USA können nur verlieren: Syrien-Krieg würde nächste Phase der Staatsschuldenkrise einleiten

Martin Armstrong, Armstrongeconomics.com, 09.09.2013

Die USA sind darauf angewiesen, dass irgendjemand ihre Schulden kauft. Das ist die Staatsschuldenkrise – und sie hat die USA verwundbar gemacht, da die Vereinigten Staaten in internationalen Angelegenheiten in Wirklichkeit nicht mehr unilateral agieren können, so wie es Obama derzeit versucht.

Die USA sind darauf angewiesen, ihre Schulden zu verkaufen, und aktuell werden rund 40% von internationalen Anlegern gehalten. Obamas Politik geht für die Wirtschaft mit enormen langfristigen Kosten einher.

Die Entscheidungsfindung der Regierungsvertreter ist, gelinde gesagt, nicht langfristig strategisch ausgerichtet. Sie denken immer nur darüber nach, wo sie ihren Fuß als nächstes hinsetzen – immer ein Schritt nach dem anderen. Im Grunde gibt es überhaupt kein langfristiges Management. Was haben wir mit diesem Krieg zu gewinnen? Sie sind nicht in der Lage, die Zusammenhänge zu erkennen. Sie stellen sich nie die Frage, ob sie überhaupt in die richtige Richtung laufen.

Aus langfristiger Sicht ist die Syrien-Krise bedeutend ernster und tiefgreifender, als die Menschen gemeinhin glauben. Die USA schneiden sich hier im Grunde ihre eigene Kehle durch. Wie kann man davon ausgehen, dass einem andere Länder die Schulden abkaufen, wenn man sich wie ein durchgeknallter Schurkenstaat aufführt?

Sie sind einfach nicht in der Lage, das große Ganze zu erfassen. Die Regierung handelt nicht vernünftig oder dynamisch. Sie handeln immer nur geradeaus, ohne dabei nach links oder rechts zu sehen. Ja hören Sie sich durch doch nur den Müll an, der aus dem Mund des US-Außenministers Kerry kommt, und vergleichen Sie das einmal mit den Dingen, die er über Vietnam gesagt hat. Kerry steht für gar nichts. Es geht immer nur um das Thema direkt vor seiner Nase. Das ist auch der Grund, warum solche Leute in der Regierung anzutreffen sind. Für den Privatsektor haben sie praktisch keine Bedeutung, da sie nicht dynamisch agieren können.

Und dann gibt es noch diejenigen in der Regierung, die begriffen haben, dass die USA jetzt auf ausländisches Kapital angewiesen sind, um zu funktionieren. So wie Russland Europa dank der Energieversorgung in der Hand hat, hat China die USA mit ihren Schulden in der Hand.

Und das ist auch der Grund dafür, warum einige in der Regierung nun ein Auge auf die Rentenfonds geworfen haben. Nein das ist kein Unsinn – aus ihrer Sicht geht es dabei um die nationale Sicherheit. Hinter den Kulissen wird dieses Thema als Stützungsmaßnahme ernsthaft in Erwägung gezogen.

Sie schauen, was andere Länder machen. Argentinien ist mit der Beschlagnahmung der Pensionsfonds davongekommen. Und in Brasilien ist es erst wenige Jahre her, als sie von den Renten der Menschen einfach die Nullen wegstrichen. Wenn die USA nicht mehr länger in der Lage sind, ihre Schulden zu verkaufen, werden sie die Renten einfach einkassieren. Und da sich diese Rentenersparnisse auf USD 17 Billionen belaufen, können sie damit die gesamte Staatsverschuldung tilgen und das Problem ist gelöst.

Das ist die reale Gefahr des Syrienkonflikts – wenn man hier einmal davon absieht, dass Putin zurzeit noch im Weg steht. Putin ist gerissen. Die USA sind in Ungnade gefallen, da sie sich nach der Rezession der Jahre 2007 bis 2011, unter der die ganze Welt zu leiden hatte, weigerten, irgendetwas gegen die New Yorker Banker zu unternehmen.

Die New Yorker Banker wurden zu den „Unberührbaren“ – aus Sicht des Auslands ist das der Zusammenbruch des Respekts und Vertrauens gegenüber den USA. Und dann gab es keine Massenvernichtungswaffen im Irak. Und nehmen wir hier noch die Tatsache hinzu, dass die NSA die Vereinten Nationen, das Europäische Parlament und wer weiß wen noch alles abgehört hat.

Das Image der USA vom Retter der Welt verwandelt sich derzeit in das Image eines arroganten bösen Imperiums. Aber da die Regierungsvertreter nicht in den Spiegel schauen, sehen sie das natürlich nicht.

