Michael Snyder, The Economic Collapse, 20.06.2013

Riechen Sie das? Der Geruch von Panik liegt in der Luft. Ich hatte ja bereits in der Vergangenheit darauf hingewiesen, dass, wenn Finanzmärkte mit der Realität gleichziehen, dies in der Regel sehr schnell vonstattengeht.

Normalerweise gibt es das nicht, dass alle Vermögensklassen gleichzeitig nach unten gehämmert werden, aber der Eimer mit kalten Wasser, den der Vorsitzende der US-Notenbank Ben Bernanke den weltweiten Finanzmärkten am Mittwoch ins Gesicht schüttete, sorgte für einen heftigen Wutanfall.

Am Donnerstag zerlegte es US-Aktien, europäische Aktien, asiatische Aktien, Gold, Silber und Staatsanleihen aus aller Welt. Das ist keine normale Marktaktivität. Aber bedauerlicherweise gibt es bei unseren Finanzmärkten heutzutage überhaupt nichts mehr, was noch „normal“ wäre. In den letzten paar Jahren wurden sie durch die US-Notenbank und die anderen bedeutenden weltweiten Zentralbanken verdreht und verzerrt. Glauben die Zentralbanker allen Ernstes, dass man für das Herumfingern an den Märkten keinen hohen Preis bezahlen würde?

Das Marktverhalten, das wir diese Woche mitverfolgen durften, ist genau die Art von Marktverhalten, die man zu Beginn einer Finanzpanik erwarten würde. Dick Bove, Chef der Aktien-Research-Abteilung von Rafferty Capital Markets, sagte CNBC, dass die aktuellen Entwicklungen „nicht normal“ seien: „Es ist nicht normal. Es ist nicht normal, dass sich alle Märkte zur selben Zeit aufgrund derselben Entwicklung in dieselbe Richtung bewegen.“

An den Finanzmärkten regiert aktuell die Angst. Und Angst kann bei Anlegern dafür sorgen, dass sie jede Menge verrückte Dinge tun. Also, werden die weltweiten Finanzmärkte weiter fallen oder wird sich Lage vorerst wieder stabilisieren? Das ist eine sehr gute Frage. Aber selbst wenn wir eine Verschnaufpause bekommen sollten, wird diese doch nur vorübergehender Natur sein. Irgendwann wird es an den Finanzmärkten ein noch größeres Blutbad geben.

Was wir diese Woche erlebt haben, fühlt sich stark nach einer Trendwende an. Die Euphorie, die den Dow Jones weit über die Marke von 15.000 Punkten trieb, ist verflogen und die weltweiten Anleger sind jetzt in den Krisenmodus übergegangen. Im Folgenden finden Sie eine Zusammenfassung der Schäden, die am Donnerstag angerichtet wurden:

  • US-Aktien hatten den mit Abstand schlechtesten Handelstag in 2013. Der Dow Jones fiel um 354 Punkte, das war der größte Tagesrückgang seit November 2011. Allein am Mittwoch und Donnerstag ist der Dow Jones um über 550 Punkte gefallen.
  • Donnerstag war der achte Handelstag in Folge, an dem es beim Dow Jones zu einem dreistelligen Kurschwung gekommen ist. Das ist die längste derartige Serie seit Oktober 2011.
  • Die Rendite für 10-jährige US-Staatsanleihen ist in der Spitze auf bis zu 2,47% geklettert, bevor sie sich dann wieder bei 2,42% einpendelte. Derart hohe Zinsen wurden letztmals im August 2011 verzeichnet, und die Rendite für 10-jährige US-Staatsanleihen liegt aktuell einen ganzen Prozentpunkt über dem Allzeittief von 1,4%, das im Juli 2012 erreicht wurde.
  • Die Rendite für US-Staatsanleihen mit 30-jähriger Laufzeit kletterte am Donnerstag auf bis zu 3,53%. Das ist das erste Mal seit September 2011, dass die Papiere so hoch rentierten.
  • Der CBOE-Volatilitätsindex jagte am Donnerstag 28% in die Höhe und kletterte auf 20,49 Punkte. Das war das erste Mal in diesem Jahr, dass der Index über die Marke von 20 Punkten gestiegen ist. Immer wenn die Volatilität zunimmt, bedeutet das, dass die Märkte unter Druck stehen.
  • Und auch die europäischen Aktien wurden nach unten gedroschen. Der Bloomberg Europe 500 Index fiel am Donnerstag um über 3%. Es war der schlechteste Tag für europäische Aktien seit 20 Monaten.
  • Der britische Leitindex FTSE fiel um rund 3%. Der Deutsche Aktienindex fiel 3,3%. In Frankreich fiel der Leitindex CAC-40 um 3,7%.
  • Und in Japan verschlechtert sich die Lage weiter. Der Nikkei ist innerhalb der letzten 30 Tage um fast 17% zurückgegangen.
  • Brasilianische Aktien sind in den letzten 30 Tagen um rund 15% gefallen.
  • Der Goldpreis wurde am Donnerstag massiv nach unten gehämmert. Gold gab fast um USD 100 pro Unze nach. Während ich diese Zeilen schreibe, notiert das gelbe Metall bei USD 1.273,60 pro Unze.
  • Silber wurde sogar noch stärker zu Boden gedrückt als Gold. Es fiel um über 8%. Aktuell notiert Silber bei USD 19,57 pro Unze. Das ist unglaublich niedrig. Ich habe das Gefühl, dass sich jeder, der jetzt bei Silber einsteigt, auf lange Sicht extrem darüber freuen wird, sollte er in der Lage sein, die wilden kurzfristigen Preisschwünge auszusitzen.
  • Die Fertigungsaktivität in China geht gegenwärtig so schnell zurück wie zuletzt zum Höhepunkt der letzten Rezession.
  • Die Arbeitslosenerstanmeldungen in den USA sind in der zweiten Juniwoche gegenüber der Vorwoche um rund 18.000 auf 354.000 gestiegen. Das ist eine Zahl, die die Anleger in den kommenden Monaten genau im Auge behalten werden.

