Bullenmarkt: Wann sollte man sein Gold eigentlich verkaufen?

G. E. Christenson, Deviantinvestor.com, 06.12.2012

Die Frage, wann man sein Gold verkaufen soll, spielt sich zwischen zwei Extremen ab: Entweder man verkauft sein Gold überhaupt nicht, weil man es den Rest seines Lebens halten und dann an seine Enkelkinder vererben will, oder man will sein Gold jetzt verkaufen – was meines Erachtens ein schwerer Fehler ist –, weil man der Auffassung ist, dass sich Gold in einer Blase befindet und man es nie hätte kaufen dürfen (gemäß der Argumentationslinie der Goldhasser Warren Buffett und Charlie Munger).

Aber gibt es eine objektive Methode, um herauszufinden, wann man sein Gold verkaufen sollte?

Technische Indikatoren, die einen Goldverkauf nahelegen

Man sollte einen Teil seines Goldes verkaufen, wenn das Gold/Silber-Verhältnis auf 1:15 gefallen ist. Das Gold/Silber-Verhältnis liegt aktuell bei rund 1:51. Wenn der Goldpreis und der Silberpreis weit stärker als gemeinhin erwartet gestiegen sind, dürfte das Gold/Silber-Verhältnis wahrscheinlich irgendwo zwischen 1:10 und 1:20 liegen. 1980, auf dem Höhepunkt des letzten Goldbullenmarkts, lag das Gold/Silber-Verhältnis bei 1:17.

Man sollte einen Teil seines Goldes verkaufen, wenn der Dow Jones Industrial Average gegenüber Gold auf das Verhältnis von 1:1 gefallen ist. Das Dow/Gold-Verhältnis liegt aktuell bei 7,5:1. Das Dow/Gold-Verhältnis könnte beispielsweise dann auf 1:1 absinken, wenn der Dow bei 10.000 Punkten liegt, während eine Unze Gold USD 10.000 kostet. 1980, auf dem Höhepunkt der Goldblase, lag das Verhältnis bei rund 1:1.

Man sollte einen Teil seines Goldes verkaufen, wenn das Gold/Öl-Verhältnis bei, sagen wir, 1:30 liegt. Das wäre beispielsweise der Fall, wenn ein Barrel Rohöl USD 300 kostet und Gold bei USD 9.000 pro Unze notiert. Auf dem Höhepunkt des Jahres 1980 lag das Gold/Öl-Verhältnis bei 1:25.

Man sollte einen Teil seines Goldes verkaufen, wenn man die gesamte Hypothek für das eigene Haus mit 10 bis 20 Unzen Gold bezahlen kann.

Man sollte nur „einen Teil“ seines Goldes und nicht alles verkaufen, da es immer Sinn macht, etwas „reales Geld“ zu behalten, so dass man nicht vollumfänglich auf durch nichts gedeckte Papierwährungen angewiesen ist.

Stimmungsindikatoren, die einen Goldverkauf nahelegen

Man sollte einen Teil seines Goldes verkaufen, wenn die Moderatoren der Finanzsender stündlich über den steigenden Goldpreis berichten.

Man sollte einen Teil seines Goldes verkaufen, wenn das Time Magazine auf der Titelseite ein Bild mit Goldbarren und der Unterschrift „Der neue Goldbullenmarkt“ veröffentlicht.

Man sollte einen Teil seines Goldes verkaufen, wenn der Friseur darüber berichtet, dass er jüngst Gold gekauft hat und sich sicher ist, dass es demnächst zu einer Verdreifachung des Preises kommt.

Man sollte einen Teil seines Goldes verkaufen, wenn sich vor den Edelmetallhändlern lange Schlangen bilden.

Man sollte einen Teil seines Goldes verkaufen, wenn die Menschen der Tatsache gewahr werden, dass ungedecktes Papiergeld nur deshalb akzeptiert wird, weil es als Geld akzeptiert wird, und die Masse zunehmend zurückhaltender dabei wird, Papiergeld zu akzeptieren.

Man sollte einen Teil seines Goldes verkaufen, wenn die Leute begriffen haben, dass Geld nur deshalb über Wert verfügt, weil die Menschen an seinen Wert glauben, und sie in zunehmendem Maße das Vertrauen in durch nichts gedeckte Papierwährungen verlieren.

Weitere Anmerkungen

Jim Sinclair sagt im Hinblick auf Gold: „Kauf die Angelschnur und Verkauf das Horn eines Rhinozeros“. Mit anderen Worten: Wenn der Goldpreis nach einer Phase des Preisanstiegs eingebrochen ist, sieht das so aus wie eine Angelsehne, die an einer Angel nach unten hängt – das ist der Augenblick, wo man kaufen sollte. Und wenn der Preis parabolisch explodiert, was aussieht wie das Horn eines Nashorns, ist es an der Zeit, einen Teil seines Goldes zu verkaufen und auf die Korrektur zu warten.

