Frühphase des ultimativen Goldbullenmarkts: Anleger verpassen goldene Möglichkeit

Peter Schiff, Europacmetals.com, 03.07.2013

Der Preisrutsch von Gold im zweiten Quartal dieses Jahres ist der größte aller Zeiten. Das gelbe Metall ist in den letzten drei Monaten um 23% im Preis gefallen und ging mit knapp über USD 1.200 pro Unze aus dem Handel. Wall Street freut sich unterdessen hämisch darüber, dass ein neuer Edelmetallbärenmarkt begonnen hat. Ein Professor der Duke University prognostizierte sogar, dass Gold auf seinen „Zeitwert“ von USD 800 pro Unze oder noch tiefer fallen würde. Natürlich fügte er noch rasch hinzu, dass es sich dabei nicht um einen Investmenttipp, sondern nur um akademische Spekulationen handelt.

Für diejenigen unter uns, die die Fundamentaldaten der Rohstoffe genau untersuchen, ist die überwältigende Schlussfolgerung, dass das gelbe Metall nicht mehr allzu lange auf derart niedrigen Preisniveaus verharren kann. Gold nähert sich gegenwärtig einem Punkt an, an dem die Minen gezwungen sein werden, ihre Operationen zurückzufahren, wodurch die Goldversorgung reduziert wird.

Aber es ist ja nicht nur die zurückgehende Goldversorgung, die dem Abwärtstrend von Gold ein Ende bereiten dürfte. Auch eine plötzlich einsetzende Angebotsverknappung könnte Gold abermals auf neue Hochs katapultieren. Die Wahrscheinlichkeit einer starken Erholung wird durch die ums Überleben kämpfende Minenbranche und die Performance von Gold während des letzten großen Bullenmarkts in den 70er Jahren gestützt.

Inlandspolitik vs. Rohstoff-Fundamentaldaten

Wenn man sich die US-Finanzmedien so anschaut, möchte man meinen, dass der Goldpreis ausschließlich durch Ereignisse in der inländischen Wirtschaft bestimmt wird. Es wird allgemein angenommen, dass die Gold-Korrektur nur logisch ist: Die US-Wirtschaft erholt sich langsam, und das bei anscheinend niedriger Inflation, und die US-Notenbank hat angedeutet, dass sie ihre quantitativen Lockerungsprogramme innerhalb der kommenden zwölf Monate zurückfahren will.

Ich argumentiere nun schon seit Monaten gegen diese erneuten Erholungs-Märchen und erinnere meine Leser und die Medien daran, dass die Fundamentaldaten von Gold weiterhin sehr stark sind. Die Auffassung, dass wir zurzeit eine Erholung erleben, ist vornehmlich auf das irreführende Verbrauchervertrauen, die unzuverlässigen staatlichen Wirtschaftsdaten und, am wichtigsten, die anhaltenden Geldinjektionen der Fed in die Wirtschaft zurückzuführen.

Und was eine Reduzierung oder gar die Beendigung der quantitativen Lockerung (QE) anbelangt, stimmt mir selbst der Internationale Währungsfonds zu, dass die Fed „keine Ahnung“ hat, wie sie das eigentlich anstellen soll. Die Märkte gerieten letzten Monat ins Schleudern, und das nur, weil Bernanke die Idee erwähnte, QE innerhalb der nächsten zwölf Monate auszusetzen. So, und nun stellen Sie sich einmal vor, wie schlimm die Lage wäre, wenn die Fed mit dem Gerede aufhören und die Lockerungsmaßnahmen tatsächlich zurückfahren würde.

Wir dürfen hier auch nicht vergessen, dass es sich bei Gold um einen globalen Rohstoff handelt. Obwohl die USA einen riesigen Einfluss auf die weltweiten Finanzmärkte haben, hat Gold keine speziellen Affinitäten gegenüber einem bestimmten Land.

Und angesichts des jüngsten Rückgangs beim Goldpreis ist es jetzt an der Zeit, dass wir uns die Fundamentaldaten von Gold noch einmal genauer anschauen.

