Die Panik von 1919 – der Vorläufer des heutigen Interventionismus

Umso stärker die Staaten bei Wirtschaftszyklen intervenieren, desto schlimmer wird es

Martin Armstrong, Armstrongeconomics.com, 25.06.2013

Frage: „Niemand spricht über die Depression von 1920 bis 1921, aber soweit ich mich an meine Untersuchungen erinnern kann, haben weder die US-Regierung noch die US-Notenbank interveniert, sondern ließen den Dingen einfach ihren Lauf. Am Ende war diese Depression zwar für eine Weile schmerzlich, aber sie war sehr schnell wieder vorbei und von da an hatten wir dann die Goldenen 20er Jahre.

Man hört man die Politiker oder die mit ihnen unter einer Decke steckenden Medien aber nie darüber sprechen, weil – so würde ich mal tippen – das beweisen würde, dass all ihre wirtschaftlichen Agenden (konjunkturbelebende Ausgaben, der Aufkauf toxischer Schulden, Rettung der Banker usw.) grundfalsch sind. Würden Sie das bitte kommentieren. Ich bin neugierig, warum sich die Lage so schnell wieder besserte.“

Antwort: Die Panik von 1919 war ein 53%iger Rückgang des Dow Jones Industrial Average innerhalb von 94 Wochen. Der Rückgang konzentrierte sich aber vornehmlich auf Rohstoffe. Ich habe unzählige Male darauf hingewiesen, dass sich das Kapital innerhalb eines Landes von einer Branche zur nächsten bewegt, genauso wie es von einer Nation zur anderen wandert (internationale Kapitalströme).

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Wir haben aufgezeigt, wie die Weltwirtschaft wirklich funktioniert, und sie hält sich dabei auf atemberaubende Art und Weise an das Gesetz der Natur – Adam Smiths Unsichtbare Hand ist hier bei Weitem der wichtigste Hauptverdächtige. Sozialisten und Ökonomen hassen dieses Konzept und verwerfen es umgehend, genauso wie Regierungsvertreter, weil sie alle darauf aus sind, die Gesellschaft zu manipulieren und zu kontrollieren.

Die Unsichtbare Hand ist überdies auch unglaublich darwinistisch. In der Natur agiert jede Spezies in ihrem Eigeninteresse, das ist das, was wir das Überleben des Angepasstesten nennen. Und auch in der Wirtschaft diktiert dies den Aufstieg und Niedergang von Imperien, Nationen, Stadtstaaten und Unternehmen.

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Ein Regenwald versinnbildlicht die Weltwirtschaft auf perfekte Art und Weise. Milliarden von Arten agieren alle miteinander, um als Ganzes eine Synergie hervorzubringen. Und nichts anderes ist es, was Smith bei der menschlichen Gesellschaft beobachtet hatte. Die Unsichtbare Hand ist nichts weiter, als dass jede Art wirtschaftlich um ihr Überleben kämpft, genau wie in der Natur.

Wenn die Regierung die Steuern erhöht, sorgt das bei den Bürgern aus genau diesem Überlebenstrieb heraus für eine Reaktion. Wird Vermögen exzessiv besteuert, flieht es, und schneidet man dem Kapital dann noch die Rückzugsmöglichkeiten ab, wird es gehortet.

Rechtsanwälte werden heutzutage Politiker, weil sie glauben, dass sie die Welt beherrschen können, indem sie Gesetze schreiben, in denen per Dekret vorgeschrieben wird, wie sich die Menschen zu verhalten haben. Damit liegen sie aber voll daneben! Und sie zögern nicht, gegen jeden strafrechtlich vorzugehen, der nicht ihrer Meinung ist, und diese Menschen dann als Kriminelle zu brandmarken. Und wenn das nicht von Erfolg gekrönt, schicken sie die Armee und bringen die Massen für ihren Ungehorsam um.

Nehmen wir nur Snowden. Sie bezeichnen ihn als Verräter, drohen mit seiner Tötung und sind dann noch schockiert, dass er alles hinschmeißt und Asyl sucht? Nur ein arroganter, machthungriger Narr würde davon ausgehen, dass er von alleine zurückkehrt, damit sie ihn nackt in eine unbeheizte Zelle stecken, nach Gutdünken foltern, ihm einen Schauprozess geben und im Anschluss exekutieren können. Sie begreifen einfach nicht, wie die Welt funktioniert, da sie von ihrer eigenen Gier nach Macht geblendet werden. Und auch das ist alles Teil der Unsichtbaren Hand, die auf einer dynamischen Ebene operiert.

SV1919-YMan kann weder die menschliche Natur noch die Natur an sich per Gesetz wegdekretieren. Versuchen Sie doch mal, ein Gesetz zu verabschieden, dass Löwen nicht mehr töten dürfen. Viel Glück!

