Václav Klaus: Die Erderwärmungspanikmache ist eine massive Bedrohung unserer Freiheit

Václav Klaus auf der Club for Growth Economic Winterkonferenz 2010 in Palm Beach, Florida, 05.03.2010

Sehr geehrter Herr Vorsitzender, sehr geehrte Damen und Herren,

vielen Dank, dass Sie mir die Möglichkeit geben mich an diese herausragende Zuhörerschaft zu wenden und dafür, dass sich mit baten über ein Thema zu sprechen, das ich als ein Thema von entscheidender Wichtigkeit erachte. Ich bin überzeugt, dass die Ideologie des Umweltschutzes – besonders in ihrer extremen Variante, der weltweiten Erderwärmungspanikmache und ihre weitverbreitete Akzeptanz unter Politikern, Journalisten und allen Arten linker Intellektueller – die Hauptbedrohung für Freiheit und Wohlstand ist, der wir heute entgegensehen.

Davon bin ich absolut überzeugt und warne fortwährend in Schriften und Reden davor – in meinem eigenen Land, der Tschechischen Republik, in Europa, in Amerika und an anderen Orten. Meine letzte Rede zu diesem Thema hielt ich in Kairo in Ägypten. Diese liegt weniger als einen Monat zurück. Vor drei Jahren habe ich meine Argumente in einem Buch mit dem Titel „Blauer Planet in grünen Fesseln“ dargestellt, welches mittlerweile in 15 Sprachen, wie Englisch, aber beispielsweise auch Arabisch oder Japanisch, erhältlich ist. Meine Erfahrung sagt mir, dass zahlreiche Reden, Vorlesungen, das Schreiben von Artikeln und Büchern, Durchführen von Interviews und die Teilnahme an Diskussionen in den Medien hilfreich, aber nicht ausreichend ist. Diese Bemühungen müssen durch politische Aktivität ergänzt werden und wenn ich die Ziele des Club of Growth und das der Konferenz richtig verstanden habe, handelt es sich hierbei um einen Versuch in diese Richtung. Das ist sehr lobenswert. Das ist auch der Grund, warum ich die Einladung annahm und den ganzen Weg aus Prag hierher nach Palm Beach kam. Eine weitere positive Begleiterscheinung ist, dass es hier ein viel wärmerer Ort ist, als gerade in Prag. Sie liegen in einer warmen Gegend und zurück in Prag werde ich bestätigen, dass sie ein derartig gefährliches warmes Klima ohne große Unbequemlichkeiten überlebt haben.

Den Umweltschutz zu kritisieren ist nichts Neues für mich, was ich plötzlich als modische oder trendige Aktivität für mich entdeckte hätte. Zu Beginn der 70er Jahre stieß ich auf die ersten Publikationen des berüchtigten Club of Rome, der versuchte uns einen Schrecken einzujagen, indem er ein unmittelbar bevorstehendes Ende der natürlichen Ressourcen vorhersagte und eine radikale Veränderung unseres Verhaltens verlangte. Ihre Unterstützer hatten bereits damals sehr dramatisch dafür argumentiert, dass wir unseren Verbrauch fossiler Kraftstoffe reduzieren sollten, jedoch – und das sollten wir nicht vergessen – aus anderen, als den heutigen Gründen. Als Ökonom wusste ich, dass es sich dabei um eine falsche Argumentation handelte und die anschließenden vier Jahrzehnte bewiesen dies überzeugend. Heute verfügen wir über mehr nachgewiesene Vorkommen grundlegender Rohstoffen und Energiequellen als vor 40 Jahren. Ich hatte schon damals das Gefühl, dass es sich dabei um eine arrogante, elitäre und dirigistische Doktrin handelte, mit der man versuchte das Wirtschaftswachstum, die allgemeine soziale Entwicklung und den menschlichen Fortschritt aufzuhalten.

