Sind Gold und Silber wirklich in der Lage, Vermögen zu schützen?

Julian D. W. Phillips, Goldforecaster.com, 06.08.2013

Die Performance von Gold auf Dollarbasis

In den USA haben institutionelle Anleger dieses Jahr über 1.000 Tonnen Gold verkauft. Das Gold der US-Anleger kam vom SPDR Gold-ETF, den Investmentbanken, dem Gold Trust und der COMEX, weil sie aus Gold heraus- und in US-Aktien hineingegangen sind.

Aber nirgendwo sonst in der Welt sind die Goldanleger den US-Anlegern gefolgt, sondern sie haben entweder an ihren Goldpositionen festgehalten oder sind in den physischen Goldmarkt gestürmt, um dort das ihnen zur Verfügung gestellte Metall zu kaufen. Und all das fand bei fallenden Preisen statt.

Es scheint, als hätten sich die US-Anleger gesagt, dass nun keine Notwendigkeit mehr besteht, Gold zu halten, da wir ja jetzt im Rahmen einer sich erholenden US-Wirtschaft Profite machen können. Und da Gold von über USD 1.650 pro Unze auf sein jüngstes Tief von USD 1.180 pro Unze gefallen ist, scheint es tatsächlich so, dass Gold seine Fähigkeit, das Vermögen zu schützen, verloren hat. Oder ist Gold einfach nur zyklisch aus der Mode gekommen?

Bei derlei Einschätzungen wird die langfristige Rolle von Gold übersehen und, noch viel wichtiger, sein langfristiger Wert als Vermögensschutz. Die institutionellen US-Anleger sind auf kurzfristige Ertragsgenerierung angewiesen, sie haben also in der Regel überhaupt nicht die Möglichkeit, langfristig orientiert zu investieren, und reiten stattdessen die Wellen der täglichen Marktbewegungen. Und aus diesem Grund wissen sie den wahren Wert von Gold als Vermögensschutz auch nicht zu würdigen.

Der Rest der Welt außerhalb der Vereinigten Staaten ist sich hingegen ganz genau im Klaren darüber, welchen Wert Gold als Vermögensschutz hat. Deswegen stürmen sie jauch auch in den Markt und kaufen physisches Gold, während es von der USA abverkauft wird und die Preise fallen.

Also: Welchen Wert haben Gold und Silber für ausländische Investoren, und ist das heutzutage überhaupt noch relevant?

Der traditionelle Vermögensschutz

Um eine ausgewogene Perspektive von der Goldwelt zu erhalten, möchten wir Sie bitten, sich noch einmal die Tatsache zu vergegenwärtigen, dass die USA auf Jahresbasis gerade einmal rund 8% der weltweiten Goldnachfrage stellen, während die Asiaten insgesamt für rund 65% bis 75% der globalen Goldnachfrage verantwortlich zeichnen. Der prozentuale Anteil der US-amerikanischen Goldnachfrage könnte dieses Jahr steigen, da die Schmucknachfrage angesichts des heute viel niedrigeren Goldpreises zulegen dürfte.

Bevor die indische Regierung ihre neuen strengen Einfuhrkontrollen für Gold erließ, war das Land laut dem Finanzminister auf dem besten Weg, 1.800 Tonnen Gold einzuführen. China ist immer noch auf Kurs und dürfte bei seinen Goldeinfuhren die Marke von 1.000 Tonnen knacken. Und all das ist vor dem Hintergrund einer Gesamtversorgung von 4.500 Tonnen pro Jahr zu sehen, als der Goldpreis noch nicht gefallen war. Bei einem Anteil von 8% würde sich die Goldnachfrage der USA somit auf rund 320 Tonnen belaufen.

Und es scheint, als hätten sich die US-Verkäufe jetzt wieder so stark verlangsamt, dass sie nicht mehr ausreichend sind, um den Goldpreis unten zu halten.

Die Rolle von Währungen im Rahmen des Vermögensschutzes

Es gibt eine ganze Reihe von Währungen, die im Grunde zwar außerhalb der Reichweite des US-Dollars liegen und aber dennoch auf denselben Prinzipien beruhen wie der US-Dollar selbst. Jede dieser Währungen schwankt im Wert, aber im Grunde sind sie alle vom US-Dollar abhängig, solange es im Weltwährungssystem keine Veränderungen gibt. Warum?

Nun ja, in der heutigen Welt, wo die Zinssätze in den USA gerade mit ihrem Anstieg beginnen, lassen sich die bedeutendsten Folgen dieser gegenseitigen Abhängigkeit an den sogenannten „Carry Trades“ ablesen. Die Trader – vornehmlich Banken – haben sich die niedrigen europäischen und US-amerikanischen Zinssätze zunutze gemacht und ihre Kredite entweder in Euro oder in US-Dollars aufgenommen, um sie dann in den Schwellenmärkten zu wesentlich höheren Zinssätzen zu investieren.