Die Panik von 1919 war eine Rohstoffpanik, die über 13 Jahre anhielt. Und ja, ungeachtet der „Inflation“ während der Goldenen 20er Jahre, ging der Silberpreis über 13 Jahre zurück – so viel zum Thema, dass Metalle Schutz vor Inflation bieten würden. Man kann keine eindimensionalen Korrelationen konstruieren und dabei den Rest der Welt ausblenden.

Ungeachtet dessen markierte die Panik von 1919 den Niedergang eines der berühmtesten Investoren aller Zeiten, dessen Name völlig in Vergessenheit geriet: Jonathan Ogden Armour (1863 – 1927) war der reichste Mann der Welt. Odgens Vermögen belief sich auf dem Höhepunkt 1919 auf USD 150 Millionen.

Niemand hatte mit der kompletten Verheerung gerechnet, die in allen Märkten unmittelbar bevorstand und bei der der Einbruch bei den Rohstoffen bis zu den Aktien durchsickerte. Während des Ersten Weltkriegs hatte Odgen den überwiegenden Teil der Fleisch- und Getreideversorgung für die Alliierten gestellt. Zum Ende des Kriegs hatte er dann viel zu große Läger und war viel zu stark gewachsen, genauso wie alle anderen auch.

Als dann alle Märkte in einem Zustand der Panik kollabierten, ging es direkt in die Tiefe. Armour besaß ein riesiges Vermögen, das sich heute inflationsbereinigt auf USD 107 Milliarden belaufen würde. Ungeachtet dessen verlor er damals 130 Tage in Folge jeden einzelnen Tag USD 1 Million.

Armour-11927 starb Ogden ohne einen einzigen Cent und lebte am Ende nur noch von der Großzügigkeit seiner Freunde in England. Er war völlig pleite und hatte riesige Schulden. In einem Interview kurz vor seinem Tod kommentierte er seine Vergangenheit und sagte, dass er den Titel hält, der Mensch zu sein, der mehr Geld verloren hat als irgendwer zuvor …

Ja, die Aktienmärkte brachen ein. Aber das war nicht der Ort, wo sich das Kapital konzentrierte – das Kapital konzentrierte sich in Rohstoffen. Der 53%ige Einbruch beim Dow Jones Industrial war lediglich eine Standardkorrektur. Das Interessante ist, dass die Panik von 1907 den größten Rückgang bei Eisenbahn-Aktien markierte, es dann mit der Panik von 1919 zum größten Rückgang bei Rohstoffen kam und danach die Industrietitel folgten. Das Kapital wandert auf nationaler Ebene von einer Branche zur nächsten.

Es war die bis ins Jahr 1980 anhaltende Goldrally, die die Philips Brüder reich machte, so dass sie das Anleihehaus Salomon Brothers übernehmen konnten. Goldman Sachs reagierte darauf, indem sie J. Aaron übernahmen und so die Derivate-Expertise mit dem Aktienhandel verschmolzen. Blankfein kommt auch von J. Aaron, der Rohstoffseite dieser Fusion.

Genauso wie die Goldpanik von 1980 Wall Street auf immer veränderte, indem die Expertise von Rosthoffen in Richtung Aktien und Anleihen überging, setzte die Panik von 1919 den Interventionismus in Gang, der nach der Großen Depression und dem Zweiten Weltkrieg voll zum Tragen kam.

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Die Panik von 1919 war der Auslöser der Gehalts- und Preiskontrollen von Franklin D. Roosevelt vor dem Zweiten Weltkrieg – ein Versuch, den Rohstoffzyklus zu verhindern, der seit der Panik 1919 wütete und bis ins Jahr 1932 anhielt. Darüber hinaus bereitet die Panik der kompletten Vereinnahmung der Federal Reserve den Boden. Die US-Notenbank wurde damals angewiesen, US-Schulden bis 1951 zum Nominalwert zu stützen, um so den Wirtschaftszyklus bei den Zinssätzen während der Kriegsjahre zu bezwingen.

Der ganze Interventionismus begann also mit der Großen Depression – und heute ist Deutschland von Austerität besessen, was auf seine Hyperinflations-Erfahrungen unter einer kommunistischen Revolutionsregierung in den 20er Jahren zurückzuführen ist, während die USA vom Interventionismus besessen sind, um die Austerität zu verhindern, die damals von Roosevelts Brain Trust verfochten wurde. Also ja: Umso mehr Interventionen erfolgen, desto schlimmer wird es, weil die Regierungen darauf beharren, aus politischen Gründen zu intervenieren, nicht aus ökonomischen. Wir kämpfen fortwährend den letzten Krieg.

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