Der lächelnde Trottel

Warum die Deutschen auch für Mali-Kredite bürgen müssen, wie Hitler den Euro rettet, und wie wir die echten Täter erkennen / Der Wochenrückblick mit Hans Heckel

Preußische Allgemeine Zeitung, 01.03.2013

Was waren das für schöne Bilder mit den fahnenschwenkenden Kindern in Mali, die die französischen Soldaten begrüßten. Das wird ein Spaziergang, die islamistischen Terrorherren sind im Handumdrehen in die Wüste gejagt. Da waren sich alle sicher.

Mittlerweile meldet man uns Schießereien aus Städten, die als lange schon befreit galten. Nanu? Wie kann denn das angehen? Irgendwie kommt uns das Drehbuch bekannt vor: Spaziergang, kurzer Prozess – und dann ist endlich Frieden? Von wegen, ab da ging es meist erst richtig los.

Es läuft also nicht richtig rund in Mali, da müssen wir dringend etwas tun. Der französische General François Lecointre, Chef des EU-Einsatzes für die Ausbildung der malischen Soldaten, weiß auch schon, was: Mali benötige nicht bloß Ausbilder, sondern auch Waffen. Dafür fehle dem armen Land aber das Geld, weshalb es für den Waffenkauf Kredite aufnehmen müsse. Da dem Drittweltstaat aber kaum jemand etwas leihen würde, sollten die EU-Länder für die Kredite bürgen.

Warum solche Umstände? Wieso (wenn’s denn schon sein muss) kaufen wir denen die Waffen nicht einfach selber bei unseren Rüstungsbetrieben und schicken sie dann runter? Wer so denkt, kennt die Regeln unserer globalisierten Welt nicht.

Kredite an die malische Regierung sind viel besser: Zunächst hätte Paris so nämlich die Gelegenheit, seinen guten Draht zu der ehemaligen Kolonie dafür einzusetzen, dass die Afrikaner französischen Produkten den Vorzug geben. Die (per Putsch an die Macht gekommene) Regierung von Mali könnte sich überdies ein bisschen was abzweigen, wenn sie das Geld erst mal hat. Regierung sein macht ohne schicke Villa, dicke Karossen und eine Kompanie Dienstboten nur halb so viel Spaß. Außerdem muss das Schweizer Konto gefüttert werden für die Zeit nach dem nächsten Putsch. Man will nach seinem Sturz ja nicht als Ziegenhirte im benachbarten Senegal versauern.

Zu guter Letzt können die Banken bei der Sache ihren Schnitt machen, der ihnen bei Direktlieferung der Waffen entgangen wäre: Erst kassieren sie jahrelang Zinsen, und sobald die nächste Putschregierung die Schuldenrückzahlung für Kredite der aktuellen Putschregierung verweigert, ersetzt der Steuerzahler den Banken ihren „Verlust“, denn er bürgt ja. Wenn sich, was nicht unwahrscheinlich ist, der Mali-Krieg ebenso in die Länge zieht wie andere, ähnlich gelagerte Konflikte, wird er zu einer sagenhaften Geldmaschine heranwachsen, bei der alle absahnen dürfen – bis auf einen, und das sind: Sie!

Na ja, Sie nicht nicht ganz allein, ich bin auch dabei, so wie die anderen deutschen Steuerzahler. Trotzdem kommt man sich bei all der Hin- und Herschieberei von Geld manchmal recht einsam vor. Wie der Dorftrottel, hinter dessen Rücken und auf dessen Kosten sich alle anderen delektieren. Egal, wie wir es drehen und wenden: Es scheint zum Grundgesetz zu reifen, dass der deutsche Steuerzahler am Ende immer der Gelackmeierte sein muss.

Sollte man nicht mal dagegen protestieren? Ja, bloß wie? Von offizieller Seite würde uns entrüstet mitgeteilt, dass Mali schließlich ein „souveränes Land“ sei, das selbst entscheide, bei wem es welche Waffen kauft. Aus Respekt vor seiner Souveränität müssten wir ihm die Kredite garantieren, statt die Afrikaner mit von uns ausgesuchten Waffen-Almosen abzuspeisen.

Zwar wissen die Offiziellen natürlich, dass Länder wie Mali noch nie „souverän“ waren, sondern lediglich Beute wechselnder Raffzähne. Aber das kann glücklicherweise niemand öffentlich sagen, ohne sich dem Vorwurf „westlicher Arroganz“ auszusetzen. Wir sehen: Hinterm Paravent der „Politischen Korrektheit“ kann man jeden Misthaufen verstecken. Den Gestank zu bemerken, gilt als moralisch verwerflich. Daher tut jeder so, als rieche er gar nichts.

