Spekulationsblasen wachsen schneller als das BIP – Finanzmärkte koppeln sich von Realwirtschaft ab

Michael Pento, King World News, 11.05.2013

Die weltweiten Zentralbanken haben unmissverständlich unter Beweis gestellt, dass sie in der Lage sind, Aktien- und Eigenheimblasen zu reinflationieren. Die weltweiten Aktienmärkte schießen in die Höhe und eilen ihren Wirtschaften voraus, während sich die Immobilienpreise von ihren jüngsten Zusammenbrüchen rasch wieder erholen. Fakt ist aber, dass die bei 0% liegenden Zinssätze und die massiven Gelddruckmaßnahmen immer noch kein nachhaltiges BIP-Wachstum hervorgebracht haben.

Es wird jede Menge darüber gesprochen, dass die Erholung an den Aktien- und Immobilienmärkten auf die Politik des billigen Geldes der US-Notenbank zurückzuführen sei. Und da mag mit Sicherheit auch einiges dran sein, aber Hinweise darauf, dass wir gegenwärtig eine auf den Kräften des freien Marktes beruhende Erholung sehen, sind ganz einfach nicht vorhanden.

Beispielsweise ist in den USA der Prozentsatz der Konsumenten, die ihr eigenes Haus besitzen, auch im ersten Quartal 2013 gesunken – und zwar auf ein Niveau, das das letzte Mal im Herbst 1995 beobachtet werden konnte. Die US-Zensusbehörde meldete, dass die US-Eigentumsquote von 65,4% im vierten Quartal 2012 auf 65,0% im ersten Quartal 2013 zurückgegangen ist. Die US-Eigentumsquote notiert derzeit auf einem 17-Jahrestief!

Würde der US-Immobilienmarkt tatsächlich eine solide Erholung erleben, ja warum ist das dann das erste Mal, dass Eigenheimkäufer und Hausbesitzer daran nicht teilnehmen? Stattdessen sind es die Hedge-Funds und Spekulanten, die die zwangsvollstreckten Immobilien aufkaufen. Da muss man sich schon fragen, ob diese „Investoren“ an ihren Mietobjekten festhalten werden, wenn die Wirtschaft abermals einknickt und die Eigenheimpreise einen weiteren Rücksetzer erleben.

Darüber hinaus ist am US-Arbeitsmarkt keine Erholung zu beobachten, so wie es die US-Notenbank gehofft und prognostiziert hat. Die Arbeitslosenzahlen vom letzten Monat zeigen, dass ungeachtet der USD 85 Milliarden, die monatlich im Rahmen von QE in den Markt injiziert werden, 9.000 Arbeitsplätze in der Güterproduktion verloren gingen. Und obwohl die Mainstream-Medien im Hinblick auf den US-Fertigungssektor von einer Erholung sprechen, wurde dort im April 2013 kein einziger Arbeitsplatz geschaffen.

Noch schlimmer: Die Gesamtarbeitsstunden fielen im April gegenüber dem Vormonat um 0,4% – und das heißt, dass die geleisteten Arbeitsstunden trotz der Behauptung des US-Arbeitsministeriums, es seien 165.000 neue Arbeitsplätze geschaffen worden, in Wirklichkeit rückläufig sind.

Es gibt einen Grund dafür, warum die US-Notenbank und andere Zentralbanken nicht in der Lage gewesen sind, eine gesunde und tragfähige Wirtschaft hervorzubringen, obwohl sie bereits seit Jahren versuchen, eine solche mittels der Druckerpresse zu schaffen. Die Wahrheit ist, dass eine in Schulden versinkende Wirtschaft nicht wachsen kann, da sie immer unter mindestens einer der drei folgenden wachstumsvernichtenden Bedingungen leidet, wenn nicht gar unter allen drei gleichzeitig: Hohe Zinssätze, galoppierende Inflation und eine erdrückende Steuerlast.

Jedes Land, dessen ausstehende Schulden mindestens so groß wie das BIP sind oder darüber hinausgehen, ist gezwungen, vom Privatsektor lähmende Mengen an Kapital abzuziehen, um die drückende Prolongierung der Schulden und die Zinszahlungen auf diese Schulden sicherzustellen. Darüber hinaus sorgen steigende Steuern dafür, dass die Anreize, die Produktivität zu erhöhen, verloren gehen – und ganz egal, welchen Betrag an Steuern man sich auch vom Privatsektor einverleibt, die Gelder werden im Anschluss immer auf ineffiziente und BIP-vernichtende Weise ausgegeben. Ferner entmutigen die steigenden Zinskosten, Kredite aufzunehmen, was zu einer Kapitalverknappung führt. Und zu guter Letzt vernichtet die Inflation die Kaufkraft der Mittelschicht, da der Wert der Währung ausgehöhlt wird und der Verbraucher nicht mehr länger in der Lage ist, diskretionäre Ausgaben zu tätigen.

Doch anstatt diese Wahrheit einzugestehen, zielen die Zentralbanker stattdessen darauf ab, die Geldmenge immer stärker auszuweiten. Natürlich sind uns die Geldfälschungsmaßnahmen bekannt, die derzeit von der US-Notenbank und der Bank von Japan durchgeführt werden, aber nun schließt sich auch noch die australische Zentralbank der Inflations-Fans an und senkte den Leitzins am Dienstag um 25 Basispunkte auf ein Rekordtief von 2,75%.

Die Anleger müssen sich im Klaren darüber sein, dass, hat eine Zentralbank ein bestimmtes Inflationsziel vor Augen, dies auch erreicht werden wird. Der EZB-Präsident Mario Draghi erklärte jüngst, dass die Europäische Zentralbank „technisch bereit“ sei, den Einlagensatz in den negativen Bereich zu drücken, was heißt, dass die EZB damit beginnen würde, Banken Kosten in Rechnung zu stellen, wenn sie ihr Geld bei der Zentralbank parken. Für eine Bank sind negative Zinsen für ihre Vermögenswerte aber unakzeptabel. Sollte Draghi seine Drohung wahrmachen, ist davon auszugehen, dass die Geldversorgung und die Inflation in der Eurozone ordentlich angeheizt werden.

Das Entscheidende ist, dass die Zentralbanker völlig unfähig sind, Wirtschaftswachstum hervorzubringen, dafür aber über eine enorme Expertise verfügen, wenn es darum geht, Spekulationsblasen zu schaffen. Die Inflationsziele werden erreicht werden, und dank der neuen „Werkzeuge“ der Zentralbanken – bei denen einfach Zinsen für bei ihnen geparkte überschüssige Reserven erhoben werden – wird der Aktienmarkt weiter in die Höhe getrieben werden.

Die Zentralbanken sind gerade dabei, die Aktien- und Eigenheimblasen zu reinflationieren – und mit der Staatsschuldenblase in Europa, Amerika und Japan haben sie bereits eine riesige Blase geschaffen. Sollte die Staatsschuldenblase platzen – so wie es bisher noch bei jeder Spekulationsblase der Fall gewesen ist –, ist mit wirtschaftlichem Chaos beispiellosen Ausmaßes zu rechnen.

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