple unterscheiden sich also nicht von einem Klumpen Gold.

Nein ich bin nicht verrückt. Ihr Apple iPad erwirtschaftet keine Umsätze. Nicht einen einzigen Cent, genausowenig wie eine Unze Gold. Ja sicher, Apple verkauft iPads, um damit Umsätze und Dividenden zu erwirtschaften, aber dasselbe gilt auch für Gold. Die Goldminenbetreiber Newmont Mining und Barrick Gold erwirtschaften auch Umsätze und schütten Dividenden aus, indem sie ihr Produkt, also Gold, verkaufen.

Nun ließe sich hier ein vernünftiger Einwand vorbringen. Ein Goldhasser könnte jetzt sagen: „Halt, ich habe immer noch Recht. Gold ist dumm. Es ist bloß ein Stück Metall. Ein iPad hingegen ist nützlich und macht Spaß.“ Ja sicher, aber wer soll über die Vorlieben anderer Menschen richten?

Gold mag in den Augen einiger Leute vielleicht sinnlos sein, aber wohlmöglich halten es andere Menschen auch für sinnlos, sich für USD 800 einen iPad zu kaufen. Also ich finde, dass die iPads viel zu teuer sind. Ja ich mag iPads, aber zum aktuellen Preis käme ich den Rest meines Lebens auch gut ohne ein iPad aus.

Die Welt ist voller Produkte, die irgendjemand blöd findet. Hier ein weiteres Beispiel: Handtaschen von Louis Vuitton kosten USD 3.000. Wer so viel Geld für eine Handtasche ausgibt, ist meines Erachtens ein Idiot. Bedeutet das jetzt, dass ich nie in Louis Vuitton investieren würde?

Selbst wenn ich der Meinung bin, dass diese Handtaschen blöd sind, ändert meine Meinung ja nichts an der Tatsache, dass andere sie kaufen. Also hätte ich auch keine Probleme damit, die Aktien dieses Unternehmens zu besitzen, sollten sie günstig zu haben sein. Im Markt geht es ja nicht darum, einfach nur auf Produkte zu setzen, die man selbst für großartig hält, sondern es geht darum, in Produkte zu investieren, die andere für nützlich halten.

Und das ist es auch, was die Anti-Gold-Meute nicht begreift. Selbst wenn man der Meinung ist, dass Gold absolut sinnlos ist, gibt es unzählige Menschen, die das völlig anders sehen – Leute, die auch weiterhin Gold kaufen werden, so wie es bereits seit Jahrtausenden der Fall ist. Und wenn die Zeiten härter werden und die Inflation steigt, werden die Menschen sogar noch mehr Gold kaufen.

Vielleicht sind diese Leute ja tatsächlich alle verrückt, aber das ändert ja nichts am Endresultat, also am explodierenden Goldpreis. Viele Gesellschaften schätzen Edelmetalle, und daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern.

Dasselbe kann von einer Vielzahl an Produkten aber nicht behauptet werden. Wenn ich meiner Frau eine Handtasche für USD 3.000 und mir einen iPad kaufe, ja was werden diese Dinge dann in zehn Jahren wert sein? Die Handtasche ist bis dahin wohlmöglich schon gestohlen worden und bei einem Hehler gelandet und meinen iPad kann ich in zehn Jahren nicht mal mehr einem Obdachlosen schenken.

Bei Gold ist das anders: Wenn man heute eine Unze Gold kauft, dann wird sie auch in zehn Jahren noch irgendetwas wert sein. Vielleicht USD 5.000 pro Unze … oder vielleicht USD 200 pro Unze, so wie es die Schwarzmaler vorhersagen. Gold wird aber mit Sicherheit nicht wertlos sein.

Und selbst Aktien müssen ihren Wert nicht unbedingt bewahren. Sicher, die Umsätze und Dividenden von Apple scheinen stabil zu sein, aber wie wird das Ganze in zehn Jahren aussehen? In der Technikwelt ist das eine lange, eine sehr lange Zeit.

Sind Sie sich sicher, dass Apple ein atemberaubendes Produkt nach dem anderen auf den Markt bringen wird? Also ich würde nicht darauf wetten. Vielleicht ist die Apple-Aktie in zehn Jahren nicht komplett wertlos, aber was ist, wenn wir uns einen noch längeren Zeitraum anschauen?

Würden Sie gegen mich wetten? Also ich wette, dass Gold in 500 Jahren immer noch über irgendeinen Wert verfügt, während das bei Apple-Aktien nicht der Fall sein wird. Die wenigsten Unternehmen konnten über 500 Jahre hinweg irgendeinen Wert bewahren. Ich könnte also praktisch mit jedem Zeitpunkt und jeder Firma in der Geschichte aufwarten und würde die Wette immer gewinnen. Die Gewinnchance schlägt extrem zu meinen Gunsten aus.