Solange die Zinssätze im Euro- und US-Dollarraum niedrig sind und die Zinssätze in den Schwellenmärkten hoch, handelt es sich bei diesen Geschäften um leichte Profite. Die Gefahr derartiger Geschäfte besteht natürlich darin, dass sich die Wechselkurse ändern können. Bricht der Wert der Währungen von Schwellenländern schnell ein, werden die Gewinne rasch wieder vernichtet.

Und genau das streicht den Wert von Gold heraus. Die Einheimischen haben in der Regel Zugang zu ihren lokalen Goldmärkten, ohne dabei mit Banken interagieren zu müssen. In Ländern, wo sie Banken dafür nutzen, sind die Preise ebenfalls recht vernünftig, solange sich der Staat nicht einmischt und Steuern oder Einfuhrzölle erhebt. Im Allgemeinen wird Gold mehrwertsteuerfrei veräußert, so dass es als Währungsschutz eingesetzt werden kann, besonders als Schutz vor der eigenen Währung.

Das ist die wirkliche Stärke, die dem Halten von Gold innewohnt. Die Anleger agieren vorausschauend und sind sich absolut im Klaren darüber, dass der monetäre Aspekt von Gold bei einer immer größeren Zahl von Ländern eine zunehmend bedeutendere Rolle spielt. Im Folgenden werden wir uns zwei Beispiele anschauen, die das verdeutlichen:

Wie Sie sehen, ist Gold ein exzellenter Schutz vor lokaler Währungsentwertung, und zwar selbst bei einem fallenden Goldpreis. Das ist eine langfristige Funktion des Metalls.

Aber diese beiden Länder und ihre Währungen sind nicht die einzigen Beispiele, die diese Vermögensschutz-Facette von Gold widerspiegeln.

Wenn wir etwas in der Zeit zurückgehen, sehen wir, dass die Kaufkraft aller Währungen massiv gefallen ist. Wenn ein Land irgendein Inflationsziel ins Auge fasst, zielt es im Grunde auf einen Kaufkraftverlust seiner Währung ab, und genau das ist es, wovor Gold die Anleger langfristig schützt.

Der Goldpreisrückgang in 2013 ist eine vorübergehende Korrektur, da alle Währungen so konstruiert sind, dass ihre Kaufkraft fortwährend zurückgeht. Der langfristige Goldpreis kompensiert das, und daran wird sich auch nie etwas ändern.

Weitere Artikel zu diesem Thema


  • Indische Goldnachfrage wird den Goldpreis nicht stützen
  • Ich rechne damit, dass die Goldnachfrage in Indien ab November drastisch zurückgehen wird. Wir haben es hier mit einer bedeutenden Veränderung des Nachfrageverhaltens bei indischen Hochzeiten zu tun, da immer weniger Geld für reinen Goldschmuck und zunehmend mehr Geld für Diamanten …
  • Bullisch für Gold: Steigende Zinssätze & riesiges Kaufvolumen in Asien
  • Und da das gelbe Metall nun Anfang Juli bei rund USD 1.200 pro Unze vor sich hindümpelt, bin ich der Auffassung, dass sich der Goldpreis jetzt vollumfänglich von den Fundamentaldaten des Metalls abgekoppelt hat …
  • ANZ: Gold könnte in den Sommermonaten auf USD 1.100 pro Unze fallen
  • Obwohl die Analysten von ANZ nach wie vor bullisch sind, was die langfristige Goldpreisentwicklung anbelangt, gehen sie davon aus, dass sich das Metall in den kommenden Wochen und Monaten in Richtung USD 1.100 pro Unze aufmachen wird
  • Chinesische Goldimporte: Einfuhren über Hongkong weiterhin rückläufig
  • Die chinesischen Goldeinfuhren über Hongkong sind im 2. Quartal 2014 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um über 40% eingebrochen – es stellt sich jedoch die Frage, inwiefern diese Daten die tatsächlichen chinesischen Goldimporte heutzutage noch widerspiegeln
  • Langfristiger technischer Goldpreisausblick
  • Hinweise darauf, dass es für die US-Notenbank zu einem Problem werden könnte, sich von der Nullzinspolitik zu verabschieden, wären für Gold mega-bullisch … Im Hinblick auf die Goldpreisentwicklung der nächsten drei bis fünf Jahre sind wir weiterhin bullisch. Kurzfristig sind wir aber außerordentlich vorsichtig, was das Investieren in Gold anbelangt.