11 Anzeichen, dass Italien gegenwärtig in einer vollumfänglichen Wirtschaftsdepression versinkt

Michael Snyder, The Economic Collapse, 07.07.2013

Wenn man sich zu stark verschuldet, fangen die wirklichen Probleme an. Und leider ist das genau das, was sich derzeit in Italien abspielt. Harte Austeritätsmaßnahmen haben dazu geführt, dass sich die italienische Wirtschaft nun noch stärker abgeschwächt hat, und ungeachtet all dieser Austeritätsmaßnahmen setzt die italienische Regierung ihren Defizitkurs weiter fort und häuft sogar noch mehr Schulden an.

Auf genau dieselbe Art ist auch Griechenland abgestürzt. Die Austerität sorgt dafür, dass die Regierungseinnahmen zurückgehen, was zur Folge hat, dass die Ziele zur Defizitreduktion verfehlt werden, was wiederum noch mehr Austeritätsmaßnahmen notwendig macht.

Doch wenn Italien wirtschaftlich kollabiert, wird es eine viel größere Sache sein als das, was in Griechenland geschah. Italien ist die neuntgrößte Wirtschaft des Planeten. Eigentlich war Italien ja sogar die achtgrößte Wirtschaft der Welt, wurde nun jedoch von Russland überholt. Sollte Italien weiterhin straucheln, dürften demnächst auch Indien und Kanada vorbeiziehen.

Es ist eine echte Tragödie, zu beobachten, was sich in Italien derzeit abspielt, da es wirklich eine traumhafte Region ist. Als ich ein Kind war, war mein Vater in der Navy und so konnte ich für eine Weile dort leben. Es ist das Land des großartigen Wetters, großartigen Essens und großartigen Fußballs. Die Menschen sind freundlich und die Kultur ist absolut faszinierend.

Aber jetzt bricht die Nation auseinander. Im Folgenden finden Sie 11 Anzeichen, dass Italien gegenwärtig in eine vollumfängliche Wirtschaftsdepression abrutscht:

1. Die Arbeitslosenrate in Italien ist auf 12,2% gestiegen. Das ist die höchste Arbeitslosenrate seit über 35 Jahren.

2. Die Jugendarbeitslosenrate in Italien liegt aktuell bei 38,5% und in Süditalien ist sie jüngst auf die Marke von 50% geklettert.

3. Im Schnitt schließen in Italien jeden Tag rund 134 Einzelhandelsgeschäfte. Seit 2008 haben insgesamt rund 224.000 Einzelhandelsgeschäfte dichtgemacht.

4. Italiens Wirtschaft geht bereits das siebte Quartal in Folge zurück.

5. Es wird davon ausgegangen, dass das italienische BIP dieses Jahr um 1,8% schrumpfen wird.

6. Die italienische Industrieproduktion ist bereits den 15. Monat in Folge rückläufig und nun auf das niedrigste Niveau seit rund 25 Jahren gesunken.

7. Die Fertigungsaktivität in Italien ist seit 2008 um rund 25% gefallen.

8. Die Autoverkäufe in Italien sind im Mai im Vergleich zum Vorjahr um 8% gefallen.

9. Die Zahl der Italiener, die als „ernsthaft sozial benachteiligt“ gelten, hat sich in den vergangenen 24 Monaten verdoppelt.

10. Italien weist derzeit ein Schulden/BIP-Verhältnis von 130% aus.

11. Es wird prognostiziert, dass Italien innerhalb der nächsten sechs Monate ein großes EU-Rettungspaket benötigen wird.

Italien ist am Ende.

Und im Gegensatz zu den USA oder Japan hat Italien keine eigene Zentralbank, die verpflichtet werden könnte, Unmengen neuen Geldes zu drucken, um damit italienische Staatsanleihen zu kaufen.

