Goldbullenmarkt: Preiskorrektur noch nicht vorbei

Gold könnte kurzfristig auf bis zu USD 1.020 pro Unze sinken. Bei der nächsten Phase des säkularen Goldbullenmarkts wird das gelbe Metall zunächst in Euros, Yen, Australischen Dollars usw. steigen und ganz zum Schluss auch in US-Dollars. Erst wenn Gold wieder in allen bedeutenden weltweiten Währungen steigt, ist die nächste explosive Welle des Goldbullenmarkts da. Bis es soweit ist, wird man sich aber wohl noch ein wenig in Geduld üben müssen

Martin Armstrong, Armstrongeconomics.com, 27.06.2013

Gold in verschiedenen Währungen

Frage: „Wenn Europa noch vor den USA den Bach runtergeht (wegen dem Mangel an Vertrauen in die EU-Regierungen), ist dann nicht damit zu rechnen, dass Gold zunächst auf Eurobasis steigen wird? Und ist der US-Dollar immer der erste Rettungsanker und Gold der letzte, sodass Gold nur dann steigen wird, wenn die USA kollabieren?“

Antwort: Egal, auf was man auch schaut, damit es ein Bullenmarkt ist, muss es immer in allen Währungen steigen. Während der Dollar steigt, wird Gold auf Dollarbasis fallen – das Metall wird aber in Euros, Yen, Australischen Dollars usw. steigen. Ein Bullenmarkt beginnt nie in allen Währungen gleichzeitig.

arms1

Gold hat sein inflationsbereinigtes Hoch, das derzeit bei USD 2.300 pro Unze steht, noch nicht überschritten. Silber hat sein [nominelles] Kassapreishoch von 1980 noch nicht überschritten. Wir hatten auf Dollarbasis zwar jede Menge Hype, aber letztlich ist noch nicht viel passiert.

arms2

Die Dollar-Bären sehen nur, dass die USA zusammenbrechen müssen. Ja gehen Sie doch einmal raus auf die Straße und fragen Sie die Leute, ob sie glauben, dass der Dollar zusammenbrechen wird. Sie werden Sie anschauen, als seien Sie verrückt. Die Leute geben gerade Geld aus, genießen den Sommer, haben eine großartige Zeit.

Der Anstieg des US-Dollars ist notwendig, um für den Rückgang der US-Wirtschaft zu sorgen. Das ist auch der Grund, warum 1985 die G5-Länder gegründet wurden – das Dollarhoch hatte zur Folge, dass die Exporte wegbrachen. Und die Politiker sagen sich, dass das Arbeitsplätze vernichtet.

Physisches Gold ist für den Privatanleger. Das Big Money kann und würde sein Geld nicht in Gold parken – sie brauchen regelmäßige Einkommen. Darüber hinaus ist der Goldmarkt lediglich ein winziger Bruchteil aller Finanzmärkte. Das Big Money geht per Telefonanruf in Märkte hinein und wieder heraus. Sie können sich nicht damit herumschlagen, irgendwelche Barren zu kaufen, zu lagern, zu versenden, zu versichern, ohne dass das Metall irgendwelche Umsätze generiert.

Es ist egal, was man für eine Sprache spricht, wenn Sie einem Ausländer begegnen, ist er ja nicht gleich ein Vollidiot, nur weil er nicht Ihre Sprache spricht. Und im Finanzwesen ist es dasselbe. Wir beurteilen die Welt immer gemäß unserer eigenen Auffassungen – das ist, was in unserer eigenen Welt als wahr gilt. Für jemand anderen sieht die Welt aber ganz anders aus. Jedem das Seine.

Wir agieren alle im Eigeninteresse. Wenn sich der Goldpreis auf Dollarbasis verdoppelt, während der Dollar gegenüber dem Euro 50% an Wert verliert, bleibt der Goldpreis auf Eurobasis unverändert. Wir reagieren alle auf die Basiswährung [Heimatwährung, in der man besteuert wird] in unserem Kopf, das ist wie mit der Sprache. Solange wir nicht erleben, dass Gold in allen Währungen steigt, wird es auch keinen nachhaltigen Bullenmarkt geben. Das kommt noch. Üben Sie sich einfach in Geduld.

Edelmetalle & Phasenübergang

Frage: „Ich bin ein institutioneller Portfolioverwalter in Kanada. Ich weiß, dass Sie darüber sprachen, dass die Goldpreiskorrektur solange anhalten wird, bis die Goldbullen das Handtuch geworfen haben. Ich selbst war nie Goldbug, ich bin nur ein Angestellter, der für seine Kunden Geld machen soll.

