Schuldenkrise: Warum die Vermögensvernichtung dieses Mal anders sein wird als in den 70er Jahren

Robert Fitzwilson, King World News, 09.01.2013

Unten stehenden finden Sie einen Chart des US-Dollar-Indexes. Der Index wurde 1973 von JPMorgan entwickelt. Der Euro fließt mit fast 60% massiv in die Bewertung des Dollars ein. Rund 77% des Indexes setzen sich aus europäischen Währungen zusammen. Der japanische Yen wird mit 14% und der kanadische Dollar mit 9% gewichtet. Der Index wurde bisher nur einmal verändert. Diese Anpassung wurde aufgrund der Einführung des Euros notwendig.

Wie Sie anhand der nachfolgenden Grafik erkennen können, war die Phase von 1977 bis 1980 für die Weltreservewährung eine sehr harte Zeit. Einige von uns machten sich Mitte und Ende der 70er Jahre auch Sorgen darüber, dass es zu einem Kondratjew-Zusammenbruch kommen könnte. Zumindest schienen die Vorboten für einen solchen Zusammenbruch da zu sein. Hierzu gehörten der Rückgang des US-Dollars und eine depressionsartige Wirtschaftssituation in den USA.

us-dollar-index

 Die Preise und die Zinssätze schossen durch die Decke. Es gab Regionen in den USA, wo die Wirtschaft ein Depressionsniveau erreicht hatte. Der Mittlere Westen wurde als „Rost-Gürtel“ bezeichnet und in Seattle stand auf einer Werbetafel: „Würde der Letzte, der die Stadt verlässt, bitte das Licht ausmachen?“ Man nahm das Ganze mit Humor, aber es zeigt, wie ernst die Lage damals war.

Zum Glück setzte der Kondratjew-Zusammenbruch nicht ein, obwohl er sich abzuzeichnen schien. Eine Erklärung dafür ist, dass wir den weltweiten Nutzen des US-Dollars und den Hunger nach der Leitwährung unterschätzt hatten. Wenn ein Land unbegrenzte Mengen an Geld druckt, ist das für seine Währung normalerweise das Todesurteil.

Der Dollar hingegen war die Weltreservewährung. Er wurde durch die Kreditwürdigkeit der USA abgesichert, die zu jener Zeit in keinster Weise beeinträchtigt gewesen ist. Die USA fingen damit an, die Schulden und die Geldmenge exponentiell auszuweiten – und die Welt saugte alles auf. „König Dollar“ war das Mantra. Und die Stärke des US-Dollars sorgte für noch mehr Nachfrage, da die Leitwährung für weltweite Transaktionen und zum Zwecke des Vermögenserhalts aufgekauft wurde.

Wie aus der Grafik hervorgeht, geht der US-Dollar-Index nun schon seit rund zwölf Jahren zurück. Der Index scheint sich im Bereich der Marke von 80 Punkten zu halten. Es ist aber ein Leichtes, den Dollar-Index in dieser Handelsspanne zu manipulieren. Auf alle Fälle ist es unwahrscheinlich, dass der Index noch einmal nach oben schießt. Das stünde den politischen wie auch wirtschaftlichen Interessen der USA entgegen.

Aber ungebremst nach unten krachen, kann der US-Dollar-Index ebensowenig, da dies ein Hinweis darauf wäre, dass die Zentralbanken die Kontrolle verlieren. Das wahrscheinlichste mittelfristige Szenario ist, dass sich ein vermeintliches Drama abspielen wird, bei dem sich der Index in einer engen Handelsspanne seitwärts bewegt.

Die Ära der Währungskriege und des komparativen Abwärtswettlaufs hat die Politik des starken Dollars und der starken inländischen US-Wirtschaft abgelöst. Wenn wir China als mögliche Ausnahme einmal ausblenden, sind nun alle großen Wirtschaften in eine Zone eingetreten, wo das Gelddrucken die einzig verbliebene Option ist. Die Geschichte ist diesbezüglich unzweideutig: Dieses Nullsummenspiel wird dazu führen, dass sich der zu verteilende Kuchen in Rauch auflöst. Doch ungeachtet dessen wird diese Politik immer weiter vorangetrieben.

Der Dollar-Index und all seine Komponenten und die Faszination, mit der die Trader sich diesen Dingen widmen, sind nichts weiter als eine Ablenkung. Wie Sie wissen, fließen die europäischen Währungen massiv in die Bewertung des Dollars ein, während die sogenannten Schwellenmärkte praktisch überhaupt nicht berücksichtigt werden. China ist die zweitgrößte Wirtschaft des Planeten und trotzdem wird sie im Index überhaupt nicht berücksichtigt.

Darüber hinaus ist es ein Leichtes zu erkennen, warum das ständige Hin und Her zwischen dem Dollar und dem Euro so stark im Fokus der Massenmedien steht. Wenn eine der beiden Währungen die andere aussticht, werden schnell Währungsswaps und andere Tricks verkündet.

Die Japaner verkündeten jüngst, dass sie europäische Schulden aufkaufen werden, während sie im Inland massive quantitative Lockerungsmaßnahmen durchführen. Es ist das gute alte Hütchenspiel, nichts weiter. Unterdessen kaufen die Zentralbanken, Finanzinstitutionen und Vermögenden all das physisch erhältliche Gold und Silber auf.

Das Währung-vs.-Währungs-Spiel soll lediglich von der Tatsache ablenken, dass riesige Mengen an neuen Staatsschulden benötigt werden. Lächerliche Vorschläge wie die USD 1 Billiarde Platinmünze machen die Runde.

Keiner kann sagen, wie das Ganze genau ausgehen wird. Was wir hingegen sagen können, ist, dass es mit einer neuen Währung enden wird. Als Investor sollte man die Finger von diesen Märkten lassen und seine Vermögenswerte stattdessen so anlegen, dass sie mit der geschichtlichen Entwicklung und dem gesunden Menschenverstand in Einklang stehen. Gold und Silber sind historisch gesehen die klassischen Mittel zum Vermögenserhalt. Weitere wichtige Bereiche, über die sich das Nachdenken lohnt, sind zukunftsorientierte Unternehmen, die Dienstleistungen und Problemlösungen in den Segmenten Energie, Trinkwasser und Nahrungsmittel anbieten.

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