Schuldenstände explodieren auf extrem gefährliche Niveaus – Wie lange geht das noch gut?

Michael Snyder, The Economic Collapse, 24.07.2013

Nie zuvor sah sich die Welt einer solch schweren Schuldenkrise gegenüber. Ja, in der Vergangenheit gab es natürlich immer wieder Länder, die aufgrund ihrer Schulden in Schwierigkeiten gerieten, aber nie zuvor hatten wir eine Situation, wo praktisch alle großen Länder auf dem Planeten gleichzeitig in Schulden ertranken.

Und was die Krise noch beispielloser macht, ist die Tatsache, dass derzeit alle Länder auf der Welt durch nichts gedeckte Fiatwährungen nutzen. Es ist alles nur ein Haufen Papier und Datenpunkte, an die die Leute glauben. Aktuell wird das Vertrauen in das System erschüttert, da die Schuldenstände explodieren und auf extrem hohe Niveaus schießen. Und viele stellen offen die Frage, wie lange das noch so weitergehen kann.

Nehmen wir nur die derzeitige Lage in Europa. Selbst die Länder, die angeblich „Austerität versucht“ haben, verschulden sich mit schwindelerregender Geschwindigkeit weiter. Die jüngst veröffentlichten aktuellen Daten zeigen, dass die Schulden/BIP-Verhältnisse einiger der europäischen Länder mit den meisten Problemen buchstäblich explodieren:

Unterdessen ist das Schulden/BIP-Verhältnis von Japan schon weit über die Marke von 200% gestiegen, und bei diesem Aufwärtsmarsch scheint gegenwärtig überhaupt kein Ende in Sicht. Das Folgende stammt aus einem Artikel von MSN:

„In Japan ist die gute Nachricht, dass die Regierung einen größeren Prozentsatz der Haushaltsausgaben des laufenden Fiskaljahrs, das am 01.04. begann, über Steuern finanzieren wird als in den letzten vier Jahren. Die schlechte Nachricht ist, dass die Regierung immer noch 46,3% ihrer Ausgaben über Kredite finanziert. Die OECD rechnet damit, dass sich Japans Haushaltsdefizit in 2013 auf 10,3% des Bruttoinlandsprodukts belaufen wird.“

In China ist das absolut atemberaubende Wachstum der inländischen Privatverschuldung das große Problem. Laut einem jüngst von der Weltbank veröffentlichten Bericht ist die Gesamtsumme der chinesischen Inlandskredite von USD 9 Billionen in 2008 auf aktuell USD 23 Billionen gestiegen.

Dieser Anstieg entspricht ungefähr dem gesamten US-amerikanischen Geschäftsbankensystem.

Laut dem britischen Finanzjournalisten Ambrose Evans-Pritchard ist das Privatschulden/BIP-Verhältnis in China mittlerweile völlig außer Kontrolle geraten:

„Chinas [Privat-]Schulden/BIP-Verhältnis von 160% basiert auf einer konservativen Schätzung der Kredithöhe. Fitch sagt, dass es bei 200% liegt, wenn man alle Auslandsinstrumente, Treuhandfonds, Akkreditive usw. mit hinzurechnet. Das China Securities Journal – ein Arm der chinesischen Regulierungsbehörden – sagte heute Morgen, dass es in Wirklichkeit sogar bei 221% liegen könnte.“

Nun gut, und was ist mit den Vereinigten Staaten?

Ich hatte ja erst vor kurzem darauf hingewiesen, dass das Staatsschulden/BIP-Verhältnis seit 2008 förmlich durch die Decke geschossen ist:

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Die USA haben heute bereits eine höhere Pro-Kopf-Verschuldung aufgetürmt als Griechenland, Portugal, Italien, Irland oder Spanien. Es ist ein gigantisches Schlamassel und dennoch geben unsere Politiker nach wie vor immer mehr Geld aus.

Und es kommen hier ja auch noch die einzelnen Bundesstaaten und Lokalregierungen hinzu, die ebenfalls in Schulden ertrinken. Durch den Bankrott der Stadt Detroit haben die Menschen nun mitbekommen, wie schlimm die Lage wirklich ist. Bedauerlicherweise stehen den USA aber noch jede Menge weitere Gemeindepleiten bevor, wie Meredith Whitney diese Woche ausführte:

„So erschütternd es auch sein mag, die Realität zu akzeptieren – Detroits Entscheidung von letzter Woche, die Insolvenz zu erklären, sollte nicht als einmaliges Ereignis im US-Kommunalanleihemarkt aufgefasst werden – das ist nämlich das, was die Verkäufer der Anleihen derzeit ihren Kunden sagen. Die Nachbeben des größten Gemeindebankrotts in der Geschichte der USA werden atemberaubend ausfallen, und mit Detroit werden neue Fakten geschaffen.

