Fünfzehn Tage im April

Michael J. Kosares, USAGOLD, 30.04.2013

Im Folgenden finden Sie fünfzehn der besten Einblicke und Beobachtungen bezüglich der seltsamsten und verwirrendsten fünfzehn Tage in der Geschichte des Goldmarkts – ein Blitzeinbruch, dem ein weltweiter Kaufrausch und ein gesunder Kursanstieg folgte:

1. Peter Grant, USAGold – Kitco

„Die Preisfindung erfolgt im Papiermarkt. Der Papiermarkt hatte die Preise für physisches Gold nach unten getrieben. Und es gab eine große Menge an aufgestauter Nachfrage, die plötzlich aus dem Nichts auftauchte. Wir hatten die letzte Woche und auch diese Woche so viel zu tun wie seit der Finanzkrise von 2008 und 2009 nicht mehr. Es gab eine absolut unglaubliche Nachfrage nach physischem Gold.

Die physischen Käufer sind keine Spekulanten. Unseren Kunden geht es vornehmlich um Vermögenserhalt, die Diversifikation ihrer Portfolien, Absicherungsmaßnahmen usw. Sie sind keine Spekulanten. Als ihnen der Papiermarkt ein Geschenk (niedrigere Preise) bescherte, war es dieses Mal ein nervenaufreibendes Geschenk, so viel ist sicher … Die Käufer von physischem Gold neigen in der Tat dazu in einem Großaufgebot aufzuschlagen und den Markt zu stützen.“

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2. Chris Hart – Johannesburg Sunday Times

„Von großem Interesse ist der physische Markt. In den letzten sechs Monaten ist Gold das Ziel gnadenloser Abverkäufe gewesen und regelmäßig ´bombardiert` worden; an der New Yorker Rohstoffbörse (Comex) wurde innerhalb kürzester Zeit eine große Zahl an Kontrakten auf den Markt geworfen. Am 12.04.2013 wurde der Markt mit über 500 Tonnen Gold bombardiert, was beim Goldpreis für einen massiven Abwärtsdruck sorgte und einen Panikabverkauf auslöste …

Der Rückgang bei den Comex-Beständen, die Goldhandelsdaten aus den USA und die Goldhandelsdaten aus Hongkong legen nahe, dass es zu einem großen Goldtransfer von den westlichen Tresoren in Richtung asiatischer Tresore gekommen ist.“

3. Egon von Greyerz, Matterhorn Asset Management – King World News

„Um jedoch auf den Goldmarkt zurückzukommen: es ist der helle Wahnsinn, was sich hier abspielt. Der Angriff auf den Goldpreis mithilfe des Papiermarktes schlug völlig fehl und ging ins Auge. Der Kurssturz über $300 Dollar binnen weniger Tage ist bereits wieder um 50% zurückgependelt. Das ist aber nichts im Vergleich dazu, was noch kommen wird.

Angesichts der beispiellosen Nachfrage und massiven Verknappung auf dem physischen Markt war der Angriff mithilfe des Papiermarktes bereits im Vorfeld zum Scheitern verurteilt. Nehmen wir die Shanghaier Goldbörse als Beispiel, wo sich die Auslieferungen seit Januar 2013 auf 1030 Tonnen belaufen. Diese Zahl (1030 Tonnen) steht der weltweiten Goldproduktion von gerade mal 934 Tonnen im gleichen Zeitraum gegenüber. Wir sprechen hier also von einem erstaunlichen Volumen (an Nachfrage nach physischem Gold) in China.

