Gold: Folgen Sie dem Mann von der Straße

Jeff Nichols, Nichols on Gold, 01.02.2013

Gold notiert in der Nähe eines Ausbruchpunkts und baut gegenwärtig eine technische Stützung im Bereich von USD 1.650 und USD 1.690 pro Unze aus. Früher oder später werden die USD 1.700 pro Unze nicht mehr die alte Widerstandsmarke, sondern die neue Stützungslinie sein.

Die institutionellen Spekulanten und die Trader bei den Großbanken und Hedge Fonds machen zurzeit ordentliche Gewinne, indem sie die aktuelle Handelsspanne mit technischen Trading-Modellen und den aktuellsten Meldungen aus Washington – wirtschaftlicher wie auch politischer Natur – handeln.

Zur selben Zeit scheinen sich die meisten professionellen Goldmarktbeobachter in den USA und Europa auf die künftige Geldpolitik der US-Notenbank und das finanzpolitische Wirrwarr in Washington zu konzentrieren.

Doch die Goldkäufer auf dem chinesischen Festland, in Hongkong, Indien, der Türkei und anderen Regionen Südostasiens und des Nahen Ostens scheren sich nicht im Geringsten um die täglichen wirtschaftlichen und politischen Meldungen aus New York, London oder den anderen westlichen Finanzzentren. Sie wissen nur, dass jetzt ein guter Zeitpunkt ist, um Gold zu kaufen.

Und auch der Staatssektor – vornehmlich die Zentralbanken der Schwellenländer – tritt als wichtiger Nettogoldkäufer auf … und diese Entwicklung wird künftig weiter anhalten!

Im Ergebnis wird die Versorgungslage beim physischen Metall – von den meisten Goldanalysten und Tradern völlig unbeachtet – zunehmend angespannter, da das Gold zurzeit ausschließlich in Richtung der asiatischen Märkte (was durch die hohen Aufschläge für Goldbarren in China zusätzlich untermauert wird) und in Richtung einer Reihe von Zentralbanken abfließt.

Mit anderen Worten: Das Gold bewegt sich in starke Hände und es ist unwahrscheinlich, dass die aktuellen Käufer – ganz gleich ob „der Mann von der Straße“ in Asien oder die Reserve-Manager in den Zentralbanken – ihr Gold in nächster Zeit wieder verkaufen werden, selbst wenn der Goldpreis bedeutend steigen würde.

Querdenker

Die in diesem Jahr bisher positivste Meldung für den Goldmarkt dürfte wohl die Welle an Abwärtsrevisionen sein, mit denen zahlreiche Großbanken, Händler, Trader und andere institutionelle Teilnehmer am Goldmarkt ihre Goldpreisprognosen nach unten korrigierten.

Im Laufe der Jahre, genauer gesagt, in den letzten Jahrzehnten, habe ich festgestellt, dass diese großen institutionellen Marktteilnehmer oftmals dabei scheiterten, die mittel- und langfristige Richtung des Goldmarkts korrekt zu antizipieren. Sie schauen lediglich auf die vergangenen Entwicklungen und extrapolieren diese Performance dann in die Zukunft.

Im Gegensatz dazu kann der „Mann von der Straße“ – der Privatinvestor in Europa, Nordamerika und der typische Käufer in den Suks im Nahen Osten, in Indien und im Fernen Osten, wo das physische Gold in Form von kleinen Barren, Münzen und hochkarätigem Schmuck hohes Ansehen genießt – als Goldpreis-Prognostiker auf eine beneidenswerte Bilanz verweisen.

Die gute Nachricht

Diese Kleinanleger und Sparer haben im Laufe der Jahre ein verblüffendes Marktverständnis unter Beweis gestellt … und ihre Erfolgsbilanz ist bisher ein bedeutend verlässlicherer Indikator für den künftigen Goldpreis gewesen als die Prognosen der Analysten, institutionellen Investoren und Derivatehändler, die in New York, London, Zürich und den anderen bedeuten Finanzzentren sitzen.

