Gold: Licht am Ende des Tunnels

Frank Holmes, U.S. Global Investors, 21.12.2012

Meine Intuition sagte mir bereits, dass sich am Goldmarkt die letzten paar Tage etwas merkwürdiges abgespielt hatte. Unser Investmentteam hatte Gold und die Goldminenaktien die ganze Zeit über beobachtet und mitverfolgt, wie das gelbe Metall ohne ersichtlichen Grund Kursrückgänge verzeichnen musste. Und wir waren nicht die einzigen, die sich darüber wunderten: Für viele andere Analysten kamen die jüngsten Rückgänge ebenfalls überraschend.

In einem Kommentar von Barclays Research von dieser Woche hieß es dazu, dass der Rücksetzer ungewöhnlich „brutal [ausgefallen ist] … mit einer ganzen Reihe verwirrter Marktteilnehmer und anscheinend positiven Marktaspekten, die keinerlei Wirkung zeigten.“

Erst Tage später dämmerte mir, was los war, nachdem Zerohedge.com veröffentlicht hatte, dass Morgan Stanley Wealth Management seinen Kunden empfohlen hatte, zwei von John Paulsons Fonds abzustoßen. Und da die Kunden von Morgan Stanley ihre Anteile eintauschten, verwandelte sich der Hedge Fonds gezwungenermaßen in einen Verkäufer von Gold und Goldaktien.

Was die Dinge am Goldmarkt verkompliziert, ist die Tatsache, dass es sich bei Paulson um einen so großen Fan des gelben Metalls handelt, dass er den Anlegern einen „Gold-Anteilschein“ anbietet, was heißt, dass diese Fondsanteile in physischem Gold denominiert sind. Nachteilig wird das Ganze, wenn die Anleger ihre Anteile zurückgeben, da die Firma diese Einlagen dann von Gold in US-Dollars zurückkonvertieren muss und somit gezwungen ist, ihre Sicherungspositionen im SPDR Gold Shares ETF (GLD) zu verkaufen. Aufgrund dieser Aktivitäten kommt es dann zu kurzfristigen Goldpreisrückgängen, bei dem sich die Märkte neuausrichten.

In der nachfolgenden Grafik sieht man, dass der S&P 500 Index, zehnjährige US-Staatsanleihen und Gold bis zum 12.12.2012 nebeneinander herliefen, bis das gelbe Metall dann plötzlich nach unten hin wegbrach. Zerohedge.com merkte dazu an, dass dies wohl der Tag gewesen sei, an dem die Anleger Paulson informierten, dass sie ihre Anteile ausgezahlt bekommen wollen.

COMM_GoldFallOffCliff

Paulson ist aber nur ein herausragendes Beispiel von einer ganzen Reihe an Hedge-Fonds-Managern, die dieses Jahr unter Liquidierungen litten. Und zu unserem Leidwesen standen Gold und die Goldminenbranche immer auf der falschen Seite dieser Trades.

Darüber hinaus musste Gold einstecken, als ein Großinvestor (oder eine Gruppe von Investoren) bei den Gold-Futures negative Wetten platzierte und sich die spekulativen Put-Positionen für Februar im Vergleich zum Januar vom Umfang her fast verdoppelten. Credit Suisse deutete an, dass diese Aktivitäten durchaus auf einen Hedge Fonds zurückgehen könnten.

Aber Paulsons Verluste können Ihre Gewinne sein. Bei U.S. Global Investors untersuchen wir Wahrscheinlichkeiten und statistische Modelle, die uns dabei helfen, unsere Marktchancen zu verbessern. Das ist wie das Kartenzählen an den Spieltischen in Las Vegas – es gibt keine Garantie dafür, dass man den Jackpot trifft, aber die Chancen verbessern sich für gewöhnlich, wenn man die mathematischen Wahrscheinlichkeiten kennt uns seine Wetten dementsprechend platziert.

Eine unserer Lieblingsgrafiken ist der Oszillator, der die Wahrscheinlichkeit ausweist, dass Gold nach dramatischen Preisanstiegen oder Preisrückgängen wieder zu seinem Schnitt zurückkehrt. Wir sind der Auffassung, dass die Daten dem Investor dabei helfen, die aktuellen Korrekturen in einem historischen Kontext zu sehen und potenzielle Kauf- und Verkaufsgelegenheiten zu identifizieren.