Eine sich abzeichnende Angebotsverknappung

Mittlerweile haben ja alle begriffen, dass die Kosten, um eine Unze Gold aus dem Boden zu holen, höher sind als je zuvor. Kürzlich sind USD 1.200 pro Unze als die Schwelle angegeben wurden, ab der die Mehrheit der Goldfirmen profitabel arbeiten kann. Daher dürfte es auch nicht überraschen, dass der aktuelle Preisrückgang negative Auswirkungen auf die Minenproduktion haben wird.

Natürlich neigen die Junior-Minen dazu, höhere Produktionskosten zu haben. Sie dürften daher die ersten sein, die von dieser Preiskorrektur getroffen werden. Größere Minen profitieren von ihren Größenvorteilen und könnten den ums Überleben kämpfenden Junior-Minen Marktanteile abjagen.

Das soll nun keinesfalls eine Empfehlung sein, Minenaktien zu verkaufen, aber die Branche ist mit Herausforderungen konfrontiert, die den Goldpreis im Rahmen des nächsten Aufwärtsschubs dieses Bullenmarkts nach oben katapultieren dürften. Und diese Angebotsverknappung wird sich auch nicht umgehend wieder umkehren, wenn der Goldpreis seinen Aufstieg wieder fortsetzt.

Die Reaktivierung einer geschlossenen Goldmine ist nicht etwas, das – in einer Branche, die so herausfordernd ist wie die Minenbranche – über Nacht vonstattengeht. Darüber hinaus werden die Unternehmen angesichts der Heftigkeit des jüngsten Preisrückgangs und der negativen Stimmung, mit der die Goldminenaktien nur noch stärker abgestraft wurden, extrem zurückhaltend dabei sein, ihre Investitionskosten zu erhöhen oder neue Explorationsprojekte freizugeben. Denn wer will schon Kapital einsetzen, wenn die Befürchtung vorherrscht, dass es zu einem drastischen Abverkauf kommt, der die Überlebensfähigkeit dieser Projekte zunichtemachen könnte!

Stattdessen ist es bei Weitem wahrscheinlicher, dass die Goldfirmen alle zusätzlichen Einnahmen in Form von Dividenden an ihre frustrierten Anleger ausschütten oder die Gelder einfach dafür nutzen werden, ihre eigenen Aktien zu Schnäppchenpreisen wieder zurückzukaufen. Dividendenausschüttungen und Aktienrückkäufe mögen vielleicht zu steigenden Aktienpreisen führen, doch zu einer Ausweitung der Goldproduktion werden sie rein gar nichts beitragen.

Der Goldpreis wird wohl erst weit über die Marke von USD 2.000 pro Unze steigen und dort auch für eine erhebliche Zeit verharren müssen, bevor die verstörten und verängstigten Unternehmenschefs der Minenfirmen wieder mehr Geld für Explorations- und Entwicklungsprojekte ausgeben.

Für die Käufer und Halter von physischen Gold sind die Implikationen klar; sie liegen so deutlich auf der Hand wie in einem Wirtschaftslehrbuch: Eine geringere Produktion führt bei steigender Nachfrage zu einem noch höheren Preis. Und da die Nachfrage nach physischem Gold ungeachtet der aktuellen Korrektur weiterhin stark ist und sich künftig sogar noch weiter verstärken wird, wenn sich der Goldpreis wieder erholt und der Dollar abschwächt und die Inflationssorgen immer größer werden, dürften wir gerade erst am Anfang der Mutter aller Goldbullenmärkte stehen!

Reaktion und Gegenreaktion

Da der Rückgang des Goldpreises nicht auf Fundamentaldaten basiert, wird die letztlich einsetzende Erholung und Trendumkehr umso massiver ausfallen, desto stärker das gelbe Metall jetzt korrigiert. Das ist so, als würde man bei einem Katapult das Gummiband nach hinten ziehen – die Anleger glauben, dass der Goldpreis wieder auf eine natürliche Handelsspanne absinkt, während er in Wirklichkeit künstlich nach unten gezerrt wird.

