Staatsschuldenkrise: Griechenland ist bald überall

Griechenland ist der Kanarienvogel in der Kohlemine: Wer wissen will, was die westlichen Industrieländer in nächster Zeit erwarten wird, braucht nur nach Griechenland zu blicken

Martin Armstrong, Armstrongeconomics.com, 22.02.2013

Mit dem ultimativen Tribut, der für den Marxismus zu entrichten ist, wird dem Herz der westlichen Gesellschaften nun ein tiefer Stoß versetzt. Wir stehen jetzt kurz davor, genau dieselben Lektionen zu lernen, die Russland und China bereits lernen mussten: Man kann Gesellschaften nicht kontrollieren, indem man der Wirtschaft Prosperität aufdiktiert.

Der griechische Präsident Karolos Papoulias gab ein offenes und trostloses Statement ab – und am Ende wird jede Regierung im Westen am Abgrund stehen und genau dieselben Worte wiederholen müssen: „Wir sind mit einer gesellschaftlichen Explosion konfrontiert, sollte der Gesellschaft weiterer Druck auferlegt werden.“

Sogar Paul Volcker musste einräumen, dass das gesamte marxistisch-keynesianische Konzept, der Regierung wirtschaftliche Entscheidungsbefugnisse einzuräumen, extrem einflussreich gewesen ist:

„Die ´Neue Ökonomie` ist zur Orthodoxie geworden. Ihr grundlegendes Dogma, das auf ähnliche Art Rede um Rede, Artikel um Artikel wiederholt wird, wurde von einem ihrer Führer so umschrieben: Als ´die Überzeugung, dass Wirtschaftszyklen nicht unvermeidlich sind und staatliche Politik die Wirtschaft auf einem Weg anhaltendem realem Wachstums mit einer konstanten Zielrate bei der Arbeitslosigkeit halten könnte und sollte.“

Griechenland ist der Kanarienvogel in der Kohlemine. Wir brauchen lediglich die Entwicklungen in Griechenland im Auge behalten. Griechenlands 1,35 Millionen Arbeitslose sind nicht in der Lage, ihr Leben zu bestreiten, und das manifestiert sich in Protesten und Aufständen. Es gibt jedoch auch eine wachsende Zahl an arbeitenden Griechen, die damit zu kämpfen hat, für Nahrungsmittel, Heizung und Kleidung aufzukommen.

Die Lösungen sind Austeritätsmaßnahmen gewesen, mit denen man die Staatsausgaben senkte, während man den Menschen eine immer stärkere Last steigender Steuern aufbürdete. Durch diese Politik wird aber lediglich das Kreditrating des Landes zum Wohle der Anleihehalter gestützt. Die Politik vernichtet den gesellschaftlichen Zusammenhalt, der überhaupt erst dafür sorgt, dass die Menschen zusammenfinden und eine Gesellschaft bilden.

Die griechische Regierung hat das Volk einfach abgeschrieben und konzentriert sich ausschließlich auf das eigene Überleben. So bricht jede Nation zusammen. Die Nationen werden historisch gesehen immer durch Schulden vernichtet.

Das ist auch der Grund dafür, warum die Araber und die Katholische Kirche den Geldverleih gegen Zinsen verboten hatten. Wenn man jemanden Geld leiht, dann um ihm zu helfen – nicht um ihn zu versklaven. Aber die Macht, künftige Kaufkraft als Kreditsicherheit zu hinterlegen, stellt eine viel zu große Verlockung dar – eine Verlockung, der bis jetzt noch jede Gesellschaft erlegen ist.

Die Dachorganisation der griechischen Gewerkschaften, die GSEE, hatte einen Generalstreik ausgerufen, um gegen eine neue Welle an Austeritätsmaßnahmen zu protestieren. Die Gewerkschaft warnt, dass die griechische Arbeiterschaft – wozu auch ein riesiger Staatssektor zählt – viel zu stark geschwächt worden ist, als dass sie zu der Erholung des angeschlagenen Landes noch beitragen könnte.

Griechenlands Problem ist immer die Besteuerung gewesen. Es hätte nie irgendeine Form von direkter Besteuerung geben dürfen, da dadurch lediglich Kapital vertrieben wird. Nur die indirekte Besteuerung – so wie es die Gründungsväter der USA taten – bewahrt die Freiheit und beschränkt das Wachstum des Staats.

Und seitdem Griechenland in 2010 aus den internationalen Schuldenmärkten herausgedrängt wurde, ist es auf Notfallkredite anderer Euroländer und des Internationalen Währungsfonds (IWF) angewiesen. Um diese Notfallkredite zu erhalten, musste sich Griechenland aber bereiterklären, drastische Ausgabeneinsparungen und heftige Steuererhöhungen durchzuführen, um die Staatsverschuldung zu senken.

Diese Maßnahmen haben – genau wie während der Großen Depression in den USA – dafür gesorgt, dass die griechische Wirtschaft abrupt zum Erliegen kam. In beiden Fällen konzentrierten sich die Politiker auf die Anleihehalter und wandten sich gegen ihr eigenes Volk, um die Kreditfähigkeit aufrecht zu erhalten.

