IWF-Untersuchung von 1999: 80 Zentralbanken haben 15% der Goldreserven verliehen

Mythos Goldpreisdrückung? Wohl kaum! Der Goldmarkt wird von den Zentralbanken kontinuierlich manipuliert, ein Sachverhalt, der dem Internationalen Währungsfonds auch schon seit Ewigkeiten bekannt ist

Chris Powell, GATA.org, 09.12.2012

In einer Untersuchung des Internationalen Währungsfonds des Jahres 1999, die uns seit letzter Woche vorliegt, wird berichtet, dass über 80 Zentralbanken 15% der offiziellen Goldreserven in den Markt verliehen hatten. Zu den Zentralbanken, die diese Goldverleihgeschäfte betrieben, gehörten unter anderem die deutsche Bundesbank, die Schweizerische Notenbank, die Bank von England, die australische Notenbank und die Zentralbanken von Österreich, Portugal und Venezuela.

In der IWF-Studie – die erstellt wurde, weil die internationale Behörde darüber nachdachte, einen Teil ihres eigenen Goldes im Markt zu verkaufen – wird die Intransparenz des Goldmarktes und das hohe Maß an Geheimhaltung der Zentralbanken herausgestrichen:

„Die Informationen über den Goldmarkt sind bruchstückhaft. Die Transaktionen charakterisieren sich durch ein hohes Maß an Geheimhaltung. Sieht man mal von der relativ geringen Menge an offenem Handel an den Börsen ab, handelt es sich bei den Goldgeschäften um private, außerbörsliche Transaktionen, wobei kaum etwas über diese Transaktionen berichtet wird … Offizielle Informationen über die Goldverleihgeschäfte existieren im Grunde nicht.“

Deshalb stammten die Informationen für die IWF-Untersuchung „zu weiten Teilen aus privaten Quellen.“

Und wie vorherzusehen war, kam man in der Studie zu dem Ergebnis, dass

„die erhöhte Mobilisierung der Zentralbankreserven durch die Goldverleihoperationen einen negativen Einfluss auf den Kassapreis von Gold gehabt hat, da verliehenes Gold im Kassamarkt in der Regel mit Goldverkäufen gleichgesetzt wird.“

Fakt ist, dass der Vorsitzende der US-Notenbank Federal Reserve, Alan Greenspan, den US-Kongress nur ein Jahr zuvor dazu gedrängt hatte, die Finanzderivate nicht zu regulieren, während er gleichzeitig enthüllte, dass das Hauptziel der Goldausleihungen die Kontrolle des Goldpreises war: „Die Zentralbanken stehen bereit, um Gold in erhöhten Mengen zu verleihen, sollte der Preis steigen.“

Darüber hinaus heißt es in der IWF-Untersuchung, dass die Zentralbanken gemeinsam mit den Edelmetallbanken und den Goldproduzenten in den Goldderivatemärkten aktiv geworden sind und dort „mittels Futures und Optionen Verkäufe tätigen“. Im Gegenzug „haben die Edelmetallbanken Anstrengungen unternommen, um ihre langfristigen Beziehungen zu den Zentralbanken abzusichern und zu konsolidieren.“ Weiter heißt es in der Untersuchung:

„Es wird geschätzt, dass die Zahl der Länder, wo der Staatssektor in Goldverleihgeschäfte involviert ist, die Marke von 80 überschritten hat. Die ausstehende Menge an Goldausleihungen, die vom Staatssektor bis Ende 1998 getätigt worden sind, beläuft sich auf fast 15% der offiziellen Goldreserven aller Zentralbanken. Der Anteil der Industrieländer an diesen staatlichen Goldausleihungen stieg von 33% Ende 1995 bis Ende 1998 auf 46%, da einige Zentralbanken der Industrieländer ihre Verleihgeschäfte ausweiteten, während neue Verleiher wie die Bundesbank und die Schweizerische Nationalbank den Markt betraten.“

Heute, 13 Jahre später, ist es natürlich wahrscheinlich, dass der Anteil der westlichen Goldreserven, der in den Markt ausgeliehen wurde, bedeutend höher ist als damals, da die westlichen Zentralbanken immer noch auf der Geheimhaltung ihrer Goldverleihgeschäfte beharren, obwohl die Sorgen bezüglich der Sicherheit ihres in ausländischen Tresoren gehaltenen Goldes immer stärker zunehmen.

Angesichts derart vieler Zentralbanken, die im Geheimen derart große Mengen an Gold an Finanzinstitutionen verliehen haben, deren Haupttalent – wie wir in der Vergangenheit gezeigt haben – darin besteht, die Märkte zu manipulieren, stellt sich natürlich die Frage, wer bis auf die üblichen Desinformations-Agenten heute noch bestreiten kann, dass der Goldmarkt manipuliert wird, um die Welt davon abzuhalten, in den Genuss freier Märkte zu kommen.

Weitere Artikel zu diesem Thema


  • Gold: Erholung oder Preiseinbruch? Die entscheidenden Umkehrmarken für 2014/2015
  • Gold muss jetzt Stärke zeigen, ansonsten wird sich der Bärenmarkt weiter beschleunigen. Sollte das gelbe Metall Ende dieses Jahr mit einem Preis von unter USD 1.042,50 pro Unze aus dem Handel gehen, würde sich der Ausblick noch bedeutend stärker eintrüben
  • Goldrausch: Zentralbanken müssen noch massiv aufholen
  • Normalerweise dienen die Goldkäufe der Zentralbanken als Kontraindikator – schaut man sich jedoch die von ihnen gehaltenen Goldreserven an, wird deutlich, dass sie im Vergleich zu früheren Jahrzehnten immer noch massiv unterinvestiert sind
  • Zentralbanken horten Gold, als gäbe es kein Morgen mehr
  • Mittlerweile springen selbst die zurückhaltendsten Zentralbanken auf den Goldzug auf. Die ohnehin bereits beträchtlichen offiziellen Zukäufe in jüngster Zeit dürften weit unter den realen Zentralbankkäufen liegen, da sich Länder wie Iran und China – von denen man weiß, dass sie massive Goldkäufe tätigen – nur ungern in die Karten schauen lassen
  • Wie sich ein Goldschatz in Luft auflöst: Westliche Zentralbanken besitzen kein Gold mehr
  • Besitzen die westlichen Zentralbanken überhaupt noch irgendwelches Gold??? Nein, die westlichen Zentralbanken haben ihr Gold an Dritte verliehen – Gold, das sich mittlerweile schon lange in der Hand internationaler Privatanleger befinden dürfte.
  • Vermögenstransfer: Physisches Gold wandert nach Asien ab
  • Die entscheidende Frage ist, wer richtig liegt: Der Westen mit seiner Auffassung, dass Gold ein barbarisches Relikt ist und keinen Platz in Investmentportfolien hat, oder der Osten, wo man der Meinung ist, dass das Halten von Gold mit einem Sparbuch gleichgesetzt werden kann? Die Zeit wird zeigen, wer am Ende Recht behalten wird.