US-Generalstabschef ist besorgt über einen israelischen Angriff auf den Iran

Ray McGovern, Consortiumnews.com, 06.03.2010

Admiral Mike Mullen, Vorsitzender der Vereinigten US-Generalstabschefs, kehrte mit nassgeschwitzten Händen von seiner Reise aus Israel zurück, die Mitte Februar stattfand. Er machte sich lautstark Sorgen darüber, dass Israel die USA in einen Krieg mit dem Iran verwickeln werden.

Das ist besonders deshalb Anlass zur Sorge, weil Mullen in der Vergangenheit beträchtliche Erfahrung dabei hatte, derartigen Plänen der Israelis Einhalt zu gebieten. Dieses Mal scheint er überzeugt zu sein, dass die israelischen Führer seine Warnungen nicht ernst nehmen – ungeachtet der von ihm in Spiel gebrachten ungewöhnlich deutlichen Worte.

Bei seiner Ankunft in Jerusalem am 14.02.2010 verschwendete Mullen keine Zeit und machte klar, warum er gekommen ist. Er bestand öffentlich darauf, dass ein Angriff auf den Iran „ein großes, großes, großes Problem für uns alle [ist] und ich über die nicht beabsichtigten Konsequenzen sehr besorgt bin.“

Auf einer Pressekonferenz des Pentagon am 22.02.2010 wies Mullen auf denselben Punkt unter Verwendung derselben Ausdrucksweise hin. Nachdem er die gewöhnliche Standardklausel zum Iran aufsagte, dass Land sei „auf dem Weg die nukleare Bewaffnung zu erreichen“ und habe den „Wunsch über seine Nachbarn zu herrschen“ fügte er seinen vorbereiteten Anmerkungen etwas hinzu:

„Ich mache mir sehr große Sorgen über die nicht beabsichtigten Konsequenzen jeglicher Art militärischer Aktion. Bis jetzt sind es die diplomatischen und wirtschaftlichen Hebel internationaler Macht und es sollten auch die Hebel sein, welche zuerst gezogen werden. Ich würde in der Tat hoffen, dass sie immer und fortwährend betätigt würden. Kein Angriff, egal wie wirkungsvoll, wird von entscheidender Bedeutung sein.“

Das sagte er bei der Beantwortung einer Frage zur „Effizienz“ militärischer Angriffe auf Irans Nuklearwaffenprogramm. Mullen sagte, solche Angriffe „würden es um ein bis drei Jahre verzögern“ und hob damit nochmals hervor, was damit gemeint war, als er sagte, dass „ein militärischer Angriff nicht entscheidend wäre“.

Kein Gequatsche über Krieg

Im Gegensatz zu seinen jüngeren Generälen, wie David Petraeus und Stanley McChrystal, diente Admiral Mullen im Vietnam Krieg. Es scheint so, als wäre diese Erfahrung der Grund für die anmutige philosophische Anmerkung auf der Pressekonferenz gewesen:

„Ich möchte Jeden an eine entscheidende Wahrheit erinnern: Der Krieg ist blutig und rau. Er ist chaotisch und hässlich und unglaublich verschwenderisch, aber das bedeutet nicht, dass er die Kosten nicht wert ist.“

Obwohl er sich bei dieser Bemerkung auf Afghanistan bezog, hat Mullen ein ums andere Mal betont, dass ein Krieg mit dem Iran ein wesentlich größeres Desaster wäre. Jene mit einem Minimum an Wissen darum, was militärisch, strategisch und wirtschaftlich dem Spiel steht, sind sich im Klaren darüber, dass er Recht hat.