Zu dieser Zeit lebte ich unter einem sehr repressiven, zerstörerischen, völlig irrationalen und deshalb unproduktiven kommunistischem Regime und es war mir nicht möglich mich an der Auseinandersetzung über diese Ansichten zu beteiligen. Menschen wie mir war es nicht erlaubt in den Westen zu reisen, geschweige denn davon zu träumen die Möglichkeit zu haben im Ausland Artikel zu veröffentlichen oder Reden zu halten. Dennoch war ich sehr frustriert und konnte nicht verstehen, wie es möglich war, dass eine derartig irrationale Doktrin in der freien westlichen Welt nicht einfach überzeugend widerlegt und verworfen wurde.

1989 brach der Kommunismus zusammen und wir waren endlich frei. Zu meiner großen Überraschung war die Umweltschutzdoktrin immer noch am Leben und florierte in ihrer neuen Verkörperung namens Erderwärmungsdoktrin sogar noch mehr. Im Jahre 1992 billigte man auf dem Rio Earth Summit die Doktrin der Erderwärmung und des Klimawandels als führende Ideologie unserer Zeit. Ich ging davon aus, dass die Ideologie der freien Welt auf Freiheit, parlamentarischer Demokratie und Marktwirtschaft beruhen würde – Konzepte, die für uns in den früheren kommunistischen Ländern im Moment unseres radikalen und revolutionären Wandels vom Kommunismus hin zu einer freien Gesellschaft von entscheidender Wichtigkeit waren. Das Leben unter dem Kommunismus machte uns extrem sensibel, wenn nicht überempfindlich gegenüber allen Anzeichen von Verletzungen und Zerstörung unserer Freiheit. Das ist der Grund, warum ich mich jetzt bedroht fühle. Der Untertitel meines vorgenannten Buches fragt: „Was ist bedroht: Klima oder Freiheit?“ Meine Antwort ist eindeutig: Das Klima ist in Ordnung, was bedroht wird, ist unsere Freiheit.

Der Grund dafür ist, dass der Umweltschutz und seine allerextremste Form, die Erderwärmungspanik, nach einer nahezu beispiellosen Ausdehnung staatlichen Eindringens und staatlicher Intervention in unsere Leben und die Regierungskontrolle über uns verlangen. Wir werden gezwungen Regeln zu akzeptieren, wie wir zu leben, was wir zu tun, wie wir uns zu verhalten, was zu konsumieren, was zu essen, wie wir zu reisen haben und viele andere Dinge. Einige von uns haben während der kommunistischen Ära ähnliche Beispiele derartiger Manipulation am eigenen Leibe erfahren und ich fühle mich verpflichtet alles zu tun um eine ähnliche Entwicklung in der Zukunft zu verhindern.

Es geht jedoch nicht nur um Freiheit. Der Umweltschutz will auch das wirtschaftliche Wachstum unterdrücken, den Wohlstand reduzieren und den menschlichen Fortschritt verhindern. Als ich kürzlich anlässlich des Verkaufsstarts meines Buchs in arabischer Sprache in Ägypten war, wurde mir klar, dass die Menschen sich dort mehr Sorgen um die Aufrechterhaltung ihrer wirtschaftlichen Entwicklung als um die Freiheit, so wie wir sie verstehen, machen. Einige von uns wissen, dass Freiheit und Wohlergehen nicht auseinanderdividiert werden können, aber es ist offensichtlich, dass der Umweltschutz – wie der jüngste Klimagipfel in Kopenhagen veranschaulichte – das wirtschaftliche Wohlergehen beschädigen und den menschlichen Fortschritt, besonders in den Entwicklungsländern, beenden will. Und das ist unakzeptabel.

Die Umweltschützer verlangen die substantielle Reduzierung von Kohlenstoffdioxidemissionen. Wenn das geschieht – mit unseren heutigen Technologien – wird das einen beträchtlichen Kostenanstieg für Energie für Jeden von uns bedeuten, weil es der Nutzung von Öl und Kohle Beschränkungen auferlegen würde, die unzweifelhaft billiger als alle anderen Energiequellen sind. Billige Energie ist die Quelle eines Großteils unseres Lebensstils und Wohlstands. Wenn die Energiepreise steigen, steigen auch die Kosten nahezu alle anderen Güter und Dienstleistungen. Alle Pläne zur Kohlenstoffdioxid-Steuer, dem CO2-Emissionshandel und die Solarstromsubventionen sind Schritte in die falsche Richtung und führen zu heftigem und langanhaltendem wirtschaftlichen Elend mit wenig oder gar keinen Vorteilen.

