Warnung: Risiko eines weltweiten Kollaps der Finanzmärkte steigt wieder

Patrick Wood, The August Forecast, 12.06.2013

Falls Sie dachten, es könnte nicht noch einmal passieren; machen Sie sich bereit: Ein neuer weltweiter Stillstand der Finanzwelt könnte unmittelbar bevorstehen.

Es ist ein Jammer, dass Wirtschaft, Handel, Finanzen usw. für die meisten Menschen einfach nur unglaublich langweilige Themen sind. Nun ja, in Wirklichkeit sind sie langweilig, weil sie nur schwer zu verstehen, mit fehlerhaften Daten überfrachtet und mit der Lebenswirklichkeit des Einzelnen kaum in Zusammenhang zu bringen sind.

Die meisten Amerikaner haben ganz zwangsläufig mit ihren eigenen Problemen zu tun, beispielsweise wie man seine Hypothek abbezahlt, seinen Arbeitsplatz behält und die Familie zusammenhält. Das ist verständlich. Doch trotz der rosigen Wirtschaftsdaten wird die Mittelschicht nach wie vor zermalmt.

Im Januar 2013 erhielten in den USA 23.087.866 Haushalte Lebensmittelmarken von der US-Regierung. Das sind 889.154 Haushalte mehr als Januar 2012. Wenn man bedenkt, dass es in den USA rund 115.310.000 Haushalte gibt, bedeutet das, dass sich ganze 20% der Amerikaner nicht mehr vernünftig selbst ernähren können.

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In dem oben aufgeführten Chart sehen Sie die US-Beschäftigungsquote seit dem Jahr 2000, als die Baby-Boomer-Demographie ihre Auswirkungen zu entfalten begann. Die rote Linie ist einfach nur das demografische Element und die blaue Linie ist die tatsächliche US-Beschäftigungsquote. Seit dem Jahr 2008 ist die Rate von 67,3% auf 63,3% gesunken – seit der Rezession ist sie erheblich unter die „Norm“ abgestürzt. Die Beschäftigungsquote notiert derzeit auf Niveaus, die letztmals 1980 verzeichnet wurden.

Es kommt nicht überraschend, dass der Anstieg bei der Zahl der Menschen, die vom Staat Lebensmittelmarken erhalten, ungefähr der Zahl der Menschen entspricht, die aus der Erwerbsbevölkerung herausgefallen sind. Und wenn dem so wäre, hätten wir auch eine Vielzahl anderer Statistiken, die gleichziehen würden: Staatliche Zahlungen für medizinische Leistungen, die Arbeitslosenrate, Sozialhilfeleistungen usw.

Welch fragiler Aufschwung bei der Wirtschaftsaktivität die letzten 24 Monate auch immer stattgefunden haben mag, er war nicht stark genug, um den Niedergang der Mittelschicht und das Anschwellen der Zahl der Armen zu verhindern.

Und Amerika steht damit mit Sicherheit nicht alleine da. Europa, China, Australien, Indien, Brasilien, Japan usw. sind in der Regel sogar noch schlechter dran als wir. Ambrose Evans-Pritchard merkte in der britischen Zeitung The Telegraph dazu an:

„Der genau beobachtete ISM-Index von US-Fabriken durchbrach die ´Boom-Bust-Linie` und sank von 50 Punkten auf 49 Punkte und lag somit weit unter den Erwartungen. Es ist der niedrigste Stand seit dem Höhepunkt der Krise Mitte 2009 und ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Wirtschaft nun durch die US-Haushaltseinsparungen in die Mangel genommen wird. Die Auftragseingänge sind aufgrund einer schwachen Auslandsnachfrage und rückläufiger Aufträge der Bundesregierung um 3,5 Punkte auf 48,8 Punkte eingebrochen.

Die Meldung folgte wenige Stunden nach der Erklärung von HSBC, dass ihr Index für China ebenfalls unter 50 Punkte gefallen ist, was einen bedeutenden Wendepunkt für die Industriewerkstatt der Welt darstellt.

