Kapitalflucht: EU-Schuldendebakel für US-Hausse verantwortlich

Martin Armstrong, Armstrongeconomics.com, 01.06.2013

In der normalen Welt der Kapitalströme ist es so, dass die Aktienpreise steigen, wenn die Anleihen im Wert zurückgehen. Die TV-Kommentatoren behaupten, dass niedrigere Zinssätze bullisch für Aktien seien und versuchen abermals, alles auf einen einzigen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang zu reduzieren, der lediglich einer Einblendung in einem Spielfilm entspricht.

In der nachfolgenden Grafik können Sie sehen, dass die Anleihen 1929 im Wert fielen und die Aktien im Preis stiegen – während die Zinsen gestiegen sind, nicht gefallen! Die Erklärungen, dass der Dow Jones aufgrund der Monetisierungsmaßnahmen der US-Notenbank steigt und Anleihen aufgrund qualitativer Ungleichgewichte steigen, sind leider ungenügend. Es sind die Kapitalströme in Richtung US-Dollar, US-Anleihen und US-Aktien, da der Dollar dank der gehirnamputierten Entscheidungen in Europa nun in die Rolle der alleinigen Weltwährung gezwungen wurde.

Dow-Bonds

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Während der 1920er Jahre sorgten die Kapitalzuflüsse in die USA für eine Geldverknappung in Europa. 1927 versuchte die US-Notenbank die Kapitalzuflüsse mittels einer Absenkung der Zinssätze abzuwehren und die Gelder wieder nach Europa zu lotsen. Das führte dazu, dass die US-Notenbank im Nachgang beschuldigt wurde, durch die Absenkung der Zinssätze eine Blase geschaffen zu haben. Falsch!

Fed1920

Der Versuch, die Kapitalströme zu manipulieren, bestätigte nur, dass es in Europa ein Problem gab, das sich 1931 schließlich in großflächigen Staatspleiten manifestierte. Selbst Großbritannien sah sich gezwungen, ein Schuldenmoratorium auszurufen.

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Die Kapitalströme ergossen sich aufgrund des Ersten Weltkriegs über die USA und wurden dann in den USA investiert, was 1929 zur Schaffung der Blase beitrug – genauso wie wir es auch 1989 in Japan beobachten konnten. Bei Princeton Economics haben wir die Kapitalfluss-Analyse erfunden. Einfach gesagt: Folgen Sie der Spur des Geldes!

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Das gesamte Konzept der Erhöhung oder Absenkung der Zinssätze ist wieder einmal nichts weiter als der aufs Inland beschränkte Versuch, die Märkte zu manipulieren. Das funktioniert nie. Es geht hier um mehr als um eine singuläre, eindimensionale Wechselbeziehung. Hier spielt auch die Währung mit herein.

Wenn die Währung gemeinsam mit den Aktienpreisen steigt, hat man Kapitalzuflüsse, da es für Ausländer profitabel ist zu investieren. Steigen die Aktien, während die Währung fällt, ist es eine rein inländische Entwicklung, bei der internationale Kapitalströme keine Rolle spielen, da die Aktien proportional zur Entwertung der Währung steigen. Das haben wir ja gerade erst beim Nikkei in Japan gesehen – Yen runter, Aktien rauf.

Auf Dollarbasis fällt der Goldpreis derzeit, was veranschaulicht, dass es (1) keine aufgestaute Inflation gibt und (2) das Kapital gegenwärtig in den US-Dollar (Anleihen & Aktien) flieht. Bevor es zu einer Fortsetzung des Goldbullenmarkts kommt, müssen wir leider noch darauf warten, dass auch die Währung mitspielt.

Wer gehirngewaschen ist und ständig damit rechnet, dass der US-Dollar jeden Augenblick kollabieren könnte, weil die US-Notenbank die Geldmenge erhöht hat, ja dem rate ich, dass er einfach an seiner Meinung festhält, die Scheuklappen oben lässt und sein letztes Hemd verliert, während die Märkte beweisen, dass er falsch liegt.

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Gold ging gegenüber einer ganzen Reihe von Währungen im Preis zurück, weshalb das Metall auch bis ins Jahr 1999 hinein fiel. Hier geht es schlicht ums Überleben – nicht darum, die Welt für ihre Sünden abzustrafen. Und nur keine Sorge – ein steigender Dollar wird bei Weitem mehr Schaden anrichten als ein steigender Goldpreis.

Gold ist ein winziger Bruchteil der Weltwirtschaft. Die weltweiten Kapitalströme belaufen sich auf Billionen von Dollars. Selbst 500.000 Goldkontrakte zu USD 1.500 pro Unze beliefen sich gerade einmal auf USD 75 Milliarden. Das ist ein viel zu kleiner Markt, als dass er all das weltweit auf der Flucht befindliche Geld aufnehmen könnte. Das geht nur mit Anleihen und Aktien – die einzigen Märkte, die in der Lage sind, Billionen Dollars zu absorbieren.

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