Silber: Das Märchen vom Überangebot

Laut den Daten zum Silbermarkt gibt es seit 2006 ein Überangebot – und das bei steigenden Preisen. Zahlreiche Silberanalysten rechnen daher mit einem Preisrückgang. Das ist eine völlig absurde Auffassung, die bei Gold schon lange aufgegeben wurde. Dort wird das vermeintliche Überangebot von den Goldanalysten einfach der Investmentnachfrage zugeschlagen

Lawrence Williams, Mineweb.com, 10.12.2012

Eine der größten Schwierigkeiten, mit der ernstzunehmende Silberanalysten – also nicht jene, die einfach nur Daten interpretieren, ohne dabei die wahren Hintergründe zu verstehen – konfrontiert sind, ist, dass die meisten unabhängigen Analysen (also Analysen, die von Leuten erstellt wurden, die selber keine Silberbugs sind) von einer schwachen künftigen Silberpreisentwicklung ausgehen, da es bei der Silberproduktion angeblich einen großen Überschuss geben würde.

Unter Goldanalysten hingegen akzeptiert man mittlerweile die Auffassung, dass Überschüsse bei der Goldproduktion, die von der Schmucknachfrage und der Industrienachfrage nicht absorbiert werden, der Investmentnachfrage zuzuschlagen sind. Und dasselbe gilt mit Sicherheit auch für Silber …

Die nachfolgende Grafik, die in einem Artikel von Steve St. Angelo mit Titel „Die Kräfte, die den Silberpreis über USD 100 treiben werden“ veröffentlicht wurde, veranschaulicht diesen Sachverhalt auf dramatische Weise. Anhand des Charts wird ersichtlich, dass der Preis des weißen Metalls vor sich hindümpelte, als die Silberversorgung defizitär war, und es dann – völlig entgegen der Erwartung – zu dramatischen Preisanstiegen kam, als Silber in das „Überschuss“-Territorium vordrang, wodurch vielleicht sogar das wichtigste ökonomische Gesetz widerlegt wurde.

Damit der Preis derart dramatische Anstiege hinlegt, muss die wirkliche Nachfrage das Angebot natürlich übersteigen – ganz egal, was uns die Analysten diesbezüglich erklären.

Der Chart zeigt also, dass, obwohl die Silberproduktion technisch gesehen einen Überschuss ausweist, die Wirklichkeit nicht das Geringste damit zu tun hat und es eine riesige das Silberangebot übersteigende Investmentnachfrage geben muss.

Und das bedeutet mit Sicherheit auch, dass all die Banken, die zurzeit riesige Shortpositionen im Silbermarkt halten, in der Tat ein sehr gefährliches Spiel treiben.

Diese Edelmetallbanken sind gewillt, mithilfe von Silber-Futures, mit denen der Preis unter Kontrolle gehalten wird, im ganz großen Stil zu zocken – aber langsam fange ich allen Ernstes an zu glauben, dass es sich bei den Auffassungen einiger eingefleischter Silberbullen doch nicht um verrückte Tiraden von Fanatikern handelt, sondern sie vielmehr die Realität der aktuellen Situation beschreiben.

Der kanadische Milliardär Eric Sprott ist vielleicht der einzige, der seine Macht und seinen Einfluss genutzt hat, um den Silbermarkt bezüglich der Auslieferung großer Mengen an physischem Silber zu testen. Wir sollten uns hier noch einmal daran zurückerinnern, dass es, als der Sprott Physical Silver Trust aufgelegt wurde, ganze drei Monate gedauert hat, bis man die georderten 15 Millionen Unzen an physischem Silber zusammenhatte. Laut Sprott war ein Teil der Lieferung zum Zeitpunkt der Order noch nicht einmal gefördert worden.