Der Rausschmiss von „Fox“

Erinnern wir uns zurück: Einer von Mullens Vietnamveteranen und Zeitgenossen, Admiral Willam „Fox“ Fallon, wurde März 2008 als CENTCOM Kommandeur entlassen, weil er solche Sachen sagte: „[Zu einem Krieg mit dem Iran] wird es unter meinem Kommando nicht kommen.“ Fallon ermutigte öffentlich zu Verhandlungen mit dem Iran, als einzig sinnvollen Ansatz und kritisierte das „fortwährende Kriegsgerassel“ aufs heftigste.

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Admiral William "Fox" Fallon und Admiral Mike Mullen

Fallons Einstellung scheint von dem politisch vorsichtigeren – und rhetorisch weniger direkten – Admiral Mullen geteilt zu werden, da dieselben Kriegstöne gegen den Iran jetzt immer lauter werden. Fallon verabscheute den Gedanken am empfangenden Ende eines Befehls zu stehen, der vom damaligen Vizepräsidenten Dick Cheney und dem stellvertretenden Nationalen Sicherheitsberater Elliott Abrams inspiriert gewesen wäre – amerikanische Truppen in etwas zu schicken, was mit Sicherheit, wie Mullen es beschreiben würde, ein „blutiger, rauer, chaotischer, hässlicher und unglaublich verschwenderischer“ Krieg sein würde.

Wie stark der Druck innerhalb der Busch-Regierung war den Iran anzugreifen und/oder Israel „grünes Licht“ für den Vormarsch zu geben, kann zwischen den Zeilen eines Schlagabtauschs gelesen werden, der zwischen dem ABC News Moderator der „This Week“, Jonathan Karl, und dem früheren Vizepräsidenten Cheney stattfand.

Karl: „Wie nah stand die Bush-Regierung vor der Entscheidung militärische Maßnahmen gegen den Iran zu ergreifen?“ Cheney: „Über einiges davon kann ich verständlicherweise immer noch nicht sprechen. Ich bin mir sicher, dass unterliegt immer noch der Geheimhaltung. Ganz klar, haben wir niemals die Entscheidung getroffen – wir haben niemals die Grenze überschritten zu sagen ´Jetzt werden wir eine militärische Operation aufziehen um mit dem Problem umzugehen`…“

Karl: „David Sanger von The New York Times sagt, dass die Israelis zu Ihnen kamen – in den letzten Monaten der Regierung – und um bestimmte Sachen baten, bunkerbrechende Bomben, Luftbetankungskapazitäten, Überflugrechte und dass Sie im Grunde genommen hin und her schwankten und den Israelis keine Antwort gaben. War das ein Fehler?“ Cheney: „Da kann ich noch nichts zu sagen. Ich denke eine Menge dieser Gespräche sind immer noch sehr vertraulich.“

Karl: „Darf ich Sie fragen: Hatten Sie in den letzten Monaten für eine härtere Linie plädiert, auch im militärischen Bereich?“ Cheney: „Im Allgemeinen.“

Karl: „Und bezüglich des Iran?“ Cheney: „Na ja, ich habe dahingehend öffentliche Aussagen gemacht, fest davon überzeugt zu sein, dass wir eine militärische Option haben müssten, sie auf dem Tisch sein müsste, es eine sinnvolle Option sein müsste und wir durchaus von den militärischen Streitkräften Gebrauch machen müssten um mit der Bedrohung, die der Iran darstellte, umzugehen…Aber wir sind nie bis an den Punkt gelangt, wo der Präsident sich zwischen dem einen oder anderen Weg entscheiden musste.“

Erneuter Druck

Es ist eindeutig, dass der Druck innerhalb der ersten 13 Monate, seit die Obama-Regierung im Amt ist, erneut angewachsen ist. Nun scheint es so, als wäre Admiral Fallon durch Admiral Mullen als das militärische Haupthindernis der Durchführung der Kriegsoption gegen den Iran ersetzt worden.

Nach seinem früheren Verhalten wie auch seinen zahlreichen Äußerungen zu urteilen, die er seit seiner Ernennung zum ranghöchsten Offizier des Landes im Oktober 2007 machte, scheint es offenkundig, dass Mullen nicht der Meinung ist, ein „Präventivkrieg“ gegen den Iran sei die schrecklichen Kosten wert.

