Währungskrieg: Für die Zentral- und Privatbanken wird Gold zunehmend wichtiger

Vin Maru, The Dollar Vigilante, 26.11.2012

In jüngster Zeit wurden ja zahlreiche Artikel veröffentlicht, in denen darüber berichtet wurde, dass die chinesische Zentralbank und viele weitere Zentralbanken ihre Goldkäufe fortsetzen und ihre Goldreserven weiter ausbauen, um ihre Bestände ausländischer Papierwährungen zu diversifizieren.

Und wer kann es ihnen zum Vorwurf machen! Würden Sie Papiergeldversprechen von im Grunde bankrotten Ländern als Währungsreserve halten wollen? China macht das, was richtig und im besten Interesse des Landes ist: Sie kaufen mehr Gold, um ihre Goldreserven aufzustocken und ihre Währung marktfähiger zu machen. Sie wollen, dass der Yuan mit anderen wichtigen weltweiten Währungen in Wettbewerb tritt, und das wird ihnen auch gelingen. Der Aufbau von Goldbeständen ist Teil dieser Strategie.

Es gibt auch Spekulationen darüber, dass China seine Goldreserven aufstockt, um den Yuan in eine goldgedeckte Währung zu verwandeln und ihn auf diese Art zu einer Weltreservewährung zu machen. Und obschon dieses Konzept interessant ist, wird es höchstwahrscheinlich nicht dazu kommen.

Würden die Chinesen den Yuan an Gold koppeln, müssten ihre Goldbestände analog zur Zahl der im System befindlichen Währungseinheiten steigen oder fallen. Eine goldgedeckte Währung bedeutet, dass es eine feste Umtauschrate gibt. Man könnte dann also jede Unze Gold gegen einen fixen Betrag an Währungseinheiten eines Landes eintauschen. Es dürfte sich kein Land finden, dass eine fixe Goldumtauschrate einführt – das wäre finanzieller Selbstmord, und es ist auch einer der Gründe, warum US-Präsident Nixon Anfang der 70er Jahre das Goldfenster schloss.

Darüber hinaus würde eine goldgedeckte Währung bedeuten, dass das Land seine Goldkäufe fortwährend ausweiten müsste, um der Inflation bei den eigenen Währungseinheiten Rechnung zu tragen. Doch die Kontrolle der Goldmenge, mit der eine Währung gedeckt wird, ist aufgrund des Mangels an Transparenz bei der von der Zentralbank ausgegebenen Währungs- und der von ihr gehaltenen Goldmenge praktisch unmöglich. Gegenwärtig ist es so, dass Gold zum Marktpreis frei gehandelt wird und konvertierbar ist – zu einer goldgedeckten Währung wird es aber wohl nicht kommen.

China unternimmt zurzeit Anstrengungen, um seine Währung marktfähiger zu machen. Der Handel mit dem US-Dollar wird dabei einfach umgangen; der Yuan wird zur präferierten Währung bei chinesischen Exporten. Aktuell ist der Yuan noch an den US-Dollar gekoppelt – doch im Laufe der Zeit dürfte die Wechselkursbindung aufgegeben werden. Der Yuan wird dann zu einer frei konvertierbaren Währung, die auf den Devisenmärkten genauso gehandelt werden wird wie jede andere Währung auch.

Sie können davon ausgehen, dass China seine Goldreserven bis dahin weiter aufstocken wird, um den Yuan im internationalen Handel wettbewerbsfähiger zu machen. Der US-Dollar wird im Laufe der Zeit – höchstwahrscheinlich in diesem Jahrzehnt – seine Vormachtstellung als Weltreservewährung verlieren. Der US-Dollar dürfte aber nicht ganz verschwinden und der Yuan dürfte ebensowenig die Herrschaft des US-Dollars übernehmen. Wahrscheinlich wird es verschiedenen bilaterale Handelsvereinbarungen geben, in denen sich die Länder darauf einigen, beim Handel ihre eigenen Landeswährungen zu nutzen.