Außerdem sollen sich die Deutschen eigentlich darüber freuen, der Trottel sein zu dürfen, statt als „verstoßener Fremdling außerhalb der Völkerfamilie“ auf ihrem Geld sitzen zu bleiben, wegen der Nazis. Es ist Ausdruck reinster Nachsicht, dass man unser Geld überhaupt nimmt. So muss man das sehen, schon kehrt das Lächeln zurück – ein wenig linkisch und debil zwar, aber immerhin.

Das Zitat mit der „Völkerfamilie“ stammt aus Joachim Gaucks glanzvoller Europa-Rede. Europa brauche „jetzt nicht Bedenkenträger, sondern Bannerträger“, bäumt sich der Bundespräsident heroisch auf gegen das „Gefühl der Macht- und Einflusslosigkeit“, das er bei uns ausgemacht haben will.

Genau: Keine Bedenken! Banner in die Luft und marsch! Das ist der Geist, der einst den Euro gebar. Da gab es auch keine „Bedenken“, das wurde einfach gemacht, und der strahlende Erfolg der Gemeinschaftswährung gibt den Bannerträgern von damals doch wohl … Recht?

Nun, so ganz sicher scheint sich da selbst unser Staatsoberhaupt nicht mehr zu sein. Bei seiner Amtseinführung habe er gefordert, so Gauck,  wir sollten „mehr Europa wagen“. Heute schränkt er ein: „So schnell und gewiss wie damals würde ich es heute nicht mehr formulieren.“ Dann muss es aber wirklich ernst sein.

Ist es auch, weshalb der Präsident die ultimative Waffe aus dem Arsenal zerrt, um die Deutschen auf Linie zu halten: „War es doch unser Land, von dem aus alles Europäische, alle universellen Werte zunichte gemacht werden sollten.“ Baff! Die Hitler-Keule. Die holen wohlmeinende Mahner immer heraus, wenn sie etwas rechtfertigen wollen, was an sich nicht zu rechtfertigen wäre. Die Masche haben sich sogar prügel­geile „Antifaschisten“ abgeguckt: Wenn sie jemanden zusammenschlagen oder anderweitig seiner Menschen- und Bürgerrechte berauben wollen, sagen sie einfach: „Das’n Nazi!“, und ganz Gutdeutschland hat vollstes Verständnis für sie, während der Zusammengeschlagene für immer  mit dem Makel herumläuft, der eigentliche Täter zu sein.

Das kann sehr schnell gehen: Derzeit rumort es in einigen Gemeinden, weil dort große Gruppen von Roma aus Rumänien und Bulgarien für Aufhebens sorgen. Die „Welt“ beschreibt die Zustände in einem Duisburger Stadtteil so: „Laute Musik, Geschrei und Grill-Gelage bis tief in die Nacht, aus den Fenstern geworfener Müll, menschliche Exkremente auf dem Gelände, kein Benehmen, kein Anstand.“ Männer pinkelten zwischen Autos, deutsche Nachbarn trauten sich nachts nicht mehr raus.

Die Sache mit den Roma ist wirklich übel, das hat auch ein Duisburger Pastor erkannt und wurde aktiv. Wie? Wie wohl: Er verfasste einen glühenden Aufruf „gegen Rechts“, in dem er mahnt: „Mit großer Sorge sehen wir, dass die angespannte Situation genutzt wird, um rechtsradikales und menschenverachtendes Gedankengut zu verbreiten und die Stimmung weiter anzuheizen.“

Sprich: Nicht das Benehmen der Roma ist verwerflich, sondern die daraufhin entstandene „Stimmung“ der einheimischen Nachbarn. Tatsächlich hat es schon eine Schlägerei gegeben, bei der Jugendliche aus der Nachbarschaft auf die Roma losgegangen sein sollen. Allerdings waren es Türken, die da ausgerastet sind. Wären es deutsche Jugendliche gewesen, hätten Sie in den Nachrichten längst von der Duisburger Lichterkette und der „Nie wieder“-Demo gehört: „Ganz Deutschland ist empört und beschämt über diesen rassistischen, menschenverachtenden …“ – Sie kennen den Rest. So jedoch ist auch dieser Zwischenfall lediglich Anlass, den „Dialog“ zu fördern und nichts zu „dramatisieren“.

Ob man Täter oder Opfer ist, hat eben gar nichts damit zu tun, ob man Täter oder Opfer ist, sondern ob man Deutscher oder Nichtdeutscher ist. Dass das so bleibt, ist uns immer wieder einen kleinen Hitler-Verweis wert. Danach sind die Deutschen schon Täter, wenn ihre „Stimmung“ nicht zu dem passt, was „politisch korrekt“ ist. Im Irrenhaus gilt eine strenge Hausordnung.

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