Die gute Nachricht ist, dass diese kleinen Marktteilnehmer – der Mann von der Straße und in den Suks – zurzeit Gold kaufen, und zwar speziell in Phasen der Preisschwäche. Sie stützen den Markt und bereiten dem nächsten großen Preisanstieg den Boden.

Fakt ist, dass die physische Nachfrage – die Chinas, Honkongs und anderer Regionen in Südostasien – die letzten paar Wochen bemerkenswert stark gewesen ist, so stark, dass die Aufschläge für Goldbarren in diesen Märkten zurzeit ungewöhnlich hoch sind.

Ein Teil dieser jüngsten Nachfrage ging auf die indischen Käufe vor dem 21.01.2012 zurück, dem Zeitpunkt, wo die indische Regierung die Goldeinfuhrzölle erhöht hat, und ein weiterer Teil der Nachfrage hing mit den saisonalen, traditionellen Goldkäufen vor dem Chinesischen Neujahrsfest zusammen. Ein großer Teil der Goldnachfrage ist aber schlicht auf den Wunsch vieler Anleger und Sparer zurückzuführen, das Gold zu Preisen zu kaufen, die sie aus langfristiger Sicht für attraktiv halten.

Und ungeachtet des 6%igen Importzolls auf Goldeinfuhren erklärten mir meine Freunde in den indischen Gold-Suks, dass die Importe auch während der Hochzeitssaison im Februar und Mai stark bleiben werden. Darüber hinaus wird das von Indien importierte Gold das Land nie wieder verlassen – die Händler, die das Gold in den indischen Markt verkaufen, werden sich die höheren Einfuhrzölle also einfach in Form eines höheren inländischen Goldpreises wiederholen.

Börsennotierte Goldfonds: Bald auch in China

Obwohl einige große Hedge Fonds kürzlich ihre bei den börsennotierten Goldfonds (Gold-ETFs) gehaltenen Investments liquidiert haben, notieren die Goldbestände dieser ETFs – abermals dank des Privatinvestors – mit über 88 Millionen Unzen nach wie vor nahe ihrer Allzeithochs. Das ist ein weiterer Hinweis darauf, dass der Mann von der Straße im Hinblick auf das gelbe Metall bullisch ist.

Das fantastische Wachstum bei den weltweiten Gold-ETFs, das die letzten Jahre zu verzeichnen gewesen ist, ist ein bedeutender Aspekt das aktuellen Goldmarkts, da diese aktienähnlichen Investmentprodukte das Investieren in Gold stark vereinfachten und eine Vielzahl von Anlegern anlockten, die Direktinvestments in physische Barren oder Anlagemünzen nicht in Betracht ziehen würden.

Und die erwarteten Starts von zwei neuen börsennotierten Goldfonds an der Shanghaier Börse könnten sich für den Goldmarkt schon bald als richtig große Sache herausstellen. Die chinesische Zentralregierung hat die Einführung dieser Gold-ETFs bereits bewilligt, aber die Behörden sind immer noch dabei, entsprechende Vorschriften auszuarbeiten, bevor diese Fonds der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden dürfen.

Da der typische chinesische Goldinvestor den Besitz von physischen Barren, Münzen und hochkarätigem Schmuck den neuen Gold-ETFs wahrscheinlich vorziehen dürfte, werden diese Fonds aber kaum ein Ersatz für den physischen Goldbesitz sein, sondern eher ein weiteres attraktives Zusatzangebot darstellen.

Die Bank von China hat die Chinesen bereits zu privaten Goldinvestments ermutigt, und seit der Legalisierung von Goldinvestments vor gut zehn Jahren hat der chinesische Goldmarkt ein ordentliches Wachstum zu verzeichnen – und genau das war auch ein bedeutender Faktor bei dem atemberaubenden Goldpreisanstieg der letzten paar Jahre gewesen. Und jetzt, wo es bald auch noch die Möglichkeit gibt, mittels ETFs in den Goldmarkt einzusteigen, dürfte der chinesische „Mann von der Straße“ bezüglich des Goldpreises noch wichtiger werden.

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