Globaler Finanzsturm: Hier braut sich was zusammen

Charles Hugh-Smith, Of Two Minds, 28.10.2013

Derzeit zieht ein Finanzsturm auf, der unheilvoll den Horizont verdunkelt. Und während die Finanzmedien und die Organe der Staatspropaganda weiterhin den blauen Himmel einer Wirtschaftserholung und steigender Unternehmensgewinne prognostizieren, sprechen die Fakten gegen diese rosarosten Prognosen: Die Indikatoren, die Aufschluss über die Finanz- und Wirtschaftsaktivität geben, trüben sich weltweit ein, während die finanz- und geldpolitischen Lösungen für all diese Missstände (die massive Ausweitung von Kredit und defizitären Ausgaben) dabei versagt haben, irgendeine der strukturellen Ursachen für die Finanzkernschmelze des Jahres 2008 anzugehen.

Dieses Scheitern, die Ursachen der Finanzkernschmelze des Jahres 2008 anzugehen, ist an sich schon katastrophal, aber der Status Quo hat die bevorstehende Katastrophe durch die Verstärkung genau dieser Ursachen nun sogar noch schlimmer gemacht: Exzessive Kreditschaffung; weitflächige Fehlallokation von Kapital; ein undurchsichtiges Bankensystem, das aus exzessiven Fremdkapital und Phantom-Sicherheiten erschaffen wurde (also Risiken und Vermögenswerte, die systemisch falsch bewertet werden, damit Finanziers, Banker und ihre politischen Helfershelfer irrsinnige Profite abschöpfen können).

Das meine ich, wenn ich davon spreche, dass mehr von dem getan wird, was bereits spektakulär gescheitert ist.

Extreme führen unweigerlich zum Zusammenbruch, aber selbst das am stärksten verzerrte System verfügt immer noch über Rückkopplungsschleifen, die versuchen, die Bewegung in Richtung Katastrophe zu verhindern. Genauso wie der Körper versucht, die negativen Folgen einer fettigen Fast-Food-Ernährung abzumildern, verfügen auch unsere massiv verzerrten Finanz- und Politsysteme über einige Rückkopplungsschleifen, die versuchen, die zunehmenden Risiken abzumildern.

Diese miteinander interagierenden Kräfte machen es unmöglich, genau vorherzusagen, wann der Augenblick des Zusammenbruchs gekommen ist, ungeachtet der Tatsache, dass das systemische Scheitern unabwendbar bleibt. Der Systemkollaps lässt sich genauso wenig vorhersagen wie der Zeitpunkt, an dem das Herz einer fettleibigen unsportlichen Person, die nichts anderes als Fast-Food ist, den Geist aufgeben wird. Was sich hingegen vorhersagen lässt, ist dass die Chancen eines systemischen Scheiterns von Tag zu Tag größer werden.

Mehr von dem zu tun, was spektakulär gescheitert ist – das Aufblähen neuer Vermögensblasen im Immobilien-, Aktien- und Anleihemarkt mittels quantitativer Lockerungsmaßnahmen; Abschöpf-Operationen, die sich hinter tausenden neuen Seiten an Finanzregeln verbergen usw. –, ist so, als würde man eine fettleibige, unsportliche Person dazu drängen, den Berg hinauf zu sprinten. Anstatt das System zu reparieren, macht man weiterhin das, was sich bereits als Reinfall erwiesen hat, wodurch das System nur noch stärker belastet wird.

Aber selbst wenn das Finanzsystem um seine faulen Kredite und Phantom-Sicherheiten bereinigt würde, würde der Status Quo dadurch nur teilweise repariert werden, da es mittlerweile nicht nur das Finanzsystem ist, das bankrott ist: Die gesamte Wirtschaftsgrundlage der Industrieländer – der kreditabhängige Konsumismus – ist genauso bankrott und fertig wie das Finanzsystem.

Der Staat reagiert auf dieses Endspiel, indem er an Unternehmen wie auch Privatpersonen Sozialhilfe verteilt. Haben staatlich präferierte Sektoren im freien Markt keine Chance, erzwingt der Staat einen Kartell-Kapitalismus, der die Konzerne auf Kosten der Bürger bereichert. Und ist die staatliche Kartell-Wirtschaft nicht mehr länger in der Lage, für die Bürger bezahlte Arbeit zu schaffen, verteilt der Staat Sozialleistungen an die Bürger, wo sie im Grunde dafür bezahlt werden, zu Hause zu bleiben und sich zu bespaßen.

Dadurch werden das freie Unternehmertum und der gesellschaftliche Sinn des Einzelnen vernichtet – also die Möglichkeit, der Gemeinschaft und der Familie auf sinnvolle Art und Weise zu dienen und die eigenen Fähigkeiten voranzutreiben.

Der Status Quo ist daher nicht nur finanziell bankrott, sondern er ist auch moralisch bankrott.

Der Status Quo ist intellektuell genauso bankrott, wie er es finanziell ist. Unsere politische Führung kann sich gar keinen anderen Handlungsansatz vorstellen, als die Zentralbank-Kreditschaffung und die Ausweitung von staatlicher Kontrolle und Sozialleistungen, die mit Geldern bezahlt werden, die man sich von künftigen Generationen leiht.

Ich will hier mal eine gewagte Wette aufstellen: Diese fettleibige, unsportliche Person wird den zweiten Berg nicht schaffen, vom dritten oder vierten Berg ganz zu schweigen. Der Status Quo reagierte auf den Finanz-Herzinfarkt von 2008, indem er noch mehr von dem tat, was bereits spektakulär scheiterte. Mit dieser Injektion von Billionen Dollars, Euros, Yen, Renminbi usw. wurde das System genauso wiederbelebt, wie ein Schuss Nitroglyzerin eine lebensbedrohende Krise abwenden kann: Die Ursache der Krise wird nicht behoben, sondern das System erhält einfach ein klein wenig mehr Zeit.

Jetzt zieht der nächste weltweite Finanzsturm am Horizont auf. Mehr von dem zu tun, was spektakulär scheiterte, wird uns nicht ein zweites Mal retten, da das dafür notwendige Ausmaß an Phantom-Vermögenswerten und Vermögensblasen das System zum Einsturz bringen wird.

Der intellektuelle, moralische und finanzielle Bankrott gehen Hand in Hand. Hier zieht nicht nur ein Sturm auf – sondern es sind drei, und jeder heizt die Gewalt der anderen beiden nur noch mehr an.

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