Wenn sich unter den Anlegern die Realitäten über Gold breitmachen, wird dieses Gummiband mit aller Gewalt wieder zurückschnellen. Und genauso wie bei einem Katapult wird diese Richtungsbewegung aller Vorausschau nach anhalten und den Goldpreis wohlmöglich auf neue Rekordhochs katapultieren.

Und mit einer solchen Prognose hänge ich mich noch nicht einmal weit aus dem Fenster. In meinem jüngsten Kommentar für meine Brokerfirma Euro Pacific Capital verglich ich den aktuellen Preissturz von Gold mit dem Preissturz, der Mitte der 70er Jahre stattfand, bevor Gold bis ins Jahr 1980 hinein wie eine Rakete auf sein Allzeithoch schoss. Erlauben Sie mir, im Folgenden einen kleinen Auszug dieses Artikels einzustellen, der mit einem Zitat eines New York Times Artikels vom 29.08.1976 beginnt:

„´Vor zwei Jahren drehten die Goldbugs durch, da sich der Goldpreis fast versechsfacht hatte. Doch nachdem der Goldpreis vor zwei Jahren auf diese Höhen stieg, ist er fortwährend zurückgegangen, fast um die Hälfte, und hat die Goldbugs in die Flucht geschlagen. Die jüngste Empfehlung einer führenden Wall Street Firma legt nahe, dass der Goldpreis weiter fallen wird und sich am Ende 40% unter dem jetzigen Niveau einpendeln dürfte.

Diese verheerende Niederlage sagt eine Menge über das Vertrauen der Verbraucher in die weltweite Erholung aus. Die drastisch gefallenen Inflationsraten und das Wiedererstarken anderer wirtschaftlich produktiverer Investments wie Aktien, Immobilien und Bankeinlagen haben gemeinsam dafür gesorgt, dass der Reiz des Goldes verschwunden ist.

Und obschon die amerikanische Wirtschaft ihre Erholungsrate verlangsamt hat, befindet sie sich immer noch fest auf Expansionskurs. Die Angst, die vor zwei Jahren dominierte, ist größtenteils verschwunden und weichte einer Erholung, die die Träume der Goldspekulanten in einen Albtraum verwandelt hat.` […]

Zu dem Zeitpunkt, als die New York Times diesen Artikel veröffentlichte, war Gold auf USD 103 pro Unze gefallen, was einem fast 50%igen Rückgang vom Hoch von USD 200 pro Unze Ende 1974 entsprach. Das Hoch von USD 200 pro Unze markierte das Ende einer fulminanten, drei Jahre anhaltenden Rally, die im August 1971 ihren Anfang nahm, als US-Präsident Nixon die Goldbindung des Dollars ´vorübergehend` aufhob und die freie Preisfindung des Metalls erlaubte. […]

Und obwohl es der Autor des New York Times Artikels zu dieser Zeit noch nicht wusste, hatte Gold sein Tief vier Tage vor der Veröffentlichung des Artikels ausgebildet. Nur Wenige waren sich zu jener Zeit darüber im Klaren, dass die wirtschaftlichen Leiden der 70er Jahre gerade erst an ihrem Anfang standen. Als die Inflation und die Rezession Ende der 70er Jahre mit aller Gewalt zurückkehrten, hob Gold ab wie eine Rakete. Bis Januar 1980 war Gold in der Spitze auf USD 850 pro Unze geschossen. Der zweite Aufwärtsschub der Goldrally stellte sich also als noch größer als der erste heraus.

Die Parallelen zwischen den 70er Jahren und der heutigen Zeit sind sogar noch verblüffender, wenn man sich die Zahlen einmal genauer anschaut. Beispielsweise ist Gold zwischen 1971 und 1975 von USD 35 auf USD 195 pro Unze oder um 458% gestiegen, und danach folgte eine zweijährige Korrektur von fast 50%. Dadurch wurden die Gesamtzugewinne während dieser Phase aber lediglich auf rund 200% gedrückt.