Gold_Oscillator

Basierend auf den Goldmarktdaten der vergangenen zehn Jahre scheint sich das gelbe Metall nach seinen jüngsten Korrekturen nun wieder in eine überverkaufte Position zu bewegen. Die Standardabweichung des Goldpreises (die jährliche prozentuale Veränderung der rollierenden Renditen) liegt aktuell bei -1,2 Sigma. Ein solches Ereignis ist nur in rund 10% aller Fälle zu beobachten, während eine hohe Wahrscheinlichkeit besteht, dass sich die Goldpreisentwicklung wieder ihrem Schnitt annähert.

Und während Gold und Goldminenaktien auch künftig kurzzeitige Anomalien aufweisen werden, die beispielsweise von den oben beschriebenen Hedge-Fonds-Liquidierungen herrühren können, verhalten sich Goldminenaktien in dem Jahr nach den US-Präsidentschaftswahlen in der Regel auch völlig anders.

Wir haben in der Vergangenheit ja bereits mehrfach darauf hingewiesen, dass die Goldminenaktien in den Jahren, wo US-Präsidentschaftswahlen stattfinden, dazu neigen, eine armselige Performance hinzulegen. Wenn wir bis ins Jahr 1984 zurückgehen, ist der Philadelphia Stock Exchange Gold und Silver Index (XAU) in US-Präsidentschaftswahljahren – völlig unabhängig davon, welche Partei ins weiße Amt einzog – im Schnitt um 18,4% zurückgegangen.

COMM_XAU_GOLD_SILVER

Für Gold und Goldminenaktien bedeutet das aber nicht das Ende der Welt. Denn wenn man sich anschaut, was in dem Jahr geschieht, das den Präsidentschaftswahlen folgt, stellt man fest, dass der XAU seit 1985 nach US-Präsidentschaftswahljahren in der Regel erheblich zulegen konnte, und zwar um durchschnittlich 23,4%.

COM-philadelphia-stock-exchange-XAU-post-fed-election-12212012

Und da den Regierungen der Mut fehlen dürfte, finanzpolitische Disziplin an den Tag zu legen, rechne ich damit, dass die Zinsen für sehr lange Zeit im negativen Bereich verharren werden. Die Zentralbanken werden ihre Druckerpressen weiterhin am Laufen halten, da bei der Politik nicht mit Veränderungen zu rechnen ist. Ich gehe davon aus, dass diese Aspekte auch in 2013 dafür sorgen werden, dass die angstbasierten Goldkäufe weiter anhalten.

Darüber hinaus haben die Zentralbanken der Schwellenländer ihre Devisenbestände diversifiziert und in Gold investiert. Die Nettogoldkäufe des Staatssektors liegen in 2012 bis zum jetzigen Zeitpunkt bei 425 Tonnen – und das ist ein enormer Unterschied im Vergleich zu den Zahlen, die noch vor wenigen Jahren beobachtet werden konnten, wo die Zentralbanken also Nettoverkäufer des gelben Metalls auftraten.

UBS meldete vor kurzem, dass Russland im November drei Tonnen Gold gekauft hat, während sich die Zukäufe Brasiliens im vergangenen Monat auf 15 Tonnen beliefen. Der Irak – ein bedeutender neuer Akteur im Goldmarkt – kaufte alleine von August bis Oktober dieses Jahres 25 Tonnen Gold. Angesichts der Tatsache, dass dies der erste Zuwachs bei den irakischen Goldreserven seit Beginn dieses Jahrtausends ist, „ist ein neuer Käufer unter den Zentralbanken, speziell aus einer neuen Region, eine bedeutende Entwicklung“, so UBS.

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Und obwohl der goldaffine Handel dieses Jahr schwächelte, sehen wir auch hier Licht am Ende des Tunnels – und das ist ganz bestimmt nicht das Scheinwerferlicht eines Zuges. Eine der jüngsten Entwicklungen ist, dass die Zuflüsse bei den Anlagefonds der Schwellenmärkte seit Ankündigung der dritten Runde der quantitativen Lockerung durch die US-Notenbank um USD 32 Milliarden zulegen konnten. Dies scheint ein bedeutender Vorbote für ein stärkeres Jahr 2013 zu sein, was den goldaffinen Handel in China und Indien wieder anheizen würde.

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