Meine lebenslange Erfahrung lehrt mich, dass ich damit beginnen muss sehr laut zu protestieren, wenn mir Jemand erklärt: „Vertraue nicht dem Markt, vertraue mir und uns.“ Das hatte ich 40 Jahre meines Lebens unter dem Kommunismus gehört und ich bin nicht bereit es jetzt zu akzeptieren. Der Glaube an die Möglichkeit das Weltklima durch die Reduktion von anthropogenen Kohlenstoffdioxidemissionen kontrollieren zu können – ich nenne es die Theorie der Klimakontrolle – ist genau so irrational, arrogant und anmaßend, wie die jahrelangen kommunistischen Planungen, dass Menschen wie ich Objekte seien.

Wie ich bereits sagte, wurden die Politiker beim Rio Earth Summit 1992 an diese Doktrin herangeführt, fingen an sich in sie zu verlieben und begannen einen ganzen Straus wirtschaftlich zerstörerischer und freiheitsgefährdender Maßnahmen zu organisieren. Sie kamen zu der Schlussfolgerung, dass das Erderwärmungspiel ein leichtes und politisch korrektes ist und aus Sicht möglicher Wahlgewinne eine sehr gute Karte sei, die man ausspielen kann (besonders, wenn es so offenkundig ist, dass sie die Kosten für die Maßnahmen, die sie einleiten, nicht selber zahlen werden und auch nicht für ihre Konsequenzen verantwortlich sind).

Es gibt zahlreiche Argumente die nahelegen, dass die wirkliche Bedrohung für die menschliche Gesellschaft nicht von der Erderwärmung selbst ausgeht. Die wirkliche Bedrohung ist dort, wo Politiker damit beginnen das Klima und uns alle zu manipulieren.

Meine Ansichten sind von den jüngsten Skandalen im Zusammenhang mit der Arbeit des IPCC und einiger ihrer führenden Experten unbeeinflusst. All das ist seit Jahren für Jeden, den es interessierte, bekannt gewesen. Dasselbe ist über all die relevanten Argumente wahr, die in der jetzigen Debatte verwendet werden. Sie sind frei verfügbar und es ist schwierig ihnen etwas fundamental Neues hinzuzufügen. Es ist notwendig weiterhin auf einige grundlegenden Tatsachen und Argumente hinzuweisen, die altbekannt sind, aber leider größtenteils ignoriert werden.

Erstens, ist der statistisch gut dokumentierte weltweite Temperaturanstieg bis zum jetzigen Zeitpunkt sehr gering gewesen und nicht größer als die Temperaturschwankungen der letzten Jahrhunderte und Jahrtausende auch. Durch das gesamte 20. Jahrhundert hindurch, mit all seinen problematischen Datensammlungen und Bereinigungen, betrug er gerade einmal 0,74 Grad Celsius. Ich bin – wegen der Macht der Propaganda der Umweltschützer – immer wieder aufs Neue überrascht, dass die Menschen glauben, er wäre viel höher gewesen.

Zweitens, ist es unbestritten, dass es innerhalb der letzten zwölf Jahre überhaupt keinen signifikanten Nettoanstieg der Erderwärmung gab. Ich weiß, dass dies kein Beweis für die Unmöglichkeit langfristiger Klimaveränderungen ist, aber es ist eine wichtige Information, die weder ignoriert noch heruntergespielt werden sollte. Jeden Tag gibt es neue Informationen und Theorien und einige von Ihnen legen die Wahrscheinlichkeit nicht der Erwärmung, sondern weiterer Abkühlung nahe.