Washingtons Rhetorik, die von den Stenographen der kriecherischen Konzernmedien innerhalb der letzten acht Jahre eins zu eins wiedergegeben wurde, verlieh dem internationalen Verbrechen des Angriffskriegs eine Fassade der Ehrenhaftigkeit, solange dieser seitens der USA eingeleitet oder kontrolliert wird. Mit Zustimmung der kriecherischen Konzernmedien brachten Bush und Cheney die Anschauung an den Mann, solche Angriffe könne man dadurch rechtfertigen, dass man einige künftige hypothetische Bedrohungen gegenüber den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten „verhindert“. Das sorgte für eine dünne Feigenblattbegründung für den Einmarsch in den Irak, der in diesem Monat genau sieben Jahren zurückliegt.

Die Obama-Regierung hat sich von derartigem Denken noch nicht vollständig distanziert.

Währenddessen brachte die US-Außenministerin Hillary Clinton am 14.02.2010 in Katar ihre Sorgen über das zum Ausdruck, was sie „sich anhäufende Beweise“ eines iranischen Versuches nach Nuklearwaffen zu streben nannte, nicht weil es „direkt die Vereinigten Staaten bedroht, sondern [weil] es direkt eine Menge unsere Freunde bedroht“ – sprich Israel.

Mullen für seinen Teil scheint sich über die Verfassung, auf dessen Verteidigung er einen Eid abgelegt hat, ziemlich im Klaren zu sein. Diese weist keine Bestimmungen für die Art des Krieges aus, in den er hineingezogen werden könnte um Israel zu verteidigen. Als er auf der Naval Academy studierte, lehrten seine Professoren immer noch die Vormachtsbestimmung der Verfassung (Artikel VI, Klausel 2), dass Verträge vom Senat ratifiziert sein müssen um „höchstes Recht des Landes“ zu werden.

Es wäre ganz einfach ein schamloser Verstoß gegen das höchste Rechte des Landes, die vom Senat ratifizierte Charta der Vereinten Nationen, die es den Vereinigten Staaten verbieten sich an einem nicht provozierten Angriff auf den Iran ohne Zustimmung des UN-Sicherheitsrates zu beteiligen, welcher dem sicherlich nicht zustimmen würde – ebenso, wie er dem Angriff auf dem Irak nicht zustimmte.

Des Weiteren scheint Admiral Mullen einer der wenigen Amerikaner zu sein, die sich darüber im Klaren sind, dass es keinen gemeinsamen Verteidigungsvertrag zwischen den Vereinigten Staaten und Israel gibt und die USA daher auch keine rechtliche Verpflichtung haben Israels Verteidigung beizuspringen, wenn es einen Krieg mit dem Iran entfacht. Mit anderen Worten ist Israel in streng juristischem Sinne nicht unser „Verbündeter“.

Tut mir leid, aber ein Verbündeter kann nicht dadurch geschaffen werden, indem man das Wort ständig wiederholt.

Jetzt könnten Sie vielleicht spötteln. „Jeder weiß doch“ werden Sie sagen, dass die politischen Realitäten in Amerika dem US-Militär auferlegen, dass es Israel verteidigen muss, ganz egal, wer einen Konflikt vom Zaun bricht.

Dennoch gab es eine Zeit – nach dem israelisch-arabischen Krieg im Jahre 1967, als Israel erstmals palästinensische Gebiete besetzte – wo die USA die Möglichkeit eines gemeinsamen Verteidigungsvertrages ausloteten. Dies geschah in der Erwartung, dass mehr Ruhe in die Region gebracht werden könnte, wenn man den Israelis ein stärkeres Gefühl von Sicherheit verleiht.

