Wirtschaftsdebakel: Europa versinkt immer tiefer in der Depression

Michael Snyder, The Economic Collapse, 31.10.2013

Die Arbeitslosenrate in der Eurozone ist so hoch wie nie zuvor. Ende Oktober erfuhren wir, dass die Arbeitslosenrate in der Eurozone im Monat September auf ein neues Allzeithoch von 12,2% gestiegen ist. Im Januar 2012 lag sie noch bei 10,4%. Jeder, der glaubt, dass sich die Lage in Europa bessert, macht sich also nur etwas vor. In Wirklichkeit wird die Wirtschaftsdepression in Europa von Tag zu Tag schlimmer.

Das Lustige an der Sache ist, dass die Massenmedien ja noch nicht einmal von einer europäischen „Rezession“ sprechen, und das obwohl die Arbeitslosenraten in Spanien und Griechenland mittlerweile bedeutend höher sind als die Arbeitslosenrate in den USA während der „Großen Depression“ der 1930er Jahre.

In den Medien gab es in jüngster Zeit nur wenige Meldungen zur europäischen Finanzkrise, da die EZB die Schuldenprobleme der Peripherieländer – zumindest für den Augenblick – übertüncht hat, aber die wirtschaftliche Lage für den einzelnen Europäer trübt sich unterdessen immer weiter ein. In diesem Artikel werden Sie auch von einem 25-jährigen Spanier lesen, der drei Universitätsabschlüsse hat und auf seiner verzweifelten Suche nach Arbeit nach London gezogen ist, wo er nun Toiletten saubermacht, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen.

Der Wirtschaftszusammenbruch Europas hält weiter an und es ist kein Ende in Sicht. Alles, was man tun muss, ist, sich die jüngst Arbeitslosenzahlen anzuschauen, und schon wird einem klar, dass sich die Lage Europas immer weiter eintrübt.

Und die Daten zur Jugendarbeitslosigkeit in der Eurozone sind sogar noch entsetzlicher:

„Die Arbeitslosigkeit der unter 25-Jährigen stieg im September um 22.000 auf 3.548.000, wodurch die Jugendarbeitslosenrate auf 24,1% gestiegen ist. In Frankreich ist die Jugendarbeitslosenrate von 25,6% auf 26,1% gesprungen, während sie in Italien von 40,2% auf 40,4% stieg.“

Aber so schlimm diese Zahlen auch sein mögen, sie sind nichts im Vergleich zu dem, was sich derzeit in Spanien und Griechenland abspielt. In Spanien liegt die Jugendarbeitslosigkeit derzeit bei 56,5%, und in Griechenland ist sie auf 57,3% gestiegen.

Und natürlich ist die Arbeitslosigkeit nicht das einzige Problem, mit dem die europäische Wirtschaft derzeit zu kämpfen hat. Im Folgenden finden Sie einige weitere Fakten über die europäische Wirtschaft, die zeigen, dass die europäische Wirtschaftsdepression zunehmend schlimmer wird:

All diese Zahlen sind jedoch nicht in der Lage, das unglaubliche Leid und die Hoffnungslosigkeit zu vermitteln, unter denen zurzeit zig Millionen Europäer leiden. Nehmen wir beispielsweise den 25-Jährigen Spanier Benjamin Serra Bosch, der auf seiner verzweifelten Suche nach Arbeit nach London zog. Er hat drei Universitätsabschlüsse, darunter auch einen Master der IEBS Business School in Barcelona. Das Folgende ist eine grobe Übersetzung eines Beitrags von ihm, den er jüngst auf Facebook gepostet hat:

„Ich heiße Benjamín Serra, ich habe zwei Bachelor-Abschlüsse und einen Master-Abschluss, und ich mache Toiletten sauber.

Nein, das ist kein Witz. Ich mache es, um die Miete für mein Zimmer in London zu zahlen.

Seit Mai arbeite ich Großbritannien in einer bekannten Cafe-Kette, und jetzt, nachdem ich seit fünf Monaten hier arbeite, sah ich es klar und deutlich: Ich habe Toiletten saubergemacht. Ich dachte mir: ´Ich habe meine zwei Abschlüsse mit Auszeichnung bestanden und mache in einem Land, das nicht mein eigenes ist, die Hinterlassenschaften anderer Leute weg.` Nun gut, ich bereite auch Kaffee zu, wische die Tische ab und mache die Tassen sauber.

Ich schäme mich nicht dafür. Saubermachen ist ein ordentlicher Job. Was mich beschämt, ist, dass ich es machen muss, weil mir in Spanien keiner eine Chance gegeben hat. Neben mir gibt es noch viele andere Spanier, speziell hier in London. ´Ihr seid eine Plage`, wurde mir hier schon einmal gesagt. Und machen wir uns nichts vor: Wir sind keine jungen Leute, die sich auf einem Abenteuer befinden, um andere Sprachen zu lernen und neue Erfahrungen zu machen. Wir sind Immigranten.

Ich bin immer sehr stolz gewesen, das werde ich auch nicht abstreiten. Die, die mich kennen, wissen das auch. Und ich muss die Kunden anlächeln, die an mir vorbeischauen, da ich einfach nur ein ´Barista` bin (wie es hier genannt wird). Einige sind so unverschämt, dass ich am liebsten meinen Universitäts- und Masterabschluss herausholen und ihnen ins Gesicht halten würde. Aber das würde auch nichts ändern. Es scheint, als seien diese Titel nur ausreichend, um die Hinterlassenschaften der Gäste in der Toilette des Kaffees wegzumachen. Was für eine Schande.

Ich dachte, dass ich nach so vielen Anstrengungen in meinem akademischen Leben etwas Besseres verdient hätte. Es scheint, dass ich damit falsch lag.“

Und da sich der wirtschaftliche Niedergang überall in Europa weiter fortsetzt, macht sich bezüglich des „europäischen Experiments“ immer mehr Ärger und Frustration breit. Nigel Farage von UKIP brachte diese Ressentiments während einer Rede vom 23.10.2013 deutlich zum Ausdruck, als er sagte: „Wir wollen diese [EU-]Flagge nicht. Wir wollen die [EU-]Hymne nicht, bei der Sie gestern alle strammstanden, wir wollen die EU-Reisepässe nicht, wir wollen keine politische Union.“

Bedauerlicherweise ist die Elite Europas von ihrem kleinen Experiment so besessen, dass die einzigen „Lösungen“ für diese wirtschaftlichen Probleme, über die sie nachzudenken bereit sind, immer auf eine stärkere europäische Integration hinauslaufen.

Und die Amerikaner sollten besser nicht abfällig auf Europa blicken. Was sich aktuell in Italien, Frankreich, Spanien und Griechenland abspielt, wird früh genug auch in den USA stattfinden. Fakt ist, dass die Armut in den USA explodiert, und das obwohl wir uns derzeit inmitten der sogenannten „Wirtschaftserholung“ befinden.

Noch nie ähnelte die wirtschaftliche Lage in den USA und Europa der Situation des Jahres 2008 so stark wie heute, während die nächste große Welle des Wirtschaftszusammenbruchs immer näher rückt. Das ist erst der Anfang. Die kommenden Jahre werden noch viel schlimmer werden.

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