Wenn der Preis zu schnell zu stark fällt und es keine fundamentalen Gründe für den Preiseinbruch gibt, sollte man nachkaufen. Wenn der Preis schnell auf neue Hochs steigt, die weit über den Erwartungen liegen, dann ist er zu schnell zu weit gestiegen. Solche Marktrallys – ob nun bei Gold, Silber, dem NASDAQ, Rohöl oder Immobilien – scheinen in der Tat immer durch einen Crash korrigiert zu werden. Beispiele hierfür sind unter anderem die Gold- und Silberpreisentwicklung 1980, der Nikkei 1990 und der NASDAQ zu Beginn des Jahres 2000.

Es ist wahrscheinlich, dass Gold und Silber innerhalb der nächsten paar Jahre einen parabolischen Preisanstieg hinlegen werden, sollten die Gelddruckmaßnahmen nicht ausgesetzt werden – und wir sollten besser davon ausgehen, dass die Gelddruckmaßnahmen noch sehr lange Zeit anhalten werden.

Der gemeinsame Nenner sind die menschlichen Gefühle der Angst und der Gier. Einfach gesagt treibt die Gier die Märkte auf neue Hochs, während die Angst für die Crashs sorgt. Die Menschen „wurden schnell reich“, als der NASDAQ innerhalb von weniger als zwei Jahren von 1.100 Punkten auf rund 5.000 Punkte stieg – als die Gier die Oberhand gewann.

Doch als der NASDAQ einen natürlichen Haltepunkt erreicht hatte, übernahm auf einmal die Angst und die Menschen verkauften in Panik, um wenigstens noch einen kleinen Teil ihrer Werte zu retten. Wer nicht verkaufte, wurde vom Markt in die Tiefe gezogen – diese Menschen hatten zum Schluss einen bedeutenden Teil ihrer Investments und Papierprofite verloren. Angst sorgt bei den Menschen dafür, dass sie verkaufen, was wiederum noch mehr Angst und noch stärkere Abverkäufe nach sich zieht. Es ist ein sich selbst befeuernder Kurseinbruch, der solange anhält, bis die Verkäufer völlig erschöpft sind.

Als der Goldpreis in 2008 innerhalb von sieben Monaten von über USD 1.000 pro Unze auf unter USD 700 pro Unze sank – der Goldpreis liegt aktuell bei rund USD 1.700 pro Unze –, hielt sich der überwiegende Teil der Amateur-Anleger mit den Goldkäufen zurück, aus Angst, der Goldpreis würde noch stärker einbrechen. Profis hingegen kaufen während der Tiefs und verkaufen auf den Hochs. Ängstliche Amateure verkaufen ihre Werte während der Tiefs und kaufen sie dann nahe der Hochs, wenn die Gier einsetzt, wieder zurück.

Wenn Sie Gold gekauft haben, das sich aktuell in einem säkularen Aufwärtstrend befindet, dann werden Sie für das Warten letztlich belohnt werden, selbst wenn Sie es auf einem temporären Hoch gekauft haben. Hat man hingegen vor ein paar Jahren Enron-Aktien gekauft, hätte das Warten die Verluste dieses katastrophalen Investments nur noch schlimmer gemacht. Man muss sich bei seinen Investments eingehend mit den Fundamentaldaten auseinandersetzen, wenn man die Unterschiede verstehen will.

Das Entscheidende ist, dass man Gold immer dann kaufen sollte, wenn Panik und Angst regieren, und es verkaufen sollte, wenn alle anderen kaufen wollen. Technische Verhältnisse, wie sie oben beschrieben wurden, deuten auf potenzielle Preisextreme hin. In den seltensten Fällen ist man in der Lage, ein Tief oder ein Hoch exakt zu treffen, aber man kann die Märkte aufmerksam beobachten, während andere von ihren eigenen Ängsten und ihrer Gier getrieben werden.

Wenn man die Nerven bewahrt, während andere sie verlieren, und in der Lage ist, sich mit den Zahlen, der Analyse und den technischen Verhältnissen auseinanderzusetzen, ist man auch in der Lage, gut begründete Kauf- und Verkaufsentscheidungen zu treffen. Man sollte jedenfalls auf alles vorbereitet sein: Enorme Veränderungen, mit denen angeblich nicht zu rechnen war, können urplötzlich einsetzen.

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