Chinesische Goldkäufer sind westlichen Investoren weit voraus

Die Chinesen haben ihre Lektion gelernt: Gemessen am Bruttosozialprodukt ist die Goldnachfrage in China mindestens 35 Mal so hoch wie in den USA und mindestens doppelt so hoch wie in Deutschland

Jeff Clark, Casey Research, 26.11.2012

Haben Sie sich jemals gefragt, was der typische chinesische Goldinvestor eigentlich von den Auffassungen hält, die im Westen über Gold vorherrschen? Monat für Monat lesen wir Berichte darüber, dass die chinesische Goldnachfrage einen Rekord nach dem anderen bricht – aber was halten die Chinesen eigentlich von unseren Kaufgewohnheiten?

Seit 2007 ist die chinesische Goldnachfrage jährlich um 27% gestiegen. Ihr Anteil an der weltweiten Goldnachfrage hat sich während desselben Zeitraums von 10% auf 21% erhöht. Und das alles fand in einer Phase steigender Goldpreise statt.

Ja sicher, die Amerikaner kaufen ebenfalls Edelmetalle. So würde jüngst gemeldet, dass die Gold- und Silberbestände der börsennotierten Edelmetallfonds neue Rekordniveaus erreicht haben. Die US-Münzprägeanstalt geht davon aus, dass das Verkaufsvolumen des Jahres 2012 über dem des Vorjahres liegen wird.

Doch lassen Sie uns die Unterschiede mal ins Verhältnis setzen. Die nachfolgende Grafik zeigt, welchen prozentualen Anteil des BSP ein Land für seine Goldkäufe ausgibt:

Es wird weithin davon ausgegangen, dass der überwiegenden Teil der Goldkäufe in Hongkong letztlich in China landet – deswegen ist es wahrscheinlich, dass die chinesischen Goldkäufe in Wirklichkeit doppelt so hoch sind wie aus dem Chart hervorgeht. Und selbst wenn nichts davon nach China gelangen würde, wäre die Goldnachfrage in China als prozentualer Anteil am BSP immer noch 35 Mal größer als in den USA.

Der Unterschied zwischen den USA und China im Hinblick auf den physischen Edelmetallhandel ist beeindruckend:

Einige werden jetzt sagen, dass sich diese Unterschiede durch die kulturellen Präferenzen erklären lassen. Ja, da ist sicher etwas dran, aber für Indien gilt das noch in viel stärkerem Maße. Und selbst in Indien wird der Goldschmuck nicht als Schmuck, sondern in erster Linie als Wertspeicher erachtet. Es geht bei den indischen Goldschmuckkäufen im Grunde um die finanzielle Absicherung.

In Indien kann man Gold als Kreditsicherheit hinterlegen, egal in welcher Form. Gold ist dort nicht nur ein Investment, mit dem die Leute Geld zu machen versuchen, sondern ihm wird eine viel wichtigere Funktion beigemessen. Doch diese differierenden Betrachtungsweisen können mit Sicherheit nicht allein durch die kulturellen Unterschiede erklärt werden.

Vielleicht haben Sie ja davon gehört, dass Regierungsführer in Peking ihre Bürger dazu anhalten, Gold und Silber zu kaufen. Das wäre ungefähr so, als würde bei uns ein Kongressabgeordneter oder der US-Präsident im Fernsehen erscheinen und die Menschen dazu anhalten, Gold und Silber zu kaufen. Ja, Utah hat Gold wieder zu einem gesetzlichen Zahlungsmittel gemacht, aber das ist ja hauptsächlich ein symbolischer Akt gewesen.

In China wird in Radio- und TV-Werbespots genauso wie in Zeitungsanzeigen darüber gesprochen, dass man „sein Vermögen schützen“ und „wenigstens 5% der Ersparnisse“ in Form von Edelmetallen halten soll. Eine solche Werbung habe ich in den USA aber noch nicht gesehen, wenn man von den Werbespots der Edelmetallhändler im Kabelfernsehen mal absieht. Können Sie sich vorstellen, dass Ben Bernanke in einer Werbepause von „Amerika sucht den Superstar“ auftaucht und die Leute dazu ermutigt, Gold Eagles zu kaufen?