Gemeindepleiten sind historisch gesehen aus einer ganzen Reihe von Gründen eher selten gewesen – hierzu gehört auch der Wille der Bundesstaaten, ihre Kreditratings zu halten, ihr Zugang zu billigen Finanzierungen und das Stigma des Bankrotts. Doch heutzutage leben wir in einer völlig anderen Welt der Kommunalfinanzen.

Die Wurzel des Problems ist das Anreiz-System, dem die Politiker gewöhnlich ausgesetzt waren. Über Jahrzehnte hinweg konnten die Lokalpolitiker die Kosten bei den künftigen Steuerzahlern abladen; sie versprachen Pensionen oder Zusatzleistungen für Beschäftigte des öffentlichen Dienstes, die einen starken rechtlichen Arbeitsschutz genießen. Das war die große Quelle, aus der sich die Gunst der Politiker speiste: Sie können ihren loyalen Unterstützern (Mitarbeiter des Bundesstaats und der Kommunen) alle Arten von künftigen Geschenken versprechen, ohne groß in der Verantwortung zu stehen, von diesen Versprechungen etwas einlösen zu müssen.“

Und natürlich wächst die Gesamtverschuldung in den USA nach wie vor viel schneller als die Wirtschaft.

Die größte Schuldenblase in der Geschichte der Menschheit wird immer stärker aufgebläht.

Wie lange wird es dauern, bevor sie platzt?

Das ist eine sehr gute Frage. Bis zum jetzigen Zeitpunkt scheinen unsere politischen „Führer“ ja noch zu versuchen, die Party ein klein wenig länger aufrecht zu halten. Sie wissen, dass, sollte sich der Kurs plötzlich ändern, sofort wesentlich härtere Zeiten hereinbrechen würden. Nehmen wir beispielsweise das, was der Vorsitzende der US-Notenbank Ben Bernanke vorige Woche gegenüber dem US-Kongress erklärte:

„Während die Wirtschaft immer noch Risiken ausgesetzt ist – speziell aufgrund der staatlichen Haushaltseinsparungen –, erklärte Bernanke am Mittwoch vor einem Kongressausschuss, dass die Fed derzeit immer noch planen würde, die quantitativen Lockerungsmaßnahmen zurückzufahren, sollte das Wachstum weiter mit dieser gleichmäßigen Rate anhalten.

Aber Bernanke betonte, dass die Erwartungen, die US-Notenbank stünde nun unmittelbar davor, die Geldpolitik zu straffen – Erwartungen, die zur Folge hatten, dass die Zinssätze nach oben sprangen und es an den Weltmärkten zu Verwerfungen kam –, unbegründet seien.

´Ich glaube nicht, dass die Fed die Zinsen sehr stark anheben kann, da die Wirtschaft schwach und die Inflationsraten niedrig sind,´ so Bernanke gegenüber dem Finanzausschuss des US-Repräsentantenhauses.

´Würden wir die Geldpolitik straffen, würde die Wirtschaft einbrechen.`“

Niemand will, dass die Wirtschaft „einbricht“, aber die Wahrheit ist doch: Umso mehr Schulden aufgetürmt werden, desto großer werden unsere Wirtschaftsprobleme ausfallen.

Und ein wachsender Prozentsatz von Amerikanern hat mittlerweile realisiert, dass hier etwas richtig schiefgelaufen ist. Laut einer jüngst von Pew Research durchgeführten Erhebung, sind 44% aller Amerikaner der Auffassung, dass die Wirtschaftserholung immer noch „in weiter Ferne“ ist.

In Wirklichkeit ist es aber leider so, dass die USA ihre „Wirtschaftserholung“ derzeit tatsächlich schon erleben.

Ja, besser wird es nicht mehr werden.

Die Wahrheit ist, dass der echte Sturm überhaupt noch nicht da ist. Wenn die Schuldenblase platzt, wird es zu einem Wirtschaftschaos kommen, das wir in dieser Form bisher noch nicht erlebt haben – und ich hoffe, dass Sie sich darauf vorbereiten.

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