Natürlich gibt es ein Problem mit der Wette – mal abgesehen von der Tatsache, dass in 500 Jahren alle Wettteilnehmer tot sind. Um was soll eigentlich gewettet werden? Um USD 1.000, USD 50.000 oder vielleicht USD 1 Milliarde? Hört sich das zu hoch für Sie an? Für mich hört sich das nicht sonderlich hoch an … Ob ich jetzt noch verrückter geworden bin? Nein; die verrückte Person ist die, die die Wette in US-Dollars akzeptieren würde.

Also selbst wenn man bezüglich der unmittelbaren Zukunft der USA außerordentlich optimistisch wäre, ist die langfristige Erfolgsbilanz von Fiat-Papierwährungen grottenschlecht. Die Dollarscheine könnten in 500 Jahren durchaus noch etwas wert sein – aber im Museum und nicht auf der Straße. Selbst bei einer niedrigen Inflationsrate von 2% hätten USD 1 Million in 500 Jahren nur noch eine Kaufkraft von rund USD 50.

Vielleicht sind Sie ja jetzt immer noch der Auffassung, dass Gold sinnlos ist – und das ist völlig in Ordnung. Fakt ist aber, dass das von einem Großteil der restlichen Welt anders gesehen wird. In Wirklichkeit schätzen die Menschen Gold bereits seit Jahrtausenden, und diese Wertschätzung hat Kriege, Rezessionen, Plagen und Naturkatastrophen überdauert.

Genauso wie es auch künftig Menschen geben wird, die Geld für teure Handtaschen ausgeben, die sie nicht brauchen, wird es auch weiterhin Menschen geben, die Gold kaufen, das dann irgendwo sinnlos in einem Tresor rumliegt und nichts tut. Vielleicht haben die Gold-Schwarzmaler ja recht und Gold ist einfach nur sinnlos, aber das wird die Menschen nicht davon abhalten, Gold zu kaufen.

Mit dieser Frage sollte sich die Anti-Gold-Meute auseinandersetzen: Wenn alle ungeachtet irgendwelcher Entwicklungen weiterhin Gold kaufen, ja warum soll es dann eigentlich dumm sein, Gold zu besitzen? Ich bin auch der Meinung, dass Papiergeld das Dümmste auf der Welt ist, aber das hält mich ja nicht davon ab, es zu verwenden.

Um im Markt erfolgreich zu sein, muss man sich immer mit der Frage auseinandersetzen, was die anderen Leute haben wollen, anstatt sich von seinen eigenen Präferenzen leiten zu lassen. Und das heißt, dass Gold auch dann ein kluges Investment ist, wenn man es selbst für sinnlos hält.

Weitere Artikel zu diesem Thema


  • Beten für einen Goldpreis von 500 Dollar
  • Wir platzieren also unsere Wette und hoffen darauf, zu verlieren. Mit anderen Worten: Wir kaufen Gold und beten, dass es auf USD 500 pro Unze fällt. Wir beten, dass wir lange und glücklich in einer gesunden Finanzwelt leben und unsere Kinder großziehen können.
  • James Turk: Gold ist großartig, aber Silber ist der richtige Mega-Kracher
  • King World News hat James Turk gebeten, für die weltweiten Leser ein Gold- und Silber-Beitrag zu verfassen. Im Folgenden finden Sie, was James Turk den weltweiten KWN-Lesern im Hinblick auf Gold & Silber zu sagen hat
  • Sprott Asset Management: Gold wird in den kommenden Jahren auf USD 5.000 pro Unze steigen; Gold und Silber müssen physisch gehalten werden
  • Und aufgrund dieser Gefahr würde ich den Edelmetallanlegern nahelegen, weiterhin an namentlich genau zugewiesenen Produkten festzuhalten, also an Produkten, bei denen man eine Forderung auf eine bestimmte Menge an Edelmetall hält, das physisch in einem Tresor gelagert wird und nicht verliehen oder verpfändet wurde.
  • Goldbullenmarkt: Trauen Sie keinem der „Top-Analysten“!
  • Der gesunde Menschenverstand sagt einem, dass man sich einen Berater sucht, wenn man Informationen oder Rat bezüglich irgendeiner Sache benötigt, mit der man nicht vertraut ist. Und genau das tun die Leute auch, ganz gleich ob es nun um die Anschlussfinanzierung fürs Haus, die Auswahl eines Versicherungsprodukts oder die Reparatur des Wasserboilers geht.
  • USD 2.300 Gold – nur noch eine Frage der Zeit
  • Während viele von uns bei Casey Research Preisprognosen nicht sonderlich mögen, speziell die, die auch noch mit spezifischen Datensätzen unterlegt werden, kommt man an der Korrelation zwischen der US-Geldbasis und dem Goldpreis nicht vorbei. Und diese Korrelation sagt, dass wir bis Januar 2014 einen Goldpreis von USD 2.300 pro Unze sehen werden.