Aber die Israelis zeigten die kalte Schulter. Solche Verträge benötigen, wie Sie wissen, international anerkannte Grenzen und Israel wollte sich nicht von irgendeinem Teil der Territorien trennen, die es gerade erst militärisch eingenommen hatte.

Daneben verpflichten gemeinsame Verteidigungsverträge gewöhnlich auch beide Parteien sich gegenseitig zu informieren, sollte eine Partei beabsichtigen ein drittes Land anzugreifen. Israel wollte diesen Teil ebenfalls nicht.

Dieser praktisch unbekannte Hintergrund hilft zu erklären, warum es sich bei dem Fehlen eines beidseitigen Verteidigungsabkommens um mehr als nur einen kleinlichen akademischen Punkt handelt.

Warum ist Mullen besorgt?

Wenn es sich bei Admiral Mullen um einen alten Hasen bei der Zügelung der Israelis handelt, warum ist er dann aktuell so sichtbar besorgt? Er ist es gewöhnt den Israelis die Leviten zu lesen. Was könnte nun so anders sein?

Mitte 2008, in den letzten Tagen der Bush-Regierung, das letzte Mal als Cheney und Abrams für eine aggressive militärische Aktion gegen den Iran plädierten, verloren sie die Argumentation gegen Mullen und seine leitenden Kommandeure, welche die Zustimmung des Präsidenten gewannen.

Als der frühere Premierminister Israels, Ehud Olmert, zu beabsichtigen schien Feindseligkeiten gegenüber dem Iran einzuleiten, noch bevor Bush und Cheney aus ihren Ämtern gingen, befahl Bush Admiral Mullen nach Israel um den Israelis in deutlichen Worten klarzumachen, dass sie es sein lassen sollten. Mullen nahm sich der Sache freudig an und übertraf sich dabei sogar noch selbst.

Wir erfuhren aus der israelischen Presse, dass Mullen sogar soweit ging die Israelis zu warnen an einen weiteren Vorfall auf See – wie der israelische Angriff auf die USS Liberty am 08.07.1967, bei dem 34 Amerikaner an Bord getötet und über 170 verletzt wurden – noch nicht einmal zu denken. Mit Bushs voller Rückendeckung erklärte Mullen den Israelis, sie mögen sich von der Vorstellung befreien, dass das US-Militär Israel reflexartig beispringen würde, wenn sie irgendwie offene Feindseligkeiten gegenüber dem Iran provozierten.

Nie zuvor hatte ein leitender US-Beamter die Israelis so offen bezüglich des Vorfalls mit der USS Liberty zur Rede gestellt, einen Vorfall, der skrupellos von Lyndon B. Johnsons Regierung, dem Kongress und der Marine selbst vertuscht wurde.

Die Lektion, welche die Israelis aus dem Liberty-Vorfall lernten, war, dass sie wegen der politischen Realitäten in den Vereinigten Staaten mit Mord buchstäblich ungestraft davonkämen. Nie wieder, sagte Mullen. Er hätte kein neuralgischeres Thema aufwerfen können.

Also noch einmal: Was ist heute anders? Was ist der Grund für Mullens Entscheidung weiterhin seine Sorgen über „unbeabsichtigte Konsequenzen“ zum Ausdruck zu bringen?

Ich glaube der Admiral hat Angst, dass die Dinge außer Kontrolle geraten. Ob es einen Krieg geben wird, hängt nicht von Mullen ab – noch nicht einmal von Obama. Es hängt in erster Linie von dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu ab. Und Mullen tut gut daran sich Sorgen zu machen.

Netanjahus Eindruck von Obama

Alles in allem ist es wahrscheinlich, dass Netanjahu zu dem Schluss gekommen ist, dass Barack Obama – volkstümlich gesprochen – ein Schlappschwanz ist. Warum sendet der Präsident beispielsweise ständig nicht enden wollende Prozessionen der allerhöchsten US-Beamten nach Tel Aviv um bei ihren israelischen Gegenübern vorzubringen: Bitte, bitte, bitte, fangt keinen Krieg mit dem Iran an.?

