Gold steigt immer dann, wenn das Vertrauen in den Staat schwindet

Gold steigt nicht etwa aufgrund niedriger Zinsen oder eines inflationären Umfelds – Gold steigt immer dann, wenn das Vertrauen in die Regierungen zusammenbricht. Bevor die nächste Phase des Goldbullenmarkts einsetzt, müssen zunächst einmal alle schwachen Hände aus dem Markt geworfen werden

Martin Armstrong, Armstrongeconomics.com, 21.03.2013

Das Chaos im Goldmarkt ist völlig typisch. Ich erhalte bereits wieder Hass-Mails. „Hören Sie auf mit dem Müll!“, schrieb ein Leser, der erklärte, dass die Goldnachfrage in Shanghai auf Rekordhochs notiert. Für einen Bullenmarkt braucht es aber weit mehr als die Nachfrage eines Landes.

Andere sind sauer auf mich, weil sie immer nur auf all jene hören, die die ganze Zeit über „kaufen“ sagen. Die New Yorker Finanzpresse würde nie ein Wort von mir zitieren, weil ich es wage, ihre Lieblingskinder, die New Yorker Banker, bloßzustellen. Und die Goldbugs geben ihr Bestes, sicherzustellen, dass ich in ihren Artikeln ebenfalls nicht zitiert werde, da sie über Unmengen an Leuten verfügen, die „kaufen, kaufen, kaufen“ sagen …

Es ist unglaublich – die Leute sind fest davon überzeugt, dass die gesamte Welt zusammenbricht und Gold der einzige Vermögenswert sein wird, der im Preis steigt. Wo liegt das Problem? Warum muss Gold die absolute Ausnahme sein? Gold ist keine Religion, sondern ein Markt.

Ich sage es ja nur ungern, aber das Timing verlief genau so, wie zu erwarten war. Der Zusammenbruch des Aktienmarkts während der Großen Depression hielt 34 Monate. Die Goldrally hielt 34 Monate an. Diese Phasen wiederholen sich in Krisenzeiten immer wieder.

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Hier geht es ums Geldmachen und ums Überleben – nicht darum, die Welt dafür abzustrafen, dass man nicht an der Spitze der Nahrungskette steht. Ich verkaufe Ihnen nichts, und ich bin auch nicht daran interessiert, Ihr Vermögen zu verwalten. Die Dinge sind wie sie sind – nicht mehr und nicht weniger!ma2

Den Leuten wurde an allen Fronten blanker Unsinn erzählt. Die TV-Sprecher behaupten, dass niedrige Zinssätze bullisch für Aktien seien. Schauen Sie sich die Korrelation zwischen den Zinssätzen und den Aktien an – dann werden Sie nämlich schnell feststellen, dass, wenn die Zinsen fallen wie während der Großen Depression oder nach 2007, auch die Aktienpreise sinken. Also, wo kommt all dieser Unsinn eigentlich her? Wer schreibt diesen Dreck für die TV-Moderatoren?

Den Edelmetallanlegern wurde ähnlicher Müll untergejubelt – all der nichtfundierte Hype, Gold würde im Preis steigen, weil die US-Notenbank die Geldversorgung ausweitet. Das ist eine eindimensionale Beziehung, die nie aufgehen wird, weil wir in einer dynamischen Wirtschaft leben. Bullenmärkte finden immer nur dann statt, wenn der Vermögenswert in allen Währungen steigt.

Und dann wurde ihnen noch der Unsinn verklickert, dass Gold mit der Inflation steigen würde. Ja sicher, das ist eine großartige Verkaufsmasche, aber jetzt ist es an der Zeit, mit echten Korrelationen zu arbeiten. Wer die Märkte analysiert, anstatt einfach nur Dogmen zu predigen und Mantras wiederzukäuen, stellt nämlich fest, dass Gold merkwürdigerweise nicht mit der Inflation steigt, sondern immer dann im Preis zulegt, wenn das Vertrauen der Menschen in die Regierung schwindet! Ja, überprüfen Sie es und Sie werden vielleicht erstaunt sein.

Das Gesprächsprotokoll vom Januar-Treffen des Offenmarktausschusses der US-Notenbank zeigt, dass sich die Fed-Mitglieder Sorgen darüber machen, dass es sehr schwierig werden könnte, all die Liquidität wieder abzuziehen. Allein schon die Sorge darüber zeigt, dass sie glauben, sie würden über die Macht verfügen, derartige Trends umzukehren. Herbert Hoover hatte in seinen Memoiren bereits darauf hingewiesen, dass dies eine Fehlannahme ist:

„Während dieser neuen Phase der Depression trieb es den Flüchtling Gold und die ausländischen Deviseneinlagen durch Ängste befeuert fortwährend von einem Ort des Planeten zum nächsten. Wir mussten mit ansehen, wie die Währungen zermürbt und die Regierungen in Verlegenheit gebracht wurden, während das Gold aufgrund der Angst von einem Land zum nächsten trieb. Fakt ist, dass es eine Masse an Gold und kurzlaufenden Krediten gab, die sich auf dem sturmgetriebenen Schiffsdeck der Welt wie ein unsicherer Kanonist verhielten.“ – US-Präsident Herbert Hoover, Memoires, Band II

Der Offenmarktausschuss der Fed hat nun also festgestellt, dass die Liquidität letztlich zu einer Instabilität der Finanzmärkte beitragen könnte. Warum? Ja die Fed-Mitglieder sehen gerade dabei zu, wie der Dow Jones seine Hochs des Jahres 2007 testet. Sie haben Angst, dass es sich in eine Blase verwandeln könnte, während sie mit einer schrumpfenden Wirtschaft konfrontiert sind. Sie haben überhaupt keine Ahnung, was sich zurzeit abspielt.