´Das ist kein guter Augenblick für die Weltwirtschaft,` so David Bloom, Währungschef bei HSBC. ´Die Herstellerindizes in China, Korea, Indien und Russland waren schwächer als erwartet, und dann haben wir noch Amerikas ISM. Wir dachten, wir hätten ein klares Bild, dass die USA sich erholen, Japan Geld druckt und die guten alten Zeiten wieder da seien – und jetzt wird uns plötzlich so ein Hammer in die Speichen geworfen.´“

Am 02.06.2013 meldete Bloomberg: „Weltweite Interbankkredite fallen auf Rekordtief, so BIS“. Unter der Bruderschaft des globalen Bankwesens herrscht derzeit gegenseitiges Misstrauen, da sie sich fragen, wer zusammenbrechen und ihnen riesige Verluste bescheren wird. Und es wird immer schlimmer, da sich die Währungs- und Zinskriege gegenwärtig weiter aufheizen. Die Liquiditätskrise zwischen 2007 und 2008 wurde durch dieselbe Art von Misstrauen hervorgerufen, da sich die Banken weigerten, sich gegenseitig Geld zu leihen.

Liquidität ist für das weltweite Finanzsystem, was Öl für einen Automotor ist: Verliert man Öl, fährt sich der Motor fest und fängt an zu brennen. Und angesichts der Tatsache, dass die wirtschaftliche Malaise gegenwärtig die gesamte Weltwirtschaft erfasst, läuft der gesamte Motor der Weltwirtschaft nun Gefahr zu explodieren, was das weltweite System in eine tiefe Rezession, wenn nicht gar Depression stürzen könnte.

Zu diesem Druck kommen überdies noch die weltweiten Anstiege bei den Zinssätzen hinzu, speziell in den USA. Die Politik der US-Notenbank, die Zinssätze unten zu halten, wird aktuell von Marktkräften torpediert, was für die Notenbank mit riesigen Verlustrisiken bei ihrem Portfolio einhergeht. Warum? Weil ihr ganzes quantitatives Lockerungsprogramm darin besteht, kurzlaufende und langlaufende US-Staatsanleihen und hypothekarisch besicherte Wertpapiere zu kaufen und zu halten, wofür das US-Finanzministerium im Gegenzug Geld erhält. Wenn die Zinssätze steigen, geht der Wert der Anleihen zurück. Mit Stand zum 05.06.2013 lag die Bilanzsumme der US-Notenbank bei USD 3,43 Billionen.

Und hier ist das Dilemma: Die Fed steckt in der Falle. Würde sie ihre Aufkäufe weiterer Verbindlichkeiten des US-Finanzministeriums aussetzen, wäre die quantitative Lockerung offiziell vorbei und die Märkte würden crashen. Setzt sie das Aufkaufprogramm fort und bläht ihre Bilanz weiter auf, stellt sie sicher, dass sie künftig sogar noch höhere Verluste einfahren wird. Würde sie irgendeinen Teil ihres Portfolios verkaufen, würde dadurch Liquidität (Geld) aus dem Bankensystem abgezogen, was nur dazu führen würde, dass die Märkte noch härter crashen.

Die weltweiten Banken befinden sich in einem ähnlichen Dilemma, da sie ebenfalls riesige Mengen an Staatsschulden halten, die bei steigenden Zinssätzen im Wert sinken. Die Banken hatten dieses Risiko seit der letzten Finanzkrise zwischen 2007 und 2008 ignoriert – aber dieses Mal wird es bei ihnen richtig einschlagen. Wenn die Großbanken damit beginnen, ihre Anleihen auf den offenen Markt zu werfen, riskieren sie damit Panikabverkäufe anderer Anleihehalter.

Die politischen Entscheidungsträger, die glauben, dass „wir aus der Krise herauswachsen“ werden, werden schon bald mit den harten Daten einer Wirtschaftsrezession konfrontiert sein – es wird keinerlei Wachstum geben! Ganz im Gegenteil: Die Weltwirtschaft schrumpft derzeit. Jedwede weiteren Anstiege bei der Liquidität – aus welchen Gründen auch immer – könnten durchaus zu einem erneuten „Lehman Brothers Moment“ führen, bei dem das gesamte Finanzsystem einfach zum Stillstand kommt.

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