Kürzlich sammelte Sprott erneut Gelder für diesen Fonds ein, wobei die Neuemission überzeichnet wurde … Der Fonds kann jetzt weitere 7 Millionen Unzen Silber kaufen. Mitte November hatte der Fonds Verträge für den Kauf von rund 7.127 Millionen Unzen physischen Silbers unterzeichnet.

Nachdem der Fonds die Order erhalten hat, werden die Seriennummern aller vom Fonds gehaltenen Barren im Internet veröffentlicht. Es dürfte recht interessant sein, zu erfahren, wie lange es dauern wird, um diese Menge an physischem Metall zusammenzubekommen.

Fakt ist, dass die von den börsennotierten Silberfonds (Silber-ETFs) gehaltenen Bestände zurzeit nahe ihrer Allzeithochs notieren, und das obwohl es nach dem Preishöhepunkt im vergangenen Jahr zu einem Kurseinbruch kam, was nahelegt, dass die Silberinvestments dieser ETFs langfristig gehalten werden und nicht kurzfristigen Spekulationen dienen.

Die Silberbestände der ETFs wachsen zurzeit. Und auch die Münzprägeanstalten prägen die Silbermünzen zurzeit in Mengen, die sich nahe ihrer Rekordniveaus befinden, was darauf hindeutet, dass immer mehr kleine Anleger in Silber gehen – und zwar nicht um zu traden, sondern um ihr Vermögen zu schützen. Unterdessen scheint Industrienachfrage nach Silber aufgrund der Bedeutung des Metalls bei der modernen Elektrotechnik weiter zuzulegen. Die Silbernachfrage der Industrie dürfte auch in Zukunft weiter wachsen, da die Menschen in den BRICS-Ländern und anderen Schwellenmärkten immer vermögender werden.

Die Hauptsorge der Silberinvestoren ist der riesige Überhang an Short-Kontrakten an der Rohstoffbörse COMEX. Außenstehenden erscheint dieser Sachverhalt völlig unlogisch, und es gibt gegenwärtig keinerlei Hinweise darauf, dass diese Short-Positionen abgebaut werden, noch nicht einmal ansatzweise.

Viele Beobachter sind der Auffassung, dass die im Vergleich zu Gold höhere Volatilität von Silber auf genau diese Short-Positionen zurückzuführen ist: Bei Preisanstiegen werden die Shorts eingedeckt und bei Kursrückgängen wird der Silberpreis von den großen Haltern von Short-Kontrakten, die ihre Positionen schützen wollen, immer stärker nach unten gedrückt.

In Phasen, wo der Goldpreis und der Silberpreis eigentlich steigen müssten, sorgt ein Teil dieser enormen Papierverkäufe dafür, dass die Kurse steil nach unten gehen – zumindest scheint es hierfür keine andere logische Erklärung zu geben.

In Anbetracht der Daten sollten wir uns vielleicht keine Sorgen über ein Überangebot von Silber machen, genauso wie sich heute auch keiner mehr über ein Überangebot von Gold Sorgen macht – und das obwohl angesichts der Mengen an Gold, die weltweit in den Bankentresoren schlummern, ein solcher Überschuss bedeutend besorgniserregender sein könnte als bei Silber, wo die alten Bestände an Silbermünzen vom Markt bereits absorbiert wurden.

Gold wird auch in Zukunft von all jenen gekauft werden, die ihr Vermögen schützen wollen – so wie es historisch gesehen immer der Fall gewesen ist. Und der Silberpreis wird dem Goldpreis folgen, wenn auch auf bedeutend volatilere Art und Weise.

Vor dem Hintergrund der anhaltenden finanziellen Unsicherheit – die keinerlei Anzeichen aufweist, in nächster Zeit wieder abzuklingen – dürften beide Edelmetalle weiterhin relativ stark bleiben, wobei die Zugewinne bei Silber wohlmöglich stärker ausfallen dürften, da das weiße Metall im Gegensatz zu Gold mit seiner Investment- und Industrienachfrage gleich auf zwei große Nachfragequellen verweisen kann.

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