Gold & Silber: Bulle oder Bär?

Martin Armstrong, Armstrongeconomics.com, 02.07.2013

Frage: „Ich habe Ihre Artikel ausführlich gelesen und habe ein paar Fragen: Sie haben wiederholt erklärt, dass der Goldmarkt richtig durchgerüttelt werden muss, aber meines Wissens befinden sich Gold und Silber in einem Bärenmarkt. Es handelt sich mittlerweile nicht mehr um eine Korrektur innerhalb eines Bullenmarkts, sondern um einen Bärenmarkt (aus technischer Sicht). Meine Frage ist die: Wie können Sie sich so sicher sein, dass die Edelmetalle ihren Bullenmarkttrend irgendwann zwischen 2014 und 2015 wieder aufnehmen und bis 2020 neue Hochs ausbilden werden?

Meine zweite Frage ist zur Stagflation: Wenn wir uns in die Stagflation aufmachen, dann müssten die Rohstoffe doch in einem Bullenmarkttrend sein und nicht in einem Bärenmarkttrend, wie es aktuell der Fall ist?“

Antwort: Die Edelmetalle befinden sich nicht in einem Bärenmarkt, so wild sich das für Nicht-Goldbugs auch anhören mag. Die Wahrheit ist, dass Gold und Silber bisher noch nicht in einen säkularen Bullenmarkt ausgebrochen sind, und das auch erst dann stattfinden wird, wenn Silber sein [nominelles] Hoch von 1980 eingestellt und Gold das Preisniveau von USD 2.300 pro Unze durchbrochen hat.

silveryearly

Wie sicher das ist? Die Wahrscheinlichkeit liegt bei 100%. Und es geht hier nicht allein um Edelmetalle. Alles ist miteinander verbunden. Damit Gold und Silber in einen echten Bärenmarkt abrutschen, müsste Gold auf einen Jahresschlusskurs von USD 680 pro Unze und Silber auf USD 8,50 pro Unze fallen.

Der Anstieg der Metalle kommt nach 2015 und wird inmitten eines allgemeinen Chaos und eines Rückgangs des Vertrauens gegenüber der Regierung stattfinden. Wir haben diese Phase aber jetzt noch nicht erreicht, und es wird auch nie zu einer Hyperinflation kommen, das ist totaler Schwachsinn.

Die Stagflation wird durch den schnellen Anstieg der Staatskosten verursacht. Hierfür kann man jede Kleinstadt als Beispiel heranziehen. Dort gibt es zehn Polizisten, von denen jetzt fünf Polizisten nach 20 Jahren Dienstzeit ihr Pensionierungsalter erreichen. Ihnen müssen jetzt für den Rest ihres Lebens 100% der Krankenkassenleistungen gezahlt werden, und dann müssen sie auch noch ersetzt werden, und das heißt, dass die Nettokosten der Beschäftigung von 15 Polizisten entsprechen.

Diese Politiker sind davon ausgegangen, dass es einen fortwährenden Strom an Einnahmen geben würde und die Menschen alles zahlen würden, ganz egal, was man von ihnen auch verlangen würde. Und dann werden noch die Staatskosten aus den Lebenshaltungskosten herausgerechnet, obwohl es sich bei ihnen um die echten Anstiege bei der Inflation handelt – wie ein schwarzes Loch, das alles in sich aufsaugt. Das hängt damit zusammen, dass die Kosten vom Staat verursacht werden und nicht von der Wirtschaft.

Der Staat verbraucht das nationale Vermögen und trägt zur produktiven Leistung eines Landes nichts bei. Daher sind die steigenden Staatskosten aus ökonomischer Sicht auch deflationär und nicht inflationär. Und daher kommt es dann auch zur Stagflation, niemals zu Hyperinflation, da die einzelnen Bundesstaaten und die Lokalregierungen nicht in der Lage sind, die Geldmenge auszuweiten. Die nichtfinanzierten Verbindlichkeiten auf Länder- und Gemeindeebene übersteigen die Verbindlichkeiten der Bundesregierung bei weitem.

wheat-1220-1375

Und die Edelmetalle werden nicht alleine steigen – es handelt sich um einen Trend handfester (privater) Vermögenswerte, die gegenüber immateriellen (staatlichen) Verbindlichkeiten zulegen werden. Das Wetter befindet sich ebenfalls in einem chaotischen Trend, und wir werden erleben, dass es zu steigenden Nahrungsmittelpreisen kommen wird. Der massive Regen in Europa und in Teilen der USA beginnt jetzt, sich durch eine zurückgehende Versorgung bemerkbar zu machen.

Es ist also niemals möglich, die Zukunft zu prognostizieren, solange man nicht alle Aspekte zusammenbringt, da nichts einzeln betrachtet werden kann – es ist alles miteinander verbunden.

Gold und Silber mussten fallen, andernfalls wäre ein Anstieg bei den Zinssätzen nicht möglich gewesen. Wir haben es hier mit einer Reihe von Dominos zu tun, und ist der erste erst einmal gefallen, muss der zweite ebenfalls umkippen.

Es ist bedauerlich, dass die Gold-Promoter die Rolle der Metalle so beschädigt und all den Schwachsinn verbreitet haben. Sie haben bei den Metallen weit mehr Schaden angerichtet, als die Leute ahnen, da die nächste große Rally erst beginnen wird, nachdem der Goldmarkt massiv durchgerüttelt wurde und die Bullen komplett diskreditiert worden sind.

Weitere Artikel zu diesem Thema


  • Edelmetalle im Sturzflug: Noch mehr Abwärtspotenzial bei Gold & Silber
  • Der zyklische Edelmetallbärenmarkt setzt sich fort; das aktuelle Preisziel von Silber liegt bei USD 15 pro Unze, während das gelbe Metall ohne weiteres bis auf USD 1.080 pro Unze fallen könnte, wo weitere wichtige Stützungen verlaufen
  • Gold & Silber: Bärenmarkt-Update
  • Wir haben uns den Verlauf der Bärenmärkte bei Gold & Silber eine ganze Weile nicht mehr angeschaut, weshalb es jetzt wieder an der Zeit ist, uns damit auseinanderzusetzen. Dank der starken Rally des US-Dollar-Indexes der letzten paar Monate sind zahlreiche Rohstoffe und auch die Edelmetalle immer stärker unter Druck geraten.
  • Stagflation: Die Staatskrake reißt immer mehr Kapital an sich
  • Wir befinden uns derzeit in einem deflationären Trend, weil die Staatskosten steigen und dies zur Folge hat, dass drakonische Gesetze geschaffen werden und die Steuern eskalieren. Diese Deflation geht nicht darauf zurück, dass der Privatsektor schrumpft …
  • Gold & Silber weiterhin schwach: Metalle scheitern abermals an ihren Widerstandslinien
  • Die Edelmetallrally der letzten Wochen wurde abrupt beendet. Es könnte durchaus sein, dass sich die düsteren Prognosen bewahrheiten und sich das gelbe Metall nun wieder in Richtung neuer Tiefs aufmacht
  • Das Ende des Bärenmarkts: Glänzender Ausblick für Silber
  • Silber befindet sich nun schon seit fast drei Jahren in einem Bärenmarkt, und die jüngste Schwäche des weißen Metalls legt nahe, dass es auf der Suche nach neuen Tiefs sein könnte. Neue Tiefs sind immer bärisch, …