Düsterer Ausblick: 19 Gründe, warum man bezüglich der Weltwirtschaft zutiefst besorgt sein sollte

Michael Snyder, The Economic Collapse, 03.07.2013

Wird sich der weltweite Wirtschaftsabschwung im Verlauf der zweiten Jahreshälfte weiter beschleunigen? Aktuell gibt es Unruhen im Nahen Osten, und dann spielen sich an den Anleihemärkten zurzeit Dinge ab, die wir die letzten 30 Jahre nicht erlebt haben, während weite Teile Europas bereits in eine vollumfängliche Wirtschaftsdepression abgerutscht sind.

Das Traurige ist, dass die meisten Amerikaner erst begreifen werden, was hier eigentlich los ist, wenn sie die Katastrophe am eigenen Leib erfahren. Solange sie zur Arbeit gehen, Tiefkühlpizza essen und abends fernsehen können, werden die meisten von ihnen glauben, dass alles in bester Ordnung sei. In Wahrheit ist aber leider rein gar nichts in Ordnung.

Die Welt wird immer instabiler. Wir durchleben gerade die Endphase der größten Schuldenblase der Menschheitsgeschichte, und das weltweite Finanzsystem ist heute noch anfälliger als 2008. Bedauerlicherweise können sich die meisten Menschen aber nur auf Zeiträume von 48 Stunden konzentrieren, und das ist schon hoch gegriffen. Sie haben einfach nicht die Geduld, mitzuverfolgen, wie sich langfristige Trends entwickeln. Aber der kommende Zusammenbruch wird mit Sicherheit nicht mit einem Mal stattfinden, sondern ist eher mit einem Crash in Zeitlupe zu vergleichen.

Der kommende Wirtschaftsalbtraum wird sich über mehrere Jahre hinweg abspielen, und es wird auch Momente großer Panik geben – die meiste Zeit über wird es jedoch ein fortwährender Niedergang in Richtung wirtschaftlicher Totalvernichtung sein.

Und es gibt eine Vielzahl an Hinweisen, dass die zweite Jahreshälfte nicht so schön werden wird wie die erste. Im Folgenden finden Sie 19 Gründe, warum man bezüglich der weltwirtschaftlichen Entwicklung in der zweiten Jahreshälfte zutiefst besorgt sein sollte:

1. Die Geldumlaufgeschwindigkeit in den USA ist auf ein Allzeittief eingebrochen. Es ist extrem schwierig, eine „Wirtschaftserholung“ herbeizuführen, wenn die Banken keine Kredite vergeben und die Verbraucher kein Geld ausgeben:

Velocity-Of-Money

2. Der Sturz der ägyptischen Regierung droht dem Nahen Osten noch mehr Instabilität zu bringen. Der Rohölpreis ist letzte Woche aufgrund der Ereignisse in Ägypten bereits auf über USD 100 pro Barrel geklettert.

3. Jedes Mal, wenn der durchschnittliche Benzinpreis in den USA in den letzten drei Jahren auf über USD 1 pro Liter gestiegen ist, folgte ein Rückgang an den Aktienmärkten.

4. Während die Welt derzeit zunehmend instabiler wird, entstehen überall auf dem Planeten massive Protestbewegungen:

„Die Proteste haben viele verschiedene Ursachen. In Brasilien protestieren die Menschen gegen die hohen Preise für Busfahrscheine, in der Türkei demonstrieren sie gegen ein Bauprojekt. Die Indonesier lehnen höhere Benzinpreise ab und die Bulgaren die Vetternwirtschaft der Regierung.

In der Eurozone marschieren sie gegen die Austeritätsmaßnahmen, und der Arabische Frühling hat sich in einen Dauerprotest gegen praktisch alles verwandelt. Jede wütende Demonstration ist also aus ihrem ganz speziellen Grund wütend.“

5. Die europäische Staatsschuldenkrise kocht jetzt wieder hoch. Dieses Mal ist es Portugal, das ins Rampenlicht zurückkehrt:

„Von Griechenland über Zypern, Slowenien bis hin zu Spanien und Italien, und nun auch noch am drängendsten Portugal – wo der Finanzminister und der Außenminister innerhalb von zwei Tagen zurücktraten –, gibt es jetzt nach zehn Monaten relativer Ruhe, die durch die Europäische Zentralbank herbeigeführt wurde, wieder eine ganze Reihe von Problemen.“

Der portugiesische Premierminister wandte sich letzte Woche ans Volk und erklärte, dass er den Rücktritt des Außenministers nicht akzeptieren würde. Er wolle auf alle Fälle weiter regieren. Der Zusammenbruch der Regierung gilt unterdessen als wahrscheinlich, und die Beobachter zeigen sich besorgt, dass die Auflagen für das knapp EUR 80 Milliarden schwere EU-Rettungspaket nicht eingehalten werden könnten, sollte eine neue Regierung an die Macht kommen.