Italien ist mit dem Euro verheiratet, was seine Handlungsspielräume erheblich einschränkt. Und bedauerlicherweise geht dem Land jetzt das Geld aus. Das Folgende stammt aus einem kürzlich von Wolf Richter veröffentlichten Artikel:

„In den meisten Ländern wäre es ein Akt grandioser Chuzpe oder vielleicht auch eine Zurschaustellung politischen Wahnsinns, aber in Italien sorgt es kaum für Aufregung: Dass ein Regierungsvertreter – immerhin ein italienischer Minister – erklärt, dass das Land seine längst überfälligen Rechnungen nicht zahlen kann – und nicht etwa für einen oder zwei Monate, sondern für den Rest des Jahres! Aufgrund ´technischer` Probleme.

Der italienischen Regierung ist das Geld ausgegangen. Nicht dass die US-Regierung diesbezüglich in besserer Verfassung wäre, oder die japanische Regierung, aber die USA und Japan haben beide eigene Zentralbanken, die die fehlende Kohle einfach mit verschwenderischer Hemmungslosigkeit drucken. Italien hat das nicht. Italien hat die EZB, die zwar von einem Italiener geleitet wird, der letztes Jahr versprach, großzügig Geld zu drucken, um Länder wie Italien über Wasser zu halten – aber ein Versprechen ist nun einmal nicht dasselbe, wie wenn man über seine eigene Zentralbank verfügt.

Am 04.07.2013 trat Italiens Haushaltsfiasko abermals zutage. Obwohl in Italien Austerität geheuchelt wird, stiegen die Ausgaben der italienischen Regierung im ersten Quartal 2013 um 1,3%, während die Einnahmen weiter auf der Stelle traten. Das italienische Haushaltsdefizit kletterte daher im ersten Quartal auf 7,3% des BIP, wodurch die italienische Staatsverschuldung auf 130% des BIP stieg. Im Vorjahresquartal lag das Defizit noch bei 6,6%.

Sich aufblähende Schulden und Defizite in einer schrumpfenden Wirtschaft – Italien befindet sich nun bereits seit dem vierten Quartal 2011 in einer Rezession – sind ein toxisches Gemisch, wenn man zur Eurozone gehört.“

Und obwohl diese Zahlen vielleicht düster klingen, ist es in Wirklichkeit der italienische Normalbürger, der unter all dem am meisten zu leiden hat. Viele Italiener sind von dieser Wirtschaftsdepression völlig überrascht worden und die Zahl der Selbstmorde explodiert:

„In Italien kommen die tragischen Geschichten über Selbstmorde, die offenkundig mit der tiefen Rezession in Zusammenhang stehen, mittlerweile viel zu oft vor. Letzten Monat erhängte sich ein ehemaliger Fabrikarbeiter nahe Turin, weil er keine Arbeit finden konnte, wie seine Verwandten berichteten.

Im Mai nahm sich ein junger Mann außerhalb Roms das Leben, nachdem er seinen Arbeitsplatz verloren hatte. Der italienische Ministerpräsident Giorgio Napolitano bat die Regierung am darauffolgenden Tag inständig, ´der Lage größter Malaise und Not die größtmögliche Aufmerksamkeit zu zollen`, um dabei mitzuhelfen die Selbstmordwelle zu stoppen.“

Das ist absolut tragisch.

Aber wissen Sie was?

Die Vereinigten Staaten haben sich in dieselbe Richtung aufgemacht wie Italien.

Und all jene, die ihren Kopf zurzeit einfach in den Sand stecken, werden von den kommenden Ereignissen völlig überrascht werden. Diejenigen, die begreifen, was sich derzeit am Horizont zusammenbraut, und sich darauf vorbereiten, werden über die besten Chancen verfügen, durchzukommen.

Italien ist eine Art schiefer Turm von Pisa: Jeder weiß, dass er letztlich einstürzen wird, und wenn er zusammenbricht, wird es eine riesige Katastrophe sein.

Wenn das italienische Finanzsystem komplett implodiert, wird das ein Hinweis darauf sein, dass die Lage zu eskalieren beginnt. Ab diesem Punkt können Sie dann davon ausgehen, dass die Dominos immer schneller zu Boden krachen werden.

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