Das Ende einer Ära: Die Welt steht am Rande eines massiven Zusammenbruchs

King World News, 09.08.2013

Während die wichtigsten weltweiten Märkte immer noch unentschlossen agieren, warnte Egon von Greyerz die Zuhörer von King World News heute, dass die Welt am Rande eines massiven Zusammenbruchs steht. Und Greyerz warnte die Anleger, dass es die Banken ihren Kunden nun zunehmend schwerer machen würden, ihr physisches Gold aus dem Bankensystem zu holen. Im Folgenden finden Sie, was der Gründer der schweizerischen Firma Matterhorn Asset Management in diesem beeindruckenden Interview zu sagen hatte:

„Wenn Anleger geschichtsträchtige Ereignisse selbst miterleben, fällt es ihnen oftmals sehr schwer, genau zu erfassen, was gerade passiert. Ich behaupte ja seit einiger Zeit, dass wir uns jetzt am Ende eines 250-jährigen Zyklus befinden und das Ende dieses Zyklus von seinem Ausmaß her wohlmöglich dem des Römischen Reichs gleichkommen könnte. Wie Ihre Leser wissen, brach das Römische Reich zusammen, was zu einem 500-jährigen dunklen Zeitalter führte.

Interessanterweise gibt es einen Universitätsprofessor namens Robert Gordon von der Northwestern University, der jüngst einige Bekanntheit erlangte, weil er vorhersagte, dass das Wirtschaftswachstum die nächsten 15 Jahre, wenn nicht gar noch länger, nur noch halb so stark ausfallen wird wie das derzeitige Wachstum.

Noch wichtiger aber ist das, was er die ´Zweite Industrielle Revolution` nennt, die mit dem Wirtschaftswachstum in den USA in den 1870er Jahren ihren Anfang nahm. Er sagt, dass diese Revolution nicht wiederholt werden kann. Was damals zu diesem Wachstum führte, war die Erfindung von Dingen wie dem Verbrennungsmotor, der Elektrizität, dem Auto, dem Flugzeug, dem Radio, dem Telefon usw.

Gordon sagt, dass die heutigen Entwicklungen alle nicht diese Bedeutung hätten. Und ein Kollege von ihm sprach über die Computer-Revolution und darüber, dass derzeit 65% aller US-Arbeiter in Wirklichkeit Informationen verarbeiten würden. Sie sitzen also vor ihren Computern und verarbeiten im Grunde nur Informationen. Es ist völlig offenkundig, dass das nicht produktiv ist.

Und ich sage ja bereits seit geraumer Zeit, dass es zahlreiche Hinweise gibt, die darauf hindeuten, dass wir uns nun am Ende einer bedeutenden Ära befinden, und zwar in den USA wie auch dem Rest der Welt. Wenn wir uns die weltweite Verschuldung anschauen, stellen wir fest, dass sie völlig außer Kontrolle geraten ist. Das Gesamtschulden/BIP-Verhältnis der meisten Länder auf dem Planeten liegt derzeit bei atemberaubenden 300% bis 400%, und wir wissen ja, dass diese Schulden niemals wieder zurückgezahlt werden können.

Wir haben über das exponentielle Schuldenwachstum in den USA gesprochen und über die Tatsache, dass es nicht nur die Schulden sind, die weiter wachsen – was die USA dazu zwingt, mehr Kredite aufzunehmen –, sondern auch, dass die US-Notenbank all diese Schulden aufkaufen muss. Die US-Notenbank hält Wertpapiere in Höhe von USD 3,6 Billionen, wovon USD 2,2 Billionen Bundesschulden in Form von US-Staatsanleihen sind. Natürlich hat die Fed in 2013 alle von der US-Regierung ausgegebenen Schulden aufgekauft.

Aber es sind nicht nur die USA. In der Schweiz hat die Schweizer Nationalbank seit 2008 so viel Geld gedruckt wie in ihrer gesamten Geschichte, also seit der Schaffung der Bank. Das findet also überall in der Welt statt. Die Schulden sind eine der wichtigsten Kräfte, die darauf hindeuten, dass wir nun am Ende einer Ära stehen, weil wir es jetzt mit einem nicht tragfähigen Schuldenniveau zu tun haben. Überall auf der Welt sehen wir massive Exzesse, und auch bei den moralischen und ethischen Standards gibt es Rückgänge.

Und natürlich verteilen die nichtproduktiven Länder bis zu 60% des BIP um. Nehmen wir nur die USA als Beispiel: Die Ausgaben der Bundesregierung sind in 40 Jahren um 300% gestiegen, aber die Einnahmen sind unterdessen nur um 24% gestiegen. Das ist ganz einfach untragbar. Es führt zu überbürokratisierten Ländern, wo die Regierung den Privatbürgern das Heft aus der Hand nimmt und ihren unternehmerischen Tatendrang vernichtet. Ich hatte bei King World News ja bereits in der Vergangenheit ausgeführt, dass man vor 50 oder 70 Jahren noch USD 1 an Schulden brauchte, um USD 4 an zusätzlichem BIP zu schaffen. Heute wird dadurch überhaupt kein zusätzliches BIP mehr geschaffen. Uns geht also die Luft aus.

