Schuldencrash & Bankenpleiten: Ära des lockeren Geldes steht noch ganz am Anfang

John Browne, Euro Pacific Capital, 06.03.2013

Letze Woche nahm sich der Fed-Vorsitzende Ben Bernanke während seiner Kongressanhörung die Zeit, die Bedeutung der wenigen ihm widersprechenden Stimmen im Offenmarktausschuss herunterzuspielen. Bernanke’s Statements und die noch gelddruckfreundlicheren Ausführungen der stellvertretenden Fed-Vorsitzenden Janet Yellen ein paar Tage zuvor bestätigen unmissverständlich, dass die FED nach wie vor gewillt ist, ihre quantitativen Lockerungen in Höhe von USD 85 Milliarden pro Monat unbefristet fortzusetzen.

Es war überraschend, dass es beiden Figuren nicht gelang, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, aber die Medien konzentrierten sich auf die USD 85 Milliarden an jährlichen Einsparungen, die bei der US-Regierung nun aufgrund der automatischen Haushaltseinschnitte zum Tragen kommen. Die Aktienmärkte haben die Botschaft trotzdem laut und deutlich vernommen und stellen zurzeit täglich neue Rekorde auf.

Die scheinbaren Triumphe der US-Notenbank, den Aktienmarkt und den Immobilienmarkt aufzublähen, ohne dabei einen Abverkauf des US-Dollars oder eine deutlich sichtbare Inflation auszulösen, sind den weltweiten Beobachtern nicht entgangen.

Viele haben das letzte Jahrzehnt als eine Ära des lockeren Geldes bezeichnet. Wie sich nun herausstellt, könnte diese Charakterisierung wohl etwas voreilig vorgenommen worden sein. Wenn wir uns die neue Riege an Zentralbankern anschauen, die zurzeit darauf vorbereitet wird, die Kontrolle über das Weltfinanzsystem zu übernehmen, könnte es durchaus sein, dass die Ära des wirklich lockeren Geldes gerade erst losgeht.

Viele rechnen damit, dass, wenn Bernankes Amtszeit im Januar 2014 endet, die gelddruckfreundliche Yellen seine Nachfolgerin werden wird. Doch das ist nur der Anfang. Kurz darauf wird eine ganze Reihe an Serien-Gelddruckern das Ruder der wichtigsten Zentralbanken des Planeten übernehmen.

Im Januar dieses Jahres wurde der kanadische Banker und überzeugte Keynesianer Mark Carney ausgewählt, um Mervin King im Juli 2013 als Gouverneur der Bank von England zu ersetzen. Obwohl es in Großbritannien 63 Millionen Einheimische gibt, unter denen man sich einen Gouverneur hätte aussuchen können, hat sich die sogenannte konservative Regierung nun dafür entschieden, erstmals in der Geschichte einen Ausländer mit der Leitung der Bank zu beauftragen.

Mit einem Gehalt von rund USD 1,2 Millionen pro Jahr wird er mehr verdienen, als die Chefs der US-Notenbank und der Europäischen Zentralbank zusammengenommen. Zweifelsohne kann Carney ein solches Gehalt bekommen, da er das künstliche Pfund genauso aus dem Nichts schaffen kann, wie es Bernanke mit dem Dollar tut. Und er spricht ja heute bereits davon, das britische Inflationsziel von 2% anzuheben.

In einer weiteren Anstrengung, den Wert der Währung zu verwässern, sprach der stellvertretende Direktor der Bank von England, Paul Tucker, jüngst von seiner Idee, negative Zinssätze festzusetzen. Das alles zielt darauf ab, die Wirklichkeit im Zaum zu halten.

Und die Japaner – die seit über einem Jahrzehnt unter wirtschaftlicher Stagnation leiden – haben vor kurzem Shinzo Abe zum Premierminister gewählt, der buchstäblich versprochen hat, die expansivste Geldpolitik aller Industrieländer zu implementieren. Abe hat bereits einen Teil seiner Wahlkampfversprechen umgesetzt und Haruhiko Kuroda als nächsten Gouverneur der Bank von Japan ausgewählt. Kuroda ist ein weiterer bedeutender keynesianischer Geldmengenausweiter im Stile Bernankes.

Die Wahrscheinlichkeit, dass es in Japan zu außerordentlichen geldpolitischen Maßnahmen kommen wird, ist mit der darauffolgenden Nominierung von Kikuo Iwata für das Amt des stellvertretenden Gouverneurs der Bank von Japan noch zusätzlich gestiegen. Iwata erklärte diese Woche vor japanischen Gesetzgebern, dass er sich für eine Revision der japanischen Gesetzgebung ausspreche, um die Bank von Japan zu verpflichten, von der Regierung festgelegte Inflationsziele zu erreichen, oder andernfalls geschlossen zu werden.

Und bei der EZB hat sich der weithin bekannte keynesianische Geldmengenausweiter und Schaffer unbegrenzter Mengen künstlicher Euros – Mario Draghi – fest in seinem Amt eingeschanzt. Gegenwärtig scheint es so zu sein, als würde er sich sogar über die von Deutschland inspirierten Austeritätsmaßnahmen in der Eurozone hinwegsetzen können. Und auch die sogenannte „Troika“ aus Internationalem Währungsfonds, Europäischer Kommission und Europäischer Zentralbank scheint von ihren ursprünglich deutschen Forderungen nach wirtschaftlicher Austerität und stärkeren Banken nun wieder Abstand zu nehmen.

Im Rückblick betrachtet, zeigen die Ereignisse der letzten paar Monate, dass es unter den weltweiten Industrieländern zu einer bedeutenden Verbreitung von Bernanke’s Geldpolitik gekommen ist. Ich glaube, dass uns eine Phase massiver Vermögensblasen bevorsteht, der dann ein Schulden- und Bankenzusammenbruch beispielloser Grausamkeit folgen wird.

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