Ein Blick auf JP Morgan verrät, dass sich deren infrage kommendes Gold, also jenes Gold, das sie zu liefern in der Lage sind, in den vergangenen zwei Tagen um 65% verringert hat. Und auch die COMEX-Bestände haben sich um rund die Hälfte als noch vor einem Jahr verringert. In Singapur haben sich die Aufgelder um $3 pro Unze erhöht. Auch die Schweizer Veredler, die ja bekanntlich 70% des gesamten Goldes der Welt veredeln, erhöhen die Aufgelder beträchtlich.“

4. Josh Noble – Financial Times

„Asien erlebt gerade die stärkste Welle an physischen Goldkäufen der letzten 30 Jahre, bei der Schnäppchenjäger die Preisrückgänge nutzen, um sich Goldschmuck und Goldbarren zu sichern. Die fieberhaften Käufe haben dafür gesorgt, dass viele Banken und Juweliere, ja sogar die Edelmetallbörse nicht mehr in der Lage sind, die Nachfrage zu bedienen. An der Shanghaier Goldbörse notierte das Handelsvolumen – das oft als Stellvertreter für die Nachfrage dient – am Montag auf einem Rekordhoch, während sich vor einigen Pekinger Schmuckgeschäften Schlangen bildeten.“

5. Marc Faber – Gloom, Boom & Doom Report

„Ich liebe die Märkte. Ich liebe die Tatsache, dass Gold endlich einbricht. Das wird für eine exzellente Kaufgelegenheit sorgen.

Ich würde aber gerne noch einen weiteren Kommentar dazu abgeben: Gegenwärtig gibt es eine Menge Leute, die Gold nach unten hämmern. Doch wenn wir uns die Daten anschauen, so ist der Goldpreis seit dem Hoch von September 2011 um 21% gefallen. Apple ist von seinem Hoch letzten Jahres um 39% gefallen. Und zur selben Zeit liegt der S&P 500 noch nicht einmal 1% über seinem Hoch von Oktober 2007. Während desselben Zeitraums – selbst nach der heutigen Korrektur – liegt Gold immer noch 100% im Plus. Der S&P 500 liegt 2% über seinem Hoch von März 2000. Gold ist seitdem um 442% gestiegen.

Also ich freue mich darüber, dass wir einen Abverkauf haben, der zu einem bedeutenden Tief führen wird. Es könnte bei USD 1.400 oder heute bei USD 1.300 pro Unze liegen – aber ich glaube nicht, dass der Goldbullenmarkt vorbei ist.“

Fabers Kommentar ist einer der ersten, die bezüglich dieser Goldmarkt-Episode veröffentlicht wurden … und er ist einer der genauesten.

6. Doug Ehrman – The Motley Fool

„Im Verlauf dieses Monats ist der Goldpreis innerhalb von zwei Tagen um rund USD 200 pro Unze zurückgegangen. Zu diesem Rückgang gehörte auch der schlimmste eintägige Einbruch aller Zeiten; der schlimmste prozentuale Rückgang seit 1980.

Dieser Preissturz sorgte bei all jenen für Jubelstürme, die nur darauf gewartet haben, dass der Kammerjäger endlich kommt und die Goldbugs und die letzten zwölf Jahr ausmerzt. Die Trendwende, die wir daraufhin beobachten konnten, sorgte bei denselben Goldbugs dafür, dass sie heftig zurückschlugen.

Für den offenkundigen Wandel von Papiergold (hierzu gehören auch die länger laufenden Gold-Futures und die börsennotierten Goldfonds) hin zu physischem Gold (hierzu zählen auch Anlagegold und Kassa-Kontrakte) gibt es verschiedene mögliche Erklärungen. Dominic Schneider, Chef der Rohstoff-Research-Abteilung der Vermögensverwaltung von UBS, sagte: ´Einige Zentralbanken könnten diesen Rückgang als Kaufgelegenheit erachten, so wie es schon bei einigen physischen Akteuren der Fall gewesen ist.`“

7. Swansy Alfonso – Bloomberg

„Die Goldkonsumenten Indiens, des weltgrößten Goldimporteurs, belagerten nun schon die zweite Woche die Schmuckgeschäfte im ganzen Land, da man darauf spekulierte, dass Gold seine Rally nach dem größten Einbruch in drei Jahrzehnten weiter fortsetzen wird.