Der Yuan ist einfach nur ein neuer Akteur, der die Weltbühne betritt – es gibt immer noch den Euro, das britische Pfund, den japanischen Yen, den US-Dollar, ja und vielleicht sogar die Sonderziehungsrechte des Internationalen Währungsfonds, die ebenfalls verwendet werden. Selbst der kanadische Dollar konnte jüngst aufwerten, als der Internationale Währungsfonds bekannt gab, dass man zurzeit darüber nachdenken würde, den kanadischen Dollar und den australischen Dollar als Reservewährungen zu klassifizieren.

Und obwohl es in nächster Zeit nicht zu einer goldgedeckten Währung kommen dürfte, haben wir mit der russischen VTB Group nun den ersten Kreditgeber, der damit begonnen hat, an den Goldpreis gekoppelte Anleihen zu begeben. VTB begibt Anleihen im Wert von RUB 1 Milliarde (USD 32 Millionen), die im Dezember 2013 zurückgezahlt werden. Die Rendite dieser Anleihen ist an den Goldpreis gekoppelt, wird nach oben hin jedoch mit 20% gedeckelt.

VTB ist damit ein Vorreiter im russischen Markt; die zweitgrößte Bank Russlands bietet den Pensionsfonds mit diesen goldgedeckten Anleihen eine Alternative, um in Gold zu investieren, ohne dabei den gesetzlichen Bestimmungen zu unterliegen, die bei direkten Rohstoffinvestments zum Tragen kämen. Bloomberg meldete sogar, dass westliche Finanzinstitutionen wie JPMorgan, Barclays und Credit Suisse diesen Monat ebenfalls goldgedeckte Anleihen begeben würden. Das ist nur ein weiteres Beispiel dafür, dass Gold als Finanzvermögenswert zunehmend wichtiger wird.

Die Notwendigkeit, zu diversifizieren und Maßnahmen zum Vermögenserhalt zu ergreifen, wird in der Ära des Währungskriegs, der den Wert des Fiatgelds vernichten wird, immer offenkundiger. Die Finanzinstitutionen haben mittlerweile begriffen, dass die Zentralbanken auch in Zukunft den Weg des Gelddruckens, der Inflation und der Währungsentwertung beschreiten werden – weil sie ganz einfach keine andere Wahl haben. Sie wissen, was die Stunde geschlagen hat, und versuchen nun, von diesen neuen Märkten zu profitieren, indem sie Finanzvermögenswerte anbieten, die an den Goldpreis gekoppelt sind.

All diese Währungen werden weiterhin inflationieren, und ich bezweifle, dass die Banker es zulassen werden, dass Gold im Rahmen alltäglicher Transaktionen mit anderen Währungen in Wettbewerb tritt. Die Rolle von Gold als Vermögensspeicher wird hingegen immer von Bedeutung sein, solange es Fiatgeld gibt. Wir sollten uns daher darüber freuen, dass die Regierungen und die Zentralbanker die Fiatwährungen weiterhin nutzen und die Geldmenge aufblähen – dadurch wird ihre Währung weniger wert, während Gold davon langfristig profitiert.

Was wir zurzeit am Goldmarkt beobachten können, sind lediglich kurzfristige Goldpreisschwankungen. Es handelt sich hierbei um von den Hochfrequenzhändlern und Edelmetallbanken geschaffene Kaufgelegenheiten. Aber auch das wird ein Ende finden. Der Goldpreis wird geglättet werden und dann wird langsam sein erneuter Aufstieg entlang seines Aufwärtstrends einsetzen, mit zwei Schritten vor und wieder einem Schritt zurück.

All das Gerede in den Massenmedien ist nur Gegacker, um zu versuchen, die kurzfristigen Goldreisbewegungen zu erklären. Die Massenmedien haben von Gold und seiner Rolle, die es künftig als Wertspeicher spielen wird, überhaupt keine Ahnung. Die Massenmedien sind einfach bloß folgsame Sklaven und Marionetten der Zentralbanker – sie dienen lediglich dazu, die Öffentlichkeit in die Irre zu führen, und werden für diese Aufgabe hervorragend vergütet.

Wenn Gold seine Konsolidierungsphase abgeschlossen hat, dürfte der Goldpreis in 2013 und 2014 erneut auf Allzeithochs steigen, wobei die Aussicht darauf besteht, dass sich der Goldpreis in den nächsten paar Jahren verdoppelt und auf das Mindestziel von USD 3.500 pro Unze klettert.

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