Drittens, der wissenschaftliche Streit über die Ursachen anhaltender Klimaveränderungen ist nicht vorbei, er geht weiter. Trotz gegenteiliger Beteuerungen gibt es darüber keinen wissenschaftlichen Konsens. Was sich immer mehr und mehr abzeichnet, ist, dass CO2 seine Rolle als Hauptübeltäter verliert und die möglichen Auswirkungen von Kohlenstoffdioxid bereits mehr oder weniger „aufgebraucht“ worden sind. Einfache, monokausale Theorien von Funktionszusammenhängen zwischen CO2 und der Temperatur sind augenscheinlich unhaltbar. Es gibt wirklich keine Linearität zwischen CO2-Emissionen und der Temperatur.

Viertens, die Idee eines statischen, sich nicht verändernden Klimas hat zweifellos nichts mit der Historie der Erde gemein. Das Klima hat sich immer verändert und das wird es auch immer.

Ich bin überzeugt, dass die Auswirkungen kleinerer Klimaveränderungen – wie wir sie erlebt haben (und in der vorhersehbaren Zukunft erleben könnten) – durch den Menschen und durch alle Arten von ihm ausgehender Aktivitäten aufgrund ihrer Größe praktisch vernachlässigbar sind. Der IPCC weist in seinen Modellsimulationen darauf hin, dass das Weltbruttosozialprodukt – wegen höherer Temperaturen – im Jahr 2100 um 2,9% niedriger liegen wird, als ohne irgendeine Erwärmung. Ich wiederhole, nur 2,9%, wenn wir nichts tun und die Erwärmung – die vom IPCC prognostiziert wurde – ihren Lauf nehmen lassen. Dieselben Modelle legen nahe, dass das Bruttosozialprodukt in Industrieländern pro Kopf, im Gegensatz zu heute, um das Achtfache angestiegen sein wird und in den Entwicklungsländern um das Fünffache höher sein wird, als heute in diesen Ländern.

Diese Zahlen sind nicht von mir, diese Zahlen stammen von führenden Vertretern der Erderwärmungsdoktrin. Die Fragen muss daher gestellt werden: Sollen wir die heutigen CO2-Emissionen drastisch um 20%, 30%, 50% oder 80% senken und damit unseren Lebensstil zum Wohle ein solch minimalen Effekts aufgeben, wenn man dabei berücksichtigt, dass es künftige Generationen wesentlich besser haben werden, als wir heute? Meine Antwort ist, dass 2,9% des künftigen Bruttosozialprodukts ein geringer Verlust sind. Der Verlust, der durch den komplett sinnlosen Kampf gegen die Erderwärmung geschaffen wird, so wie er von den gegenwärtigen Erderwärmungspanikmachern geplant worden ist, wäre bei Weitem größer.

Die Politiker, ihre Bürokraten und viele gutmeinende Personen, welche die Panik schürenden Ansichten des anthropogenen Klimawandels akzeptieren, hoffen vielleicht, dass sie mit einem derartigen Verhalten Intelligenz, Tugend und Altruismus zur Schau stellen. Einige von ihnen glauben sogar, dass sie die Erde retten. Wir sollten sie darüber informieren, dass sie lediglich passive Figuren in den Händen der Lobbyisten sind, der Produzenten der Ökotechnologien, der Landwirtschaftsunternehmen die Ethanol produzieren, der Handelsfirmen die mit CO2-Emissionsrechten Geschäfte machen usw., die hoffen auf unsere Kosten Milliarden zu machen. Da gibt es keinen Altruismus. Es handelt sich um eine kaltherzige politische und unternehmerische Kalkulation.

Bevor ich zum Schluss komme, muss ich meine Frage wiederholen: „Was ist bedroht?“ Meine Antwort ist: „Unsere Freiheit und unser Wohlstand.“

Einen letzten Kommentar. Sehr oft erlebe ich, dass die Menschen zwei Sachen durcheinanderbringen – einen notwendigen Schutz der Umwelt (notwendig, weil kein Zweifel darüber besteht, dass wir uns um Flüsse, Seen, Meere, Wälder und die Luft kümmern müssen) und einen irrationalen Versuch gegen den Klimawandel zu kämpfen und das Klima zu schützen. Ich begrüße rationale Bemühungen außerordentlich, wenn es um Umweltschutz geht, aber ich lehne jegliche Versuche das Klima zu verändern – oder wie ich oft höre – den Klimawandel zu bekämpfen mit Entschiedenheit ab.

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