´Wir haben etwas gewartet, um zu sehen, ob die Preise noch weiter fallen, aber als wir sahen, dass sie wieder steigen, haben wir uns entschieden, dass es jetzt an der Zeit ist,` so Sripal Jain, ein 77-jähriger Silberhändler, der mit seinem jüngeren Bruder, seiner Tochter und seiner Schwiegertochter in Mumbais Zaveri-Basar kam, um Goldketten zu kaufen. ´Bei uns steht keine Hochzeit oder irgendein Ereignis an. Der Preis ist gefallen, und da haben wir uns entschlossen zu kaufen.` …

Der Goldpreis ist innerhalb zwei Tagen um 14% nach unten gerauscht und notierte 16.04.2013 so niedrig wie seit zwei Jahren nicht mehr, was bei den Münz- und Schmuckkäufern von den USA über Indien bis hin nach China und Australien für einen Ansturm sorgte. Dieser massive Nachfrageanstieg hat mit dazu beigetragen, dass der Goldpreis seit dem 16.04. wieder eine 12%ige Rally hinlegen konnte, und die Schmuckhändler in Indien zahlen derzeit Aufschläge von bis zu USD 10 pro Unze, um sich Goldbestände zu sichern, so die Bombay Bullion Association.“

8. USAGOLD –  Marktbericht v. 17.04.2013

„Ein niedrigerer Preis sorgt fast immer für eine höhere Nachfrage und führt letztlich zu einem Rückgang beim Angebot – das ist eine alte Weisheit der freien Märkten, an die in Zeiten wie diesen noch einmal erinnert werden sollte.

Der freie Markt verfügt, sofern man ihm den Raum dazu lässt, über Mittel und Wege, sich um sich selbst zu kümmern. Im Grunde ist es so, dass diejenigen, die an den langfristigen Wert und den Nutzen von Gold glauben, Preisrückgänge als Kaufgelegenheiten erachten. Gleich zu Beginn sorgte der große Preisrückgang bei Gold für ein Aufflammen der Nachfrage, was am Freitag in den Vereinigten Staaten und Europa seinen Anfang nahm und sich dann am Montag im Fernen Osten fortsetzte …

[Der leitende technische Analyst von Citigroup] Tom Fitzpatrick machte eine wichtige Beobachtung. In dieser neuen Gold-Ära ziehen institutionelle Papierverkäufe, Käufe von Staatsfonds und Zentralbanken nach sich. Das war in den Anfangsjahren dieses Bullenmarkts noch nicht der Fall.

Die Tage, wo man sich den Short-Positionen kampflos ergeben hat, sind vorüber, und das dürfte vielleicht auch erklären, warum in den letzten Jahren scharfen Korrekturen immer rasche Kurserholungen folgten. Die beste Strategie für den kleinen Privatinvestor besteht darin, in Ruhe Gold zu akkumulieren und dabei zuzuschauen, wie das Ganze von den großen Akteuren ausgefochten wird.“

9. Sophie Song – International Business Times

„Da die asiatischen Goldbestände nun aufgrund der jüngsten Preisrückgänge und des damit einhergehenden massiven Nachfrageanstiegs erschöpft sind, hat die Chinese Gold & Silver Exchange Society nun das Vierfache der üblichen Menge an Goldbarren aus der Schweiz und London geordert, um die Nachfrage zu befriedigen … ´In jedem Winkel Honkongs kaufen die Einheimischen und Touristen vom chinesischen Festland das gesamte Gold auf,` so Huang Feichang, der Präsident und Geschäftsführer von Luk Fook Jewelry. ´In meinen 30 Geschäftsjahren habe ich so etwas noch nie gesehen.`“

10. Keith Barron, Goldminenberater – King World News

„Ich wurde gerade erst von einem der großen Brokerhäuser in Toronto gebeten, einen Vortrag darüber zu halten, was sich hier im Goldmarkt abgespielt hat. In dieser Firma können viele Leute einfach nicht begreifen, was mit Gold passiert ist. Ich erklärte ihnen, dass es sich lediglich um eine orchestrierte Preisdrückung gehandelt hat.

