Neustart des Finanzsystems: Warum wir Gold halten

Tim Price, Sovereignman.com, 10.10.2013

Trotz der fast 17 Billionen Gründe gibt es immer noch Anleger, die dumm genug sind, zu glauben, dass es sich bei den Schulden, die vom weltgrößten Schuldnerland ausgegeben werden, um risikofreie Vermögenswerte handelt.

Das ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass ein möglicher formeller Zahlungsausfall nur noch wenige Tage weg ist.

Die Verteidiger von US-Staatsanleihen werden jetzt zweifelsohne darauf verweisen, dass es völlig absurd ist, zu glauben, es könnte in einer Fiatgeld-Welt – in der die Zentralbanker über die Freiheit verfügen, ohne Beschränkungen so viel Geld zu drucken, wie ihnen lieb ist – zu einem Zahlungsausfall kommen.

Ja richtig, aber hier werden die nominellen Zinsen mit den Realzinsen durcheinandergebracht.

Ja, die Fed kann ihre Bilanz über die USD 3 Billionen hinaus, die sie bisher bereits aus dem Hut gezaubert hat, unendlich weiter ausdehnen. Vor einer Dollarverknappung braucht die Welt daher keine Angst zu haben.

Aber genau das ist der Punkt. Die Fed kann die Dollarversorgung kontrollieren, aber sie ist nicht in der Lage, den Wert des Dollars an den Devisenbörsen zu kontrollieren.

Der einzige Grund, warum die quantitativen Lockerungsmaßnahmen der USA bisher noch nicht zu einem dramatischen Dollarverfall geführt haben, ist, weil die anderen großen Wirtschaftsblöcke mit genau denselben Tricks arbeiten. Dadurch ist es praktisch unmöglich, eine rationale internationale Investmentanalyse durchzuführen.

Und das ist auch der Grund, warum wir Gold besitzen – weil es eine Währung ist, die weder von der Fed noch von irgendjemand anders gedruckt werden kann.

Der unermüdliche Ronald Stöferle von Incrementum in Lichtenstein hat sein jüngstes umfang- und aufschlussreiches Gold-Chartbuch veröffentlicht.

Vergleicht man die aktuelle Goldpreisentwicklung mit der Korrektur der Jahre 1974 bis 1976, stellt man fest, dass die jetzigen Abverkäufe (also von September 2011 bis heute) nichts Neues sind. Die entscheidende Frage ist vielmehr, ob die finanzielle Lage und die Schuldensituation heute besser sind als in 70er Jahren.

Wir würden eher sagen, dass die Schulden-Fundamentaldaten heute objektiv betrachtet schlimmer sind.

Chart1

Den tatsächlichen Wert von Gold zu ermitteln, ist offensichtlich ein schwieriges Unterfangen, aber wenn wir Gold einfach wie irgendeinen anderen Rohstoff behandeln, dann unterscheidet sich der jetzige Abverkauf kaum von irgendeinem der vorangegangenen Abverkäufe während des aktuellen Bullenmarkts:
Chart2Und um hier gleich auf den Punkt zu kommen: Der Goldbesitz macht Sinn, weil die Währungen bis zur Vernichtung gedruckt werden; der langfristige Trend bei Papiergeld (in Gold ausgepreist) bleibt nach wie vor vollumfänglich intakt.

Chart3Es macht natürlich keinen Sinn, über Gold als mittelfristige Währungs-Versicherung zu sprechen, ohne dass man sich eingesteht, wie groß das Problem der US-Verschuldung, die sich aktuell auf knapp USD 17 Billionen beläuft, mittlerweile geworden ist.

Was bei der absurden und zunehmend gefährlicheren Debatte über die Anhebung der US-Schuldenobergrenze auch noch geschehen mag, am grundlegenden Problem des gesamten westlichen Wirtschaftssystems ändert das nichts.

Irgendwann ist Zahltag. Und irgendwer wird dafür bezahlen müssen.

Aber wer wird das sein? Die Grundpfeiler der westlichen Wirtschaftspolitik können eigentlich auf fünf Wörter heruntergebrochen werden: Die Ungeborenen könnten nicht wählen gehen.

Die Regierungen haben über Jahrzehnte hinweg weit über ihre Verhältnisse gelebt und müssen jetzt den Gürtel enger schnallen. Die Steuern werden mit Sicherheit weiter steigen und die Sozialsysteme werden mit Sicherheit zurückgefahren – speziell für die künftigen Generationen.

Selbst wenn es den westlichen Regierungen gelänge, ihre krankhaften Ausgaben ohne eine chaotische Marktkrise in den Griff zu bekommen, wird ihr Vermächtnis noch von künftigen Generationen gespürt werden.

Der Schuldenberg kann und wird sich nicht von alleine in Luft auflösen. Und noch einmal: Das ist der Grund, warum wir Gold halten; weil wir glauben, dass eine nicht unerhebliche Chance darauf besteht, dass es zu einem gigantischen Neustart des Finanzsystems kommen wird.

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