Befragung von J. P. Morgan v. 18. u. 19.12.1912 im Banken- und Währungsausschuss des US-Repräsentantenhauses durch den berüchtigten Ausschussanwalt Samuel Untermyer (1858 – 1940):

Untermyer: Basiert gewerblicher Kredit nicht hauptsächlich auf Geld oder Eigentum?
Morgan: Nein Sir, das Wichtigste ist zunächst einmal Charakter.
Untermyer: Vor Geld oder Eigentum?
Morgan: Vor Geld oder irgendetwas anderem … ein Mann, dem ich nicht traue, würde von mir für alle Anleihen der Christenheit kein Geld bekommen.“

Die wichtigste Regel im Geschäftsleben ist: Man macht nie Geschäfte mit jemanden, dem man nicht vertraut, weil Verträge rein gar nichts zu bedeuten haben. Das hatte J.P. Morgan auch dem Staatsanwalt Samuel Untermyer zu erklären versucht, als er für eine Befragung vor den Kongress gezerrt wurde. Untermyer war ein zwielichtiger Staatsanwalt, der von Wirtschaft keine Ahnung hatte, und seine Fragen an Morgan unterstreichen das nur.

Die USA begreifen einfach nicht, dass dieser unilaterale Angriff auf Syrien die nächste Phase der Staatsschuldenkrise einleiten wird, was letztlich dazu führen wird, dass die Renten der US-Bürger beschlagnahmt werden, wenn die USA ihre Schulden nicht mehr länger an ausländische Regierung verkaufen können.

Wenn die USA Syrien angreifen, werden zahllose Gruppen über viele Jahre hinweg Vergeltungsschläge durchführen. Die USA werden dann richtig gehasst werden. Selbst die inländischen Umfragen zeigen, dass 69% der Amerikaner Obama nicht unterstützen […] Obama schert das nicht. Sie setzen darauf, dass die Amerikaner bis zur nächsten Wahl alles wieder vergessen haben. So denken sie. Es ist eine Schande. Aber genau das ist es, was das Volk bekommt, wenn Menschen ohne jede praktische Erfahrung in Machtpositionen gelangen.

Krieg – bullisch oder bärisch?

Viele Menschen sagen, dass es zu einem Aktienmarktcrash kommt, wenn Obama gegen Syrien in den Krieg zieht. Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass Krieg keine bedeutenden Rückgänge am Aktienmarkt zur Folge hat.

Im Folgenden sehen Sie einen Chart des Dow Jones während des Golfkriegs 1991. Der Markt legte eine Rally hin, nachdem der US-Kongress den Einsatz militärischer Mittel autorisiert hatte.

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Es wird davon ausgegangen, dass die Menschen ihre Aktien auf den Markt werfen und die Flucht in Richtung Qualität antreten, was in diesem Fall Anleihen wären. Doch es ist unwahrscheinlich, dass eine solche Flucht in Qualität stattfinden wird. Wir befinden uns jetzt in einer sehr interessanten Situation, weil dieses Ereignis dazu führen könnte, dass sich Staatsanleihen als Ziel für eine solche Flucht verabschieden. Wenn die Regierung in den Schuldenmärkten jedwede Glaubwürdigkeit verloren hat, sind Unternehmensanleihen auf einmal viel sicherer als Staatsschulden.

Es steht außer Frage, dass Obama derzeit alles daran setzt, um seiner Autorität Geltung zu verschaffen – und das obwohl 59% der US-Bürger gegen ihn sind und 69% der Amerikaner nicht glauben, dass Syrien irgendetwas mit der nationalen Sicherheit zu tun hat. Obama schert es nicht im Geringsten, was die Menschen wollen, da er nicht zur Wiederwahl antritt, aber die kommenden Ereignisse werden einen maßgeblichen Einfluss auf die Wahlen in 2016 haben, weil Obama in Syrien keinen begrenzten Militärschlag versuchen wird, bei dem die syrische Regierung intakt bleibt. Er zielt darauf ab, die syrische Regierung zu entmachten – alles wegen der Gaspipeline.

Es wird also ein eskalierendes Ereignis sein – kein einmaliger Militärschlag. Wäre es ein begrenzter Einsatz, würde Obama jetzt schon zurückweichen. Er setzt auf einen Vergeltungsschlag Syriens, vielleicht in Form eines Angriffs auf ein amerikanisches Schiff. So bekommt Russland unter dem Deckmantel des Syrien-Konflikts die Chance, seine Systeme gegen die Amerikaner zu testen. Für Russland ist es eine Win-win-Situation – eine Übung unter Realbedingungen.

Syrien ist aber kein wichtiger Ölproduzent. Es wird für die Pipeline benötigt. Aus historischer Sicht ist Syrien bereits seit der Antike von Bedeutung, da damals schon die Seidenstraße durch das Land führte. Es ist die bedeutende Schnittstelle zwischen Ägypten und Europa.

Wenn ich Putin wäre, würde ich die Krise als große Chance auffassen und gegenüber meinem Hauptfeind – Amerika – die Muskeln spielen lassen. Obama ist entweder gehirnamputiert oder er begreift, welche realen Risiken mit einem Angriff auf Syrien einhergehen. Die Unterstützer Syriens würden sich die Hände reiben. Und obwohl 59% der Amerikaner gegen diesen Schwachsinn sind, scheint Obama händeringend zu versuchen, Syrien zu attackieren. Er setzt auf einen Vergeltungsschlag der Syrer, und das wird die Ausrede sein, um den Krieg auszuweiten.

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