Als die Fed-Mitglieder gefragt wurden, was ihr Notfallplan ist, falls der Euro auseinanderbricht, erklärten sie, dass es keinen Plan dafür gibt, weil das niemals passieren würde. Das ist so, als würde man ein Gebäude ohne Notausgänge bauen, nur weil man die feste Absicht hat, es nicht in Brand zu stecken.

Die Ironie, mit der die Edelmetallanleger jetzt konfrontiert sind, ist, dass die Fed ihre expansive Geldpolitik früher aussetzen könnte, als erwartet wird. Daher bricht Gold ein – weil sich genau diese Verkaufsmasche nun plötzlich in den Gegentrend verwandelt: Kaufen wegen der Inflation und Verkaufen wegen der Deflation.

Das dürfte wohl der Hauptgrund sein, der die schwachen Goldhalter aus dem Markt werfen wird und für den Rückgang sorgt. Nichtsdestotrotz ist das alles aber nichts weiter als leeres Gerede. Gold steigt nicht aufgrund einer Hyperinflation (die nie kommen wird), sondern es wird aufgrund der Staatsschuldenkrise im Preis zulegen. Und wer diesen Unterschied begreift, kann Verluste wie die heutigen vermeiden.

Es ist nicht die Inflation, um die wir uns langfristig gesehen Sorgen machen müssen, sondern der deflationäre Zusammenbruch. In einer Staatsschuldenkrise wie der des Jahres 1931 ist es nämlich leider so, dass das Kapital zurückgeht und die Menschen ihr Geld horten, weil sie verwirrt sind und praktisch solange kein Geld mehr ausgeben, bis sie herausgefunden haben, was sich eigentlich abspielt.

Gold wird nicht aufgrund der Hyperinflation steigen, sondern aufgrund der Staatsschuldenkrise und des Mangels an Alternativen, wo man sein Geld investieren könnte. Der Dollar steigt aktuell, weil die institutionellen Gelder keinen anderen Ort haben, wo sie hingehen könnten: Europa gibt keine vereinheitlichten Schulden aus und Japan ist ein hoffnungsloser Fall. Das ist der Grund, warum die Zinsen für US-Hypotheken mit 30-jähriger Laufzeit nun auf unter 4% gefallen sind und die Banken jetzt versuchen, Hypotheken zu vergeben, während ihre Liquidität immer weiter zunimmt (nicht wegen der US-Notenbank, sondern wegen der Kapitalzuflüsse).

Es ist also von entscheidender Bedeutung, die weltweiten Fundamentaldaten zu erfassen, da es keinen Markt gibt – nicht einmal Gold – der allein aufgrund eines Landes oder eines einzigen Aspekts angetrieben wird. Es ist immer eine globale Angelegenheit.

Gold-Wochenschlusskurs von USD 1.579,50 pro Unze

Die entscheidende Wochen-Marke bei Gold liegt bei USD 1.579,50 pro Unze. Ein Wochenschlusskurs unter dieser Marke wird letztlich zu einem Test im Bereich von USD 1.410 bis USD 1.460 pro Unze führen. Dieser untere Trendkanal dürfte der Bereich sein, wo Gold seinen finalen Test durchführen wird. Die Phase für den Beginn der nächsten großen Goldrally bleibt nach wie vor Herbst 2015.

Es hat jede Menge Hype gegeben, aber „real“, also inflationsbereinigt, muss Gold immer noch über die Hochs von 1980 klettern, was vom Dow Jones bereits erledigt worden ist. Am Ende wird Gold sein Ding machen. Das ist nur eine Frage der Zeit – und genau das ist der Bereich, wo unser Computermodell verdammt gut ist.

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Die goldene Regel im Hinblick auf die Fundamentaldaten lautet, dass sie immer nur gemäß dem Trend interpretiert werden. Wenn alles bärisch ist, werden gute Meldungen als „nicht gut genug“ interpretiert, und wenn der Trend bullisch ist, werden negative Meldungen einfach ignoriert. Es sind aber nicht die Meldungen, die den Markt treiben, sondern es ist ausnahmslos die Markstimmung, die wirklich zählt.

Eine andere goldene Regel besagt, dass die Mehrheit der Anleger immer falsch liegen muss. Das ist der wirkliche Mechanismus, der die Markttrends anheizt. Wenn die Mehrheit feststellt, dass sie auf der falschen Seite des Markts steht, bricht Panik aus und sie leiten einen Richtungswechsel ein, und die Wenigen auf der anderen Seite des Trades, absorbieren diese Bewegung dann.

Deswegen hatte beim Nikkei auch jeder auf steigende Kurse gesetzt. Es war dem Markt aber nicht möglich, eine 23-jährige Rally hinzulegen, weil die schwachen Longs immer da waren, um in die Rallys hinein zu verkaufen. Die Blitzeinbrüche finden dann statt, wenn jeder, der Long ist, versucht zu verkaufen, aber keine Kaufgebote eingehen. Es sind also nicht die Shorts, die für einen Einbruch sorgen, sondern die Longs.

Daher ist es für einen Markt auch gesund, wenn die Longs abgeschüttelt werden. Dadurch regeneriert sich der Markt wieder, da seine künftige Kaufkapazität wiederhergestellt wird und all jene verschwinden, die während der Rallys abverkaufen …

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