Die tickende Zeitbombe, Vizepräsident Joe Biden, reist am Montag an, hoffentlich mit deutlicheren Anweisungen als jene, die er am 04.07.2009 ABC fröhlich mitteilte, dass Israel ein „souveränes Land“ sei und daher „berechtigt“ einen militärischen Angriff gegen den Iran einzuleiten, wobei er noch anführte, dass Washington keine Bemühungen einleiten würde die israelische Regierung davon abzubringen.

Wird Biden in der Lage sein, dieses Mal nicht ins Fettnäpfchen zu treten oder wird seine vier Jahrzehnte währende Erfahrung im Senat – wo man lernt, wie man sich mit politischem Respekt gegenüber Israel positioniert – wieder zur Geltung kommen.

Es ist eine sichere Wette, dass Netanjahu über eine derartig unterwürfige Affenkomödie amüsiert ist. Aber der Eindruck von Obamas Rückgrat – oder dessen Fehlen – ist der Schlüssel. Der israelische Premierminister muss einiges aus Obamas Aversion gegenüber den fast USD 3 Milliarden pro Jahr, welche die Israelis von den USA erhalten, gelernt haben. Warum schnappt sich Obama nicht einfach das Telefon und warnt mich persönlich?, könnte sich Netanjahu durchaus denken.

Hat Obama solch heftige Angst vor der mächtigen Likud-Lobby, dass er es nicht schafft selber anzurufen? Hat der Präsident Angst davor, dass sein Stabschef, Rahm Emanuel, zuhören könnte und den Gesprächsinhalt dann über neokonservative Experten, wie Dana Milibank von der Washington Post, weitergeben könnte.

Benjamin Netanjahu hatte genügend Zeit unseren Präsidenten einzuschätzen. Ihre erste Begegnung im Mai 2009 erinnerte mich sehr an das desaströse Treffen in Wien, wo sich ein anderer junger amerikanischer Präsident und Nikita Chruschtschow Anfang Juni 1961 trafen. Die Sowjets taxierten Präsidenten John Kennedy und ein Ergebnis war die Kubanische Raketenkrise, welche die Welt näher als jemals zuvor und danach an den Rand nuklearer Zerstörung brachte.

Der israelische Premierminister hat festgestellt, dass es möglich ist Obamas wiederholten Bitten der Einstellung der Baumaßnahmen in den illegalen israelischen Siedlungen der besetzten Gebiete einfach eine lange Nase zu machen – ganz ohne Konsequenzen. Ferner hat Netanjahu beobachtet, wie Obama ein ums andere Mal – bei inländischen, wie auch internationalen Themen – zurückstecken musste.

Netanjahu entwirft sich selbst als jemanden, der die vorteilhafte Verhandlungsposition einnimmt, größtenteils wegen dem beispiellosen Einfluss der Likud-Lobby bei den US-Gesetzgebern und Meinungsmachern – ganz zu schweigen von dem Entree, das die Israelis zum Staatschef selbst genießen, da sie mit Rahm Emanuel einen ihrer standhaftesten Verbündeten als Stabschef im Weißen Haus haben. Im Geheimdienstgeschäft könnten wir das einen „Einflussagenten“ nennen.

Rahm Emanuels Vater, Benjamin Emanuel, wurde in Jerusalem geboren und diente vor der Unabhängigkeit in der zionistischen Guerillagruppe Irgun. Während des Zweiten Golfkrieges, er war damals knapp über 30, reiste Rahm als ziviler freiwilliger Helfer nach Israel um die israelische Armee zu unterstützen. Er diente in einer der nördlichen Basen der israelischen Streitkräfte.