Der aktuelle Bullenmarkt, der im Jahr 2000 seinen Anfang nahm, brauchte etwas länger, um richtig in Fahrt zu kommen, aber die prozentualen Zugewinne sind sehr ähnlich. Wir sollten uns hier auch nicht über die komprimiertere Entwicklungsphase des Bullenmarkts in den 70er Jahren wundern, da Gold damals ja nach Jahrzehnten der Beschränkung urplötzlich in die Freiheit entlassen wurde.

Von seinem Preistief 1999 bis zu seinem Hoch in 2011 stieg Gold um rund 650% von USD 253 auf USD 1.895 pro Unze, und danach folgte eine zweijährige Korrektur von rund 37% auf USD 1.190 pro Unze.

Dieser Preisrückgang hat die Gesamtrally auf rund 370% reduziert. Die Massenmedien behaupten jetzt – genauso wie in den 70er Jahren –, dass der Preisrutsch der Beweis dafür sei, dass die Ängste bezüglich des steigenden US-Haushaltsdefizits, einer viel zu lockeren Geldpolitik und einer Abschwächung der Wirtschaft (was in der Kombination zu einem Wertverfall des Dollars und einem Anstieg der Inflation führen würde) unbegründet sind. Aber 1976 war das Spiel ja noch nicht vorbei. Und 2013 wird aller Vorausschau nach ebenfalls nicht das Ende der Geschichte sein.“

Kritiker werden nun auf die Diskrepanzen zwischen der gegenwärtigen Situation und der Situation der 70er Jahre hinweisen, hauptsächlich auf das derzeitige Ausbleiben einer galoppierenden Inflation. Ich habe diese Kritik ein ums andere Mal adressiert und die Menschen dazu angehalten, sich der Tatsache bewusst zu werden, dass es jede Menge reale Inflation gibt, die in den staatlichen und nicht repräsentativen VPI-Zahlen überhaupt nicht auftaucht.

Darüber hinaus dürfen wir nicht vergessen, dass sich das Inflationsproblem im Verlauf der 70er Jahre immer weiter hochschaukelte. 1971, als Nixon in einem fehlgeleiteten Versuch, die Inflation einzudämmen, Gehalts- und Preiskontrollen implementierte, lag die Inflation gerade einmal bei 4%.

Würden wir heute zur Ermittlung des VPI dieselbe Berechnungsmethodik verwenden, die zum damaligen Zeitpunkt eingesetzt wurde, dann, so glaube ich, wäre die aktuelle Inflation mindestens genauso hoch, wenn nicht gar noch höher sein. Und da die US-Notenbank heute sogar noch mehr Öl ins Inflationsfeuer gießt als damals, rechne ich überdies damit, dass Gold im Ergebnis noch viel heißer und heller scheinen wird.

Falls Sie nach einem guten Beispiel für reale Inflation suchen, brauchen Sie nur auf die eingangs erwähnten Kosten der Goldminen zu blicken. Es ist nur wenige Jahre her, als Gold erstmals über die Marke von USD 1.200 pro Unze kletterte – und dennoch brauchen die Minenfirmen diesen Preis heute als Mindestniveau, um überhaupt plus minus null rauszukommen.

Das ist hauptsächlich auf die versteckten Inflationseffekte zurückzuführen, die den Wert des Dollars absenken und somit automatisch auch alle Dollarkosten erhöhen, die mit der Goldförderung in Zusammenhang stehen. Wie kann es sein, dass so viele Goldminenfirmen bei einem Goldpreis von USD 300 pro Unze profitabel sein konnten, heute aber bei einem Goldpreis von USD 1.200 pro Unze Geld verlieren, wenn die Inflation tatsächlich so gering wäre, wie von staatlicher Seite verlautbart wird!

Die Leser, die meine Veröffentlichungen seit längerem verfolgen, wissen, was für eine großartige Kaufgelegenheit nun vor uns liegt. Einige haben vielleicht sogar die 70er Jahre miterlebt und diese atemberaubende Erholung bei den Realwerten verpasst. Und genau diese Möglichkeit zeichnet sich derzeit wieder ab.

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