Als die Europäische Kommission zu uns kam, warnten wir sie offen heraus, dass der Euro als Einheitswährung nie über Stabilität verfügen würde, solange die Schulden der einzelnen Mitgliedsstaaten nicht in einem EU-Anleihemarkt vereinheitlicht würden.

Im Folgenden finden Sie den Chart, aus dem der wirkliche Grund hervorgeht, warum Griechenland gescheitert ist. Nein, es waren nicht die nominellen Staatsausgaben. Das entscheidende Problem war der Anstieg des Euros in den Weltmärkten von USD 0,80 auf USD 1,60. Das bedeutete nämlich, dass sich der internationale Wert der griechischen Schulden praktisch verdoppelte. Der Anstieg der Staatsverschuldung ab 2008 ist ähnlich den Anstiegen, die wir auch bei den Budgets aller anderen Nationen beobachten konnten.

staatsverschuldung-griechenland---US-Dollars-in-blau---Euros-in-rot

Staatsverschuldung Griechenlands: Nominell (auf Eurobasis) in rot, auf Dollarbasis in blau.

Griechenland mit seinen 11 Millionen Menschen steckt nun bereits seit 5 Jahren in einer Rezession, wobei kein Ende in Sicht ist, sollte es nicht tiefgreifende strukturelle Reformen geben, zu denen auch eine Lösung des Schuldenproblems gehört. Griechenland hat mit 27% die höchste Arbeitslosenrate aller 17 Euroländer. Genauso wie in Spanien liegt die Jugendarbeitslosigkeit in Griechenland (bei den unter 25-Jährigen) bei rund 60%.

Ansonsten gibt es keine weitere Alternative – bis auf Bürgerunruhen und vielleicht sogar eine Revolution. Die Krise – die durch das Scheitern der Politiker ausgelöst wurde, die wirtschaftlichen Zusammenhänge zu begreifen – hat dafür gesorgt, dass in 450.000 griechischen Haushalten überhaupt niemand mehr einer Arbeit nachgeht.

Die Tatsache, dass das Arbeitslosengeld nur zwölf Monate gezahlt wird und der Arbeitslosengeldanspruch strengen Voraussetzungen unterliegt, hat dafür gesorgt, dass aktuell gerade einmal 225.000 arbeitslose Griechen monatliche Arbeitslosengeldzahlungen erhalten.

Wir sprechen hier von einer massiven Hungersnot – und das alles dank der Dummheit der Politik, die von Rechtsanwälten dominiert wird, die allen Ernstes glauben, dass sie nur ein Gesetz zu schreiben bräuchten, an dass sich dann alle halten müssen. Die Politiker sind völlig blind im Hinblick auf ihre eigene Dummheit.

Darüber hinaus ist es in Griechenland zu einem schockierenden Anstieg der Selbstmordrate gekommen, da viele Menschen mit der düsteren Zukunft nicht zurechtkommen, die ihnen durch die Ignoranz der Politiker und ihre Weigerung, Reformen durchzuführen, beschert worden ist.

Die enormen Steuererhöhungen, die jetzt auf den Griechen lasten, haben die Menschen demoralisiert und vernichten die Zukunft der Nation. Was sich hier zurzeit beobachten lässt, ist ein massiver Export von Vermögen mittels Schulden- und Zinszahlungen an nichtgriechische Kreditgeber.

Die den griechischen Arbeitnehmern auferlegten Notsteuern, die dabei helfen sollen, die Schulden zu tilgen, sorgen für einen Wirtschaftszusammenbruch. Diese Notsteuern, die sich für den Einzelnen oftmals auf tausende von Euros belaufen, gehen mit weiteren Steuererhöhungen einher, die [bis Mitte dieses Jahres] gemeinsam mit der Stromrechnung eingezogen werden. Haushalten, die nicht zahlen, wird der Strom einfach abgeschaltet. Und die Regierung wird in 2013 sogar noch eine weitere Runde an Steuererhöhungen durchführen.

Ohne eine umgehende Reform des weltweiten Geldsystems, wird sich das, was wir zurzeit in Griechenland mitverfolgen können, in ein Europa und den Vereinigten Staaten ausbreiten. Wir sind jetzt an einem entscheidenden Kipppunkt. Die Entwicklungen in Griechenland sind überhaupt nichts Ungewöhnliches. Griechenland ist lediglich den Doktrinen gefolgt, die selbst Paul Volcker für gescheitert erklärt hat. Wenn wir Griechenland nicht als Warnung, als Kanarienvogel in der Kohlemine verstehen, werden wir auch unsere eigene Gesellschaft und die unser Nachkommen vernichten.

Ironischerweise könnte das alles innerhalb von 30 Tagen oder noch schneller geklärt werden. Bedauerlicherweise vernichtet eine Regierung sich aber eher selbst, in der Hoffnung darauf, dass sie den Status Quo aufrecht erhalten kann.

Griechenland steht am Abgrund. Und genau da werden wir schon bald alle stehen. Wir dürfen jetzt mitverfolgen, was passiert, wenn die Steuerfähigkeit aufgebraucht ist. Die Rechtsanwälte werden das nie begreifen. Sie glauben, der Macht der Besteuerung seien keine Grenzen auferlegt. Und diese Fehlannahme vernichtet jetzt die Zivilisation.

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