Wären der Dow Jones, der Nasdaq oder der S&P auf dieselbe Art und Weise eingebrochen, wie es beim Goldmarkt der Fall war, wären sofort Handelsbeschränkungen erlassen worden; es hätte Untersuchungen gegeben usw. Im Gegensatz dazu kam es im Goldmarkt lediglich zu Margin Calls bei den Goldfutures. Aber die enorme physische Nachfrage bringt jetzt wieder Ordnung in den Schlamassel.“

11. Jonathan Barratt – Baratts Bulletin, Sydney

„Eines der interessantes Dinge, die wir erlebt haben, ist der dramatische Anstieg bei den physischen Käufen, und dieser Anstieg fiel astronomisch aus. Die Leute wollen das Gold zu diesem Preis physisch halten, und zwar nicht nur in Indien. In Australien bildete sich vor einem unserer Edelmetallshops eine Schlange von rund 500 Metern – so etwas habe ich seit Jahren nicht mehr gesehen.“

12. Eric Sprott, Sprott Asset Management – King World News

„Sollten es die Zentralplaner gewesen sein, die Gold nach unten gehämmert haben, ja dann haben sie das Spiel verloren, weil sie damit lediglich das Interesse nach (physischem) Gold und Silber angeheizt haben. Ich gehe davon aus, dass Gold noch auf ein Vielfaches des heutigen Preises steigen wird. Es wird ein weiter Weg werden, und dieser Bullenmarkt wird noch weitere fünf bis sieben Jahre anhalten.“

13. Svea Herbst-Bayliss – Reuters

„Der milliardenschwere Investor John Paulson sagte den Anlegern am 24.04.2013, dass er bei Gold weiter Kurs halten wird, selbst wenn es beim Preis des Metalls kurzfristig noch mehr Schwankungen geben sollte.“

Paulson hält nach wie vor an seiner langfristigen Gold-Investmententscheidung fest. Paulsons Fonds verwalten derzeit rund USD 18 Milliarden an Vermögenswerten. USD 3 Milliarden sind in Gold investiert, wobei der größte Teil der Goldinvestments sein eigenes Geld ist, weshalb „irgendeine Art von Anlegerflucht aus diesem Fonds unwahrscheinlich ist“.

14. James Sinclair – King World News

„Hier sollte auch berücksichtigt werden, dass der jüngste brachiale Goldpreisrückgang – speziell, wenn ihm eine genauso gewaltsame Erholung folgen sollte – vornehmlich dem Transfer von physischem Gold von den Finanzinstitutionen und anderen Entitäten in Richtung der Familien diente, die die westlichen Regierungen und die Finanzwelt kontrollieren.

Meines Erachtens ist es genau das, was hier gerade stattgefunden hat. Eine sehr starke und umgehend einsetzende Erholung ist – sollte diese Erholung anhalten – eine unmissverständliche Botschaft, dass Gold für diese vermögenden Familien eines der Mittel ist, um ihr Vermögen und ihre Macht aufrecht zu halten, und zwar nicht nur über eine Generation, sondern über mehrere Generationen hinweg.“

15. Alasdair Macleod – GoldMoney

„Das wird sich wahrscheinlich zum schlechtmöglichsten Zeitpunkt – wo die Zentralbanken ohnehin bereits gezwungen sind, die Märkte mit Papiergeld zu fluten, um die Zinsen unten und die Banken solvent zu halten und die alltäglichen Ausgaben der Regierungen zu finanzieren – zu einer weiteren Finanzkrise führen. Das Entscheidende an dieser Krise ist, dass sie mehr als jede andere der verschiedenen Krisen droht, das Vertrauen in staatlich gedeckte Währungen zu untergraben und alle vorangegangenen Versuche, die anderen systemischen Probleme zu kontrollieren, zu einem Ende zu bringen. Im Rückblick könnte April 2013 zu dem Monat werden, wo die westlichen Zentralbanken und die Bankengemeinde aufgrund der überstürzten Aktion im Goldmarkt damit begannen, die Kontrolle über alle Finanzmärkte zu verlieren.“

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