1 Billiarde Yen – die japanische Schuldenbombe kann jetzt jederzeit eine globale Panik auslösen

Michael Snyder, The Economic Collapse, 09.08.2013

Wie viel ist JPY 1.000.000.000.000.000 eigentlich wert? Nun, es sind rund USD 10,5 Billionen. Es ist ein Geldbetrag, der größer ist als „die Wirtschaften Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens zusammengenommen.“ Es ist solch eine atemberaubende Menge an Schulden, dass man sie sich kaum vorstellen kann.

Das japanische Schulden/BIP-Verhältnis wird im Verlauf dieses Jahres auf die Marke von 247% klettern, und die Japaner geben derzeit rund 50% aller Steuereinnahmen der Zentralregierung für den Schuldendienst aus.

Realistisch gesehen gibt es nur zwei Möglichkeiten, wie sich die Japaner aus dieser allesüberwältigenden Schuldenfalle befreien können. Entweder erklären sie auf ihre Schulden die Zahlungsunfähigkeit oder sie versuchen, die Schulden wegzuinflationieren. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt haben sich die Japaner dafür entschieden, ihre Schulden wegzuinflationieren. Sie haben das größte quantitative Lockerungsexperiment eingeleitet, das seit der Weimarer Republik von irgendeiner großen Industrienation versucht worden ist.

Die Bank von Japan plant, in den nächsten 24 Monaten über JPY 60 Billionen aus dem Nichts zu schaffen und die Gelder dann zum Kauf von Staatsanleihen einzusetzen. Wenn das Programm abgeschlossen ist, wird sich die Geldmenge Japans ungefähr verdoppelt haben.

Die Regierungsvertreter Japans sind verzweifelt. Sie wissen, dass die japanische Schuldenbombe jeden Augenblick eine weltweite Panik auslösen könnte, und sie versuchen irgendeinen Weg zu finden, dass das Ganze nicht allzu viel Schaden anrichten wird.

Leider besteht die einzige Möglichkeit, wie dieses bizarre quantitative Lockerungsprogramm funktionieren kann, darin, dass die Anleger im Hinblick auf japanische Staatsanleihen sehr, sehr irrational agieren. Japan war überhaupt nur in der Lage, derartige Schuldenberge aufzutürmen, weil es die gigantischen Berge an Geld zu superniedrigen Zinsen erhielten.

Aktuell notiert die Rendite für 10-jährige japanische Staatsanleihen mit 0,76% auf einem absurd niedrigen Niveau. Aber selbst bei einem solch lächerlich niedrigen Zinssatz muss die japanische Zentralregierung bereits rund die Hälfte ihrer Steuereinnahmen für den Schuldendienst aufbringen.

Wenn die Zinsen steigen, ist das Spiel vorbei.

Doch jetzt, nachdem die japanische Regierung verkündet hat, dass sie plant, die Geldmenge zu verdoppeln, dürfte es für rationale Anleger extrem schwierig sein, nicht nach höheren Zinssätzen zu verlangen. Denn warum sollte man der japanischen Regierung für weniger als 1% Zinsen pro Jahr Geld leihen wollen, wenn sich der Wert des Geldes innerhalb der kommenden zwei Jahre wohlmöglich halbieren könnte?

Erstaunlicherweise ist es aber genau das, worauf die japanische Regierung derzeit setzt. Sie hoffen darauf, in der Lage zu sein, wild Geld zu drucken und die Schulden zu monetisieren, während die Renditen für japanische Staatsanleihen weiterhin auf irre niedrigen Niveaus bleiben.

Ja, zurzeit funktioniert das auch. Die Anleger, die in japanische Anleihen investieren, verhalten sich in der Tat außerordentlich irrational.

Aber sollte sich das irgendwann ändern, könnte es durchaus sein, dass wir die größte asiatische Wirtschaftskrise aller Zeiten erleben werden.

Und es gibt ein paar kluge Köpfe da draußen, die glauben, dass genau das auch passieren wird.