Ein weiterer Faktor, der darauf hindeutet, dass die Welt Schwierigkeiten hat, diesem Zyklus zu entkommen, ist die demographische Entwicklung. In vielen Ländern sehen wir immer mehr ältere Menschen und immer weniger junge arbeitende Menschen, die für die alternde Bevölkerung tatsächlich sorgen könnte.

Wenn wir uns die Arbeitslosigkeit in Südeuropa anschauen, dann liegt sie derzeit bei bemerkenswerten 25%, aber die Jungendarbeitslosigkeit liegt in vielen dieser Länder bei über 60%. Und die reale US-Arbeitslosigkeit liegt nicht bei 7%, sondern bei 23%. Die jungen Menschen haben heutzutage gar keine Chance, die riesigen Schuldenniveaus, die die Welt aufgetürmt hat, zurückzuzahlen.

Meines Erachtens befinden wir uns jetzt am Anfang eines weltweiten säkularen Niedergangs. Wie lange er anhalten und wie schlimm es werden wird? Das werden wir erst danach wissen …

Aus kurzfristiger Perspektive ist der Anleihemarkt gegenwärtig die größte Blase auf dem Planeten. Die Rendite bei den US-Staatsanleihen hat sich innerhalb von zwölf Monaten verdoppelt. Ich habe wiederholt erklärt, dass die Regierungen nicht in der Lage sind, die Zinsen unten zu halten. Der Markt wird die Zinssätze nach oben zwingen.

Und natürlich werden die Anstiege bei den Zinssätzen massive weltweite Auswirkungen auf den Schuldendienst haben, und die weltweite Verschuldung liegt heute irgendwo im Bereich von USD 230 Billionen und wächst weiter. Wenn die Zinssätze in den kommenden Jahren über die Marke von 10% steigen, werden die Druckerpressen überall auf dem Planeten auf Hochtouren laufen. Allein schon die jüngsten Anstiege bei den Zinssätzen haben die Fed fast USD 200 Milliarden gekostet. Natürlich wird das in ihrer Bilanz nicht ausgewiesen, aber wir sollten hier nicht vergessen, dass sich das Eigenkapital der Fed auf gerade einmal USD 62 Milliarden beläuft.

Der in weltweiten Industrieländern eingesetzte Fremdkapitalhebel liegt immer noch bei astronomischen 25 bis 30. Das bedeutet, dass ein Verlust von 3% bis 4% das gesamte Bankensystem auslöschen wird – und ein solches Verlustniveau ist garantiert. Dieser Hebel von 25 bis 30 beinhaltet aber noch nicht einmal Finanzderivate. Seit 2008 hat sich also kaum etwas verbessert. Die einzige Verbesserung bei den Banken ist bei ihren Gewinnen und Bonuszahlungen zu beobachten gewesen, aber ihre Bilanzen haben sich mit Sicherheit kaum verbessert …

Wenn wir uns die Währungen anschauen, dann sehen wir, dass der Euro gerade aus seinem 2-jährigen Abwärtstrend ausbricht. Das wird den Anfang des Endes des US-Dollars als Weltreservewährung markieren.

Und wenn wir uns die Edelmetalle anschauen, sehen wir, dass die Goldminen Australiens derzeit schließen, weil sie nicht mehr profitabel sind. Die Minenunternehmen beginnen nun damit, ihre Produktion vorzuverkaufen – wieder einmal zum absolut schlechtesten Zeitpunkt. Die Banken, die diese Unternehmen finanzieren, verlangen Sicherheiten. Diese Praxis wird für die Minenbranche ganz böse ausgehen.

Unseres Erachtens findet gerade eine bedeutende Umschichtung von in Banken gelagertem physischem Gold in Richtung privater Läger statt, weil sich die Menschen bezüglich der Risiken, die mit der Banklagerung einhergehen, und dem Risiko von Bail-ins Sorgen machen. Wir können nach wie vor beobachten, wie sich schweizerische Banken dagegen wehren, dass ihre Kunden das Gold aus den Banken transferieren.

Sie erfinden eine Regel nach der anderen, warum die Kunden ihr Gold nicht aus den Banken holen können. Am Ende helfen wir den Kunden dann, die Transfers durchzuführen, aber die Banken tun alles in ihrer Macht stehende, um das Gold im Bankensystem zu halten.

Im Hinblick auf Gold und Silber ist nun ziemlich offenkundig, dass wir die Tiefs der bedeutenden Korrektur bereits gesehen haben, und wir werden im Herbst und im Verlauf des Jahres 2013 massive Anstiege sehen. Diese Kursbewegung ist jetzt bereits eingeleitet worden und wird sich schon bald weiter beschleunigen. Für Anleger, die nicht voll positioniert sind, ist genau jetzt der richtige Augenblick, Geld, das sie übrig haben, zu investieren, weil der Aufwärtsschub in den nächsten paar Monaten nach meinem Dafürhalten erheblich ausfallen dürfte.“

Weitere Artikel zu diesem Thema