6. Es wird davon ausgegangen, dass Italien innerhalb der kommenden sechs Monate eines großen EU-Rettungspakets bedarf.

7. Unterdessen geraten die Anleiheinvestoren in Panik. Fakt ist, dass prominente Unternehmen wie Pimco nun dabei zusehen müssen, wie die Anleger riesige Mengen an Geld abziehen:

„Im Juni zogen die Anleger USD 9,6 Milliarden von Bill Gross seinem Vorzeige-Fonds bei Pimco ab – das sind die größten monatlichen Geldabflüsse seit Beginn der Morningstar-Aufzeichnungen 1993, so dass Forschungsunternehmen … Diesen Geldabflüssen gingen im Mai bereits Abflüsse in Höhe von USD 1,3 Milliarden voraus, was bis dahin der größte Rückgang seit Dezember 2011 war.“

Alles in allem wurden im Juni unglaubliche USD 80 Milliarden aus den Anleihemärkten abgezogen.

8. Die Zentralbanken verkaufen gegenwärtig atemberaubende Mengen an US-Staatsanleihen.

9. Die US-Hypothekenanleihen erlitten jetzt ihren größten Quartalsrückgang seit fast 20 Jahren.

10. Die USA kaufen nach wie vor weit mehr vom Rest der Welt, als an US-Gütern ausgeführt wird. Das US-Außenhandelsdefizit lag im Mai dieses Jahres bei USD 45 Milliarden.

11. Die massive Dürre, unter der der Westen der Vereinigten Staaten zu leiden hat, scheint kein Ende zu nehmen. Was wird das erst bei den Nahrungsmittelpreisen anrichten, wenn die Landwirte noch so einen Sommer wie den von 2012 durchmachen müssen?

12. Die Autoverkäufe in Europa sind auf ein 20-Jahrestief gefallen.

13. Die Arbeitslosenrate in der Eurozone ist auf ein Allzeithoch geklettert.

14. Könnte das Papiergold-Schneeballsystem kurz vor seinem Zusammenbruch stehen? Es gibt Berichte darüber, dass sich die Auslieferung physischen Goldes gegenwärtig um 100 Tage verzögert – ja, solange müssen die Goldbesitzer bei einigen LME-Lagerhäusern warten, bis sie ihr Gold ausgeliefert bekommen:

„Uns wurde erklärt, dass die Edelmetallkäufer in London nun über 100 Tage auf die Auslieferung ihrer bereits bezahlten Edelmetalle warten müssen.

Die Witzfiguren bei Bloomberg und die Vertreter der Londoner Metallbörse [LME] wollen uns glauben machen, dass dies auf ´Warenhaus-Schlangen` zurückzuführen sei. Und obschon Edelmetallbullen das Bild einer 100-Tage-Warteschlange von aneinandergereihten Werttransportern freuen dürfte, die alle darauf waren, ihre Edelmetalle aufzuladen – und das inmitten des aktuellen ´Bärenmarkts` –, ist eine solches Bild irreführend.

In einer Ära von Just-in-time-Lagerbeständen ist die Vorstellung, dass es bei der Beladung von Werttransportern mit sich bereits im Lager befindenden Edelmetallen einen Rückstand von 100 Tagen geben könnte, einfach nur lächerlich. Es ist ganz eindeutig so, dass die LME damit in Wirklichkeit sagt, dass es eine mehr als dreimonatige Verzögerung bei den Gold- oder Silberscheideanstalten gibt, wo das Gold gekauft wird – und erst danach geht es in ihre Läger.

Mit anderen Worten: Das ´Edelmetall`, von dem die Trader glauben, es heute gekauft zu haben, ist in Wirklichkeit noch nicht einmal aus der Erde geholt worden.“

15. Die Zahl der Hypothekenanträge in den USA ist so schnell gefallen wie seit über drei Jahren nicht mehr.

16. Das frei verfügbare Realeinkommen von US-Haushalten fällt so schnell wie seit über vier Jahren nicht mehr.

17. Der Prozentsatz an Unternehmen, die für dieses Quartal Gewinnwarnungen ausgegeben haben, ist auf einem Niveau, das nie zuvor beobachtet wurde.

18. Wird die dunkle Seite der Finanzderivate jetzt aufgedeckt werden? EU-Vertreter behaupten, dass 13 internationale Großbanken gemeinsame Sache gemacht hätten, um den Derivatehandel zu kontrollieren und abzuschotten:

„Die Europäische Kommission sagt, dass zahlreiche der weltgrößten Investmentbanken anscheinend gemeinsame Sache gemacht hätten, um die Bemühungen der Börsen zu blockieren, Finanzprodukte, die unter dem Namen Kreditderivate bekannt sind, zu handeln und mehr Preistransparenz zu bieten.“

Laut der EU-Kommission seien die 13 Banken letzte Woche über die seit März laufenden Ermittlungen in Kenntnis gesetzt worden. Zu den Institutionen, gegen die ermittelt wird, gehören JP Morgan, Citigroup, Goldman Sachs und die ISDA (internationaler Branchenverband für Swaps und Finanzderivate).

19. Aktuell schwirren Zinsderivate mit einem ausstehenden Nominalwert von USD 441 Billionen irgendwo da draußen umher, und die Zinssätze haben in den letzten paar Wochen schnelle Sprünge nach oben gemacht. Was wird mit diesen Zinsderivaten gesehen, wenn die Zinsen kontinuierlich weiter steigen?

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