Mullens Sorgen

Netanjahu ist sich dank seiner Position bei den Machern und Entscheidern im US-Kongress, den Meinungsmachern in Washington und selbst in der Obama-Regierung seiner Überlegenheit absolut sicher. Und er sendet Zeichen aus, dass er vom Präsidenten unbeeindruckt ist.

Diese Faktoren verstärken die Möglichkeit, dass Netanjahu sich für die Art von Provokation entscheiden wird, die Obama mit einer Situation konfrontieren würde, wo er überhaupt keine Wahl hat, ob er dem Angriff der Israelis beispringt oder nicht.

Und deshalb macht sich Mullen auch weiterhin Sorgen – nicht nur über „unbeabsichtigte Konsequenzen“, sondern genauso über beabsichtigte Konsequenzen. Zu den unmittelbarsten Konsequenzen könnte gehören, dass Obama in einen Krieg mit dem Iran hineingezogen wird und US-Truppen dafür abstellt.

Und Jene, die kühn sagen, „es liegt alles auf dem Tisch“, seien daran erinnert, dass dies in diesem Zusammenhang eine ganze Menge wäre.

In der heutigen Zeit scheint nur sehr wenig haarsträubend zu sein. Erinnern Sie sich an den Bericht von Seymour Hersh über die Pläne, die man in Cheneys Büro schmiedete, wie genau man am besten einen Krieg mit dem Iran vom Zaun brechen könne?

„Derjenige, der mich [Hersh] am meisten interessierte, war, warum bauen wir nicht – in unserer Werft – vier oder fünf Patruoillen-Torpedo-Boote, die aussehen wie iranische Patrouillenboote. Setzen Navy SEALs drauf mit jeder Menge Waffen. Und das nächste Mal, wenn eines unserer Boote durch die Straße von Hormus fährt fangen wir eine Schießerei an.“

Mit anderen Worten ein dem Tonkin-Zwischenfall ähnliches Geschehen, der von Präsident Johnson genutzt wurde um eine massive Ausweitung in Vietnam zu rechtfertigen.

Ein moderner Tonkin-Zwischenfall in der Straße von Hormus könnte jedoch wesentlich problematischer sein, angesichts der Rolle dieser Wasserstraße, als bedeutende Versorgungsroute für Öltanker, die notwendig sind um die Weltwirtschaft am Laufen zu halten.

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Straße von Hormus - Zum Vergrößern anklicken.

Der befahrbare Teil der Straße von Hormus ist eng und es kommt dort nachts schon so zu Zusammenstößen, ohne das es beabsichtigt wäre. Zum Beispiel:

„DUBAI, Vereinigte Arabische Emirate (AP) – Am Abend des 08.01.2007 stieß ein atombetriebenes US-U-Boot mit einem japanischen Ölfrachter in der Straße von Hormus zusammen, durch welche 40% der weltweiten Öllieferungen transportiert werden, so Beamte. Der Zusammenstoß zwischen der USS Newport News und dem unter japanischer Flagge fahrenden Motorschiff Mogamigawa erfolgte ungefähr gegen 22:15 (Ortszeit) in der Straße von Hormus, während das U-Boot unter der Wasseroberfläche gerade die Straße durchquerte.“

Oder AP am 20.03.2009:

„Das Atom-U-Boot USS Hartford stieß heute mit Amphibienboot USS New Orleans in den Gewässern zwischen dem Iran und der arabischen Halbinsel zusammen. Fünfzehn Matrosen wurden an Bord der Hartford leicht verletzt…die New Orleans erlitt einen Riss am Tank und verlor 25.000 Gallonen Diesel. Die Schiffe befanden sich auf der vielbefahrenen Straße auf Routinesicherheitspatrouille.“

Denken Sie auch zurück an die bizarren Berichte über den Vorfall am 06.01.2008 in der Straße von Hormus, wo es von iranischen Motorbooten und US-Marineschiffen nur so wimmelte.