Logisch, dass Anleger einen Tag wie Donnerstag nicht allzu oft erleben wollen. Das Folgende stammt von einem Aktienhändler, der von CNBC interviewt wurde:

„´Es ist aktuell völlig verrückt,` so ein Aktienhändler gegen 15:00 Uhr, als der Dow Jones um über 350 Punkte gefallen war. ´Selbst defensive Branchen sind betroffen. Die superweitgefassten Abverkäufe bei Rohstoffen, Anleihen und Aktien – also ich würde es jetzt nicht Panik nennen, aber es kam zu aggressiven Verkäufen auf den Tiefs.`“

Leider ist das erst der Anfang. Laut Mark J. Grant dürfte es kurzfristig sogar noch mehr Panik geben:

„Gestern war der erste Tag einer Trendwende. Weitere Tage werden folgen.

Was Sie gerade sehen, ist der erste Fall, wo das Fremdkapital auf den Tisch kommt. Da die kurzfristigen Zinssätze aktuell bei eiskalten 0 Grad liegen, ist an den Anleihe- und den Aktienmärkten massiv Fremdkapital eingesetzt worden. Und obwohl es sich nicht quantifizieren lässt, kann ich Ihnen, da ich mit so vielen institutionellen Investoren zu tun haben, sagen, dass die Menge an Fremdkapital in den Büchern gigantisch ist und jetzt eingedeckt wird. Es wird nicht schön werden, und es wird einen Ansturm auf die Notausgänge geben, da die Fed jetzt den Feueralarm gedrückt hat und die Sirenen heulen.

Und es gibt noch ein weiteres Problem. Wall Street ist nicht mehr das, was es einst war. Die großen Wall Street Banken verfügen nicht mehr über ausreichend Liquidität, um mit der riesigen Menge an Wertpapieren klarzukommen, mit denen sie jetzt beworfen werden, und ich gehe davon aus, dass sich der Abwärtszyklus aufgrund dieses sehr realen Problems noch weiter verschärfen wird. Bernanke hält nicht mehr länger Wache und die Barbaren werden mit einem Großaufgebot aufwarten.“

Sollten die weltweiten Zinssätze eine bedeutende Trendwende einleiten, wäre das eine Riesensache. Warum? Nun, weil wir buchstäblich hunderte Billionen US-Dollars an Zinsderivat-Kontrakten haben, die da draußen herumschwirren:

„Der Zinsderivatemarkt ist der größte Derivatemarkt der Welt. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich schätzt, dass der nominelle Wert aller außerbörslich gehandelten ausstehenden Zinsderivate im Juni 2009 bei USD 347 Billionen lag. Laut der International Swaps and Derivatives Association nutzten im April 2003 80% der 500 größten Unternehmen der Welt Zinsderivate, um ihre Geldflüsse zu kontrollieren. Diese Zahl steht 75% an Devisenoptionen, 25% an Rohstoffoptionen und 10% an Aktienoptionen gegenüber.“

Wenn die Zinssätze anfangen, wilde Schwünge hinzulegen, könnte die Derivateblase platzen.

Und wenn dieses Kartenhaus einstürzt, werden wir eine Panik sehen, die absolut alles übersteigen wird, was wir diese Woche erlebt haben.

Sie sollten die Zinssätze daher ganz genau im Auge behalten und genau hinhören, wenn in den Massenmedien von einem Problem mit „Derivaten“ die Rede ist.

Wenn der nächste große Finanzcrash kommt, werden die weltweiten Kreditmärkte genauso zum Stillstand kommen wie 2008. Das wird dafür sorgen, dass die Wirtschaftsaktivität zum Erliegen kommt und eine deflationäre Phase über uns hereinbricht. Ja sicher, die Federal Reserve und die US-Bundesregierung werden auf die Krise letztlich auf eine Art reagieren, die für unglaubliche Inflation sorgen wird, doch wie ich in der Vergangenheit bereits anmerkte, werden wir es zunächst mit der Deflation zu tun bekommen.

Es scheint ratsam, dass Sie Ihre Notfallkasse aufstocken, solange Sie dazu noch in der Lage sind. Wenn die nächste große Finanzkrise vollumfänglich ausbricht, werden sehr viele Menschen ihre Arbeit verlieren und man wird eine ganze Zeit lang den Eindruck haben, als gebe es kaum noch jemanden, der extra Geld zur Verfügung hat. Wenn Sie etwas Geld beiseitelegen, werden Sie letztlich besser dastehen als die meisten Menschen.