Nein, von den Politikern – abgesehen von Ron Paul – hört man bezüglich Gold und Silber rein gar nichts. Unterdessen behaupten die Massenmedien nach wie vor, dass sich Gold in einer Blase befindet. Nun gut, wir hatten uns dieses Themas ja bereits in der Vergangenheit angenommen, aber falls es Ihnen entgangen sein sollte, finden Sie im Folgenden noch einmal die zwei Hauptkriterien für eine Blase:

Auch wenn ich einigen Lesern damit Unrecht tue, aber es scheint, als hätten die Chinesen die Geschichte ein wenig besser studiert als die meisten von uns. Die Lehren aus der Geschichte springen uns förmlich an, und trotzdem findet sich nichts davon in den Massenmedien:

Aber wenn die Massenmedien das ausblenden, worüber berichten sie dann eigentlich? Sie melden, dass die USA in eine Rezession abgleiten würden, sollte das jetzige staatliche Ausgabenniveau und die staatlichen Zuwendungen gekürzt werden. Ich glaube jedoch, dass das genaue Gegenteil der Fall ist: Es wird alles nur noch viel schlimmer werden, wenn unsere politischen Führer weiterhin Kredite aufnehmen, Haushaltsdefizite auftürmen und Gelddrucken …

Viele Chinesen werden sich sicherlich darüber wundern, warum wir nach wie vor stärker an unser Papiergeld und Staatsanleihen als an Gold und Silber glauben. Und es sind ja nicht nur die Chinesen, die unsere Investmentgewohnheiten als ziemlich merkwürdig erachten würden. Wie aus der eingangs aufgeführten Tabelle hervorgeht, sind die westlichen Auffassungen über Gold und Silber im Grunde die Auffassungen einer Minderheit.

Meine Befürchtung ist, dass – ganz egal, welche Form die Krise auch annehmen wird – viele meiner Freunde aus heiterem Himmel überrascht werden. Vielleicht wird es auch vielen Ihrer Freunde so gehen. Während der Wert des Dollars immer stärker verfällt und die Inflation zunächst langsam und dann immer schneller steigt, wird es viele Anleger völlig unvorbereitet treffen. Viele Chinesen werden darauf jedoch vorbereitet sein.

Wenn man sich die Kaufgewohnheiten der Chinesen so anschaut, kommt der Verdacht auf, dass sich viele von ihnen tatsächlich darüber wundern dürften, warum die Menschen im Westen nicht erkennen, was sich um sie herum abspielt, warum wir aus der Geschichte nichts gelernt haben und warum wir uns nicht besser vorbereiten.

Weitere Artikel zu diesem Thema


  • Edelmetalle, Schulden & Steuern: Die richtige Goldpreis-Blase kommt erst noch!
  • Ich bin überzeugt davon, dass niemand den Schulden und Steuern entrinnen kann. Im Grunde werden alle Währungen in Form von Schulden in die Welt gesetzt, und unser Finanzsystem schafft Tag für Tag weitere Schulden und noch mehr Währung, die in Umlauf gebracht werden.
  • Nachholbedarf: Chinesische Goldnachfrage explodiert
  • Die chinesische Zentralbank hält im Vergleich zu anderen großen Zentralbanken so gut wie kein Gold, doch die Regierung plant, ihre Goldbestände massiv auszubauen. Und ungeachtet des anhaltenden Goldpreisanstiegs ist das gelbe Metall auch bei den chinesischen Privatanlegern so beliebt wie noch nie, was China in diesem Jahr zum größten Goldkonsumenten der Welt machen könnte
  • Sprott: Edelmetallpreise könnten sich in den kommenden zwölf Monaten verdoppeln
  • Vieles davon begann mit den Deutschen, die sagten: ´Wir wollen unsere 300 Tonnen zurück.` Der US-Finanzminister erwiderte: ´Das wird sieben Jahre dauern`, und das obwohl 300 Tonnen gerade einmal 4% des Goldes sind, das sie theoretisch besitzen.
  • Sprott Asset Management: Der Gold-Tsunami
  • Am anderen Ende der Welt, in China und Indien, ist es jedoch so, dass die Investoren Papierinvestments als Wertspeicher noch nie vertraut haben – sie wandeln ihr hart erarbeitetes Papiergeld in physisches Gold und Silber um. Nicht das dies etwas Neues wäre, ganz und garnicht – aber der Umfang und die Geschwindigkeit, mit der sie
  • Papiergeld verschleiert das wahre Ausmaß der Vermögensvernichtung
  • Die Menschheit ist sich nicht im Klaren darüber, was auf sie zukommt. Die Mehrheit der Menschen in der westlichen Welt ist heute hoch verschuldet und verfügt über kein Vermögen, das es zu beschützen gilt. Dagegen haben Sparer, Wohlhabende und Vermögensverwalter noch nicht bemerkt, dass sie im Verlauf der vergangenen 13 Jahre effektiv zwischen 60 und