Die Verhinderung eines Präventivkrieges

Der Persische Golf wäre ein idealer Ort für Israel um eine Provokation zu starten, die zu iranischer Vergeltung und im Gegenzug zu einem groß angelegten Angriff Israels auf Irans Nuklearanlagen führen würde. Admiral Mullen ist sich über dieses mögliche Szenario absolut im Klaren und erklärte am 02.07.2008 auf einer Pressekonferenz, dass der militärische Dialog zwischen den USA und dem Iran für „ein besseres Verständnis sorgen könnte“.

Wenn man Mullens Sorgen für authentisch hält (und ich glaube, sie sind es), würde es von ihm verlangen die Idee wieder aufleben zu lassen den Iranern einen solchen Dialog formell vorzuschlagen. Als leitender US-Militärbeamter sollte er sich nicht von neokonservativen Untergrundkämpfern – die mehr an einem Regimewechsel in Teheran interessiert sind, als an einer gemeinsamen Übereinkunft und Reduzierung der Spannung – matt setzen lassen.

Die folgenden zwei einfachen Vorschläge gehen in Richtung Vermeidung einer bewaffneten Konfrontation mit dem Iran – ob unbeabsichtigt oder von Jenen provoziert, die in der Tat Feindseligkeiten auslösen und die USA verstricken wollen:

1. Schaffung einer direkten Kommunikationsverbindung zwischen den höchsten Militärs in Washington und Teheran um die Gefahr eines Unfalls, von Fehlkalkulationen oder verdeckter Angriffe zu minimieren.

2. Umgehende Einleitung von Verhandlungen höchster Marineoffiziere auf iranischer wie US-amerikanischer Seite um eine Vereinbarung zur Verhinderung von Zwischenfällen auf See abzuschließen.

Eine Kommunikationsverbindung hat sich in der Geschichte während der Zeiten hoher Spannung verdient gemacht. Bei der Kubanischen Raketenkrise von 1962 unterschätzte man die Notwendigkeit direkter Kommunikation auf Leitungsebene und man errichtete im darauffolgenden Jahr einen „Heißen Draht“ zwischen Washington und Moskau. Diese Direktverbindung spielte dann beispielsweise auch bei der Verhinderung des Ausbruchs eines Krieges im Nahen Osten während des Sechstagekrieges Anfang Juni 1967 eine entscheidende Rolle.

Ein weiterer sinnvoller Beispielfall ist die Vereinbarung zur Verhinderung von Zwischenfällen auf See zwischen den USA und der Sowjetunion, die im Mai 1972 in Moskau unterzeichnet wurde. Bei dieser Periode handelte es sich um einen weiteren von beträchtlicher Spannung gekennzeichneten Zeitpunkt zwischen beiden Ländern, es kam zu mehreren unbeabsichtigten Zusammenstößen der Marine, die sehr schnell hätten eskalieren können. Die Vereinbarung reduzierte die Wahrscheinlichkeit derartiger Vorfälle deutlich.

Es dürfte für amerikanische und iranische Führer schwierig sein sich Maßnahmen zu verweigern, die derart Sinn machen. Presseberichte zeigen, dass derartige Schritte von höchsten US-Kommandeuren im Persischen Golf befürwortet wurden. Und wie oben ausgeführt, hat sich Admiral Mullen bereits für einen zwischenmilitärischen Dialog ausgesprochen.

Angesichts der aktuellen Umstände ist es von erhöhter Dringlichkeit ernsthaft darüber zu sprechen, wie unsere Länder einen Konflikt verhindern können, der durch einen Unfall, eine Fehlkalkulation oder Provokation seinen Anfang nehmen könnte. Weder die USA noch der Iran können es sich leisten, dass ein vermeidbarer Zwischenfall auf See außer Kontrolle gerät.

Mit einem Minimum an gegenseitigem Vertrauen könnte man für diese Aktionen von beiden Regierungen breite und unverzügliche Unterstützung gewinnen.

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