Gold: Extrem überverkauft

Frank Holmes, U.S. Global Investors, 01.07.2013

Die Anleger sind letzten Monat aus dem Goldmarkt, den Schwellenmärkten und den Anleihen geflohen; bei den Geldabflüssen kam es im Juni auf Monatsbasis zu Rekordhochs. Seit die US-Notenbank im Mai erste Andeutungen machte, dass eine stärkere US-Wirtschaft es möglich machen könnte, die geldpolitischen Lockerungsmaßnahmen zu reduzieren, haben die Märkte gegen diese Meldung protestiert.

Die Kommentare über eine mögliche geldpolitische Straffung und die daraus resultierenden Zinsanstiege und Liquiditätsabflüsse haben Gold schwer getroffen. Das gelbe Metall ist letzte Woche erstmals seit August 2010 auf unter USD 1.200 pro Unze gefallen.

Darüber hinaus können wir zurzeit mitverfolgen, wie Indien, der weltgrößte Goldkäufer, versucht, die Goldnachfrage einzudämmen. Die indische Regierung will ihr Rekord-Außenhandelsdefizit verringern und hat den Einfuhrzoll auf Gold auf 8% erhöht und neue Beschränkungen bei der ländlichen Kreditvergabe eingeführt, bei der die Kredite üblicherweise mit Goldschmuck und Goldmünzen besichert werden. Ross Norman, der Geschäftsführer des Edelmetallhändlers Sharps Pixley, sagte:

„Es ist fast so, als würde das [indische] Finanzministerium einen Krieg gegen die Goldbranche führen, was nahelegen würde, dass sie das Gefühl haben, in gewissem Grad die Kontrolle über die Wirtschaft verloren zu haben. In solch einem Umfeld würde man natürlich noch stärker Gold besitzen wollen als je zuvor.“

Andere Faktoren, die die Liquidierung angeheizt haben, waren die Erhöhung der Sicherheitsleistung bei der CME Group, dem größten Betreiber von Futures-Börsen in den USA, sowie die weltweiten Liquiditäts-Sorgen im Hinblick auf die USA und China.

Wenn das Land mit dem größten BIP der Welt und das Land mit der größten Bevölkerung auf dem Planten Liquiditäts-Sorgen haben, flüchten die Trader natürlich aus Aktien, Anleihen und Gold in Richtung Bargeld. Doch obwohl die Gold-Trader ihre Finanzinvestments verringert haben, kam es bei den physischen Goldkäufen zu einer starken Zunahme, und auch die Zentralbanken halten an ihren Goldreserven weiterhin fest.

Wir sind nach wie vor der Auffassung, dass sich Gold derzeit in einem extrem überverkauften Bereich befindet und der Zeitpunkt für eine Trendumkehr in Richtung des langfristigen Schnitts gekommen ist, zumindest aus mathematischer Sicht. Doch wenn es bei Gold zu Preisstürzen kommt, übernimmt die Angst, und dann verlieren einige Anleger die fundamentalen Gründe aus den Augen, warum man Gold besitzen sollte: Gold dient zur Diversifikation des Portfolios und als Wertspeicher. Gold ist eine begrenzt verfügbare Ressource mit weltweit steigender Nachfrage.

Vor fünf Jahren war ich Mitautor eines Buches über Gold, in das meine lebenslange Erfahrung mit dem gelben Metall mit einfloss. Mein Ratschlag hat sich seitdem nicht verändert. Was Gold anbelangt, ist Maßhalten das Entscheidende. Versuchen Sie nicht, mit Gold reich zu werden, da die damit einhergehenden Risiken schlicht zu hoch sind. Man sollte den Anteil von Gold als Vermögensklasse auf 10% seines Portfolios beschränken – 5% in physische Edelmetalle und 5% in Minentitel. Und dann sollte man sein Portfolio jedes Jahr entsprechend neuausrichten, um dieses Niveau zu halten und die Volatilität zum eigenen Vorteil auszunutzen.

