Wie sich die Renten in Luft auflösen: Geburtenrate wird Industrieländern den Garaus machen

Martin Armstrong, Armstrongeconomics.com, 08.08.2013

Seit Ende der 1990er Jahre liegt die Geburtenrate in Deutschland relativ konstant bei 1,4 Kinder pro Frau, so das Statistische Bundesamt. Im Grunde ist dieser Trend in allen Industrieländern zu beobachten. Diese Tatsache führt also nicht allein in Deutschland zu einem Bevölkerungsrückgang, sondern praktisch in allen Industrieländern.

Russland zahlt seinen Frauen Sonderzuwendungen dafür, dass sie Kinder bekommen. Japan leidet auf dieselbe Art unter seiner Geburtenrate, die auf historische Tiefs eingebrochen ist. Derselbe Trend zeichnet sich in den USA ab, wo die Geburtenrate ebenfalls auf historische Tiefs gefallen ist. Pärchen müssen zwei Kinder haben, allein um den Status Quo aufrecht zu halten.

Wenn eine Nation prosperiert, tendiert die Geburtenrate dazu, zu fallen, da die Menschen dann nicht mehr so viele Kinder brauchen, um ihre eigene Zukunft abzusichern. Selbst der römische Kaiser Augustus (27 v. Chr. – 14. n. Chr.) führte aus genau diesen Gründen Familiengesetze ein, die jeden jungen Mann zur Heirat verpflichteten. Der Höhepunkt der Bevölkerungsgröße Roms um 180 n. Chr. markiert den Höhepunkt des Römischen Imperiums.

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Und genau das ist auch die Quelle für unseren derzeitigen langfristigen wirtschaftlichen Niedergang, da es immer weniger junge Menschen gibt, die die Älteren stützen. Das geht deutlich aus der Alterspyramide der deutschen Bevölkerung hervor:

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In der Prognose für die Altersstruktur der deutschen Bevölkerung für das Jahr 2030 gibt es nur noch sehr wenige junge Menschen. Die älteren Menschen werden unterdessen mit einem kollabierenden Rentensystem zu kämpfen haben.

Das Renteneintrittsalter, das in Deutschland bei 58 Jahren liegt, wird auf 70 Jahre steigen müssen, und für die jüngere Generation besteht überhaupt keine Hoffnung. So sind bisher alle Imperien gestorben. Eine Nation leitet den Niedergang ein, weil sie immer reicher geworden ist und ihre Geburtenrate zurückgeht – und genau das stellt den säkularen wirtschaftlichen Niedergang sicher.

Und wenn die Wirtschaft dann zurückgeht, bricht die Geburtenrate noch stärker ein, da sich die Menschen bezüglich der Zukunft nicht mehr sicher sind. Die Minderheiten werden von den frei werdenden Arbeitsplätzen angelockt und füllen in der Frühphase des Niedergangs die Lücken auf.

Zur Zeit des römischen Kaisers Claudius (41 – 54 n. Chr.) bestand die Prätorianergarde [Garde des Kaisers] vornehmlich aus Deutschen. Der Bruder von Claudius wurde Germanicus genannt, nachdem Teile Germaniens erobert wurden. Claudius nannte seinen Sohn nach der Eroberung Britanniens Britannicus. Infolge dieser Feldzüge wurde die einheimische römische Bevölkerung von den Minderheiten vernichtet; die einheimische Bevölkerung Roms verwandelte sich letztlich in die Minderheit. Und auch in den USA wird die weiße Mehrheit bis 2043 zur Minderheit werden.

Die Vorstellung, der Staat sei der Wächter des Volks, ist einfach nur absurd. Der Sozialismus hat dazu beigetragen, dass die Wachstumsrate sogar noch schneller einbricht, da heute gar nicht mehr sicher ist, ob sich die Kinder um ihre Eltern kümmern, da das ja nun Aufgabe des Staats ist. Die gesamte Familienstruktur ist durch den Sozialismus auseinandergerissen worden, so dass die Produktivität immer weiter zurückgegangen ist und künftigen Generationen die Familienstruktur fehlt und sie nun sogar noch länger arbeiten müssen als die vorangegangenen Generationen.

Und hier kommt ja noch die schiere Korruption des politischen Systems hinzu, so wie es auch bei der Römischen Republik der Fall war, und wir sehen derzeit ja auch überall einen bedeutenden wirtschaftlichen Rückgang. Heute braucht man bereits zwei Einkommen, um denselben Lebensstandard aufrecht zu halten wie während der 1920er Jahre.

Für dieses Problem gibt es keine Lösung, da es eine Tatsache ist, dass sich diese Entwicklung historisch gesehen seit Jahrtausenden immer wieder abgespielt hat – es ist der natürliche Lauf der gesellschaftlichen Entwicklung. Die Steuern steigen, wodurch das Arbeitsplatzwachstum verringert wird, während der Privatsektor durch die Staatspensionen um sein Lebensblut beraubt wird, so wie in Detroit, wo derzeit 50% der Einnahmen für die Pensionen des öffentlichen Diensts aufgewendet werden.

Die Arbeitsplätze, die für die Zukunft notwendig sind, werden nicht geschaffen, was den Lebensstandard für die Jugend – die mit Schulden für ihre Bildung überfrachtet wird – nur noch weiter absenkt, während die jungen Menschen mit ihrer Ausbildung am Ende nichts anfangen können, was man ja an Europa sehen kann, wo die Jugendarbeitslosigkeit in einigen Regionen bei rund 60% liegt.

Es ist daher unumgänglich, dass die Menschen viele Jahre länger arbeiten müssen als früher.

Die Niedrigzinspolitik hat bei den Pensionsfonds dafür gesorgt, dass sie an den Rand der Insolvenz gedrängt worden sind – und das zwingt die Pensionsfonds dazu, zunehmend stärker in hochrentierende Ramschanleihen und Aktien zu gehen. Das könnte dazu führen, dass sich der US-Aktienmarkt bis Ende 2015 verdoppeln wird. Der Rückgang bei den realen Ersparnissen und realen Zuwendungen bei gleichzeitig exzessiv niedrigen Zinssätzen – mit denen verzweifelt versucht wird, die Wirtschaft anzukurbeln – vernichtet also die Liquidität und die Pensionsfonds.

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