Nehmen wir beispielsweise Kyle Bass, den Gründer von Hayman Capital Management. Bass warnt schon seit langem vor Japan. Er hat die Subprime-Hypotheken-Krise korrekt vorhergesagt und für seine Kunden damit hunderte Millionen Dollars gemacht. Jetzt geht er davon aus, dass der nächste große Crash in Japan stattfinden wird.

Laut Bass ist die Anleiheblase in Japan so groß, dass, beginnt sie erst einmal mit ihrer Implosion, die Angst wie ein Lauffeuer um sich greifen wird.

„Wir dürfen hier nicht vergessen, dass die japanischen Banken in der Regel 90% ihres Vermögens in japanische Staatsanleihen investiert haben, die die negativsten Finanzinstrumente sind, die man sich überhaupt ins Portfolio packen kann. Nehmen wir beispielsweise einmal an, dass eine Bank eine 10-jährige Anleihe hält, die mit 80 Basispunkten rentiert. Ein Kurssprung von 100 Basispunkten kostet den Halter japanischer Staatsanleihen rund 10 Jahre an erwarteten Zinserträgen.

Denken Sie auch an die Psychologie aller Markteilnehmer und die finanziellen Auswirkungen, sollten die Zinssätze um 100 Basispunkt steigen. Denken Sie an die Solvenz eines Landes, das derzeit 50% der Steuereinnahmen der Zentralregierungen für den Schuldendienst aufwendet, wobei die Hälfte der Anleihen über die niedrigsten Zinsen der Welt verfügt.

Man kann es nicht in Form einer simplen Frage zusammenfassen. Man muss es vielmehr als eine multivariate Gleichung sehen. Man muss über die Anreize und Ängste aller Marktteilnehmer nachdenken. Und man muss über die fiskalische Tragfähigkeit der Regierung nachdenken.“

Sollten die Zinssätze um einen Prozentpunkt steigen, könnte das eine Flucht aus den Anleihen auslösen, die niemand auf dem Planeten wieder eindämmen oder kontrollieren könnte:

„Ich habe unter 1.009 japanischen Anlegern eine Umfrage durchführen lassen, wo wir fragten: ´Wenn die Zinssätze um 100 Basispunkte steigen, würde das bei Ihnen für mehr Zuversicht sorgen und würden Sie dann mehr japanische Staatsanleihen kaufen?“ oder „Würden Sie ihr Geld woanders investieren, selbst wenn Sie dadurch die Handlungsfähigkeit Ihrer Regierung lähmen würden?` Zwischen 8% und 9% der Befragten erklärten, dass sie mehr Anleihen kaufen würden, und fast 80% der Befragten sagten, dass sie die Flucht ergreifen würden …“

Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, finden Sie hier ein Video von Kyle Bass, in welchem er darüber spricht, warum Japan dem Untergang geweiht ist.

Und natürlich ist Japan nicht die einzige potenzielle „Schuldenbombe“ in Asien, die explodieren könnte. Ich hatte ja bereits in einem früheren Artikel darauf hingewiesen, dass auch China ein enormes Problem mit dem Niveau seiner Privatverschuldung hat:

„Das große Problem in China ist das absolut atemberaubende Wachstum bei der privaten Inlandsverschuldung. Laut einem jüngst veröffentlichten Bericht der Weltbank ist die Gesamtkreditmenge in China von USD 9 Billionen in 2008 auf heute USD 23 Billionen gestiegen.

Dieser Anstieg entspricht ungefähr dem gesamten US-amerikanischen Geschäftsbankensystem.“

Es gibt heutzutage schlicht und ergreifend viel zu viele Schulden in der Welt. Nie zuvor gab es zu ein und demselben Zeitpunkt überall auf dem Planeten so viele Schulden.

In den Massenmedien gibt es viele, die behaupten, dass die Party auf immer und ewig weitergehen wird. Aber das haben sie von der Eigenheimblase auch gesagt. In Wahrheit ist es aber bedauerlicherweise so, dass jede Finanzblase irgendwann platzen wird, und diese weltweite Schuldenblase wird auch keine Ausnahme sein.

Ich hoffe, dass Sie sich vorbereiten, solange Sie noch können.

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