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Bei vielen Vertretern der Finanzmedien und Geldverwaltern scheint es ein inhärentes Vorurteil gegenüber Gold zu geben, speziell dann, wenn Gold gerade eine Korrektur durchgemacht hat. Die Milliarden an Dollars, die im Goldmarkt verlorengingen, sorgen zwar für sensationelle Schlagzeilen, aber auch die zwei Lieblings-Technologieaktien mussten Federn lassen. Ich finde es jedenfalls interessant, dass die Schwarzmaler nicht über die Tatsache sprechen, dass Facebook und Apple innerhalb der letzten zwölf Monate größere Verheerungen bei der Marktkapitalisierung angerichtet haben, als der größte börsennotierte Goldfonds. Die nachfolgende Grafik veranschaulicht noch einmal die Größenordnungen:

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Aber warum ist es so, dass Gold immer noch damit zu kämpfen hat, als Vermögensklasse dauerhaft akzeptiert zu werden? Ja ich mag es auch, mit meinen iPad über Facebook mit Freunden in Kontakt zu treten, aber ich vertraue mehr darauf, dass Millionen von Menschen in Asien und dem Nahen Osten die Edelmetalle auch dann noch anbeten werden, wenn der Reiz des Neuen bei Facebook und iPads schon lange wieder verschwunden ist.

In vielen Teilen der Welt kommt diese tiefe kulturelle Affinität gegenüber Gold dadurch zum Ausdruck, dass Goldmünzen und Goldschmuck während ganz besonderer Gelegenheiten verschenkt werden. Und Gold wird schon bald wieder in seine saisonal starke Phase eintreten, da im Juli Ramadan beginnt und dann das indische Lichterfest, die Hochzeitssaison und Weihnachten folgen. Wir haben ja schon oft über die Auswirkungen dieses bedeutenden saisonalen Musters berichtet.

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Die Aussicht auf die Beendigung der geldpolitischen Lockerungsmaßnahmen der US-Notenbank geistert aber nicht nur im Goldmarkt herum, sondern hat überdies auch dafür gesorgt, dass die Anleger aus festverzinslichen Investments geflohen sind. Steigende Zinssätze und fallende Preise führten im Juni bei den Anleihefonds zu Geldabflüssen, die den zuvor erreichten Rekord von Oktober 2008 in den Schatten stellen.

Die Abwärtsrevisionen der Wirtschaftsdaten legen nahe, dass – obschon sich die Wirtschaft vielleicht fortwährend verbessert – es keinerlei Anzeichen spektakulären Wachstums gibt. Und im Ergebnis fielen die Anleihen Ende letzter Woche dann auch im Wert. Wir gehen davon aus, dass dieser Exodus Anlegern, die nervös wurden, weil sie in diesen Markt investieren wollten, einen Einstiegspunkt bieten könnte.

Die durch die US-Notenbank ausgelösten Ängste strahlten jedenfalls weit in alle Himmelsrichtungen aus, da auch die Aktien der Schwellenmärkte letzten Monat Rekordabflüsse zu verzeichnen hatte und die Abverkäufe in Lateinamerika, Europa und Asien weiter anhielten. Erneute Sorgen bezüglich des chinesischen Wirtschaftswachstums und die Bedenken im Hinblick auf eine Straffung der Geldpolitik beschleunigten die Flucht aus den Schwellenmärkten nur noch mehr. Gewinne, die in den vor kurzem noch heißen Märkten gemacht wurden, wurde abgezogen, wodurch die Liquidität noch stärker zurückging.

Wir sehen in den Schwellenmärkten aber nach wie vor Möglichkeiten und sind darauf aus, dort unterbewertete, Dividende zahlende Unternehmen mit Wachstumsperspektiven ausfindig zu machen. In Bullen- wie auch Bärenmärkten ist es von Zeit zu Zeit so, dass sich der Preis von den Fundamentaldaten abkoppelt. Die Preise können dabei aufgrund von Angst viel zu stark einbrechen und aufgrund von Gier viel zu weit in die Höhe schießen. Wir sind nach wie vor der Auffassung, dass die Fundamentaldaten solide und ein Großteil der kurzfristigen Preisschwankungen viel Lärm um nichts sind. In volatilen Märkten ist es wichtig, dass man auf seine Investmententscheidungsprozesse und Diversifikation vertraut.

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