Kriege & Gold: Gold wird erst ausbrechen, wenn die Staatsschuldenkrise voll durchschlägt

Kriege haben auf die Goldpreisentwicklung nur einen vorübergehenden, marginalen Einfluss. Der echte Goldpreisausbruch kommt, wenn die Masse der Bevölkerung das Vertrauen in das weltweite Finanzsystem verliert und begreift, dass wir es derzeit mit einer massiven globalen Staatsschuldenkrise zu tun haben

Martin Armstrong, Armstrongeconomics.com, 26.08.2013

Frage: „… Damit Gold richtig glänzen kann, muss sich, so scheint es, das Kapital zunächst in den Rohstoffen konzentrieren. Sie sagten, dass dies erst nach der Phasentransformation des Dow Jones der Fall sein würde – also im Rahmen der auf die Phasentransformation des Dow Jones folgenden Flucht in Richtung Qualität, die dieses Mal in Privatvermögenswerte (darunter auch Gold) gehen wird, anstatt in die traditionell sicheren Staatsanleihen.

Meine Frage: Angesichts der Tatsache, dass 2014 der Beginn des Kriegszyklus ist, könnte es da nicht sein, dass ein Krieg (beispielsweise in Syrien) dafür sorgt, dass Gold in seine nächste Phase eintritt, ohne dass der Dow Jones eine Phasentransformation einleitet? …“

Antwort: Gemeinhin herrschte immer die Auffassung vor, dass Krieg für Gold bullisch sei. Das ist aber nicht 100%ig richtig. Wir haben diesen Aspekt untersucht und dafür Jahrhunderte an Daten herangezogen. Die exaktere Aussage ist, dass das Kapital immer aus den Regionen flieht, wo gerade Konflikte stattfinden. Einfach nur Gold zu kaufen, macht keinen Sinn, wenn man nicht auch einen Ort hat, wo man es lagern kann.

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Wenn wir uns den Ersten Weltkrieg und den Zweiten Weltkrieg anschauen, dann sehen wir, wie das Kapital aus Europa flüchtete und in den Dollar strömte. Dadurch wurde der Dollar in die Höhe getrieben. 1896 musste J.P. Morgan dem US-Finanzministerium noch Gold leihen, weil es pleite war – bis 1950 hielten die USA dann aber bereits 76% der gesamten weltweiten Goldreserven.

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Alles flüchtete aus dem Konflikt, da man sein Gold nicht in einer Bank lagern konnte und die einzige Alternative wahrscheinlich darin bestand, sein Geld zu vergraben, so wie es bereits seit der Antike praktiziert wird. Und hier geht es um Geld ganz allgemein, nicht nur um Gold. So tauchten nach dem Zweiten Weltkrieg in den USA sogar seltene europäische Briefmarken und Münzen auf.
Byzant-Hoard

Hier sehen Sie einen Hortfund mit byzantinischen Goldmünzen, der in Jerusalem entdeckt wurde. Das Verstecken von Geld in Kriegszeiten hat eine sehr lange Tradition. Dabei ist es unerheblich, ob es Gold-, Silber- oder Bronzemünzen sind. Immer wenn Konflikte ausbrachen, vergruben die Menschen ihr Geld. Und überall dort, wo geopolitische Verwerfungen stattfanden, gibt es eine Häufung solcher Hortfunde.

Fakt ist, dass es ein Buch namens Historia Augusta mit einer Sammlung von Biografien römischer Kaiser zwischen 117 und 285 n. Chr. gibt. Dieses Werk wurde von den Akademikern massiv kritisiert, die es einen Betrug und Erfindung nannten, weil es für das 3. Jahrhundert so viele Kaiser auflistete, von denen sie nie gehört hatten.

Einer dieser römischen Kaiser war Julius Saturninus (280 n. Chr.). In Ägypten entdeckte man einen Hortfund mit Münzen aus dieser chaotischen Bürgerkriegsphase, in der sich nur wenige Kaiser zwei Jahre halten konnten und viele von ihnen nur Wochen. In dem Fund waren auch zwei Saturninus Auri. Dies war der Beweis dafür, dass die Akademiker bezüglich der Historia Augusta falsch lagen, genauso wie sie auch bei Homer falsch lagen, den sie ebenfalls als Fiktion verworfen hatten, bis Heinrich Schliemann (1822 – 1890) Troja, Mykene, Theben usw. entdeckte.

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Bis zum heutigen Tag und ungeachtet all der Beweise, die bisher an die Oberfläche traten, versuchen einige Akademiker immer noch, die Historia Augusta zu demolieren, weil es ihnen genau wie dem Staat unglaublich schwer fällt, Fehler einzugestehen. Sie können ihre Behauptungen nicht beweisen – also wird einfach irgendetwas erfunden.

Diese ganze Forschung ist faszinierend gewesen. Beim Ersten und Zweiten Weltkrieg und der Sueskrise strömte das Kapital in den US-Dollar. Doch als die Kubakrise stattfand, floh das Kapital aus den USA in Richtung Europa. Während des Koreakriegs und des Vietnamkriegs stieg Gold nicht, aber der Dollar fiel im Wert, vornehmlich aufgrund der Inflation.

Das Entscheidende ist: Kriege haben nicht zur Folge, dass Gold nachhaltig steigt. Ein Krieg sorgt dafür, dass das Kapital aus der Konfliktregion abgezogen wird. Wenn es im Nahen Osten eine Krise gibt, dann ist davon auszugehen, dass Öl und Gold gemeinsam im Preis steigen – aber das wird nicht der Auslöser für einen nachhaltigen Ausbruch sein. Für einen richtigen Goldpreisausbruch muss die Mehrheit beginnen, sich der Staatsschuldenkrise gewahr zu werden und die Nachhaltigkeit des Weltfinanzsystems zu hinterfragen.

Wenn es zur Umschichtung von staatlichen Vermögenswerten in Richtung privater Vermögenswerte kommt, werden wir erleben, wie Gold seinen Ausbruch einleitet. Vergessen Sie all die Inflations- und Kriegsszenarios. Diese sind nicht nachhaltig und sorgen aus historischer Sicht nur für kurze Rallys, denen ein Marktkollaps folgt, bei dem der Wert wieder auf das ursprüngliche Niveau absinkt.

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