Krise vorprogrammiert: Japans Papiergeld-Tsunami

David Howden, Mises.org, 03.06.2013

Die Bank von Japan hat jetzt eine der inflationärsten geldpolitischen Strategien aller Zeiten implementiert. Die japanische Notenbank hat versprochen, innerhalb der kommenden 24 Monate USD 1,4 Billionen in die Wirtschaft zu injizieren. Die Geldpolitik zielt darauf ab, eine Preisinflation von 2% herbeizuführen und den Yen weiter zu entwerten. Die dahinter stehende Idee ist, die „Deflation“ zu bekämpfen und die Exporte auszuweiten.

Das Endergebnis dieser Geldpolitik wird mit Sicherheit eine größere Bilanz der Bank von Japan sein. Es wird damit gerechnet, dass sich die Bilanz auf USD 2,9 Billionen erhöhen und somit fast verdoppeln wird. Und obwohl der japanische Aktienindex heute niedriger notiert als vor 25 Jahren, ist er seit November vergangenen Jahres um 70% gestiegen.

Doch ganz gleich, wie stark sich die Menschen über die höheren Aktienpreise auch freuen mögen, letztlich werden die wirtschaftlichen Auswirkungen dieser Geldpolitik schädlich sein; und die jüngsten Einbrüche am japanischen Aktienmarkt deuten bereits darauf hin, dass am Horizont noch mehr Probleme aufziehen.

In meinem eigenen Beitrag von Guido Hülsmanns neuer Schriftensammlung „The Theory of Money and Fiduciary Media“ habe ich genau diese Strategien kritisch untersucht– also die Ausweitung der Geldmenge mit dem Ziel, die Wirtschaftsleistung zu erhöhen, indem man die Wechselkurse manipuliert.

Zum 100-jährigen Jubiläum der Veröffentlichung von „Theorie des Geldes und der Umlaufsmittel“ von Ludwig von Mises können wir sehen, dass sich Mises mit den Problemen der Währungsentwertung bereits zu dieser Zeit auf überlegenere Art auseinandergesetzt hatte als die moderne Geldökonomie. Darüber hinaus hat Mises in seinem Buch „Human Action“ durch die Verfeinerung der Wirtschaftszyklus-Theorie auch die schädlichen Auswirkungen einer solch expansiven Geldpolitik aufgezeigt.

Der Wechselkurs bestimmt den Preis, den ein Ausländer für im Inland produzierte Güter zahlen muss. Ein Anstieg der Geldmenge sorgt für einen inflationären Preisdruck, der sich wiederum in steigende Preise verwandelt. Das führt zu einem höheren Wechselkurs, was heißt, dass es mehr inländische Währung braucht, um eine Einheit ausländischen Geldes zu kaufen. Dadurch wird es für Ausländer billiger, unsere Güter zu kaufen, wodurch unsere Exporte erhöht werden.

Schlussfolgerung: Länder können ihre Exporte ankurbeln und die Zahl der Arbeitsplätze in den Exportbranchen ausweiten, indem sie die Geldmenge erhöhen.

Bedauerlicherweise ist das aber nicht die ganze Geschichte.

Wenn man seine Währung entwertet, macht man seine Exporte für Ausländer tatsächlich billiger. Gleichzeitig wird es aber auch teurer, importierte Güter zu kaufen. Das trägt dazu bei, ein Handelsdefizit auszugleichen, und die Auslandsinvestitionen werden reduziert. Wenn die Güter, die man an die Ausländer verkauft, aber aus zahlreichen Komponenten bestehen, die man selbst von Ausländern kaufen muss, erhöht man durch die Entwertung der Währung seine eigenen Produktionskosten.

Daher werden die japanischen Exporteure für die Vorleistungen, die sie brauchen, um die Güter herzustellen, die sie dann an Ausländer verkaufen wollen, mehr bezahlen. Dieser Effekt kommt speziell in Ländern zum Tragen, die über große Exportmärkte verfügen, aber nur eingeschränkt in der Lage sind, die Produktionsfaktoren für die zum Export bestimmten Güter selbst bereitzustellen. Und auf keine große Wirtschaft passt diese Beschreibung besser als auf Japan.

Das Entscheidende bei Mises war, dass er sich die langfristigen Auswirkungen einer solchen Politik anschaute und im Rahmen dieses Prozesses auch gleich die hinter den kurzfristigen Ergebnissen stehende Logik untersuchte.

Langfristig gesehen ist die Wirkungslosigkeit dieser Politik offenkundig, wenn man begreift, wie Preise – im Inland wie auch im Ausland – interagieren, um den Wechselkurs zu bestimmen. Die Exporte werden kurzfristig zwar angeheizt, doch langfristig verschwindet der Effekt wieder, wenn sich die Preise erst einmal angepasst haben.

Aber wenn die Politik langfristig wirkungslos ist, dann sind die kurzfristigen Zugewinne, wie Mises gezeigt hat, ebenfalls eine Täuschung. Dieselbe Geldpolitik, die auf die Entwertung der Währung zur Ankurbelung des internationalen Handels abzielt, richtet im Inland Chaos an.

Eine höhere Geldinflation sorgt für eine Absenkung der Zinssätze. Und ein Ergebnis dieser Politik ist, dass es zu größeren Verbraucherausgaben kommt – was Mises als „Überkonsum“ bezeichnete –, da die Verbraucher weniger sparen und mehr ausgeben.

Ein anderer Effekt der Absenkung der Realzinsen ist, was Mises als Fehlinvestitionen bezeichnete. Die Fertigungspläne der Unternehmen müssen nicht nur der Menge an Gütern Rechnung tragen, die der Konsument gegenwärtig nachfragt, sondern sich überdies auch an den künftigen Fertigungsplänen zur Güterproduktion orientieren. Der Zinssatz ist der Mechanismus, der all diese Pläne im Laufe der Zeit koordiniert, und er ist das Werkzeug, dessen sich die Unternehmer bedienen, um zu ermitteln, wann man Güter produzieren und wie lange der dabei zum Einsatz kommende Produktionsprozess sein sollte. Die negativen Auswirkungen einer Verzerrung der Zinsen treten aber erst viel später zutage.

Durch die Verzerrung des natürlichen Zinssatzes durch eine inflationäre Geldpolitik geraten Konsum und Fertigungspläne aus dem Gleichgewicht. Am Ende ergibt sich die Wirtschaft dann dem Österreichischen Wirtschaftszyklus, da sie versucht, wieder Boden unter die Füße zu bekommen und sich in Richtung eines nachhaltigeren Musters zu bewegen.

Umso mehr sich verändert, desto mehr bleibt beim Alten. Bereits vor über 100 Jahren hatte Ludwig von Mises die Fallstricke einer expansiven Geldpolitik korrekt vorhergesagt. Die jetzigen politischen Entscheidungsträger haben diese wichtigen Lektionen aber immer noch nicht verinnerlicht, was auch der Grund dafür ist, warum sie ihre Länder nach wie vor mit den Resultaten dieser gescheiterten geldpolitischen Maßnahmen plagen.

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