Die letzten Monate waren aber interessant gewesen. Alle Goldbugs, die ich kenne, haben bei Gold vollumfänglich kapituliert, speziell im Hinblick auf die Goldproduzenten. Ja sie sind derzeit sogar richtig gegen Gold eingestellt. Ich kann die Anrufe, die die letzten Monate zum Thema Goldkauf bei mir eingingen, an einer Hand abzählen. Nun, das war ein ziemlich langes Vorwort, eigentlich wollte ich wissen, ob ein Goldzyklus jemals endete, ohne dass es dabei zu einem Phasenübergang kam?“arms3
Antwort:
Nein, nie. Dafür, dass es eine Blase ist, bedarf es eines Phasenübergangs [Ein Phasenübergang ist der größtmögliche Anstieg in einem Markt innerhalb eines sehr kurzen Zeitraums.], und das haben wir bei den Metallen noch nicht erreicht. Gold liegt immer noch unter seinem inflationsbereinigten Hoch von 1980. In der nachfolgenden Grafik sehen Sie den Silberpreis:

arms4

Wir haben hier ein Doppelhoch. Und das ist auch der Grund, warum ich sagte, dass wir eine traditionelle Korrektur sehen werden, die schlimmstenfalls fünf Jahre anhalten könnte, was ein Tief in 2015 nahelegen würde. Aber wenn dies der Fall wäre, würde das Tief in 2015 gemeinsam mit dem Tief von 2013 ein Doppeltief bilden oder ein marginal niedrigeres Tief sein.

Und wie immer finden 90% des Rückgangs innerhalb der ersten zwei bis drei Jahre statt. Daher ist es durchaus möglich, dass das Tief jetzt oder, hinausgezögert, bis Juni/Juli 2014 erreicht wird, um die Korrekturphase abzuschließen.

Wir dürfen nicht vergessen, dass die Märkte nicht nur preissensibel, sondern auch zeitsensibel reagieren. Es geht also nicht nur darum, dass ein bestimmtes Preisziel getroffen wird, sondern es muss auch mit einem Zyklus in Einklang stehen, um von Bedeutung zu sein.

Gold: Preisziele für die aktuelle Korrektur

Frage: „Ich weiß, dass Sie versucht haben, die Preisbewegungen von Gold zu erklären, und deswegen von den Goldbugs massiv unter Beschuss genommen wurden. Sie sind völlig diskreditiert, und Sie haben recht, wenn Sie sagen, dass es sich bei ihnen nicht um richtige Analysten handeln würde. Das ist auch der Grund, warum sie damit aufgehört haben, Sie zu zitieren.

Sie haben das Preisziel von USD 1.150 pro Unze ausgegeben und erklärt, dass dies das Minimum der Korrektur sei. Stimmt das immer noch? Haben Sie die acht schlimmsten Goldpreisprognosen aller Zeiten gesehen?“

Antwort: Ja, wir nähern uns derzeit dem Minimalziel an und liegen mit Juni 2013 auch genau im richtigen Zeitfenster. Das ist schlicht und ergreifend die Art, wie sich alle Märkte verhalten. Der Löwenanteil des Rückgangs findet innerhalb der ersten beiden Jahre statt. Gold erlebt gerade seine finale Kapitulation, da die Long-Positionen mit sehr hohen Volumina liquidiert werden.

arms5

Unsere bärischen monatlichen Umkehrmarken liegen bei USD 1.236, USD 1.155, USD 1.042 und USD 930. Das sind die wichtigen Stützungslinien. Unsere wöchentlichen bärischen Umkehrmarken liegen bei USD 1.233, dann USD 1.197, USD 1.185 und USD 1.176. Das Optimum-Ziel liegt am unteren Rand des Trendkanals, also der Preisbereich zwischen USD 1.040 und USD 1.020 pro Unze. Die bedeutende Stützungslinie verläuft bei USD 939 bis USD 930 pro Unze.

Weitere Artikel zu diesem Thema


  • Gold & Silber: Korrektur werden neue Allzeithochs folgen
  • Der leitende Citibank-Analyst Tom Fitzpatrick sprach heute mit King World News über die jüngsten Verwerfungen am Gold- und Silbermarkt und sagte, dass die Anleger bei Gold wie auch Silber mit massiven Zugewinnen rechnen müssten …
  • Der Goldbullenmarkt hat noch gar nicht begonnen: Warum Gold auf USD 5.000 pro Unze steigen wird
  • Die Goldrally, die im Jahr 1999 begann, war nichts weiter als eine Anpassung. Es war kein realer Bullenmarkt – nur ein nomineller. Damit will ich auf die simple Tatsache hinweisen, dass Gold sein Hoch von 1980 real noch gar nicht überschritten hat.
  • Gold & Silber: Langfristiger Preisausblick
  • Da Gold und Silber ihre Preistiefs wahrscheinlich schon ausgebildet haben, wollen wir ein Blick auf die Charts werfen, um herauszufinden, was die Edelmetalle in den nächsten 12 bis 24 Monaten für uns bereithalten.
  • Gold & Silber: Korrekturphase dürfte vorbei sein
  • Dieses Auf und Ab-Muster konnten wir in den vergangenen 10 Jahren ein ums andere Mal beobachten. Jedes Mal kam es bei Gold und Silber im Nachgang zu spektakulären Zugewinnen. Einige Korrekturen dauerten lange und waren einschneidend, beispielsweise die nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers, andere waren hingegen nur kurz und von seichter Natur.
  • Geduldsprobe: Gold nervt Bullen wie Bären gleichermaßen
  • Gold ist seit dem Crash im 2. Quartal 2013 für Goldbullen wie Goldbären gleichermaßen sehr frustrierend gewesen. In den letzten 2 Jahren notierte das gelbe Metall in einem weit gefassten fixen Handelskanal und hat damit Trader und Anleger verärgert …